Spass
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Burn, baby, burn – Saunieren bis zur Schmerzgrenze in Holland

Bild: watson

In einer riesigen Spa-Anlage im Osten Hollands huldigen Hunderte Menschen während sechs Tagen dem Gott der Hitze. Was zu Beginn Spass macht, wird irgendwann zur Qual. Aufhören geht trotzdem nicht. Es ist Aufguss-WM – und es gibt Regeln.



Das Clubsandwich ist eine gute Wahl. Es kommt auf einer Holzunterlage daher, vier Toastscheiben dick und hierarchisch organisiert: ganz unten der Speck, dann das Poulet, dann die Tomaten, ganz oben der Zierrat: blassgrüne Salatblätter. Eine Rührei-Streichmasse sorgt für liebliches Gelb im Farbspektakel und dient dem Poulet als Rutschunterlage. Begleitet wird das Sandwich von einer Handvoll Pommes, nur scheinbar achtlos geschichtet in einer Miniatur-Nachbildung eines Fritteusen-Siebs. Das Clubsandwich, sagt Paul dankbar, ist eine gute Wahl.

Links und rechts von mir sitzen nackte Menschen. Alte, uralte, männliche, weibliche, hübsche, hübsch zusammengefallene und schon staubig gewordene. Junge Frauen und Männer in dunkelblauer Uniform hüpfen vor unseren Augen auf und ab, und klatschen rhythmisch in die Hände. Wenn ich die Augen zu fest bewege, fange ich an zu schwitzen. Ein junger Mann mit einem Badetuch auf dem Oberschenkel bedient eine TV-Kamera. Vis-a-vis, ganz oben in der dritten Reihe, tragen sie Filzhüte auf dem Kopf mit aufgenähten Dänemark-, Deutschland-, und Holland-Flaggen. Die Eingangstüren werden geschlossen. Ich bin für die nächsten 15 Minuten zusammen mit 200 nackten Menschen eingesperrt und die Hitze ist jetzt schon unerträglich. Auf einem riesigen Bildschirm erscheint ein Countdown: 10, 9, 8 ... dann brüllen 200 Menschen: «Aufguuuuuuuuss!»

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Unverzichtbares Accessoire: die Aufguss-Kappe. Bild: Therme Berendonck

Gelderland, Ost-Holland, ein Herbsttag im September. Das Licht fällt apokalyptisch auf dieses flache kleine Land, breitet sich sternförmig aus, flutet die Gassen und die Hinterhöfe und sucht sich seinen Weg durch die Fahrradspeichen in die düsteren Winkel der Menschen hinein. Während sich die Veteranen der 1. US-Luftlandedivision 75 Jahre nach dem Sprung hinter die feindlichen Linien wieder besammeln und mit ihren buckligen Gestalten und den furchigen Gesichtern Erinnerungen wecken an geschichtsträchtige Schlachten und daran, dass alle Menschlichkeit ihren Preis hat, pilgern Hunderte Aufgusssüchtige aus der ganzen Welt in eine abgeschottete Anlage am Rande eines Sees. Hier, in einem ehemaligen Naturschutzgebiet zwischen Eindhoven und Nijmegen, kämpfen während sechs Tagen 32 Teilnehmer aus 11 Ländern darum, wer am besten Wasser auf heisse Steine giessen kann – es ist Aufgussweltmeisterschaft.

Das Motto wie jedes Jahr: «We like it hot.»

Der Taj Mahal

Austragungsort und gleichzeitig Hauptsponsor ist die Therme Berendonck in Wijchen, auch Taj Mahal genannt. Auf dem Parkplatz reihen sich deutsche und holländische Nummernschilder aneinander, vor der elektrischen Schiebetür steht ein Mann im Bademantel, Zigarette in der Hand, Handy am Ohr. Der Taj Mahal ist ein Spa, eine gigantische Wellnesstrutzburg, eine Tempelanlage der verdienten Vorzugsbehandlung, die sich über tausend Gäste einverleiben kann. Warmwasserbereich, Kaltwasserbereich, ein halbes Dutzend unterschiedlicher Saunen, Dampfbäder, Fussbäder, Kneippkuren, je nach Wunsch in heiss, kalt oder lauwarm, Erlebnisduschen und Reflexionsräume, Nackenmassagen und Schlafsäle, ein Hamam, ein Restaurant, ein All-inclusive-Buffet mit Showköchen, exotischen Showgewürzen und Showbroten aus Plastik, eine Swim-Up-Bar («Fürstlich baden, königlich geniessen»), Fliesenterrassen, Sonnenschirme und ein ganzes Regiment an Liegestühlen. Ein Nagelstudio, mehrere In-house-Boutiquen mit Handcrèmen, Lotionen und hochwertigen Körperpeelingprodukten für ein hochwertigeres Leben; alles in allem ein komplettes Arsenal an Gefälligkeiten, bezahlbar mit einem Chip an einem Gummiband und dem beruhigenden Gefühl, sich nur gerade das geleistet zu haben, was einem zusteht.

Aufguss-WM

Blick auf das Sauna-Theater: 200 Menschen fasst die grösste Sauna-Anlage Europas. Bild: Aufguss-WM Facebook

Durch den Eingangsbereich, vorbei an den wirklich Süchtigen, den WLAN-Strahlen-Haschern, die sich mit ihren Geräten in den hohen Sesseln winden, geht es durch ein Labyrinth von Türen in den Umkleideraum. Ein Bademantel ist Pflicht in der Therme Berendonck, wer keinen trägt, findet keinen Einlass ins Paradies. Auch ein durchsichtiger Plastiksack gehört zum Reiseutensil. Hier werden die Wertsachen verstaut.

Fünf Tage werde ich in Südholland verbringen. Der Auftrag kam von ganz oben, von meinem Chef, Sauna-Traditionalist und Bier-Liebhaber. Während eines Spa-Weekends in einer Schweizer Therme wurde er von einem als Pommes frites verkleideten Aufgussmeister gezwungen, Bier zu trinken und es anschliessend zu trashiger Musik in der Sauna auszuschwitzen. Der frivole Umgang mit der Sauna-Kultur bestürzte ihn und liess ihn Nachforschungen anstellen. Ich soll der Sache nun vor Ort auf den Grund gehen.

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Video: watson/Maurice Thiriet, Emily Engkent

Den ersten Turniertag verpasse ich, weil neben den Hunderten Aufguss-Fans auch zahlreiche Weltkriegs-Veteranen die Hotelzimmer rund um Nijmegen besetzen. In diesem Herbst jährt sich die Operation Market Garden zum 75. Mal.

Dienstag

Ich reihe mich ein hinter sanft gläubigen Italienern, Pärchen mit Schultertattoos und farblich aufeinander abgestimmten Adiletten. Erholungsbedürftige Menschen allen Alters aus ganz Europa durchstreifen hier täglich die heiligen Hallen auf der Suche nach Kontemplation und 35 Grad warmen Lavendelduschen. Lässt man die Saunas und Fussbäder hinter sich, gelangt man in eine Halle mit hohen Fenstern und einem Schwimmbad. Der Aussenbereich: eine Kreuzung aus französischem Garten, FKK-Bereich und Dantes Vorhölle. Und mittendrin das Heiligtum, ein 200 Menschen fassender Technik-Tempel der Hitze, das sogenannte Sauna-Theater. Als hätte man George Lucas einen Koffer voll Geld in die Hand gedrückt, um eine kaukasische Jurte mit allem erdenklichen Technik-Schnickschnack aufzuwerten: 4,5-Meter-LED-Screen, Dolby-Surround-Sound, eine Lichtmaschine, die rotgelbzischblau auf Knopfdruck Emotionen transponieren kann.

Aufguss-WM

Letzte Vorbereitungen vor einem Aufguss. Bild: thermen berendonck

Das Licht in der Sauna erlischt. Die Show beginnt. Ein Mann in Malerklamotten schleicht um den Steinkreis. Er pinselt unsichtbare Farbe in die Luft und freut sich auf Ferien. Helfer schichten mit ätherischen Ölen beträufelte Eiskugeln auf die heissen Steine. Der erste Aufguss. Nachdem ihm eine Bucklige, in Lumpen Gehüllte über den Weg gelaufen ist, wird der Maler Opfer eines Voodoo-Zaubers. Er verpasst das Flugzeug im Krankenbett. Zweiter Aufguss. Auf dem Bildschirm wird eine Schlagzeile eingeblendet: Breaking News – Airplane crashed, no survivors. Dritter Aufguss. Der Maler und seine Frau umrunden handtuchwedelnd die Sauna. Ich blicke in schweissgebadete Gesichter, durch den Wasserfilm sehe ich einen jungen Mann mit langen Haaren, den Rücken durchgestreckt, die Augen geschlossen in Erwartung des Windstosses, der ihn in höhere Sphären aufsteigen lassen wird.

Der Taj Mahal

In Zeiten der allgegenwärtigen Messbarkeit war es nur eine Frage der Zeit, bis auch in Sauna-Räumen Juroren aufmarschieren, um in einem komplizierten Bewertungsverfahren die Besten der Zunft zu eruieren. Doch 2010 brachen an der Sauna-Meisterschaft, bei der es darum geht, so lange wie möglich der Hitze zu trotzen, zwei Teilnehmer zusammen. Der Russe Wladimir Ladyschenski starb, der Finne Timo Kaukonen trug aufgrund der in der Sauna erlittenen Verbrennungen schwere bleibende Schäden davon. Die Organisatoren entschieden, dass weitere Austragungen nicht statthaft seien, auch wenn sich später herausstellte, dass Ladyschenski gedopt gewesen war. Seither befindet sich die Sauna-Weltmeisterschaft in der Trauerphase.

