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Jeder Pokerspieler weiss: Auch mit zwei Assen kann man noch verlieren.
Jeder Pokerspieler weiss: Auch mit zwei Assen kann man noch verlieren.bild: shutterstock/watson
Analyse

Gelingt Barça mit Neymar und Griezmann der grosse Coup oder verpokern sich die Katalanen?

Der FC Barcelona will im Sommer nochmals kräftig aufrüsten und für die Offensive Neymar und Antoine Griezmann verpflichten. Das kann sehr gut gehen, birgt aber auch einige Gefahren. Eine Analyse.
26.06.2019, 19:1227.06.2019, 12:10

Die Tradition der Holländer begann beim FC Barcelona in den 70er-Jahren mit Rinus Michels und seinem «totalen Fussball». Sein damaliger Spieler und Landsmann Johan Cruyff sollte ihn exakt 10 Jahre später beerben. Fussball-Experten sind sich einig, dass der 2016 verstorbene Cruyff das Werk seines Landsmannes Michels so perfektionierte, dass es noch heute die Grundlage für den modernen Angriffsfussball stellt.

Die Holländer sind seither – auch dank zahlreichen weiteren Klublegenden wie Johan Neeskens, Ronald Koeman, Patrick Kluivert oder den De-Boer-Brüdern – beim FC Barcelona mit starken Emotionen verbunden. So planten die Katalanen auf die neue Saison die Rückkehr zu bewährt starken Holländern als Pfeiler ihrer Mannschaft. Passend, dass Ajax Amsterdam mit seinem Sturmlauf in den Champions-League-Halbfinal eine breite Palette an starken Holländern präsentierte.

De Jong (links) und De Ligt (Mitte) spielen wohl künftig nur noch in der Nationalmannschaft zusammen.
De Jong (links) und De Ligt (Mitte) spielen wohl künftig nur noch in der Nationalmannschaft zusammen.Bild: EPA/ANP

Mit Frenkie de Jong konnte «Barça» das Herzstück aus dem Ajax-Mittelfeld bereits im Januar für 75 Millionen Euro verpflichten. Sein Teamkollege Mathijs de Ligt sollte folgen, der Innenverteidiger ist mit seiner überragenden Spieleröffnung prädestiniert für die Spielphilosophie des FC Barcelona. Der Transfer von De Ligt schien bereits fix, doch Berater Mino Raiola war mit dem gebotenen Gehalt nicht zufrieden und presst stattdessen die Zitrone bei Juventus komplett aus, um seinem Schützling ein Jahressalär von 12 Millionen Euro zu ermöglichen.

Eine Forderung, bei welcher der FC Barcelona ausstieg und seine Taktik auf dem Transfermark anpasste. Schliesslich spart man die geschätzte Ablösesumme von 80 Millionen und der Bedarf in der Innenverteidigung ist eigentlich noch nicht so gross. Zwar wird irgendwann ein Nachfolger für den 32-jährigen Gerard Piqué notwendig, mit Clement Lenglet (24) und Samuel Umtiti (25) hat Barcelona jedoch schon zwei sehr starke Innenverteidiger. Zudem wartet der talentierte Jean-Clair Todibo (19) auf Einsatzminuten.

Barcelona hat nun offenbar auf Plan B umgestellt. Sie wollen mit Antoine Griezmann und Neymar gleich zwei absolute Topstars für die Offensive verpflichten. Im Sturm hat Barça zwar schon ein Quintett der Superlative: Ousmane Dembélé, Philippe Coutinho, Lionel Messi, Luis Suarez und Malcom bringen es zusammen auf einen Marktwert von 430 Millionen Euro. Doch so richtig zufrieden ist man in Barcelona vor allem mit dem Duo Coutinho/Malcom nicht und auch Ousmane Dembélé ist wegen seinen ständigen Eskapaden nicht über alle Zweifel erhalten.

Dembélé und Coutinho konnten bei Barcelona bisher nicht restlos überzeugen.
Dembélé und Coutinho konnten bei Barcelona bisher nicht restlos überzeugen.Bild: AP/AP

Es sollen also Griezmann und Neymar kommen – werden tatsächlich beide verpflichtet, ist das nicht nur finanziell ein All-in. Denn beide Spieler bringen neben ihren unbestrittenen Qualitäten auch einige Gefahren mit sich und könnten deshalb als Flop enden.

Antoine Griezmann

Seinen Abgang bei Atlético Madrid hat er bereits verkündet. Als neuer Verein für den französischen Weltmeister scheint der FC Barcelona in der Pole-Position. Seine Ausstiegsklausel beträgt aktuell noch 200 Millionen Euro, am 1. Juli wird diese vertraglich geregelt jedoch auf 120 Millionen fallen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Barcelona dann zuschlagen wird.

