Von 5 bis 57 Minuten: Alle Böögg-Zeiten seit 1965 und wie «gut» sie den Sommer vorhersagen
Keine Frage: Der emotionale Höhepunkt des Zürcher Sechseläutens ist die Verbrennung des Bööggs. Ab Punkt 18 Uhr warten die Tausenden von Schaulustigen auf dem Sechseläutenplatz nur noch auf eines: den grossen «Chlapf». Denn die Dauer, bis der Böögg seinen mit Böllern und Feuerwerkskörpern gefüllten Kopf verliert, soll Aufschluss über den kommenden Sommer geben. Je kürzer die Brenndauer, desto schöner wird dieser gemäss dem traditionellen Brauchtum.
Seit 1965 ist die Brenndauer des Bööggs lückenlos überliefert. Mit fünf Minuten ging es in den Jahren 1968 und 1971 am schnellsten, bis der Kopf explodierte. Am meisten Zeit liess sich der Böögg 2023, als es 57 Minuten bis zu seiner vollständigen Zerstörung dauerte.
Doch was taugt der Böögg überhaupt als Wetterprophet? Lag er mit seinen Prognosen jeweils richtig? Seine Vorhersagen in Form seiner Brenndauer lassen sich gut mit meteorologischen Daten prüfen.
Der Böögg und die Sommertemperaturen
Um die «Schönheit» eines Sommers statistisch zu bestimmen, greifen wir zunächst auf die mittlere Sommertemperatur in der Nordschweiz zurück – und vergleichen diese mit der Brenndauer des Bööggs.
Es zeigt sich: Einen statistischen Zusammenhang zwischen der Böögg-Brenndauer und einem warmen Sommer existiert nicht. MeteoSchweiz schreibt dazu:
Aber zwischendurch landet der Stadtzürcher Wetterprophet durchaus einen Volltreffer:
- So sagte der Böögg den Hitzesommer 2003 perfekt voraus, indem er nach nur 5:42 Minuten explodierte.
- 2000 kündigte der Böögg mit einer Brenndauer von 16:25 Minuten einen durchschnittlichen Sommer an und lag damit richtig.
- Auch die Sommer von 1970 und 1980 können als Treffer gewertet werden. In jenen Jahren explodierte der Böögg erst nach 40 Minuten und die Sommer wurden prompt eher kühl.
Ansonsten lag der Böögg in den vergangenen 60 Jahren meist daneben. Am krassesten wohl 2023, als er mit einer Brenndauer von 57 Minuten einen ganz schlechten Sommer prophezeite und dieser dann zum drittwärmsten seit Messbeginn wurde.
Der Böögg und die Sonnenscheindauer
Aber vielleicht hat es der Böögg ja weniger mit den Temperaturen, dafür mehr mit dem Sonnenschein. Vergleichen wir die Brenndauer des angeblichen Wetter-Propheten also auch noch mit der Sommer-Sonnenscheindauer in Zürich.
Doch auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Jahrhundert-Sommer von 2003 bleibt der einzige richtige Volltreffer des Böögg. Wie im Sommer 2022 schien die Somme auch damals über 800 Stunden. Im Gegensatz zu vor vier Jahren, als es fast 38 Minuten dauerte, bis der Kopf weggesprengt wurde, dauerte es im Hitzesommer 2003 keine sechs Minuten bis zum Ende des Bööggs.
Noch kürzer als 2003 brannte der Böögg in den Jahren 1968, 1971 und 1974. Doch die Vorhersagen waren allesamt falsch: Die Sommer waren in der Folge bestenfalls durchschnittlich.
Dass der Böögg nicht als Wetterprophet taugt, ist wenig verwunderlich. Denn seine Brennzeit hängt vor allem vom Aufbau des Scheiterhaufens, der Feuchtigkeit des Holzes und vom Wetter am Tag des Sechseläutens ab. Nicht zuletzt entscheidet die Menge der eingesetzten Brandbeschleuniger.
Der bessere Prophet
Wer wirklich wissen will, wie der kommende Sommer wird, schaut sich besser die saisonale Vorhersage von MeteoSchweiz an. Mithilfe eines numerischen Modells prognostiziert das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie das Klima über mehrere Monate im Voraus.
Vergleicht man die mittleren Sommertemperaturen dieser Prognose mit den tatsächlichen Messwerten, zeigt sich tatsächlich ein statistischer Zusammenhang. Das Modell ist also verlässlicher als der Böögg, wenngleich es auch hier hin und wieder zu Fehlprognosen kommt.
Der Klimaausblick für den Sommer ist jeweils Ende Mai verfügbar. Die Monate Mai bis Juli werden im Nord- und Ostschweizer Mittelland aber mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 70 Prozent «warm», was einer durchschnittlichen Temperatur von über 17 Grad entspricht.
