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United manager Jose Mourinho poses with the trophy after winning the soccer Europa League final between Ajax Amsterdam and Manchester United at the Friends Arena in Stockholm, Sweden, Wednesday, May 24, 2017. United won 2-0. (AP Photo/Martin Meissner)

Mit Mourinho will Tottenham endlich einen grossen Titel holen. Bild: AP

Analyse

Passt Mourinho überhaupt zu Tottenham? Kein Schelm, wer Zweifel hat



Exakt 337 Tage war José Mourinho nach seinem Aus bei Manchester United ohne Job, nun kehrt «The Special One» mit Pauken und Trompeten in die Premier League zurück. Einen Tag nach der Entlassung von Mauricio Pochettino wurde der 56-jährige Portugiese bei Tottenham Hotspur als Nachfolger präsentiert. Mourinho unterschrieb bei den «Spurs» einen Vertrag bis 2023. Sein Jahresgehalt soll rund 19 Millionen Franken betragen – damit verdient er fast doppelt so viel wie sein Vorgänger. Am Donnerstag um 15 Uhr wird «Mou» erstmals vor die Medien treten.

Von Pochettino zu Mourinho – das wirkt wie eine Kehrtwende um 180 Grad. Hier der besonnene Argentinier, der Tottenham mit viel Geduld und Geschick zur Spitzenmannschaft geformt hat – da der launische Portugiese, der zwar überall Titel gewinnt, aber als taktisch eindimensional gilt und einen Klub völlig für sich einnimmt. Die ganze Fussball-Welt stellt sich darum die Frage: Passt Mourinho überhaupt zu den «Spurs»? Die Kritikpunkte am neuen Tottenham-Trainer sind seit Jahren dieselben.

Destruktive Spielweise

Wer an Mourinho denkt, denkt mittlerweile reflexartig an den «geparkten Bus». Gegen spielerisch überlegene Teams predigte Mourinho während seines zweiten Engagements bei Chelsea und später bei Manchester United einen ultra-defensiven «Kratz-und-Beiss-Fussball» (Spiegel), der eigentlich nur darauf ausgelegt war, das gegnerische Spiel zu zerstören.

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Zuletzt war Mourinho als TV-Experte tätig. bild: twitter

Unlängst verteidigte Mourinho in einem Interview mit «The Coaches Voice» seine Fussball-Philosophie: «Viele Leute glauben, dass die Teams mit hohem Ballbesitz auch automatisch dominant sind. Aber das kommt darauf an, wie man das Spiel betrachtet. Ein Team ohne Ball kann auch dominieren. Für einige Trainer ist Ballbesitzfussball mehr etwas für das Image und die Öffentlichkeit. Am Ende ist aber nur eine Statistik relevant: Welches Team mehr Tore geschossen hat.»

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«A team is a puzzle of ideas» – Mourinho erklärt, wie er den Fussball sieht. Video: YouTube/The Coaches' Voice

Mourinho will sich aber nicht auf seinen pragmatischen Soldatenfussball versteifen: «Man muss manchmal auch gegen seine Ideen arbeiten können, um den richtigen Weg zum Erfolg zu finden», erklärte er.«Man muss sich an den Verein und den Wettbewerb anpassen können.»

Tottenham spielte in den fünfeinhalb Jahren unter Pochettino, anders als Mourinho bei seinen letzten Stationen, einen modernen Offensivfussball mit hohem Pressing und schnellem Umschaltspiel. Statt teure Stars zu verpflichten, setzte man wegen den Stadionneubaus auf den eigenen Nachwuchs und die Weiterentwicklung von aufstrebenden Talenten. Ob Mourinho dazu bereit ist?

Autoritäre Menschenführung

Mourinho hat bei seinen Klubs gerne die totale Kontrolle. Wer nicht auf seine Linie einschwenkt, wird als Feind betrachtet. Bei seinen ersten Engagements bei Chelsea, Inter Mailand und Real Madrid schaffte es «The Special One» dank seinem Charme jeweils, die gesamte Mannschaft hinter sich zu scharen und eine Wir-gegen-alle-Mentalität zu kreieren. Unvergessen die Clásico-Schlachten, in denen sich die Königlichen gegen den spielerisch überlegenen Erzrivalen aus Barcelona auflehnten wie Asterix und seine Gallier gegen die Römer.

Der Wolf im Schafspelz:

Das Problem: Sobald der sportliche Erfolg ausblieb, folgten die Spieler Mourinho, seinem autoritären Führungs- und defensiven Spielstil nicht mehr bedingungslos. Bei Real Madrid überwarf er sich am Ende in sportlich schwierigen Zeiten mit Iker Casillas und Sergio Ramos, bei der Rückkehr zu Chelsea mit Eden Hazard und bei Manchester United mit Paul Pogba. Je grösser die Kritik an ihm wurde, desto resoluter schlug Mourinho zurück. Meist mit schwerwiegenden Folgen für den Klub. Die «Times» verglich seine rabiaten Führungsmethoden einst mit einem antiken Feldherrn, der stets verbrannte Erde hinterlässt.

