Schweiz
Zürich

Nacktgemälde in Zürcher Freibad wird hinter Sichtschutz versteckt

«Diese Zensur ist ein Skandal»: Zürcher Badi versteckt Nacktgemälde

01.06.2026, 11:0801.06.2026, 11:08

Im Zürcher Freibad Letzigraben hängt ein Bild, welches die Stadt für so anstössig hält, dass sie es versteckt. Der betroffene Künstler fasst das als Zensur auf.

Im Ausstellungsraum des von Max Frisch errichteten Freibads zeigt der Kulturverein Bilder des Berliner Künstlers Sigurd Wendland. Das Gemälde «Hide away» sei jedoch nichts für die Augen von Kindern und Jugendlichen. Mithilfe einer Plastikfolie hinter der Glasscheibe der Ausstellung wurde nun ein Sichtschutz errichtet. Dies berichtet die NZZ.

Das Gemälde mit nackten, sich windenden Frauen, Männer und Kindern ist eine Adaption von Ferdinand Hodlers «Die Nacht». Dass dieses nun versteckt wird, empfindet Sigurd Wendland als Affront. «Diese Zensur ist ein Skandal», sagt er der «NZZ».

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Wendland verarbeite in seinen grossen Ölbildern gesellschaftliche Themen wie die Pandemie oder Krieg, schreibt die «NZZ». Er sei bekannt dafür, immer wieder nackte Menschen abzubilden. Mit dem Bild «Hide away» verarbeite der Künstler die gesellschaftliche Tendenz der Selbstzensur. «Viele Leute getrauen sich nicht mehr, frei ihre Meinung zu sagen», sagt er der «NZZ».

Einen Tag nach der Vernissage – getitelt: «Nicht schon wieder Wirklichkeit!» – meldet sich der Bereichsleiter der Badi beim Kurator der Ausstellung, Sacha Serfözö. In einer Mail schreibt er Serfözö: «Ich gehe davon aus, dass dir bewusst ist, dass ein solches Bild im öffentlichen Raum, insbesondere an einem Ort mit Zugang für Kinder, nichts zu suchen hat.» Die Mail liegt der «NZZ» vor.

Der Sichtschutz sei errichtet worden, weil sich der Ausstellungsraum in einem Freibad befinde und nicht in einem Museum. Tobias Bernhard, Leiter Bade- und Eisanlagen beim Sportamt der Stadt Zürich, meint gegenüber der «NZZ»: «Wir unterstützen das Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Sport. Es kann für alle einen Mehrwert schaffen.» Aber: «Die Menschen kommen in erster Linie zum Baden zu uns.»

Sacha Serfözö, künstlerischer Leiter der Ausstellung, findet am Bild «absolut nichts anstössig.» Vielmehr sehe er Wendlands Werke als Bereicherung für die Badi und hätte auch noch keine Beschwerden von Gästen mitbekommen. So habe auch die Betriebsleitung des Freibads den Sichtschutz in Eigeninitiative errichtet. Etwas Positives habe das Ganze dennoch: Der zugeklebte Ausstellungsraum locke viel Publikum an, meint er gegenüber der «NZZ». (nil)

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Spitzbuab
01.06.2026 11:35registriert Oktober 2018
Nur wer verdorbene Gedanken hat sieht in allem etwas verdorbenes.
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Zürcheroberländer
01.06.2026 11:47registriert Februar 2026
Wo ist nun das anstössige? Zudem zeigt das Bild nicht viel mehr, als man in einer Stadtzürcher Badi auch sehen kann.
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CringeDaddy
01.06.2026 11:29registriert Februar 2022
Total prüde. Aber das Gemälde ist auch einfach schlecht…
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