Aufguss-WM

Blick auf den Aussenbereich der Therme Berendonck – im Hintergrund der «Taj Mahal». Bild: thermen berendonck

Vom Universitätsstädtchen Nijmegen im Osten Hollands fährt man eine halbe Stunde mit dem Rad durch flaches Land, vorbei an Puppenstuben-Architektur und einer zur Schau gestellten Arglosigkeit, die misstrauisch macht. Die Aussenbezirke sind ganz der Körperertüchtigung gewidmet, Fussballplatz reiht sich an Fussballplatz, das charakteristische Tock-Tock der Tennisspieler, Rugby, Feldhockey, Ententeiche und ein Krematorium. Wo heute ein riesiger Parkplatz Hunderte Autos fasst, war vor wenigen Jahren noch ein Naherholungsgebiet.

250 Mitarbeiter sorgen sich im Taj Mahal tagein, tagaus um die Befriedigung der Bedürfnisse. Hostessen, Köchinnen, Gärtner, Putzmänner, Masseure, Zehennägelverschönerungsexperten. Was man hier kaum sieht: Menschen mit einer anderen Hautfarbe als weiss, Kinder, Kleidungsstücke.

Ein Café im Untergeschoss des Restaurants. Riesige goldene Lichtteller hängen über unseren Köpfen, Menschen mit Marionettengesichtern, Augenbrauen und Mundwinkel immer in synchroner Bewegung, sitzen auf Kissen mit Bienenwaben-Stickereien. Die Anlage ist brandneu, im Frühling wurde der jüngste Spross des Wellness-Imperiums der Familie Dolman eingeweiht. Es war eine Zangengeburt, sagt Claire, die Pressebeauftragte des Resorts, mit leichtem Bedauern in der Stimme. Acht Jahre habe es gedauert, bis die ganzen Rechtsstreite rund um das Bauvorhaben beigelegt worden seien. Claire, Deutsch sprechende Holländerin, glucksendes Lachen, ein Teil ansteckende Nervosität, drei Teile berufsbedingte Hektik, führt durch das Resort, berührt hier pietätvoll ein Mosaik («aus Indien importiert, original»), schmachtet da einen Türrahmen an und ist grundsätzlich aufrichtig hingerissen von ihrem Arbeitsort. Man empfindet ein wenig Mitleid mit Claire und ihrer Begeisterung.

Die Anlage ist leider fürchterlich verkitscht, eine Melange aus RTL-Exotiksendungen und dänischem Design, worunter man hier nicht Zurückhaltung versteht, sondern billige Massenware aus Arvenholz und abgerundeten Kanten. Auf der Website des Resorts steht, die Besitzer hätten sich auf einer Reise in die orientalische Lebensweise und die Freundlichkeit der Menschen verliebt: «Gäste sollen sich ein wenig wie in einem Traum aus 1001 Nacht fühlen». Nun ist ein Albtraum draus geworden, oder halt doch eine Liebesbeziehung, aber eine, in der man sich zum Geburtstag Namenstassen schenkt und gegenseitig die Füsse massiert, eine schmierige Schmonzette, mit glattgespachtelten Betonwänden als Kulisse und digitalen Türschildern in wechselnder Sprache vor den Saunen.

Neben der Therme verläuft eine Autostrasse, aber kaum ein Geräusch aus der Aussenwelt dringt hier rein. Ein Safe Haven für die Ruhebedürftigen, die den Sturzflug der Postmoderne relativ gut überstanden haben, weil sie finanziell ganz gut gepolstert waren.

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Entscheidend für die Qualität des Aufgusses: die richtige Wedeltechnik. Bild: Therme Berendonck

Der Eintritt kostet 44.59 Euro, dafür gibt's drei Tickets für Aufgüsse inklusive. Wer mehr sehen will, bezahlt noch einmal ein paar Euro pro Aufguss. Den Finaltag sieht man für 59.95 Euro. Ich bezahle nichts, und das findet Klaus, der das Band, das um meinen Hals baumelt, entdeckt hat, ziemlich interessant. Paul und sein Kollege Richard sitzen auf der Terrasse des Spa-Restaurants, sie bekunden Mühe mit der Speisekarte, ich empfehle das Clubsandwich. So beginnen hier Freundschaften.

«Ich glaube, es ist die Dialektik. Jeder Mensch möchte heute individuell sein, seiner Besonderheit Ausdruck verleihen. Aber niemand ist gerne einsam. In der Sauna kann man beides vereinen.»

Ich möchte von ihnen wissen, warum Menschen Hunderte Euro bezahlen, um anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie Wasser über Steine giessen. Paul, irgendwo zwischen alterslos und drei erwachsene Kinder, hält versonnen das Clubsandwich in die Luft, inspiziert es von allen Seiten. Vor ihm auf dem Tisch steht eine Flasche Grimbergen und eine Käseplatte, zum Nachtisch gibt es Smoothie. Ihm Gegenüber sitzt Richard, über 40, schütteres Haar, Tendenz zum angestrengten Nachdenken. Paul und Richard reisen seit Jahren der Aufguss-Weltmeisterschaft hinterher. Sie sind sowas wie Experten, auch wenn sie sich aus Pietät und Bescheidenheit nie als solche bezeichnen würden. Paul der Zyniker, Richard der Menschenfreund. Zwei wie Pech und Schwefel. Habe ich in den nächsten Tagen eine Frage zum Thema Aufguss, gehe ich zu ihnen, geduldig wie Gurus füttern sie mich mit ihrem über Jahre angewärmten Saunawissen. Paul ist gehbehindert und Richard hat sich ihm angepasst, indem er mit einem Rhythmus spricht wie andere Menschen hinken, sodass seine Sätze wie ein kaputter Rollkoffer ruckartig hinter ihm her geschleift werden.

Was ist das Geheimnis der Sauna, Richard? Richard überlegt lange. Dann sagt er: «Ich glaube, es ist die Dialektik. Jeder Mensch möchte heute individuell sein, seiner Besonderheit Ausdruck verleihen. Aber niemand ist gerne einsam. In der Sauna kann man beides vereinen.» Anders als bei der mittlerweile sistierten Sauna-Weltmeisterschaft steht bei der Aufguss-Weltmeisterschaft nicht die Hitze im Vordergrund. Was eine etwas gewagte Behauptung ist, die Temperaturen erreichen immerhin gefühlte 120 Grad. Ein guter Aufguss ist aber mehr als nur blindes Hochjazzen der Temperatur: Ein guter Aufguss verknüpft Showelemente wie Licht, Musik und Schauspiel mit dem klassischen Aufgiessen, bei dem die Duftaromen, das gleichmässige Verteilen der heissen Luft und die Wedeltechnik im Vordergrund stehen. So zumindest steht es im Booklet der Aufguss-WM. Dramaturgie, Technik und Emotionen.

Was ist die Faszination von Aufgüssen, Paul? «Ein guter Aufguss», sagt Paul, «lässt dich Emotionen aus der Kindheit erleben, die du unter einer Schicht Lebensschlacke verloren geglaubt hast.»

Aufguss-WM

Maximal 15 Minuten dauern die Aufguss-Shows. Bild: Aufguss-WM Facebook

Mittwoch

Wieder scheint die Sonne unbarmherzig, Nijmegen und seine Trabantendörfer sind herbstsommerlich ausgeleuchtet. Der Spa ist gut besucht. Vor dem Saunatheater drängen sich Hunderte Nackte und Halbnackte und Bald-Nackte. In wenigen Minuten präsentiert Gabriel Pekala, der zweitbeste Deutsche im Aufgiessen, sein Können. Unter den Wartenden herrscht eine Stimmung wie vor einer Kino-Premiere eines Hollywoodblockbusters. Zwei Zuschauereingänge führen in den Sauna-Tempel, einer ist mit VIP angeschrieben, hinter dem anderen sammelt sich der Plebs, der kein Ticket hat und auf ein paar freie Plätze im Saunarund hofft. Viele Aufgüsse sind ausverkauft, für die entscheidenden Runden am Freitag und Samstag sind gar keine Tickets mehr erhältlich. Rote Kordeln erzeugen Festival-Ambiente, breite Sicherheitsleute mit Knopf im Ohr wachen über die Hochhaltung des Gefühls von Grandezza und Bedeutung und darüber, dass niemand einen Kreislaufkollaps erleidet.

Ein Gong ertönt. Fleisch in verschiedenen Körperformen schiebt sich zum Eingang hin.

Die Dialektik, von der Klaus gesprochen hat, sieht in der Praxis so aus: 188 Menschen sitzen nackt und dichtgedrängt auf Holzplanken um einen riesigen Steinhaufen. Ein schlaksiger junger Mann fuchtelt mit einem Zweig vor dem stoischen Gesicht eines Plüschtigers herum. Von Zeit zu Zeit giesst er aus einem Holzkübel Wasser auf die Saunasteine, es zischt laut, glühende Gesichter im Rund. Gabriel verkündet, mit Gravitas und ausgebreiteten Armen, dass da jetzt soeben schwarzer Pfeffer verdampft. Ein Raunen geht durchs Publikum. Über einen riesigen Bildschirm zucken Blitze und schiessen meterhohe Wellen. Der Tiger sitzt weiter unbeweglich auf dem Holztisch, die Körperhaltung leicht schräg, Muskelspannung gleich null, so dass man fürchtet, er könne jederzeit kopfüber auf die Saunasteine plumpsen und in einem Polyester-Flammenmeer aufgehen.

Gabriel nimmt ein Handtuch, das Wacheltuch, schwingt es geübt über seinen Kopf und wankt wie ein Sumo-Ringer um den Steinkreis. Aus den Lautsprechern donnern lebensverändernde Streicherklänge aus einer Hans-Zimmer-Playlist. Das muss alles so sein, das ist kein Versehen. Gabriel Pekala interpretiert den Bollywood-Hit «Life of Pi». Nach 15 Minuten ist der Kampf Mensch gegen Plüschtier zu Ende. Die beiden sind jetzt gute Freunde, Konflikt, Versöhnung, eine holzschnittartige Dramaturgie, die jedes Laientheater-Ensemble vor Fremdscham erröten liesse.