Mit Frankreich wurde Griezmann 2018 Weltmeister. Auf Klub-Ebene fehlt der ganz grosse Erfolg noch.
Mit Frankreich wurde Griezmann 2018 Weltmeister. Auf Klub-Ebene fehlt der ganz grosse Erfolg noch.Bild: EPA/EPA

Chancen:

  • Antoine Griezmann hat bisher bei jeder Mannschaft und in jedem Wettbewerb seine Torjäger-Qualitäten bewiesen. In der Champions League kommt er auf 21 Tore in 54 Partien, in der Liga auf 185 Treffer in 459 Spielen und für Frankreich hat er in 70 Länderspielen 29 Tore erzielt.
  • Er will endlich Klub-Titel. Während seinen fünf Jahren bei Atlético hat er «nur» die Europa League, den spanischen Supercup sowie den UEFA Supercup gewonnen. Griezmann dürfte heiss auf seinen ersten Meistertitel sein und auch die Champions League fehlt noch in seinem Palmarès.
  • Bei Barcelona hätte Griezmann endlich ein Team um sich, welches sich mehr am Spiel beteiligt. Bei Atlético musste er sich der destruktiven Spielweise unter Trainer Diego Simeone anpassen. Er könnte bei Barcelona aufblühen.
Die Fans träumen bereits vom neuen Super-Trio.Video: YouTube/SEN31

Gefahren:

  • Griezmann funktioniert deutlich am besten als hängende Spitze. Der Franzose ist kein klassischer Mittelstürmer und deshalb auch kein geeigneter Nachfolger von Luis Suarez. Im Gegenteil: Griezmann bespielt genau die Räume, die auch Lionel Messi liebt. Zwei solche Spielertypen im gleichen Team könnten sich auf den Füssen rumstehen und sich gegenseitig die Räume nehmen. Ein ähnliches Problem kennt Lionel Messi aus der Nationalmannschaft, wo aus diesem Grund Paulo Dybala kaum spielt, weil der Juve-Stürmer und Messi sich einfach schlecht ergänzen. Interne Quellen sollen sogar berichten, dass Messi gegen einen Transfer von Griezmann sei.
  • Antoine Griezmann ist bei Atlético der ganz grosse Star und der unumstrittene Fanliebling. In Madrid konnte er sein Tor-Konto dank Elfmetern immer wieder aufbessern, bei Barça gehört diese Rolle Lionel Messi. Ob Griezmann damit umgehen kann, dass sich plötzlich alles um einen anderen Spieler dreht und er plötzlich nur noch der Sidekick eines kleinen Argentiniers ist? Griezmann hat zudem den Ruf, ziemlich selbstverliebt zu sein. 2018 sagte er, dass er sich auf einer Stufe mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sehe. In Barcelona wird er in jedem Training realisieren, dass Messi noch ein Stück besser ist. Ob er damit umgehen kann?

Neymar

Der 27-jährige Brasilianer fühlt sich in Paris nicht mehr richtig wohl. Dass er in der Liga nicht gefordert wird, dürfte ihn langweilen, dass in der Champions League zweimal im Achtelfinal Endstation war, nerven. Neymar hat wohl mittlerweile realisiert, dass es mit PSG deutlich schwieriger wird, den Henkelpott zu gewinnen, als es dies mit Barcelona war. Des Weiteren hat ihm in Paris Kylian Mbappé etwas den Rang abgelaufen. Nun steht der Superstar angeblich vor einer Rückkehr zu Barça. Klar ist, Neymar wird teuer. PSG soll 300 Millionen Euro gefordert haben, heisst es. Spekuliert wird auch über eine Ablöse von 100 Millionen Euro plus Coutinho obendrauf. Auch andere Deals, in denen unter anderem Ivan Rakitic eingebunden wird, machten in den Medien bereits die Runde.

Ist das Trio um Suarez, Neymar und Messi bald wieder vereint?
Ist das Trio um Suarez, Neymar und Messi bald wieder vereint?Bild: AP/AP

Chancen:

  • Coutinho musste bei Barcelona oft den linken Flügel beackern, tat dies jedoch nicht zur vollsten Zufriedenheit von Trainer Ernesto Valverde. Und auch Ousmane Dembélé hat nach vielversprechendem Start nicht wie gewünscht abgeliefert. Für den linken Flügel gibt es weltweit wohl keinen besseren Spieler als Neymar, seit seinem Abgang konnte dieser nicht ebenbürtig ersetzt werden – und bei Barça reichte es seither nicht mehr zu den ganz grossen Erfolgen.
  • Neymar soll bereit sein, auf rund einen Drittel seines Gehaltes zu verzichten, um wieder für Barcelona spielen zu können. Es wäre ein klares Statement, dass der Brasilianer tatsächlich wieder zurück möchte.
  • Neymar hat den Kontakt zu vielen seiner ehemaligen Barça-Teamkollegen nie abgebrochen. Er gilt unter anderem als enger Freund von Lionel Messi, der ihn unbedingt wieder im Team haben will.

