Schweiz
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Sieht sich als Bauernopfer: Konrad Langhart, Präsident der SVP des Kantons Zürich, hat nach der Wahlschlappe vom vergangenen Sonntag seinen Rücktritt angekündigt, ebenso wie die beiden Vizepräsidenten, der Parteisekretär und dessen Stellvertreter. (Archivbild)

Müssen schwere Verluste hinnehmen: Roger Köppel und Konrad Langhart. Bild: KEYSTONE

Der abgetretene Zürcher SVP-Präsident kritisiert den Stil seiner Partei – und Roger Köppel



Konrad Langhart war während drei Jahren der Präsident der Zürcher SVP – bis er nach der Wahlschlappe vor zwei Wochen zurücktrat. Dies nachdem SVP-Übervater ein Machtwort gesprochen hatte.

In einem am Freitagabend erschienenen Interview mit dem Tages Anzeiger hat Langhart nun erhebliche Kritik an seiner Partei geäussert.

Gleich neun Sitze hat die SVP im Kanton Zürich verloren. Langhart meint, dass er lediglich eine kleine Mitschuld trage. Die SVP habe auch in allen anderen Kantonen verloren, so Langhart, und das läge an der Themensetzung der nationalen SVP. « [...] für die Themensetzung der SVP kann ich nichts dafür. Die Selbst­bestimmungsinitiative, die den Auftakt für unseren Wahlkampf hätte sein sollen, ist kläglich gescheitert.»

Langhart ist vor drei Jahren als Alternative zu Präsidiumskandidat Claudio Zanetti gewählt worden, der für seinen provokative Art zu politisieren bekannt ist. Man habe gewusst, so Langhart, «dass ich für die etwas andere SVP stehe, die konstruktiv mitarbeitet und nicht nur provoziert und immer zuerst einmal Nein sagt.»

Dieser Stil käme im Zürcher Weinland, wo Langhart einen Landschaftsbetrieb hat, immer weniger gut an. Langhart zum Tages Anzeiger: «Ich kann Ihnen sagen, diese Polemik und Aggressivität geht den SVPlern im Weinland immer mehr auf den Wecker. Früher, als die Partei gewachsen ist, hat deswegen niemand reklamiert. Aber unterdessen merken viele: Diese Polemik hat sich abgenützt.»

Langhart stellt fest, dass er die Partemitglieder aus dem Weinland und diejenigen von der Goldküste nicht hat vereinen können. Diese würden sich im echten Leben gar nie treffen.

Mit einem der prominentesten Vertretern der Goldküsten-Fraktion geht Langhart denn auch hart ins Gericht: Und zwar mit Roger Köppel und dessen Einstellung zur Klimapolitik. «Ich verstehe diese Polemik nicht. Man kann doch nicht alle, die sich Sorgen wegen des Klimas machen, in die gleiche Ecke stellen.»

Nationalrat Roger Köppel hetzt auf Twitter gegen die Klimastreiks.

Es gebe durchaus SVP-Wähler, die sich Sorgen machen würden wegen des Klimas, so Langhart. «Wir Bauern haben letztes Jahr erlebt, wie es ist, wenn es einen Sommer lang nicht regnet.»

Der SVP den Rücken zukehren will Langhart indes nicht. Er sei jetzt schon 33 Jahre Mitglied und dabei bleibe es. Er werde sich falls nötig aber gegen den aktuellen Politstil zur Wehr setzen. Langhart meint: «Es bringt keine Lösungen, wenn wir die anderen angreifen und fertigmachen.» (cma)

Mehr zum Wahldebakel der SVP:

Die besten Schilder des Klimastreiks

Die 10 «besten» Argumente der Klimaskeptiker

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    Alle Leser-Kommentare
  • Don Alejandro 06.04.2019 10:56
    Highlight Highlight Die vermeintliche Intelligenzia der SVP von der Goldküste hat schon längstens den Zenith überschritten. Sie repräsentiert genau die kleine Klientel, die dort wohnt, wobei noch lange nicht alle deren Stil/Inhalt goutiert. Weit weg von dem Bauer, welche sie als den Prototyp als gemeinen SVP Wähler hochstilisiert. Letztere sind denn auch schon viel weiter, denn der Landwirt sieht sich im Gegensatz zu den "Goldküstenboys" der harten wirtschaftlichen Realität ausgesetzt. Ganz weit weg von der in Zuckerwatte eingepackten Profiteuren des neoanglizistischen Wirtschaftssystems.
  • AlteSchachtel 06.04.2019 10:46
    Highlight Highlight Auf dem Land gibt es schon noch SVPler, die wie die einstige Bauern- und Gewerbepartei ticken.
    Das hindert sie aber scheinbar nicht daran, sich von Grossindustriellen kaufen zu lassen. Deshalb: Mitgegangen - mitgehangen!