Die schweren Flügeltüren werden geöffnet, das Publikum tobt. Gabriel steht draussen vor der Sauna, die Kleider nass geschwitzt, hochroter Kopf, eine Dampfsäule steigt über ihm in den Himmel. Eine lange Schlange bildet sich vor ihm, die Saunagänger stehen an, um ihre Ehrerbietung auszudrücken. Sie drücken ihn, umarmen ihn, tätscheln ihm die Wange, toll gemacht, Gabriel, das war bewegend, Gabriel, wirklich. Ich sage leise zu mir: Die Wege des Menschen, sein Gemüt zu erheben, sind oftmals unergründlich.

Im echten Leben, im Draussen, sind sie Zahnärzte, Spengler und Musikerinnen, normale Menschen mit normalen Berufen in einer verrückten Welt, aber hier tragen sie spitz zulaufende Flecht-Hüte mit einer aufgenähten Norwegen-Flagge und brüllen «Aufguuuuuuss», wenn es so weit ist. Was muss mit einem Menschen passieren, dass es so weit kommt?

Später am Abend, in meinem Hotel im Osten von Nijmegen, treffe ich auf die letzten verbliebenen Protagonisten der Operation Market Garden, der grössten Luftlandeoperation des Zweitens Weltkriegs. 35'000 US-amerikanische und britische Fallschirmspringer landeten im September 1944 hinter den feindlichen Linien. Sie hatten den Auftrag, acht Brücken zu halten, um den von der Normandie anrückenden Truppen den Vormarsch zu erleichtern. 75 Jahre später sind einige von ihnen wieder hier, ein letztes versprengtes Grüppchen, im Rollstuhl und mit Gehstock. Der jüngste von ihnen 91, der älteste über 100. Einer von ihnen, Jerry, macht den Sprung noch einmal.

Wärme für den Rücken

Neben dem Hund ist die Wärme vielleicht der älteste Freund des Menschen. Seit er das Feuer gebändigt hat, nützt er es, um einen Ausgleich zur Kälte des Daseins zu schaffen. Von Mexiko bis Japan existieren seit Jahrhunderten unterschiedliche Traditionen, um den Körper erholsam der Hitze auszusetzen: Temazcal, die Schwitzhütte, Onsen-Bad, Hamam. In Europa hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg die finnische Sauna verbreitet. Dabei werden in einem mit Holz ausgekleideten Raum Peridotit-Steine zwischen 80 und 110 Grad erhitzt, manchmal auch bis zu 130 Grad. Normalweise gibt es drei Höhenstufen: Ganz unten ist man nahe der Wärmequelle, die Abstrahlung der Hitze wirkt am stärksten, je weiter oben man sitzt oder liegt, desto stärker wirkt der Wasserdampf. Wer oben sitzt, riskiert, für einen erfahrenen Saunagänger gehalten zu werden.

Siggi steht vor einem der zahlreichen Bildschirme, die auf dem Gelände angeordnet sind wie Lichtsignale und die live aus dem Sauna-Tempel senden. Siggi ist ein bisschen enttäuscht bislang, die Wege sind zu weit und die Exotik zu mager. In einer anderen Therme, in Süddeutschland, erzählt er, habe es ein Abkühlungsbecken gegeben, das mit russischem Schwarzbier gefüllt war. Dazu gab es Rostbratwurst und russisches Schwarzbier in Trinkgefässen. Aber hier sei es auch ganz okay, Hauptsache Sauna. Nach einer Rückenoperation habe ihm die Ärztin empfohlen: Wärme, Wärme, Wärme. «Seither gehe er regelmässig in die Sauna.» Er trägt einen Hut mit seinem Namen drauf, Siggi, das reiche ihm, die Schwarz-Rot-Gold-Flagge brauche es nicht, «ich weiss doch, wo ich herkomme».

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Das Tagesprogramm: Von morgens bis abends finden alle 45 Minuten Aufguss-Shows statt. Bild: Therme Berendonck

Später am Nachmittag: Team Österreich performt Aladin. Zwei füllige Männer treten auf, gekleidet in einem schablonenhaften Araber-Outfit, in ihrer Mitte eine blonde Frau. Der eine stellt sich als Aladin vor, beim anderen schwappt ein Bauch unter dem dünnen Gilet hervor. Mit einem Trolley umrundet er den Steinkreis, bietet Waren feil und geriert sich als abgefeimter Feilscher. Dann will der böse Fettwanst Aladin die blonde Frau abjagen. Ein amateurhaftes Gezerre entsteht, Aladin schrubbt die Lampe sauber, der Händler verwandelt sich in einen Dschinn, Aladin wünscht sich, dass die blonde Frau ohne Namen für immer sein ist und: Happy End. Zwischendurch giessen sie aus langen Holzkellen Wasser auf die Steine und schwingen die Handtücher. Das Publikum ist nicht ganz so angetan wie noch bei Gabriel, spendet aber trotzdem höflich Applaus. Über die plumpen Stereotypisierungen mag sich hier niemand ärgern. Kulturelle Aneignung ist ebenso wie Blackfacing ein Begriff, der es nicht über die Schwelle des Taj Mahal geschafft hat.

Donnerstag

Auf einer Stellwand ist jeden Tag das aktuelle Programm ersichtlich. Magneten mit den Konterfeis der Teilnehmer und der Länderflagge sind den jeweiligen Zeitslots zugeordnet. Ich frage einen Mann, der schon so lange vor der Stellwand steht, dass er einen eher zweidimensionalen Gesichtsausdruck hat, wem er den Sieg zutraue. Er nennt ein paar Namen, von denen ich noch nie gehört habe. Der Pole und der Tscheche, die seien gut. Und der Typ mit den Rastas. Einer fehlt allerdings. Der grosse Favorit, Maciej Piczura aus Polen, Sieger im Einzel und Doppel bei der Aufguss-WM 2018, hat sich kurz vor der Endrunde verletzt. Unglücklich sei das verlaufen, sagt der Mann. Wie denn? Nicht etwa, dass er sich in der Sauna verletzt hätte, fragt man, nur halb im Scherz. Bei den Verrückten ist alles möglich. Doch, 2D-Mann nickt betrübt. Bei einer Aufguss-Show hat es ihn gelegt, pardauz, flach auf den Steinboden, mit dem Arm abgestützt, Arm gebrochen, Titelverteidigung dahin.

Aufguss-WM

Eine Teilnehmerin mit Requisit. Bild: Aufguss-WM Facebook

Besuch im Jury-Zelt. Vielleicht können die Juroren, Experten allesamt, etwas Licht ins Dunkel bringen. Ihre Expertise verdanken sie dem Status als Aufgussmeister, Sauna Connoisseur (sic), Mitglieder des Deutschen Saunabunds oder gleich Besitzer einer Therme. Lasse bedient sich an der Saftmaschine, der Norweger hat gerade Pause, er ist Juror für die Einzel-Meisterschaft. Auf einem grossen runden Tisch liegen leere Pepsi-Flaschen, Laptops, Notizbücher. In der Ecke brummt ein Kühlschrank mit Softgetränken. Laufend schlagen Spa-Mitarbeiter die Zeltwände um, bringen frische Frottétücher und entfernen schwarze Wäschesäcke. Ein Fernseher auf einer Stelze sendet live aus dem Sauna-Theater, wo Team Dänemark eine Sherlock-Holmes-Interpretation darbietet. Im Zelt riecht es nach drei Tagen SAC-Massenschlag ohne Luftzufuhr. Hier beraten die Menschen, die die Geruchslandschaft der Sauna kartografieren sollten.

«Wenn du das Glühen in den Gesichtern der Überlebenden siehst, weisst du: Verdammt, das war's, das ging an dir vorüber.»

Ich setze mich auf einen der weissen Plastikstühle und lasse mich durch das Regelwerk der Aufguss-WM führen. 10 ist die Höchstpunktzahl, eine 0 erhält, wer die Sauna-Besucher flüchten lässt. Gabriel hätte in meinen Augen eine 1 verdient, weil zwar niemand die Sauna verlassen hat, aber die Darbietung ansonsten eigentlich in jeglicher Hinsicht skandalös war. Jury-Lasse öffnet ein Excel-Sheet auf seinem Computer. Ein unglaublich komplexes Regelwerk, sieben verschiedene Kategorien, farblich schön abgestimmt, von der «overall impression», über «distribution of heat», bis zu Team «spirit, harmony and synchronization». Sieben Jury-Mitglieder sitzen bei jedem Aufguss in der Sauna.

Ein guter Aufguss, doziert Lasse, dessen Haare Shampoo-Werbung machen könnten, ehrfürchtig, verbinde alle Elemente der Erde. «Die Hitze ist das Feuer, der Aufguss ist das Wasser, das Wedeln ist die Luft und die ätherischen Öle sind die Erde.» Seine Augen funkeln. Ich muss an Gabriels monumentalen Kampf gegen den Stofftiger denken. Sherlock Holmes löst währenddessen das Geheimnis der Birkenzweige. Elementar daran sind höchstens die Schauspielkenntnisse.

Lasse sagt, mit einem Seitenblick auf den Bildschirm, es gebe nichts Schlimmeres, als einen guten Aufguss zu verpassen. «Wenn du das Glühen in den Gesichtern der Überlebenden siehst, weisst du: Verdammt, das war's, das ging an dir vorüber.»