Bei Tottenham kann er sich einen weiteren solchen Abgang nicht mehr leisten, das würde sein Karriereende bedeuten. Tottenham ist Mourinhos letzte Chance. «The Special One» muss sich also anpassen. Ob er das kann und auch wirklich dazu bereit ist?

Das sagen die Experten

Alan Shearer (England-Legende):

«Mourinho hat auf einen grossen Job gewartet und jetzt hat er einen. Er hat grosse Fussstapfen zu füllen, wenn er versuchen will, es besser zu machen als Pochettino. Der Argentinier mag zwar keinen Titel gewonnen haben, aber er hat seine Art von Fussball kultiviert. Das Erreichen des Champions-League-Finals war etwas ganz Besonderes und wird den ‹Spurs›-Fans noch viele Jahre in Erinnerung bleiben.»

BBC

Paul Gascoigne (England-Legende):

«José Mourinho ist ein unglaublicher Trainer. Wenn ich Tottenham-Spieler wäre, würde ich mich freuen, dass er kommt. Für mich waren Sir Alex Ferguson und Sir Bobby Robson die Besten und José Mourinho ist nicht weit von ihnen entfernt, man kann nicht viel besser sein als er.

Ich glaube nicht, dass es lange dauern wird, bis er die Garderobe für sich gewonnen hat. Wenn ich ein Spieler wäre, würde ich mir ansehen, was er gewonnen hat und welche Emotionen er bei den Spielern hervorruft. Er ist ein Trainer, für den ich definitiv spielen würde.»

sky sports

Graeme Souness (Ex-Tottenham-Spieler):

«Tief in seinem Inneren ist er ein wütender und frustrierter Mann, wegen der Art und Weise wie es bei Manchester United für ihn gelaufen ist. Die ‹Spurs› werden ihren Nutzen daraus ziehen.

Mourinho wird in seinem neuen Job keine Überraschungen erleben. Er weiss, was ihn erwartet. Er kennt die Spieler, gegen die er spielt und wird ein Gespür für die Spieler haben, mit denen er arbeitet. Er hat überall, wo er gearbeitet hat, Titel gewonnen und das erwarte ich auch bei den Spurs von ihm.»

Sky Sports

Jamie Redknapp (Ex-Tottenham-Spieler):

«Ich weiss nicht, ob Mourinho der Richtige für Tottenham ist. José gibt gerne Geld aus und möchte grosse Namen verpflichten. Er mag erfahrene Spieler und ist nicht bekannt dafür, jungen Spielern eine Chance zu geben. Das könnte zu Problemen mit Klubboss Daniel Levy führen.»

skysports

Stan Collymore:

«Erstaunlich, wie einige auf die Parole ‹Mourinho, der Gewinner› hereingefallen sind, ohne zu bedenken, wie er seine Klubs jeweils verlässt. Unausgewogen, zerstört, das Budget verschwendet, seelenlos. Alles, was die Spurs vermeiden wollten. Viel Glück! Ich mag die ‹Spurs› sehr, aber es geht nicht darum, wie dieser Mann zum Klub stösst, sondern wie er ihn verlassen wird.»

Eidur Gudjohnson (Ex-Chelsea-Spieler):

«Ich habe grossen Respekt vor dem Mann, der uns bei Chelsea auf ein neues Level gebracht hat. Es ist eine grosse Herausforderung, auf dieses Top-Level zu kommen, aber Tottenham gehört unter die Top 4.»

Sky Sports

Ian Herbert (englischer Fussball-Experte):

«Es ist Wahnsinn von Tottenham, José Mourinho zu verpflichten. Er wird das Leben, die Seele und die Freude aus der Mannschaft saugen und alles ruinieren, was Mauricio Pochettino aufgebaut hat. Es ist eine Kamikaze-Aktion, die Pochettinos gute Arbeit bedroht. Mourinhos Individualismus steht im Widerspruch zu Pochettinos lebhaftem Stil. Pochettinos Menschenkenntnis half, aus Heung-Min Son einen Star zu machen. Mourinho dagegen fehlte die Empathie, um Kevin De Bruyne bei Chelsea aufblühen zu lassen. Der Portugiese ist ein Individuum ohne ein Minimum an Geduld oder Verständnis für die Unbekümmerten.»