    Köppel hat gestern angedroht, vor den Parlamentswahlen alle Zürcher Gemeinden zu besuchen um sie über seine Anliegen zu informieren.....
    Nach meinen bisherigen Erfahrungen legen die kommunalen Parteimitglieder den "grossen Tieren" sofort den roten Teppich aus und lecken deren Stiefel bis diese das Dorf wieder verlassen. Parteisoldaten eben....nur Soldaten.






  • Zeit_Genosse 06.04.2019 09:33
    Highlight Highlight Je schlechter die Argumente, desto lauter das Geschrei. Und im Geschrei gehen zaghafte Stimmen unter. Das ist ein Phänomen, das durch die Wähler/Abstimmer getragen wird. Von links bis rechts. Bei der hier besprochenen Partei (man muss sie doch nicht stetig nennen) ist das besonders augenfällig. Doch bem genauen Hinschauen findet man das subtiler überall.
  • bokl 06.04.2019 09:13
    Highlight Highlight Hoffentlich kassiert die die SVP auch national eine deftige Niederlage. Danach begehrt die Basis auf, die SVP wird wieder "Bauernpartei" und die Scharfmacher spalten sich ab und gründen die "Alternative für eine reiche und souveräne Schweiz (ArsCH)"
    • petrolleis 06.04.2019 10:01
      Highlight Highlight Das wäre dann mal ein passender name 👌😂
    • Chriguchris 06.04.2019 11:19
      Highlight Highlight Danke Bokl! Habs gelesen und musste gleich lachen. Mein persönlicher Aufsteller des Tages!
  • rodolofo 06.04.2019 08:12
    Highlight Highlight Im TA von steht ein ein ganzseitiges Interview mit Langhart.
    Schön zu lesen, dass die SVP-Basis nicht so schlimm ist, wie ihre Scharfmacher an der Spitze, die Blochers, Köppels, Mörgelis und Glarners!
    Ist es nicht meistens so?
    Menschen mit "Führungseigenschaften" sind tendenziell narzisstisch, machtgeil, eitel und mehr, oder weniger autoritär-sadistisch veranlagt.
    Mir geht es doch mit meiner "Grünen Führungsriege" ganz ähnlich, wie dem SVP-Biobauern mit seiner "SVP-Goldküsten-Fraktion"!
    Und trotzdem bleibe ich meinen "Grünen Rothäuten" treu.
    Langhart und ich sollten DIREKT miteinander reden!
  • Avalon 06.04.2019 07:34
    Highlight Highlight Ich würde mir wünschen, dass diese klaren Worte auch zu einer Handlung führten.
    Gewisse SVP-Exponenten (vor allem die von der Goldküste und teilweise aus der Stadt Zürich) vergiften das politische Klima hier und machen extrem rechte Positionen immer salonfähiger. Das finde ich schade und gefährlich.
    Daher danke, dass man auch mal über moderate SVP-Exponenten lesen kann. Ich hoffe, diese moderaten Stimmen mehren sich.
    Auch eine Weinländerin ;-)
  • Schneider Alex 06.04.2019 06:37
    Highlight Highlight SVP hat auch eine sozial- und umweltpolitische Verantwortung!
    Der SVP sollte klar sein, dass ein grosser Teil ihrer Wählerschaft früher links gewählt hat. Sie muss also bei sozial- und umweltpolitischen Themen aufpassen, dass sie dieses Wählersegment nicht vergrault, wenn sie bei den Schwergewichtsthemen EU/Migration weiterhin Erfolg haben möchte – und das ist dringend nötig.
  • banda69 06.04.2019 02:02
    Highlight Highlight Ich mag die SVP nicht. Und es gibt auch keinen Grund diese Partei zu mögen. Zumindest nicht die SVP so wie sie in den Medien auftritt. Ich kriege dann jeweils als Antwort...auf lokaler Ebene habe es gute Leute in der SVP. Aha... Aber wie um himmels Willen kann man einer Partei folgen und für diese hinstehen, eine Partei die seit Jahrzehnten dermassen hetzt und wann immer es nur geht das gemeine Volk über den Tisch zieht und diesem schadet?
  • DerHugentobler 06.04.2019 00:02
    Highlight Highlight Ich bin nicht der Meinung der SVP, schon gar nicht der SVP, welche so überrepräsentiert ist. Aber ich finde mit Leuten wie Herr Langhart kann man wenigstens diskutieren. Das ist die SVP, welche ich in der (oder der von mir wahrgenommenen) Politik vermisse.
    • seventhinkingsteps 06.04.2019 00:25
      Highlight Highlight Lustig, irgendwie vermisse ich gar keine Politik der SVP.