Die grosse Kasperei

Der Besuch einer Aufguss-Weltmeisterschaft muss Aussenstehende zwingend in Zweifel stürzen. Die Professionalität, der Name, der riesige Aufwand, mit dem das alles betrieben wird, suggerieren Sinnhaftigkeit und Relevanz, oder doch wenigstens den Willen dazu. Die fanatischen Aufgussmeister und ihre Fans und Unterstützer, die Hüte mit den gestickten Länderflaggen, die Securitys, die breitbeinig vor dem Eingang postiert sind: als wäre man an einem internationalen Sport-Grossereignis. Demgegenüber stehen die beobachtbaren, sozusagen empirisch gestützten Ereignisse und Erkenntnisse: Es ist – mit Verlaub – eine grosse Kasperei, über die der Mantel des Schweigens gehüllt wurde. Aber wer weiss, vielleicht wird das alles in ein paar Jahren noch viel grösser, wirklich gross, und man kann stolz behaupten, Gabriel, Anders, Karolina und wie sie alle heissen, schon gekannt zu haben, als sie noch in Berendonck Lavendel-Aufgüsse gemacht haben.

Ein paar Beobachtungen: Ein bärtiger Mann mit einem Tablett in der Hand rutscht am All-you-can-eat-Buffet aus einem Flipflop. Er bringt den Fuss nicht mehr rein, flucht und tritt den Flipflop vor sich her bis zu seinem Tisch. Ein junges Paar steht vor einem Bildschirm, auf dem ein junges Paar zu sehen ist, das sein endgültiges Glück gefunden hat beim Verbringen eines Spa-Wochenendes, wie ein farbiger Schriftzug versichert. Auf der Terrasse des Restaurants verabschiedet sich jemand mit den Worten: See you later alligator.

Aufguss-WM

Gleich wird's warm: Aufguss-Meisterin in Aktion. Bild: therme berendonck

Dem Sauna-Besuch haftet etwas Mystisches an, hört man hier oft. Die Erdverbundenheit in den warmen Quellen, oder Lasses Elemente-Theorie. Vielleicht meinen sie das, wenn sie von der übersinnlichen Kraft der Sauna raunen. Der Umgang mit Exotik jedenfalls spiegelt sich in den Aufguss-Shows. In «A girl who left Africa» spielt eine Polin ein Albino-Mädchen aus einem nicht näher genannten afrikanischen Land, das wegen der Diskriminierung im Heimatland in eine westliche Grossstadt migriert. Dort landet es auf der Strasse, postiert sich mit einem Kartonschild zwischen Müllsäcken und Schachtdeckeln, bis es von Instagram-Bloggern entdeckt und als Albino-Model berühmt wird.

Warum spricht man Aufguss eigentlich wie im Deutschen aus, also ˈaʊ̯fˌɡʊs? Das, sagt Lasse einen Tag später, sei eine gute Frage. Es gebe nicht wirklich eine Antwort darauf, das habe sich halt so eingebürgert. Die Deutschen seien die Ersten gewesen, die das Aufgiessen zu einem Ritual gemacht haben. Mit der Zeit habe sich gezeigt, dass die Journalisten immer sehr interessiert nachfragten, «it makes people wonder», da habe man es halt bei «Aufguss» belassen.

«Wir wissen, dass wir ein wenig verrückt sind.»

Ich setze mich zu Paul und Richard auf die Holzbank vor dem Sauna-Theater. «Ihre» Bank. Richard hat hier seinen grossen Trekking-Rucksack deponiert. Es ist der dritte Tag, und langsam kommen bei mir Zweifel auf, ob meine Konstitution auch weltmeisterlich ist. Mein Kopf schmerzt, die Glieder fühlen sich fremd an, die Muskeln und Sehnen aufgeweicht. Klaus und Richard schauen mich mitleidig an. Für sie bin ich «der Schweizer», einer von draussen, ein Journalist, über den sie nicht viel mehr wissen wollen, als ob ich mein Eintrittsticket vergünstigt erhalten habe. Ehrfürchtig untersuchen sie wieder meinen Presseausweis, den ich in einer eingeschweissten Folie um den Hals trage. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich gehe gerne in die Sauna, aber nicht 12-mal am Tag. Wir schweigen eine Weile. Dann sagt einer, Richard oder Paul, oder auch beide zusammen: «Wir wissen, dass wir ein wenig verrückt sind.» Niemand hat danach gefragt, es liegt ohnehin auf der Hand. Wer sechs Tage lang nichts anderes macht, als um einen Haufen heisser Steine zu sitzen und talentarmen Animateuren beim Tuchwedeln zuschaut, kann sich nicht auf eine einwandfreie geistige Gesundheit berufen. Es sind diese zwei Sätze, die man hier überall hören kann: «We are crazy», und: «We are one big family.» Als wäre alles erblich bedingt. Und als hätte man in einem Vorbereitungskurs gelernt, was man dem Reporter sagen muss, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, dass man das hier alles freiwillig macht.

Wer nicht crazy ist und sich nicht auf die Gene beruft, bringt eine weitere Begründung vor, die keinen Widerspruch zulässt: Sucht. «Wir sind süchtig», sagt Lasse im Juryzelt scherzhaft und lächelt dabei nicht. Süchtig wonach? Vielleicht: Süchtig nach der Hitze, dem Dampf, dem Wedelstoss, der einen in höhere Sphären versetzt. Süchtig nach dem danach, der Abkühlung, nach dem Auf und Ab, den Extremen. Süchtig nach dem Gefühl, den Brustkasten mit seinen Atemzügen auszufüllen, zu strapazieren, als würde jemand von innen mit dem Brustkorb Bankdrücken machen. Süchtig nach dem Zerreissen, Zerfetzen, Anschwellen und Aufgehen. Und süchtig nach dem Runterkommen. Nach der Eiseskälte, dem Schock, den tausendfachen Nadelstichen und dem Presslufthammermoment, wenn der Körper ins Wasser taucht.

Steht man während einer Aufguss-Show draussen, sieht man, sobald die Tore geöffnet werden, wie sich ein versprengtes Grüppchen dem Licht entgegenschiebt. Wie Kriegsheimkehrer torkeln sie über den Rasen, leicht traumatisiert von der Hitze, dem unaussprechbaren Grauen und der Macht des Faktischen, aber glücklich, am Leben zu sein. Vielleicht ist es das, das Überleben, von dem Lasse scherzhaft gesprochen hat. Eine Erfahrung der Transzendenz und Selbstreinigung, die man sich im Schützengraben, bei der Selbstgeisselung oder in der Askese angedeihen lassen kann. Oder bei einem 15-minütigen Kampf gegen 120 Grad heisse Luft und die inneren Grenzwächter.

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Werbung für die nächste Ausgabe der Aufguss-WM 2020 in Polen. Bild: Therme Berendonck

Aber wahrscheinlich ist alles viel einfacher. Das Angebot diktiert die Nachfrage, und auch wenn die Websites und die Facebook-Auftritte den Charme des Unvollkommenen verströmen: Für die Spa-Betreiber sind die Sauna-Freaks eine höchstwillkommene Kundschaft. Sie sind zahlungskräftig, sie sind leicht zufriedenzustellen, und sie sorgen überdies für ein bisschen Abwechslung in der oft etwas steifen Spa-Welt. Alkohol ist nicht Teil des Programms, getrunken wird, abgesehen von der jungen Dänen-Truppe, erst am Abend, nach dem letzten Saunagang. Lasse erklärt den Grund: «Wer Alkohol trinkt, schwitzt nicht.»

Das WM-Booklet, von der Therme Berendonck herausgegeben, ist zweisprachig verfasst und erinnert im Design an erfolgreiche, aber umstrittene Unternehmen, die die negativen Externalitäten ihrer Geschäftstätigkeiten mit der Abbildung von schattig lächelnden jungen Menschen in Liegeposen wegglätten. Menschenrechtsverletzungen stelle ich in Berendonck nicht fest, aber was hier passiert, ist für die Saunawelt durchaus politisch bedeutsam.

Nur wenige wissen nämlich, dass in den Schweisspfützen der Saunas von Katowice bis Utrecht der Saft der Revolution gärt. Noch ist das hier nur eine kleine Familie von Exzentrikern, ein harmloser Haufen Spinner, dampfsüchtige Beamte, hitzeresistente Treuhänder und feuerfeste Studenten. Während man rund um den Globus noch immer darüber streitet, ob die Sauna nun nackt (Skandinavien, Deutschland, Niederlande, Deutschschweiz) oder bekleidet (Spanien, USA, Italien ausser Südtirol) betreten werden soll, ist man hier überzeugt, die ganze Sache bald auf das nächste Level zu heben. 5,5 Millionen Menschen in Deutschland gehen häufig in die Sauna oder ins Dampfbad, weitere 21 Millionen besuchen regelmässig eine Sauna. Wellness hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Wirtschaftszweig entwickelt. Ein Bericht des Global Wellness Institute aus Florida schätzt den Umsatz in Deutschland auf umgerechnet rund 60 Milliarden Franken, für die Schweiz sind es immerhin noch 12,6 Milliarden Franken. Das ist auch ein immenses wirtschaftliches Potential.

Irgendwann Anfang 2000 kam ein Sauna-Besitzer in Südtirol auf die Idee, dass man vielleicht mal etwas mehr Action in die Sauna bringen sollte. Show, Entertainment, Fun Fun und Fun. Sauna, lange assoziiert mit blasiertem Rumstieren im Wasserdampf, sollte sich öffnen für die Generation Event. Warum nur Gesundheit, wenn man dazu auch noch Unterhaltung haben kann?

Nur die Skandinavier zögern bislang, sagt Lasse. Für die puristischen Finnen, für die Hygiene und Sauna oftmals synonym sind – 3,3 Millionen Saunen auf 7 Millionen Einwohner – muss es so wirken, als hampelte eine Gruppe Nachwuchs-Clowns ungefragt in ihrem Badezimmer herum und schmiere mit Zahnpasta vulgäre Sprüche an den Spiegelschrank.

