Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

bild: shutterstock

So fühlt die Schweiz

Was fühlen wir am häufigsten? Welche Gefühle stehen für eine psychisch stabile Verfassung? Und über welches Gefühl wird am wenigsten geredet? Eine neue Studie gibt Antworten darauf. Das sind die acht wichtigsten Punkte.



Erstmals wurde das emotionale Spektrum der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer untersucht. Im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz befragte die Forschungsstelle sotomo rund 9000 Menschen zu ihrer Gefühlslage.

Das sind die spanndendsten Erkenntnisse:

Diese Emotion führt die Hitliste an

Auf Platz eins schafft es das Gefühl der Zufriedenheit. Rund 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich im letzten Jahr zufrieden gefühlt haben. An letzter Stelle steht der Ekel.

Die Studie zeigt, dass sich eine positive Gefühlswelt vor allem auf ein paar wenige Emotionen wie Zufriedenheit, Dankbarkeit und Freude stützt. Geht es einem jedoch schlecht, ist die Bandbreite der negativen Emotionen viel grösser. Von den am häufigsten genannten Emotionen waren 29 negativ, 18 positiv.

So viele Gefühle fühlen wir «durchschnittlich»

Die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer gaben im Durchschnitt sechs Gefühle (siehe Grafik oben) an, die sie besonders häufig fühlen. Neben diesen sechs sehr häufigen Emotionen kommen weitere acht dazu, die man punktuell oder in speziellen Situationen fühlt.

Bild

Sechs verschiedene Gefühle fühlen wir im Durchschnitt am häufigsten. bild: shutterstock

Wer am «meisten» fühlt

Die Studie bestätigt ein altes Vorurteil: Das emotionale Spektrum der weiblichen Befragten ist etwas grösser als das der männlichen. Frauen nannten im Durchschnitt knapp 16 Emotionen, während es bei den Männern nicht ganz 13 waren.

Auch das Alter hat einen grossen Einfluss auf das emotionale Spektrum. Mit zunehmendem Alter schrumpft die Vielfalt der wahrgenommenen Emotionen. Ein Beispiel: Für Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren spielen durchschnittlich elf negative Emotionen eine Rolle. Bei den über 75-Jährigen sind es nur noch vier. Die Studienautorinnen vermuten, dass die Erfahrung und Konstanz, die häufig mit dem Alter kommen, einen Einfluss auf die erlebten Emotionen haben.

Anzahl positiver und negativer Emotionen – nach Alter und Geschlecht

Bild

bild: screenshot/kampagne «wie geht's dir?»

So sieht die emotionale Landkarte aus

Die emotionale Landkarte zeigt noch einmal deutlich: Das emotionale Spektrum bei jüngeren Frauen ist mit Abstand am grössten. Die meisten Emotionen liegen im unteren linken Bereich. Die Karte zeigt auch, dass die meisten negativen Emotionen bei den Jüngeren stärker verbreitet sind als bei den Älteren.

Spannend ist unter anderem das Gefühl «Himmelhochjauchzendzutodebetrübt». Gemäss Studienautorinnen wurde dieses Gefühl am einseitigsten von weiblichen Befragungsteilnehmerinnen genannt. Es stehe «exemplarisch für ein intensives emotionales Erleben», heisst es in der Studie.

Zur Studie

Die von Deutschschweizer Kantonen und Gesundheitsorganisationen lancierte Kampagne «Wie geht's dir?» möchte die Menschen dazu motivieren, offener über ihre Gefühle zu reden. Im Rahmen dieser Kampagne wurde 20. bis 27. Mai 2020 eine Studie durchgeführt. Dabei bildete die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Deutschschweiz die Grundgesamtheit.

Insgesamt wurden rund 9279 Personen zu ihren Emotionen befragt. Rekrutiert wurden die Studienteilnehmerinnen einerseits über watson, andererseits über das Online-Panel der Forschungsstelle sotomo. Um möglichst repräsentative Ergebnisse zu erhalten, wurde die Stichprobe im Nachhinein kalibriert.