      Rechtspopulismus ist auch beschissen wenn er kompromissbereit ist.
  • DerHugentobler 06.04.2019 00:01
    Highlight Highlight Ich bin froh über eine solches Zeichen. Ich habe je länger je mehr nicht mehr an kompromissfähige Politiker in den Reihen der SVP geglaubt.
    Ich denke es ist wie überall: Die Lauten werden gehört, und die vernünftigen gehen unter. Was nicht heisst das es sie nicht gibt. Die SVP macht Stimmenmässig den Grössten Anteil der Bevölkerung aus, wobei ich nicht glaube, dass sich darin nur Köppels finden lassen.
    • Tobias Sommermatter (1) 06.04.2019 00:17
      Highlight Highlight Langhart hat seine Kompromissfähigkeit und seine kritische Stimme in der SVP erst gefunden als in Blocher abgesägt, als Südenbock gebrandmarkt und rausgeworfen hat. In der SVP hat keiner Langhart gekannt oder mit ihm zu tun gehabt, wenn er noch eine Chance haben will, ein Jöbli zu ergattern.
    • Juliet Bravo 06.04.2019 02:10
      Highlight Highlight Ja schon. Aber die, mit denen man diskutieren kann, werden kaltgestellt.
    • Rön73 06.04.2019 02:32
      Highlight Highlight Ich kenne einige SVP Politiker, welche ähnlich denken wir Langhart. Man trifft sie v.a. auf lokaler Ebene, wo sie gut mit den anderen Parteien zusammenarbeiten. Nur leider schaffen diese es niemals über den Gemeinderat hinaus, sondern nur solche, die wie Blocher oder Köppel denken.
    Weitere Antworten anzeigen
  • zoobee1980 05.04.2019 23:48
    Highlight Highlight Chapeau!
  • Bud Spencer 05.04.2019 23:22
    Highlight Highlight Welchen Stil?
  • Tobias Sommermatter (1) 05.04.2019 23:00
    Highlight Highlight Langhart mag in der SVP einer der vernünftigeren und realistischeren sein, gleichwohl ist er einer, der bis zuletzt dafür gesorgt hat, dass Milliardäre reich werden, Milliardenunternehmen weniger Steuern zahlen, aber der Schweizer Mittelstand unter 250'000 Jahreseinkommen immer weniger kriegt und die AHV für unter 100'000 Franken-Einkommen, immer kleiner werden. Dass er als Bauer – wie viele andere unter Hitzesommern leidet, bedaure ich, aber bis vor einigen Tagen hat er behauptet, dass es keine Klimaerwärmung gibt. Hat er sich bisher im Dienste der Milliardäre verleugnet? Gschämig!
    • sunshineZH 05.04.2019 23:45
      Highlight Highlight Trotzdem gehts der Schweiz gut, schaffen das die Grünen auch? Kritisieren ist einfach, verbessern schwierig, wir werden sehen...
    • destin 06.04.2019 01:00
      Highlight Highlight Danke zu dem Kommentar. Ich habe bei der Konkurrenz (TA) ziemlich dasselbe geschrieben. Mein Kommentar wurde da nicht gebracht. Ich habe immer gedacht, die seien links-liberal. War wohl nichts, auch Michèle Binswanger hat die Seiten gewechselt...
    • Reli 06.04.2019 08:09
      Highlight Highlight Es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden. Konrad Adenauer

      Wenigstens kann Herr Langhart noch selber denken und hat es nun auch bewiesen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Binnennomade 05.04.2019 22:58
    Highlight Highlight Der Grund in der Partei zu bleiben ist also, weil er schon so lange dabei ist? Was ist denn das für ein Argument? Er ist weder mit der Politik noch der Art zu politisieren der SVP einverstanden, aber jetzt ist er halt schon so lange dabei, dann lohnt es sich nicht mehr, auszutreten?
    Stay together for the kids, oder was?
    • Basti Spiesser 05.04.2019 23:28
      Highlight Highlight Ist doch gut gibts auch ein paar vernüftigere.
    • Toni.Stark 05.04.2019 23:30
      Highlight Highlight Heimat ist Heimat.
  • D(r)ummer 05.04.2019 22:55
    Highlight Highlight Wahre Worte...

    Wo führt das hin?
    • katerli 06.04.2019 07:38
      Highlight Highlight dahin dass die SVP in den nächsten Jahren hoffentlich in ihre natürliche grösse zurück schrumpft

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