Der geschäftstüchtige Italiener heisst Franz Niederkofler. Er sitzt zufälligerweise ebenfalls im Sauna-Zelt, man hat ihn zuerst nicht gesehen, weil er die Gabe besitzt, unsichtbar zu sein. Niederkofler ist einer dieser kargen Gipfelkreuz-Menschen, weisses Haar, drahtige Figur, Schmelzwasser-Augen, in die immerzu die Sonne zu brennen scheint. Im Gegensatz zu Lasse ist der Südtiroler von der wortarmen Sorte, er lässt sich nicht viel entlocken über seine Rolle als Aufguss-Show-Pionier. Lasse erzählt mir von einem Japaner, der eigens für die Sauna-WM nach Holland eingeflogen worden sei. Ein reicher Geschäftsmann mit einer eigenen Spa-Anlage, der plane, die Aufguss-Kultur nach Japan zu exportieren.

Die Husten-Experience

Am Abend des zweiten Tages macht sich der Sauna-Besuch erstmal körperlich bezahlt. Nachdem ich im Restaurant einen Couscous-Salat verspiesen habe, bleibt etwas im Rachen hängen, ich huste einmal, zweimal. Paul beglückwünscht mich. Na? Siehst du! Was anderswo verpönt ist, wird hier zur Auszeichnung. Jedes Husten gereicht zur Ehre und erntet zustimmendes Nicken, insbesondere wenn es ganz tief unten aus dem Maschinenraum kommt und ein verkeiltes Zahnrad wieder zum Laufen bringt. Über die heilende Wirkung der Sauna wurden Regalmeter Bücher verfasst.

Fast alle hier litten einmal an einem Gebrechen, physisch oder psychisch, Siggis operierter Rücken, Pauls krumm gewachsene Beine. Fast alle haben eine stolze Krankenakte auszubreiten, wenn man sie fragt, weshalb eigentlich das alles: Sauna und Aufguss und tagein, tagaus dieses Gefühl, dass die eigene Haut davonschwimmt, sich in der Auflösung befindet, der Duft von Orangen, Zedernholz und Palo Santo, der sich irgendwann in den Körperkanälen einnistet, in die Poren einsickert und auch Stunden später, im Hotelzimmer, plötzlich zu einem heftigen Flashback führen kann.

Im Foyer meines Hotels treffe ich Hank, er war bei der 101 Airborne Division, damals. Mit seinen 91 Jahren gehört er zu den Jüngsten in der Veteranen-Truppe. Am Tag zuvor waren sie an einer Militärparade gewesen, heute gab es eine kleine Zeremonie auf der Hotelterrasse, einen Calvados-Schnaps und ein Geschenkpaket für die alten Soldaten. Seine Uniform ist mit Medaillen bestückt, er hält mir sein linkes Ohr hin, ich frage ihn, wie lange er schon hier sei. Er schüttelt den Kopf. Die Tage hier fliessen vorbei, «like in the old days». Springt er auch, wie Jerry? «Nein, aber nächstes Jahr. Wenn alles gut geht.»

Der Bademantel

Der Himmel über dem Gelderland pulsiert, die Wolken werden niedergedrückt, bis sie fast greifbar sind. Was, fragt Richard einmal, was ist eigentlich, wenn es mal regnet? Aber es regnet nicht. Die Menschen sitzen weiter in den Liegestühlen, lesen holländische Klatschzeitschriften namens «HOT», stellen den Smoothie auf die Ablage, legen sich wieder hin, schliessen die Augen, schaffen es irgendwann auf die Liegestuhlkante und nehmen die nächste mühselige Reise ans Buffet in Angriff. Die Wegstrecken in der Therme Berendonck funktionieren so: Umkleideraum – Duschen – Fussbecken – Aussenbereich – Theatersauna – Liegen – Sauna – Liegen – Schlafsaal – Sauna – Buffet – Sauna. Vom zweiten Stock aus sieht man die Menschen aus der Vogelperspektive wie kleine Arbeitstrupps in Strategie-Computerspielen von einem Wegpunkt zum nächsten laufen. Und es ist ja auch Arbeit. Irgendwie. Entgegen der verbreiteten Auffassung dienen Thermen gar nicht so sehr zur Erholung und Musse. Die Erholung ist stattdessen fest einprogrammiert in den grösseren Arbeitsablauf namens Leben. Arbeiten, saunieren, schlafen.

Bliebe uns der Zugang zum Spa-Land verwehrt, stürben wir mit einiger Sicherheit alsbald den Erschöpfungstod. Der Spa ist ein Spiegel des Draussen, ein Leben en miniature im Bademantel.

Dieser ist notwendiges Requisit in der Therme. Ohne kommt man gar nicht erst aufs Gelände, am Abend erlauben es die gestrengen Wächter immerhin, unter dem Bademantel Hose und T-Shirt zu tragen. Dafür gibt es sicher hygienische Gründe, es sieht aber auch einfach doof aus.

Der Mensch hat sich im Laufe der Jahrhunderte einiges einfallen lassen, um sich die Entbehrungen des Lebens etwas angenehmer zu gestalten. Er zimmerte sich Häuser, spannte den Ochsen an den Pflug und entdeckte den Bademantel. Dieses Textil, die häusliche Entsprechung zum Trenchcoat, erlaubt es, dem Unbill des Lebens in den eigenen vier Wänden zu trotzen. Die groben Texturen der Baumwolle schrubben wohlig über die Haut und sorgen für eine konstante Luftzirkulation. Und auch wenn er im Zug der Weinstein-Enthüllungen einen Imageschaden erlitt: Der Bademantel nimmt dem Leben weiterhin die Schwere. Tritt er aber aus der Privatsphäre an die Öffentlichkeit, schwindet der Zauber rapide. Dann ist er im besten Fall bloss ein kasperhafter Überwurf, im schlimmsten aber gleichzeitig grosskotziges Statement und schmierige Verhüllung einer psychischen Disposition.

Ein Mann in blauem Bademantel sitzt etwas verloren auf einem Plastikstuhl in einem weissen Zelt. Ich spreche ihn mit seinem auf dem Oberarm eingenähten Namen an. Jochen. Er reagiert nicht. Excuse me, Jochen. Zupfen am Ärmel. Er schreckt auf und wehrt ab, Jochen, das sei ein anderer, er sei nicht Jochen, er heisse soundso und sagt einen Namen, den ich mir nicht merken kann. Er sei hier nur der Aushilfsjochen sozusagen. Ich suche noch immer den Japaner, von dem man sich sagt, er wolle die Aufguss-Weltmeisterschaft nach Japan holen. Am Tag zuvor haben sie im Jury-Zelt versichert, es gebe hier literally nur zwei Asiaten, den Japaner und Ong Lay, und Ong Lay sass im Zelt und nickte. Er selber sei aus Malaysia.

Komische Dinge, die Deutschschweizer machen – Teil 2

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Video: watson/Camille Kündig, Emily Engkent

Anrufen lässt sich der Japaner nicht. Elektronische Geräte sind verboten in der Therme. Dutzende Uniformierte, Hüter der meditativen Spa-Stille, patrouillieren regelmässig über das Gelände und wachen über die Einhaltung der Regeln. Freundlich lächelnde Kerkerwärterinnen mit Knopf im Ohr mahnen, das Handy doch bitte im Spind zu verstauen, die Regeln, die Regeln. Meist müssen sie aber gar nichts sagen, bloss die Lippen ein wenig zusammenschieben und den Kopf schräg halten. Man weiss es ja, es kommt nicht wieder vor. Später sieht man die Gescholtenen im Untergeschoss vor ihrem Spind stehen, schiefnackig, die Hände tief im Schlund des Spinds vergraben, als hantierten sie in Hochsicherheits-Laboratorien mit radioaktiven Substanzen.

Die Gefahr für den Körper

Theoretisch könnte man in diesen fünf Tagen 1290 Minuten in der Sauna verbringen. Praktisch kommen viele diesem Ziel gefährlich nahe. Paul und Richard sitzen wieder auf der Holzbank vor dem Springbrunnen. Es ist irgendwann am Donnerstagnachmittag, die Zeit lässt sich nur anhand des Sonnenstands beurteilen, Handys sind verboten, Armbanduhren keine gute Idee in der Sauna . Die beiden Deutschen haben hier ihr temporäres Lager aufgeschlagen. Draussen, in der Realität, arbeiten sie bei der Stadt München, in ihrer Freizeit gehen sie in die Sauna. «Die Kollegen auf der Arbeit machen den Vogel, wenn wir von unseren Saunaferien erzählen.» Während Paul sich für die nächste Show einreiht, arbeitet er sich weiter durch eine Keks-Packung, Salz und Elektrolyte, das Erste-Hilfe-Paket gegen die Austrocknung des Körpers. «Ich muss ihn immer wieder bremsen», sagt Paul über Richard. Die Krumen purzeln über die Vorderlippe und verfangen sich in seinem Brusthaar. Eigentlich ist das ja verboten hier, die Mitnahme eigener Snacks verstösst ausdrücklich gegen die Spa-Etikette. Aber Paul ist im Kleinen mit einer subversiven Ader ausgestattet und die Kekse sind kaum grösser als ein Handteller.

«Die meisten erwischt es erst draussen, wenn der Blutdruck wieder steigt.»

12 Mal am Tag 120 Grad, die Gefässe werden grösser, das Herz pumpt, das Blut strömt. Im Körper geht es zu und her wie auf einer Grossbaustelle im Hochsommer. Und dann der tiefe Fall vom Gerüst, das Eintauchen in den Berendonck, das sich wie ein Eismeer anfühlt und die Gefässe wieder verengt. Ist das nicht gefährlich?