Diese drei Gefühle stehen für eine stabile psychische Verfassung

Bei Personen, denen es psychisch nicht gut geht, stehen andere Emotionen im Vordergrund als bei psychisch stabilen Menschen. Wer sich selbst in einer guten psychischen Verfassung sieht, nannte die folgenden drei Gefühle am häufigsten:

Dazu schreiben die Studienautorinnen: «Diese drei Gefühle sind so etwas wie die Säulen einer guten, stabilen psychischen Verfassung. Denn dazu braucht es ein robustes Ich (Selbstbewusstsein), das in seinem Umfeld gut aufgehoben ist (Geborgenheit) und sich emotional regenerieren kann (Entspanntheit). »

Wann die Hoffnungslosigkeit am grössten ist

Wer mitten in der Nacht an der Studie teilnahm, befand sich viel häufiger mitten in einer negativen Gefühlslage. Zwischen vier und fünf Uhr in der Nacht kommt es zu einem Peak. Dann ist das Gefühl der Hoffnungslosigkeit besonders gross. Der Anteil der positiven Gefühle hingegen ist zwischen 18 und 19 Uhr abends am häufigsten.

Diese Gefühle sind tabu

Fühlen tut jeder. Doch darüber sprechen ist etwas anderes. Die Studie zeigt, dass viele Menschen über bestimmte Gefühle ungern sprechen – vor allem wenn sie negativ sind. Am liebsten geredet wir über die Gefühle «Bewunderung» oder «Stolz». Am verpöntesten sind «Hoffnungslosigkeit» und «Scham».

Bild

Wut merkt man den Menschen ziemlich schnell an. bild: shutterstock

Etwas anders sieht es bei den Gefühlen aus, die man jemandem am leichtesten anmerken kann. Da führen «Freude» und «Wut» die Liste an. Sie sind die beiden expressivsten Gefühle überhaupt. Ganz im Gegenteil die Einsamkeit. Diese Empfindung merkt man den Menschen in der Deutschschweiz am wenigsten an.

Die Deutschschweizer Bevölkerung hat durchaus ein breites Spektrum an Gefühlen, doch es wird noch lange nicht über alle gesprochen. Am meisten zur Sprache kommen unproblematische Emotionen wie «Freude», «Belustigung», «Zufriedenheit» und «Vergnügen».

Das Corona-Paradox

Da die Studie Ende Mai durchgeführt wurde, wurden die Studienteilnehmerinnen auch zu ihrer Gefühlslage während der Coronakrise befragt. Die Studienautorinnen fanden dabei ein Corona-Paradox: Die globale Pandemie hat bei der Deutschschweizer Bevölkerung mehr positive als negative Gefühle gefördert. Doch die allgemeine Stimmungslage hat sich verschlechtert. Wie das zusammengeht, liest du hier ⬇️:

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Baracks Emotionen

Von Emotionen überwältigt: Mann sieht zum ersten Mal Farbe

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Demetria 09.07.2020 13:33
    Highlight Highlight Würd mich mal interessieren wie sich das nach Bevölkerungsschicht gestaltet. Klar, wer es sich leisten kann seine Tage mit Yoga und Backen zu füllen und dann auf Instagram die fetten Likes abräumt wird etwas anderes schreiben als jemand der schlicht am Anschlag ist und vor Geldsorgen nicht schlafen kann. Einen Vorteil hats: man muss die Selbstgefälligkeit der Mittelschichtler nicht mehr ertragen und sich keine bescheuerten Vorträge über Achtsamkeit und Pilates mehr anhören. Achtsamkeit zahlt keine Rechnungen. Es nervt nur und ist kaum mehr als schlecht getarnte Ignoranz für echte Probleme.
  • Cirrum 08.07.2020 14:52
    Highlight Highlight Wir leben in einem System, in dem es schwierig ist, die Realität zu geniessen, weil wir uns viel zu viele Gedanken über die Zukunft machen. (Pensionskasse, Krankenkasse, Versicherungen, Ferien und und und.)
    Wir haben auch eine zu grosse Auswahl, dass wir nie zufrieden sind, weil die andere Option evt. die Bessere gewesen wäre...
    Länder die dies nicht haben, leben den Tag, pflegen die Familienbeziehungen, weil sie im Alter nur diese haben, Leben im hier und jetzt und erfreuen sich an viel kleineren Dinge.
  • mrgoku 08.07.2020 13:52
    Highlight Highlight Fazit: Die CH ist das Vorzeigeland für Jammeris

    mimimimimimimimimimi
  • jackthebee 08.07.2020 13:34
    Highlight Highlight Kann es aber nicht auch sein, dass die Differenz der erlebten Emotionen bei den versch. Altersgruppen damit zu tun hat, dass jüngere Generationen einen einfacheren Zugang zu ihren Gefühlen haben. Ich meine, Psychotherapie ist akzeptierter geworden, genau so wie psychische Krankheiten. Man spricht offener über "Anxiety", Depressionen, Introvertiertheit etc. noch bei meinen Eltern war man halt einfach hysterisch oder launisch und sollte "sich halt eifach zämärisse".
  • mrgoku 08.07.2020 13:34
    Highlight Highlight Hilflosigkeit am meisten um 3 Uhr morgens?

