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Für die alternative Haarpflege müssen jetzt Wildschweine hinhalten. Bild: keystone

Bürste aus Wildschweinborsten ersetzt Shampoo: Was es mit dem Trend auf sich hat

Eklig oder nachhaltig? Beim Trend, kein Shampoo mehr zu nutzen, spalten sich die Gemüter. Eine Friseurin aus Deutschland will das Haar nun noch besser und natürlicher pflegen: Mit Bürsten aus Wildschweinhaar.



Kannst du dir vorstellen, dein Haar nie mehr mit Shampoo zu waschen? Klingt ziemlich unhygienisch. Doch die «No Poo»-Bewegung, kurz für «No Shampoo», will genau das.

An die Haarpracht dürfen nur natürliche Produkte wie Ton-Erde oder Roggenmehl. Die Friseurin Ute Lachner geht nun noch einen Schritt weiter. Sie findet: «Echtes ‹No Poo› braucht nur die richtige Wildschweinborsten-Bürste und Wasser.»

Der Trend erfreut sich seit gut zwei Jahren immer mehr Anhängern und Anhängerinnen. Das «Zeit Magazin» prognostiziert sogar, dass die Bewegung zu einer Monsterwelle anwachsen werde. Denn im Trend vereinten sich die Strömungen unserer Zeit: Sich in einem Meer voller Konsum auf das Wesentliche zu besinnen. Auf Twitter wird der Verzicht auf Shampoo derweil rege diskutiert.

Wildschweinhaar entfernt Talg

Das angebliche Erfolgsrezept gegen fettige, talgige Haare auf dem Kopf geht so: Mit Wasser spülen und mit einer Bürste aus Wildschweinborsten kämmen. Fertig. «Im Gegensatz zu anderen Bürsten entfernen jene mit Wildschweinborsten den überschüssigen Talg und die Bakterien aus dem Haar», sagt Ute Lachner.

Zusammen mit ihrer Freundin Leila Ghamin bietet Lachner kostenpflichtige Online-Kurse an, in denen sie beim Shampoo-Entzug helfen. «In den ersten Wochen ohne Shampoo verändert sich das Haar stark. Es kann sich dann fester, wachsig oder sogar trockener anfühlen, dafür verschwindet der Juckreiz, über den viele im Vorfeld klagen», sagt Lachner.

Leila Ghamin und Ute Lachner haben das Label Haarweisheiten gegründet und wollen mehr Leute zur Haarpflege ohne Shampoo bewegen. Statt Seife kämmen sie sich ihre Haare mit Bürsten aus Wildschweinborsten und spülen sie mit Wasser aus. No Poo, no Shampoo, Wildschwein, Wildschweinborsten, kämmen, alternativ

Leila Ghamin und Ute Lachner wollen mehr Leute zur Haarpflege ohne Shampoo bewegen. Bild: Haarweisheiten

Gegen die unangenehmen Nebeneffekte soll die Bürste helfen. Und es brauche Zeit: «Je nach Körpergefühl kann es vier Wochen oder mehr dauern, bis sich das Haar angenehm anfühlt», sagt die Friseurin.

Und es riecht nach Haar

Wer die Start-Phase durchhält, dürfe sich auf eine natürliche, voluminöse Haarpracht freuen, verspricht Lachner.

Und wie riecht die? «Nach Haar eben. Der eigene Körpergeruch stinkt für uns nicht.» Ein beissender Geruch wie unter den Achseln nach dem Sport müsse man nicht befürchten, sagt Lachner. «Meistens riechen wir unangenehm genau wegen den Pflegeprodukten. Die Duftstoffe von Shampoos oder Deos verbinden sich mit bestimmten Bakterien, da wir die Schutzbakterien abwaschen, und erzeugen so den Gestank.»

Sie selber verzichtet seit gut einem Jahr auf Shampoo. Dafür kämmt sie ihr Haar täglich mit der Wildschweinborsten-Bürste.

Und wie fühlt sich das borstengebürstete Haar an?

«Mein Haar ist jetzt viel voluminöser, ich habe sogar leichte Wellen!»

Mit ihren Kursen wolle sie erreichen, dass mehr Menschen zufrieden seien mit dem eigenen Haar. «Es gibt so viele Produkte, die unser Haar aussehen lassen sollen, wie in der Werbung», sagt Lachner. Nur sei das leider nie der Fall. Ausserdem tue man etwas Gutes für die Umwelt, weil das Verpackungsmaterial wegfalle und weniger Mikroplastik in unsere Gewässer gelangen würden.

Dermatologie ist skeptisch

Wenig begeistert vom Trend äussern sich Dermatologinnen und Dermatologen. Selma Ugurel, Oberärztin am Institut für Dermatologie des Universitätsklinikum Essen sagt gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk: «Ganz ohne Seife, das kann ich mir einfach nicht vorstellen.» Der natürliche Körpergeruch sei nicht mehr gesellschaftsfähig.

Neigt man zu Schuppen oder gereizter Kopfhaut, könne es sogar schädlich sein, wenn man auf das Shampoo verzichtet, erklärt der Dermatologe Frank-Matthias Schaart gegenüber «Spiegel Online». «Je nach Veranlagung ist ein medizinisches Shampoo unbedingt erforderlich», so Schaart.

Bei Problemen mit der Kopfhaut rät er, sich medizinischen Rat zu holen, bevor man einfach mal das Shampoo weglässt.

Im Allgemeinen empfehlen Dermatologen, die Haare nicht zu häufig zu waschen, wie das Nachrichtenmagazin «Focus» schreibt. Jeder Waschgang schädige den Säureschutzmantel der Haut, was sie trocken werden lasse. Zwei bis dreimal Waschen pro Woche reiche aus, um die Haare von Talg und Schmutz zu befreien.

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