Bild

Gabriels Plüschtiger in voller Pracht. Bild: Therme Berendonck

Geht, sagt Petra ungerührt. Sie steht vor dem Eingang, 1.80 Meter gross, schwarze Security-Uniform und Knopf im Ohr. Petra ist ebenfalls Aufguss-Meisterin, wie scheinbar alle hier. Wegen einer Verletzung konnte sie nicht an der Qualifikation teilnehmen, jetzt ist sie für die Sicherheit zuständig. Sie regelt routiniert den Verkehr vor der grossen Sauna, das rote Satteldach-Haar signalisiert in der Dämmerung: Jetzt erst mal stehen bleiben. «Die meisten erwischt es erst draussen, wenn der Blutdruck wieder steigt. Der hier zum Beispiel», Petra legt ihre grosse Verkehrskellen-Hand auf die Schulter eines kleinen Mannes, «der hier war gerade zum zehnten Mal heute drinnen, nicht wahr, Björn?» Das Schmelzgesicht neben ihr nickt ergeben, der Mund verläuft zu einem verklärten Lächeln. Der Mann streift mich Sicherheit die 70, wäre man Bademeister, man verordnete ihm Schwimmflügel. Das Wichtigste: Bereit stehen, wenn die Leute umkippen. «Dann kann man sie dort drüben auf die Wiese ausbreiten.» Petra zeigt nach rechts, ein Mann liegt leblos am Boden, Arme und Beine ausgebreitet, ein dampfender Engel in Badeschlappen.

Nein, gefährlich sei das kaum. Man dürfe nicht zu abrupt aufstehen und vor dem Kaltwasserschock solle man dem Körper eine halbe Minute in der freien Luft gewähren. Die Leute hier seien erfahren, wer doch übertreibe, der habe sich das selber zuzuschreiben. «Aufgiessen ist Hochleistungssport und Relaxing in einem», erklärt Petra, ehemalige Fitnessinstruktorin und Tänzerin. «Bei einem Aufguss von 15 Minuten verbrenne man als Aufgiesser gleich viel Kalorien, wie wenn man 3,5 Kilometer rennt.»

Die effizienteste Verknüpfung von Sport, Gesundheit und Meditation – der perfekte Zeitvertreib für die gestressten Kinder des 21. Jahrhunderts.

Vor einem Bildschirm neben der Aussenbar stehen zwei Sanitätsleute. Auch hier ist alles ruhig. Kein Notfall heute, versichern sie mir, gestern ging's jemandem nicht so gut, der habe sich kurz hinlegen müssen. Aber Ohnmächtige habe man noch nicht gehabt dieses Jahr. Einer klopft mit den Knöcheln auf den Plastikstehtisch. Auf dem Bildschirm hinter ihnen sieht man einen jungen Mann mit blonden Haaren enthusiastisch zu «Africa» von Toto wedeln.

Ich spüre das Bedürfnis, mich hinzulegen, den Körper fallen zu lassen, tiefer als nur durch die engen Gittergeflechte der Liegestühle. Im zweiten Stock des Hauptgebäudes, oberhalb der schwimmenden Bar, befinden sich die Liegeräume, ein paar Dutzend Wasserbetten, auf denen Menschen in anatomisch anspruchsvollen Figuren liegen und geräuschlos schlafen. Ich lege mich neben sie. Eine halbe Minute später schlafe ich tief und fest. Und so träumen wir uns gemeinsam dahin, in einen Raum voller menschlicher Wärme und körperlicher Distanz, wo unser Schweiss wie selbstverständlich auf die Oberschenkel des Nebenmannes regnet und Toto dazu singen: «I bless the rains down in Africa.»

Stunde der menschlichen Magneten

Am Abend legt sich eine melancholische Stimmung über den Taj Mahal. Die Temperaturen sinken unter die 10-Grad-Marke. Ab sieben, acht Uhr, lässt es sich nur noch in der Sauna oder im Wasser aushalten. Die letzten Aufguss-Shows finden um Viertel nach 9 statt, dann ziehen die Leute weiter in eine der kleineren Saunas oder ins Schwimmbad. Im Aussenschwimmbad sind die Arme von hinten um den Partner geschwungen wie Kaschmir-Pullover. So ineinandergeflochten treibhüpfen Wiederverliebte, Fremdgehende und Auffrischwillige langsam durchs Becken. Das ist alles weit weg von Erotik oder knisternder Spannung. Liebe als vergeistigter Augenblick unter dem Nackensprudel, vertraute Gespräche im Flüsterton, nur der Kopf ragt aus dem Wasser, die Hände sind am Beckenrand vertäut. Alles ist in ein warmes Licht getaucht, die magische Stunde der menschlichen Magneten. Über dem Becken schwebt ein Dunstschleier. Es ist Zeit für Alkohol.

Hinter dem Bartresen putzt ein junger Mann in Uniform Biergläser. Wir Nackten sitzen ihm gegenüber auf Unterwasser-Barhockern, Cocktails und Stangen vor uns, und schauen zu ihm hoch. Wie arbeitet man in einer solchen Umgebung? Der erste Tag sei seltsam gewesen, sagt der Barmann und lächelt. Nein, mehr als seltsam, «mind-blowing». Er hält die Hände um seinen Kopf, als wollte er die wichtigsten Erinnerungsfetzen wenigstens zwischen den Fingern haben, wenn sein Kopf explodiert. «Boobs and wieners everywhere!» Aber schon am zweiten Tag habe er sich daran gewöhnt. «Penisse sind Penisse und Brüste sind Brüste.» Ich sage nichts. Ich bin nicht ganz sicher, ob die Gleichung aufgeht. Neben mir trinken sie Prosecco und farbige Drinks. Ich bestelle noch ein Grolsch.

Das tönt alles auch ein bisschen nach schüchternem Petting im Warmwasserbecken und Amateurpornos zwischen Betonsäulen, aber ehrlicherweise muss man feststellen, dass es während dieser fünf Tage auf dem Spa-Gelände kaum je zu Körperkontakten kommt, abgesehen von ungeplanten Reibungen an Schulter oder Hüfte. Nur auf Pornhub und in den Köpfen schlecht alternder Schriftsteller bilden viele nackte Körper an einem Ort die Vorstufe zu einem Gangbang. In Berendonck unterdrücken die Hitze und die konstante Berieselung mit Klangschalen-Musik von Kharunesh sowieso zuverlässig das Aufkommen erotischer Gefühle.

Einzig am späten Donnerstagabend in der Meditationssauna schmatzt und kichert es unterdrückt, aber untrüglich aus der hintersten Reihe, und als ich mich beim ersten Mal umdrehe, sehe ich eine Art Fellatio-Performance, und beim zweiten Mal kniet der Mann vor ihr, und dann lasse ich die zwei jungen Menschen in Frieden Sex haben, gehe hinüber in die Panorama-Sauna und schaue aus den Weitwinkel-Fenstern auf den Berendonck, der auch auf solche Fragen nur sein gleichgültiges schwarzblaues Antlitz zeigt.

Was Robin, der Barkeeper, nicht sagt, ist, dass man hier wertvolle Erkenntnisse über Moden und Trends der europäischen Körperkultur sammeln kann. Das Revival der Körperhaare zum Beispiel ist noch nicht eingeläutet. Schamhaare sind nirgends zu sehen. Man versteckt nicht, was man hat. Bauch raus, Hoden her, lass hängen. Das ist auch ein visuelles Erlebnis. Nippelpiercings geniessen bei beiden Geschlechtern jenseits der 40 noch eine gewisse Popularität. Und das Schamempfinden verläuft noch immer entlang der Alterslinie: Faustregel: Je faltiger, desto freizügiger. Kipppunkt ist roundabout 45 Jahre. Die Vielfalt an Geschlechtsteilen, ätherischen Ölen und Flip-Flops ist bemerkenswert.

Freitag

Langsam schwinden die Kräfte. Am vierten Tag lösen schon die sphärischen Klänge von Kharunesh, die aus den unsichtbaren Lautsprechern den Parkplatz einnebeln, Kopfschmerzen aus. Die totale Umsorgung, umfassende Kontrolle, ein Wohlfühl-Panoptikum, das Ohnmachtsgefühle auslöst. Die Palo-Santo-Räucherstäbchen sedieren, der Kreislauf des Lebens wird enger und enger. So muss sich Hans Castorp gefühlt haben, als ihn der Zauberberg nicht mehr gehen lassen wollte. Die Routine ist unerträglich: Anstehen am Empfangsschalter, das Entgegennehmen des Bademantels, Höflichkeitsbekundungen, hinunterschlurfen in die Umkleideräume, Spind auswählen, Wertsachen in den Plastiksack, Schlappen montieren, durch den Fusswasser-Bereich schlurfen, alles schwer wie Blei, vorbei am Indoor-Swimmingpool, das Restaurant rechterhand ignorieren, durch die winzig kleine Tür in den Aussenbereich, missmutiger Blick nach oben, die Sonne, die schon wieder zahlreiche kleine Risse in die Wolkendecke geschossen hat, die Hitze, die ist, die Hitze, die noch kommen wird.

In meiner Liegestuhlecke hat sich eine Gruppe dänischer Aufgussfans eingenistet. Badetücher mit Dänemark-Flagge hängen über den Liegestühlen, die «dänische Wand», wie mir Alexander erklärt, «zur Abgrenzung von den Norwegern da drüben.» Alexander ist jung, trägt einen Filzhut und sitzt ausschliesslich in der dritten Reihe, ganz oben, da, wo es am wärmsten ist.