Gefahren:

  • Zuletzt sorgte Neymar vor allem für negative Schlagzeilen. In der Liga wurde er gesperrt, weil er einen Fan angriff, in der Champions League, weil er den Schiedsrichter via Instagram beleidigte. Und dann ist da noch der der Vorwurf der Vergewaltigung, seine Partynächte, der Flug nach Rio an den Karneval kurz vor dem Champions-League-Out, die Unterstützung des rechtsextremen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro und zuletzt musste er auch noch das Captainamt der «Seleção» abgeben.
  • 2017 verliess Neymar Barcelona, weil er nicht länger im Schatten von Lionel Messi stehen wollte. Es wäre eine Rückkehr in ebendiesen Schatten. Das Ziel, bei PSG endlich Weltfussballer zu werden, verpasste er deutlich. Wurde er 2015 und 2017 bei der Wahl immerhin Dritter, war er 2018 nicht mal mehr in den Top 10.
  • Neymar geniesst bei vielen Fans den Status als schnell beleidigte Diva. Seine Schauspieleinlagen machen es nicht besser. Zudem hat er mit seinem Abgang bei den Barça-Fans viel Kredit verloren und auch die Gerüchte um einen Wechsel zu Real Madrid machten ihn nicht beliebter. Barcelona hat mit Suarez, Dembélé und Coutinho – die beiden letzteren haben sich aus ihren Verträgen gestreikt – bereits einige Spieler mit umstrittenem Charakter in der Mannschaft. Ob es da auch noch einen Neymar verträgt?
  • Seit seinem Wechsel zu PSG war Neymar oft verletzt und verpasste knapp die Hälfte aller Pflichtspiele. Zuletzt musste er wegen einem Bänderriss im Sprunggelenk für die Copa America forfait geben.

Werden Coutinho und Malcom (oder sogar Dembélé) in diesem Sommer verkauft, dann ist es ein klares Statement von Barcelona: Wer nicht sofort performt, hat keine Zukunft und wird weitergereicht. Ob diese hohe Fluktuation förderlich ist, sei dahingestellt.

Der FC Barcelona steht auf jeden Fall vor einem wegweisenden Sommer. Die Qualitäten von Neymar und Griezmann sind unbestritten. Es wäre die auf dem Papier wohl beste Offensive der Fussball-Geschichte, dazu hat man sich mit Frenkie de Jong im Mittelfeld ja bereits sehr gut verstärkt und auch die Verteidigung ist ohne De Ligt grundsätzlich stabil.

Barcelona könnte den europäischen Fussball dominieren – wenn denn alles aufgeht. Doch der Poker ist hoch. Denn wer All-in geht, kann nicht nur viel gewinnen, sondern auch alles verlieren.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Couleur
26.06.2019 19:38registriert Januar 2018
Ich war ein grosser Fan des FC Barcelona in den 90er Jahren zur Zeiten der "Holländischen Welle". Die gastierten seinerzeit gar für ein Freundschaftsspiel gegen den "Rekordmeister" im alten Hardturm. Das waren noch Zeiten. Heute ist mir dieser Verein extrem unsympathisch geworden. Und Karma zahlt es ihnen doppelt und dreifach zurück. Sowohl bei Dembele wie auch Coutinho die Spieler zum Streiken angehalten. Barcelona bekam, was sie verdienten...Und mein Herz haben sie mit solchem Gebaren auch längst verloren.
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Birdie
26.06.2019 21:04registriert November 2016
Als Barcelona Fan will ich maximal einen, sicher nicht beide. Griezmann finde auch ich eher unpassend, Neymar hingegen wäre sportlich top, aber er ist mir unsympathisch und bringt Unruhe, deswegen fände ich am Besten keiner der zwei würde kommen.

De Ligt wäre super gewesen, aber wenn ein knapp 20-jähriger mehr verdienen will wie Ramos bei Real verdient, dann muss man klar nein sagen. Sonst kommen dann alle älteren Spieler und wollen auch mehr.

Persönlich würde ich wenig umstellen. Coutinho verkaufen und einen billigeren Ersatz + Jugendspieler holen und Barça bleibt konkurenzfähig.
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Baron Swagham IV
26.06.2019 20:42registriert Februar 2019
Neymar ja- bin definitiv kein Fan von ihm aber bei Barca gefiel er mir weil er spielerisch überzeugte und nicht nur jammerte.
Griezman ist mir deutlich sympathischer aber ich seh es nicht wie er da funktionieren soll.
Das erwähnte Beispiel von Messi/Dybala ist sehr zutreffend. Griezman bei Bayern fände ich interessant. Lewandowski/Griezman könnte viel
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