Knall nach dem Cupsieg: Matthias Hüppis Tage beim FC St.Gallen scheinen gezählt
Conference League, Vizemeister, Cupsieger: Der FC St.Gallen durchlebt gerade die erfolgreichste Zeit seiner Vereinsgeschichte. Doch jetzt platzt eine Bombe, die den Klub erschüttert. Am Montagabend, 28 Stunden nach dem grössten Erfolg seit 26 Jahren, sickerte durch, dass sich das Aktionariat einen Umsturz im Verwaltungsrat nicht bloss überlegt, sondern ihn bereits eingefädelt hat.
Demnach dürfte Matthias Hüppis Vertrag Ende dieses Jahres nicht verlängert und der frühere St.Galler SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker als sein Nachfolger installiert werden. Hüppi war am Montagabend nicht erreichbar. Es heisst, der erfolgreichste Präsident der Vereinsgeschichte habe auf das Angebot einer Vertragsverlängerung bislang nicht reagiert.
Germann, Gründler, Hammer und Würth treten zurück
Und so soll der 55-jährige Wiler Kölliker ab dem 1. Januar 2027 Nachfolger von Hüppi werden. Bereits per 30. Juni 2026 sollen Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer sowie Benedikt Würth zurücktreten. Vom bisherigen Verwaltungsrat bliebe demnach nur noch Patrick Thoma, erst im vergangenen Herbst in dieses Gremium gewählt, übrig.
Kölliker, Urs Baumer (Finanzen), Martina Wüthrich (Juristin aus dem Kanton Thurgau) und der frühere Basel-Torhüter Marwin Hitz (Bereich Sport) sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung der FC St.Gallen Event AG in den Verwaltungsrat gewählt werden, Kölliker dann später an einer ordentlichen GV zum Präsidenten.
Mit Geld der Aktionäre an die Spitze der Super League?
Ziel des Aktionariates und des neuen Verwaltungsrates sei es, den FC St.Gallen nachhaltig, auch mit finanzieller Unterstützung der Aktionäre, an der Spitze der Super League zu etablieren, berichten die Quellen. Schon im vergangenen Herbst war zu hören, dass der aktuelle Verwaltungsrat zur Besonnenheit aufrief, wenn es um Pläne ging, noch mehr herauszuholen aus dem FC St.Gallen: Ihn erfolgreicher zu machen, ihn näher an Basel oder die Young Boys heranzuführen.
Offenbar wurde man sich über die künftige Ausrichtung des Klubs nicht mehr einig. Zudem wären Würth und Gründler wohl nicht mehr zur Wiederwahl vorgeschlagen worden. Dies veranlasste die anderen Verwaltungsratsmitglieder offenbar, geschlossen zurückzutreten.
Auch veränderte sich im Leitungsgremium einiges, seit Thoma, der potente Aktionär und Präsident der Ambassadoren-Gönnervereinigung, trotz Widerstands von den Klubbesitzern in den Verwaltungsrat gewählt wurde.
Ein massiver Gegenwind ist absehbar
Nun also planen die Aktionäre einen Umsturz der groben Sorte – und sie gehen damit das Risiko ein, auf massive Gegenwehr zu stossen. Schon kurz nach dem Cupfinal in Bern hatten St.Gallens Fans Spruchbänder ausgerollt und bekundeten darauf ihre Unterstützung für den bisherigen Verwaltungsrat.
Auch auf einefueralli.ch hinterlegte die Fankurve eine klare Botschaft. Für die Fans steht fest: Sie sind mit der aktuellen Führung zufrieden.
Dieser Umsturz wirkt wie ein Schuss aus der Hüfte, wie ein regelrechter Putsch gegen ein Führungsgremium, das den FC St.Gallen in den vergangenen achteinhalb Jahren sportlich weiterentwickelt und ihn finanziell zuerst stabilisiert und dann kerngesund gemacht hat.
Weshalb wird das Risiko in Kauf genommen, diesen Cupsieg zu beschädigen?
Der Klub ist unter Hüppi und seinen Kollegen im Verwaltungsrat zu einem Vorzeigeverein geworden, der wieder tief verwurzelt ist und die Massen begeistert. Noch ist unklar, weshalb das Aktionariat diese drastischen Schritte einleitet, das Risiko in Kauf nimmt, diesen Cupsieg zu beschädigen und eine Unruhe auszulösen, die sich über Monate hinziehen kann. Auf jeden Fall wird eine gute Kommunikation entscheidend sein.
Offenbar kamen einem Teil der Aktionäre die Worte von Hüppi kurz nach dem Cupfinal-Erfolg gegenüber SRF in den falschen Hals. Das Interview liess tief blicken. Der 68-Jährige sagte:
Der Umsturz wirkt erzwungen
Der zweite Cuptitel in der langen Geschichte des FC St.Gallen war vor allem die Krönung der achteinhalbjährigen Ära von Präsident Hüppi und seinen Kollegen im Verwaltungsrat. Nun neigt sie sich dem Ende zu.
Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass der FC St.Gallen in der Ostschweiz ein Kulturgut ist, das Menschen zusammenbringt. Dieser Umsturz scheint erzwungen – es wird wochenlang unruhig werden. Es ist fraglich, ob es das wert ist. (aargauerzeitung.ch)
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