Der Filzhut ist kein modisches Accessoire, wie ich vermutete, sondern dient der Hitzeregulierung. «Wenn du ohne Hut ganz oben sitzt, bist du entweder Vollprofi oder wahnsinnig.» Dann ertönt der Gong, der die nächste Aufguss-Show ankündigt. Alexander verabschiedet sich schnell, auf dem Gelände bricht Hektik aus. Als hätte man auf dem Exerzierplatz zum Appell geblasen. Aus allen Ecken und Winkeln strömen die Aufguss-Süchtigen zur Theater-Sauna.

«Wussten Sie, dass Koi-Fische nur in ihrem eigenen Wasser überleben? Da bezahlt man Tausende von Franken für diese Fische und dann hat man sie einfach für immer.»

Steht man oben auf der Terrasse, sieht man Menschen plötzlich ihren Gang beschleunigen, ein Unding eigentlich hier, wo gemächliches Schlendern Maximalgeschwindigkeit ist. Ich lege eine Pause ein und überquere den Aussenbereich mit den Schilfbänken und den Kiefern, die sich in den Berendonck beugen. Beim Springbrunnen setze ich mich hin, riesige Koi-Fische in verschiedenen Farben ziehen im Wasserbecken ihre Runden, ein Mann, nicht mehr ganz jung, noch nicht alt, hält die rechte Hand ins Wasser, die Fische saugen sich an seinem Handteller fest. «Wussten Sie, dass Koi-Fische nur in ihrem eigenen Wasser überleben? Da bezahlt man Tausende von Franken für diese Fische und dann hat man sie einfach für immer.» Er stellt sich mir als Pieter vor, in Südholland wohnhaft, Sauna-Freak aus Notwendigkeit. Einmal alle zwei Monate gehen Pieter und seine Frau relaxen. «Zwei Tage brauche ich , um mich vom Alltagsstress zu erholen. Und am Montagmorgen geht alles wieder von vorne los.» Pieter sieht aus wie ein Mensch, der Satteltaschen an seinem Velo hat und die Dachrinne selber säubert.

Wir alle sind Gefangene des Lebens. Die Unglücklichsten unter uns haben ihr Schicksal nicht selbst gewählt, leben in Kriegsgebieten und unter ständiger Bedrohung. Die Bedauernswerten haben sich aus Gründen, die nur ihnen klar erscheinen, freiwillig in die Abhängigkeit begeben. Der grosse Rest aber ackert pflichtbewusst von Montag bis Freitag und geht am Wochenende ins Spa. Sanum per Aquam.

Blick hinter die Kulissen

Während der Schauspielunterricht von den meisten Teilnehmern grob vernachlässigt wurde, ist die Technik einwandfrei. Der Mann, der dafür verantwortlich ist, zielt jetzt mit einer Pistole auf den Steinhaufen in der Mitte des Sauna-Raums. Peng, 115 Grad, «das reicht noch nicht». Er lacht. Die Pistole, ein Temperaturmessgerät, zurück in den Halfter. «Komm jetzt, wir müssen das Licht kontrollieren.» Michel ist der Technikmeister, Herr über Kabel und Frequenzen. Lasse hat mich in seine Obhut übergeben.

Michel, Hakennase und Handwerkerauftreten, kann mit den Tränensäcken zwinkern und trägt als einer der wenigen auf dem Gelände richtige Kleider, was ihm Autorität verschafft. Er klopft mir auf die Schulter und führt mich in sein Reich. Der Gott der Maschinen haust in einem kleinen Kabäuschen, das an die Sauna-Arena angedockt ist, vor ihm stehen ein halbes Dutzend Bildschirme. Auf einigen ist das Innere des Sauna-Theaters zu sehen, wo jetzt zwei Spa-Mitarbeiter mit einem Wischmopp durch den Schweisssee pflügen. Käme nicht im Minutentakt ein nackter Mensch in den Raum, suchender Blick, ah, hier, meine Schuhe, dürfte ich mal, und streifte mit seinen Genitalien ungerührt Schultern, Oberschenkel, man könnte sich auch in einem VAR-Raum befinden oder in der Überwachungszentrale eines grossen Einkaufszentrums.

Michels Aufgabe ist es, Bild, Ton und Licht in Einklang zu bringen. Über einen der Bildschirme zischt jetzt ein Jagdflugzeug mit knatterndem Maschinengewehr. Ein Ausschnitt aus einem Video-File, das die Belgier Michel zugeschickt haben. Die Belgier haben ein Faible für die schweren Themen, Zweiter Weltkrieg, Pathos, Kindertransporte, solche Sachen. Michel lehnt sich zurück im lederbezogenen Drehstuhl und verschränkt die Arme hinter dem Kopf, nickt von Zeit zu Zeit zustimmend und sagt Sätze wie: «Good!», oder: «Ah!», oder: «Mhmm». Wie ist das so, hier zu arbeiten? Michel studiert, betätigt ein paar Knöpfe und sagt: «Meine Arbeit hier, die ist eigentlich eher langweilig.» Man ist geneigt, ihm zuzustimmen.

Wie ist er hier gelandet? «Meine Frau ist Aufgussmeisterin, so bin ich reingerutscht. Ich hatte seit drei Jahren keine Ferien, weil ich das hier mache. But it's the thing I love.»

In der Sauna trifft währenddessen Team Tschechien die letzten Vorbereitungen. Wedeltücher werden zusammengefaltet und drapiert, Aufgusskannen um den Steinhaufen verteilt, die Lautstärke der Musikanlage justiert. 8 UV-Lichter, zwei Rauchmaschinen und eine Windmaschine werden in Kürze für Bombastik sorgen.

Auf der Leinwand im hinteren Teil der Sauna läuft ein Countdown: Noch 9 Minuten, 31 Sekunden bis zum Gong. «Es gibt einen blind spot», sagt Michel, da unten rechts, gleich neben der Türe. Was ist, wenn ein Zuschauer genau in diesem blind spot einen Ohnmachtsanfall haben sollte? «Dafür haben wir einen Panic Button im Raum. Wenn der gedrückt wird, öffnen sich die Türen automatisch.» Und ist das schon einmal passiert? Michel schüttelt den Kopf.

Natürlich nicht. Hier passiert nie irgendwas.

Freitagmittag

Vor dem Eingang zur Sauna steht heute eine ältere Frau in einem goldpaillierten Anzugs-Etwas. Es sollte vermutlich dieses vielzitierte Indien-Taj-Mahal-Verliebtheits-Exotik-Feeling vermitteln, sieht aber aus, als hätte sie sich aus Versehen in einen Wandteppich gerollt. Mit Headset-Mikrofon versucht sie Stimmung zu vermitteln: «They say Sauna-People are happy people.» Ihrer Stimme ist anzuhören, dass sie das schon oft gesagt hat. Es tönt ledrig und abgewetzt.

«So etwas kann eigentlich nur den Holländern einfallen.» Katja sitzt auf einer Liege, die Hände in den Aussentaschen des Bademantels. Katja gehört nicht zu den «happy people», sie ist Redakteurin von Pro 7, und begleitet mit einem Kameramann und Tontechniker Marcel, oder «Massél», wie man ihn hier nennt.

Massél ist die deutsche Hoffnung im Einzel, seine Show eine mit dem Ghettoblaster vorgetragene Geschichtsstunde namens Pompeji. Während ein Papiermaché-Vulkan Wasser auf die heissen Steine aufstösst, fuchtelt Massél, Schauspiel-Schmied, mit einem Dolch durch die Luft, brüllt gequält Satzfetzen in ebenso qualvollem Englisch. Wie man versteht, gingen Römer-Massél in der Aufregung um den Vesuv-Ausbruch seine Frau und Kinder verlustig. Als einer der wenigen hier hat Massel ein Quantum schauspielerisches Talent mit auf den Weg bekommen. Das macht sich beim Publikum bezahlt.

Knapp 60-mal wurden in den letzten Tagen mit ätherischen Ölen imprägnierte Eiskugeln auf den heissen Steinen platziert. 60-mal «Aufguuuuuss» geschrien, 60-mal rochen die Haare nach dem Saunagang nach Zitronengras, Minze, Pinie, Kiefernadel, Mandarine, Lavendel, Bergamotte, Mesua Ferrea, Jasmin, schwarzem Pfeffer, Eukalyptus, Sandelholz, Orange und Wacholder. Ein paar Stunden noch, und dann werden die Finalteilnehmer in einer Show-Zeremonie mit Liveband und Holzpodesten verkündet.

Ich laufe Lasse wieder über den Weg. Er steht breitbeinig auf dem Rasen zwischen Jury-Zelt und Sauna-Theater. Den Blick scheinbar ins Nirgendwo gerichtet. Das absichtslose Herumstehen ist eine der Kerntätigkeiten hier, es gibt sie in abgewandelten Varianten, man erkennt darin das Professionalitätsniveau der Saunagänger. Je losgelöster, desto fortgeschrittener. Nur wer die eigene Existenz tausendmal im birkenzweiggeschwängerten Dunst fortwedeln gesehen hat, erreicht den Zen-Level der Unbeteiligtheit. Vielleicht studiert Lasse aber auch nur am aktuellen Punktestand von Team Norwegen herum, deren Show „Die drei Musketiere“ sich für mein Empfinden mindestens mit Pekalas «Life of Pi» messen konnte.

Auf dem Rasen arbeiten einige junge Menschen im Mönchskutten-Überwurf an ihrer Wedeltechnik. Sie schwingen blütenweisse Tücher über ihre Köpfe, manchmal nur eines, manchmal zwei parallel. Die Wedeltechniken heissen «Propeller» oder «Segel», und es sieht aus, als ob weisse Shaolin-Mönche in einer TV-Dauerwerbesendung Werbung für Baumwollhandtücher machten.