daily Mail

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jo Blocher 21.11.2019 07:32
    Highlight Highlight Die Erwartungen sind hoch. Wenn er sofort Erfolg hat, ist er auch bei Tottenham der Held, wenn nicht, und sich die Skepsis ihm gegenüber bestätigt, wird er nicht mal diese Saison an der Seitenlinie überstehen!
  • Füürtüfäli 21.11.2019 00:26
    Highlight Highlight Die Arsenal Fans können aufatmen, endlich kann Emery gefeuert werden ohne in der Gefahr zu sein Mou als nächsten Trainer zu bekommen.
  • dave1771 20.11.2019 21:50
    Highlight Highlight Das erste Mal das Mou kein Topclub mehr trainiert.
    • sid8 21.11.2019 12:58
      Highlight Highlight Ist der letztjährige CL-Finalist für sie kein Spitzenclub?!
  • LifeIsAPitch 20.11.2019 21:08
    Highlight Highlight Gut für die PL! Spannend auch die Frage, ob sich Mourinho fussballerisch (ein bisschen) neu erfindet. Es gibt wirklich Anzeichen dafür, z.B. sein neuer Staff. Eine interessante Rolle wird dabei Joao Sacramento einnehmen, der in Lille Teil eines erfolgreichen Trainerteams war, das hohes Pressing und schnellen Offensivfussball spielen liess. Sollte sich Mourinho tatsächlich weiterentwickelt haben, beweist er, dass er nicht nur einer der besten Manager war, sondern noch immer ist. Und wenn Arsenal klug ist, feuern die Gunners Emery, springen über den eigenen Schatten und verpflichten Pochettino!
  • make_love_not_war 20.11.2019 19:45
    Highlight Highlight alle klubs seelenlos, in trümmern und chaos hinterlassen? weiss nicht recht.. beim 1. chelski hinterliess er, m.erachtens kein so krasses zeugs.. die nachfolger und natüterli der präsi, hatten ein ganz andere herangehensweise oder idee, wie fortgefahren werden sollte..
    ich finde 'pool zeigts am besten, wie langfristig geplant werden sollte.. auch wenn das wandergebiss ein ganzes anderes, begeisterndes charisma an den tag legte, im gegensatz zum special one..
    aber wer weiss.. das einzig stete ist ja die veränderung..
  • Pax Mauer 20.11.2019 19:20
    Highlight Highlight danke an die Spurs, so kommt Aki nicht in Versuchung, den Unsympath nach Dortmund zu holen. Hoffentlich behalten sie ihn auch übers Saisonende hinaus.
  • Mancunian90 20.11.2019 18:45
    Highlight Highlight Sehr MOUtig von den Spurs.
  • Jol Bear 20.11.2019 18:09
    Highlight Highlight Mou sagte vor ein paar Monaten, dass er nur für ein Team arbeiten werde, bei dem vor einer Vertragsunterzeichnung mit der Vereinsführung eine langfristige Strategie gemeinsam und einvernehmlich festgelegt werde (im Gegensatz zu seinem Engagement bei Man Utd.). Möglicherweise hat das stattgefunden. Pochettino hat viel erreicht, war nahe am CL-Titel. Die Spurs sind aber immer noch „titellos“, und das wollen sie jetzt ändern. Also abwarten und die Sache beobachten, interessant wird es auf jeden Fall.
    • zellweger_fussballgott 21.11.2019 09:46
      Highlight Highlight Man hat gemäss englischen Medien bereits vor drei Wochen Kontakt aufgenommen mit Mourinho... Der Trainerwechsel war also schon von langer Hand geplant.
      Was ein bitterer Nachgeschmack hinterlässt, da Pochettino grossartiges geleistet hat.
  • so war es doch nicht gemeint 20.11.2019 16:41
    Highlight Highlight Mal abwarten.
    Die Wahrheit liegt auf dem Platz und in den Ergebnissen.

    • Kunibert der Fiese 20.11.2019 20:00
      Highlight Highlight Der bus ist gestern schon vor die white hart lane gestellt worden 😉
  • aussenrist 20.11.2019 16:29
    Highlight Highlight Bin sehr gespannt auf das Engagement von Mou. Die Argumente im Artikel sind plausibel. Ich würde den Spurs Erfolg gönnen. Vielleicht liegt sogar ein kleiner Titel drin.

    Wahrscheinlicher ist aber wohl,
    mehr Unterhaltung neben dem Platz als auf dem Platz und dass er bis in rund 2 Jahren "die Seele und freude aus diesem Klub gesaugt hat".
  • raffmei 20.11.2019 16:20
    Highlight Highlight Ich bin überzeugt das Mou erfolg mit den Spurs haben kann und wenn dann richtig! Jedoch ist das Risiko auch sehr gross das es wie immer endet mit Mou... in einem ziemlichen grossen Desaster für den Klub.
  • Sloping 20.11.2019 16:19
    Highlight Highlight Irgendwie komplett absurd: Über Jahren wurden Pochettino jegliche Transferwünsche wegen des Geldes verwehrt und nun stattet man Mou mit 19 Mio pro Jahr bis 2023 aus. Vielleicht hat dieser Wechsel kurzfristig Erfolg, aber mittelfristig endet es im Debakel. Auch glaube ich kaum, dass nach der Entlassung noch irgendein Spitzenverein Mou einstellen wird und Tottenham bis 2023 zahlen muss.
    • AdiB 20.11.2019 17:20
      Highlight Highlight Mou kann wann er will zu porto.

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