    Nach dem Clubbing oder wie? :o
    • MacB 08.07.2020 14:44
      Highlight Highlight Hast du dich noch nie gefragt, wo du um die Uhrzeit die Pille danach bekommst? ;)
  • De-Saint-Ex 08.07.2020 13:20
    Highlight Highlight Ach ja... Umfragen. Wieviele Teilnehmer wohl in der Lage sind Gefühle von Emotionen zu unterscheiden? Aber schön haben wir darüber geredet ;-)
  • John Steam in the snail hole 08.07.2020 12:13
    Highlight Highlight Scheinbar sind insbesondere bei jungen Frauen negative Gefühle besonders stark, das tut mir irgendwie leid und ich rätsle nach dem Grund. Ich zu meinem Teil zerbreche zeitweise beinahe an meinen Einsamkeitsgefühlen, obwohl ich sozial gut eingebettet bin. Die Corona-Zeit und der Kantonswechsel unmittelbar davor haben dieses Gefühl noch verstärkt. Obwohl das Bewusstsein mittlerweile da sein sollte, über negative Gefühle, insbesondere die "peinlichen" (Einsamkeit, Unsicherheit, Angst, Scham) wird nach wie vor nicht gesprochen und man kommt sich damit alleine, ausgestossen und wertlos vor.
  • Lowend 08.07.2020 11:08
    Highlight Highlight Schön zu wissen, dass Zufriedenheit, Dankbarkeit, Freude, Liebe, Interessiertsein und Entspanntheit zu den wichtigsten Gefühlen der Schweizer gehören!

    Die Frage, die sich mir dabei stellt ist aber, warum die Menschen diese wunderschönen Gefühle im Berufsverkehr so gut verstecken, dass man nur noch Platz 4 Müdigkeit und Platz 8 Stress wahrnimmt? 🤔
    • Theor 08.07.2020 12:36
      Highlight Highlight Ich glaube, wir sind einfach ein Volk voller "Jammeris". Im Alltag können wir wunderbar darüber jammern, was alles nicht stimmt in unserem Leben. Erst wenn wir uns im Rahmen einer Studienbefragung vertieft mit unserer Situation auseinandersetzen müssen, kommen wir pointiert zum Schluss, dass es uns doch eigentlich nicht so schlecht geht. Und morgen gehts wieder zur Arbeit zum jammern.
  • c-bra 08.07.2020 10:42
    Highlight Highlight English speaking person: if only there was a word to describe my alternating extreme state of mind.

    Germans: hold my beer...

    Himmelhochjauchzendzutodebtrübt
  • obi 08.07.2020 10:38
    Highlight Highlight Der Spider stimmt nie und nimmer. Müdigkeit ist immer am Morgen beim Aufstehen am grössten.
    ...
    Or is it just me?? :-D
    • pluginbaby 08.07.2020 11:00
      Highlight Highlight Bis man Kinder hat, dann ist der Tag eine einzige Skala der Müdigkeit von dunkelgrau bis schwarz 😅
    • gaba 08.07.2020 21:49
      Highlight Highlight Yep. Just you and me.
      Alle, die ich sonst kenne, sind morgens top fit.
  • pnao 08.07.2020 10:37
    Highlight Highlight "Himmelhochjauchzendzutodebetrübt" bitte was? 😂

Warum junge Menschen schwer am Coronavirus erkranken

Zu den Risikogruppen der Lungenerkrankung Covid-19 zählen vor allem ältere Menschen. Doch immer mehr jüngere Infizierte entwickeln einen schweren Verlauf. Woran das liegen könnte, hat eine Studie aus den USA untersucht.

Das Coronavirus verursacht bei Senioren häufiger schwere Krankheitsverläufe als in anderen Altersgruppen. Der Anteil der jüngeren Menschen ist jedoch nicht so gering wie zu Beginn der Pandemie erwartet. Auch sie können schwer an Covid-19 erkranken.

Aktuelle Daten aus den USA zeigen, dass sich seit April der Anteil junger Corona-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden mussten, deutlich erhöht hat. So gab es dort laut der Seuchenschutzbehörde CDC bis Mitte April 8.7 …

Artikel lesen
Link zum Artikel