Bild

Wedeltraining in der leeren Sauna. Bild: Therme Berendonck

Weltweit gibt es über 1000 Aufgussmeister, in der Schweiz kann man sich für 400 Franken während zweier Tage zum Saunameister ausbilden lassen. Lasse sagt, Aufgussmeister sei der ideale Beruf für junge Leute. «Man verdient zwar nicht allzu viel, kommt aber ein bisschen in der Welt herum und lernt spannende Menschen kennen.» Er zeichnet eine chaotische Verkehrskreuzung in die Luft. Benoît läuft uns zufällig entgegen, ein belgischer Aufgussmeister, der in einer Schweizer Therme arbeitet und eine französische Freundin hat. «Das Vorzeigeobjekt», ruft Lasse freudig aus.

Später am Nachmittag, kurz vor dem Eindunkeln. Michael und Michaela stehen neben ihrem Stand mit ätherischen Ölen. Er kleingewachsen mit blondem Wikingerbart, sie nervös an ihren Badehosen zupfend. Sie haben gerade ihre Show «The Road to Happiness» performt. Die Geschichte geht so: Eine junge Frau in einer anonymen Grossstadt denkt hauptberuflich an ihren Job, im Deux-Pièces stürzt sie von Meeting zu Meeting, das Handy immer am Ohr. Die geplante Weltreise mit ihrem Freund sagt dieser aus unerfindlichen Gründen ab, sie wirft daraufhin die Tickets dem prekären, aber integren Cappuccino-Verkäufer auf den Tresen, der ihr jeden Morgen moralisch einwandfreien Cappuccino serviert. Drei Aufgüsse später sind sie ein Paar.

Michaela ist Fitnesstrainerin und sagt, die Persönlichkeit wachse nach jedem Auftritt in der Sauna. Michael sagt, «ich sage immer, Gesundheit und Spass ist die perfekte Kombination.» Unter dem Bademantel tragen beide Shorts, dutzendfach bedruckt mit dem Emoji, das qualvoll Tränen lacht. Fast ein Jahr dauerte es, bis Michael und Michaela das Konzept für ihre Show beisammen hatten. Sie schwärmen von der gesunden Verrücktheit, die sich einstelle, wenn man Handtuch-schwingend im Deux-Pièces bei 80 Grad vor 200 nackten Menschen eine Hollywood-Komödie nacherzählt, als plötzlich jemand nach oben deutet und ruft: «Die Russen!»

Über unsere Köpfe fliegt ein Bomber-Geschwader. Die 75-Jahr-Feierlichkeiten der Operation Market Garden. Vielleicht sitzt dort oben in einem der Flugzeuge jetzt Jerry, der 93-jährige Fallschirmjäger-Veteran, und macht sich bereit, zu springen.

Vom Glück der Sauna

Katja sagt, sie könne keine nackten Menschen mehr sehen. Sie schüttelt müde den Kopf. Wir stehen um einen der wackligen Konferenzstehtische, um uns herum finden die letzten Vorbereitungen für die Verkündung der Finalteilnehmer statt. Drei Tage haben Katja und ihre Kollegen unter widrigsten Bedingungen gedreht: Die Temperaturen in der Sauna strapazierten das Kameraequipment, die Genitalien das Geschmacksempfinden. Katja hantiert in den Seitentaschen des Bademantels verbotenerweise mit ihrem Handy, der stumme Tontechniker schweigt weiterhin.

Man spürt, dass hier langsam alles zu Ende geht.

Halb zehn Uhr, Freitagabend. Seit fünf Tagen verbringen Hunderte Unermüdliche ihren Urlaub damit, im Viertelstundentakt den Körper ans Limit zu bringen. Aufkochen, abschrecken, aufkochen, abschrecken. Als wären die Organe eine seltene Delikatesse, die täglich ein Dutzend gastronomische Arbeitsschritte benötigt, bis sie Ende Woche endlich geniessbar ist. Der Kameramann von Pro 7 hat seinen Kopf auf den Stehtisch gelegt und schläft im Stehen. Pubertäre Witze der verzweifelteren Sorte machen leise die Runde, «Erguss-WM» und solche Dinge, Stossgebete, dass es jetzt bitte, bitte, bitte, lieber Gott, bald enden möge.

Ich schlendere ein letztes Mal am Eingang zur Riesensauna vorbei. Der letzte Aufguss vor dem Finale am Samstag. Eigentlich wäre noch eine Party-Sauna angekündigt gewesen, aber aus nicht völlig geklärten Gründen wurde sie gestrichen. Der kleine Claudio ganz vorne in der Schlange hält sich mit den Händen an der Kordel fest. Gestern noch hielt er die Füsse ins Warmwasserbecken und seufzte. Diese Showkultur, das sei ja eigentlich nichts für ihn. Er halte es da mit den Finnen und den Russen, less is more, ein bisschen giessen und wedeln, das schon, aber die Musik und die Showeinlagen, too much, auf gut Deutsch, also Italienisch. Aber gut, die Jungen halt, sollen sie doch. Und jetzt steht er da mit einem Gesichtsausdruck wie ein Rasender. Craving. Ich nicke ihm von weitem zu, er erkennt mich nicht. Lasses Suchtmotiv.

Samstag

Massél hat das Finale verpasst. Das deutsche Kamerateam dreht statt Siegesjubel eine Ersatz-Szene im Sand, in der Massél und ein Kumpel sommerlich-breitbeinig aus dem Wasser schreiten und sich zu zwei Mädchen setzen. «Bravo»-Fotolovestory in the making. Den Schluss bekomme ich nicht mehr mit. Jemand gewinnt, jemand verliert, die Band spielt «Uptown Funk».

Während auf dem Rasen die Vorbereitungen für die Siegesfeier getroffen werden, gehe ich in die traditionelle Aufgusssauna. Der Raum ist leer, ein mechanisches Wasserspiel ersetzt hier die menschlichen Aufgiesser. Die Stille ist ungewohnt und wohltuend. Nach einer Weile setzt sich ein Mann mit asiatischen Gesichtszügen auf die Holzbank neben mir. Es ist der Japaner. Er erzählt von einer Therme nahe Yokohama, die er von seinem Vater geerbt habe. Von Expansionsplänen und einem Gesamtpaket mit Korean Barbecue und Capsule Hotel. Nur den Aufguss kriegten sie noch nicht so richtig hin.

Irgendwann kann er dann nicht mehr, acht Shows hatte er heute, wir tauchen ins Eiswasser nebenan und verabreden uns auf ein Bier später.

Als ich Samstagnacht über den Parkplatz laufe, riecht es nach Patschuli und Nag Champa, auf der Höhe des Krematoriums drehe ich mich noch einmal um und sehe farbige Feuerwerkskörper am schwarzen Himmel zerplatzen.

Aufguuuuuuss!

Sieger im Einzel wurde Karolina Jarzabek (Magic Night) aus Polen, Sieger im Teamwettbewerb wurden Katarzyna Klajn & Lukasz Dluzniewskii, ebenfalls aus Polen, mit der Show «Quixote vive».

So schön kann Erfrischung aussehen – 68 kühle Träume für heisse Tage

So bleiben Finnen fit, ohne in die Sauna zu gehen

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15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tilia 30.12.2019 13:08
    Highlight Highlight Gebt dem jungen Talent die wirklich wichtigen Themen! Lasst ihn nicht über solchen Schrott schreiben. Ihr verschwendet hier Talent!
  • ravendark 30.12.2019 12:15
    Highlight Highlight Nei, nei ... das heisst "Burn bitch burn" Uh hu huuuuu ...
    einer der besten Kiss-Songs :-)
    und ... play it looooouuuuuuud !
  • roadster101 30.12.2019 11:11
    Highlight Highlight WTF habe ich da gerade gelesen? O.O
  • Na_Ja 29.12.2019 23:44
    Highlight Highlight Gelderland ist eine niederländische Provinz, genau wie Noord- & Zuid-Holland Provinzen sind. Es ist somit kein Teil von Holland. So fertig geklugscheissert.
  • lansky 29.12.2019 17:41
    Highlight Highlight Steht irgendwo in dieser Text-Wall, weshalb der einen aufgenähten Davidstern analog 40er trägt?
  • Maxim R 29.12.2019 17:08
    Highlight Highlight ???
  • HundBasil 29.12.2019 16:33
    Highlight Highlight Was soll der Judenstern?
  • Ihre Dudeigkeit 29.12.2019 15:26
    Highlight Highlight Zagg da wollte ich dem William Stern folgen, da der Bericht sooo unterhaltsam geschrieben ist... und habe gemerkt, dass ich ihm schon folge... Sorry Will.. 🤝 👍😎 So ein banales Thema aber so gut geschrieben. Hast Talent für Politik 😇😉
  • Critical_thinking 29.12.2019 13:59
    Highlight Highlight Helios freut sich
    Benutzer Bild
  • Militia 29.12.2019 13:02
    Highlight Highlight Ich wollte eigentlich fragen, wieso der Typ einen gelben Juden Stern trägt. Hätte die Frage aber fast vergessen, so lange ging es um zu den Kommentaren zu scrollen. 😉
  • Wendy Testaburger 29.12.2019 12:14
    Highlight Highlight Was es nicht alles gibt😳😅
    • zoe... 29.12.2019 17:11
      Highlight Highlight Genau mein erster Gedanke
  • Mobilisinmobili 29.12.2019 12:05
    Highlight Highlight Wenn der Artikel nicht so gut geschrieben wäre, hätte ich nach dem zweiten Abschnitt weggeglickt...

    Gratulation zu einem so unterhaltbaren Bericht über so ein langweiliges Thema!
  • Garp 29.12.2019 11:28
    Highlight Highlight Ich habe den Text nicht gelesen, bräuchte zu viel Zeit, für ein Thema, das mir die Zeit nicht wert ist. Ist aber sicher wieder gut geschrieben, von William.
  • loplop717 29.12.2019 11:20
    Highlight Highlight Wow! Was habe ich gerade gelesen? Ich weiss es nicht wirklich, aber es war grossartig!

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