Kanadas Curling-Teams sorgen für Ärger – auch Schweizer mit Betrugsvorwürfen
Am gestrigen Samstag gab es bei den Olympischen Spielen von Mailand-Cortina im Curling sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern das Duell Schweiz gegen Kanada. Zweimal setzte sich die Schweiz durch. Das Team um Skip Silvana Tirinzoni holte einen 0:4-Rückstand auf und setzte sich nach Zusatz-End 8:7 durch. Yannick Schwallers Equipe gewann 9:5.
Doch nicht nur den Sieger hatten die Spiele gemeinsam. In beiden Partien wurden Kanada Regelverstösse vorgeworfen. Bei den Frauen wurde der erste Stein von Skip Rachel Homan im ersten End entfernt, weil sie gemäss dem Schiedsrichter den Granit berührt hatte. Im Curling ist es bis zur Hogline erlaubt, den Griff mehrmals zu berühren, nicht aber den Granit.
She slid her finger down the rock. Certainly seems less deliberate but the finger is on the stone and not on the handle. pic.twitter.com/LHosCJK4yK
— Hasse Billing (@hassebilling) February 14, 2026
Homan konnte den Entscheid überhaupt nicht nachvollziehen. «Absolut nicht, ich habe das im Leben noch nie gemacht», erklärte sie auf dem Eis. Die Forderung nach einem Videobeweis konnte von den Schiedsrichtern nicht erfüllt werden. Fernsehbilder zeigen jedoch, dass Homan den Stein wohl tatsächlich im unerlaubten Bereich berührt hat. Dennoch sagte die 36-Jährige gemäss CBC danach: «Ich werde den Entscheid nie verstehen. Wir haben das noch nie gemacht.»
Direkte Folgen hatte der entfernte Stein nicht, Homan sicherte mit dem letzten Versuch des Ends doch noch einen Stein für Kanada. Nach drei Ends führten die Kanadierinnen 4:0, danach gaben sie das Spiel noch aus der Hand.
Schweizer Lachat-Couchepin beschwerte sich
Der Regelverstoss, der nach Betrachten der Fernsehbilder eher nach einem Versehen aussah, kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Denn auch die kanadischen Männer mussten sich bereits zum zweiten Mal vorwerfen lassen, zu betrügen.
Während des Spiels zwischen der Schweiz und dem Team von Skip Brad Jacobs beschwerte sich Pablo Lachat-Couchepin, dass ein Kanadier einen Stein doppelt berührt habe. Doch obwohl er zum Schiedsrichter gegangen sei und dieser es ebenfalls gesehen habe, habe der Unparteiische nicht gehandelt.
Schon im vorherigen Spiel der Kanadier am Freitagabend gegen Schweden hatten sie ihre Gegner erzürnt. Die verbale Auseinandersetzung zwischen dem Schweden Oskar Eriksson und Kanadas Marc Kennedy schlug hohe Wellen. Eriksson warf den Kanadiern vor, den Stein nach dem Loslassen zu berühren – und zwar mehrmals. Kennedy reagierte empört: «Ich habe das nicht einmal getan. Du kannst mich mal!» Wobei er das wohl gängigste englische Fluchwort gleich zweimal benutzte. Ausserdem warf er Eriksson vor, «im Zielkreis herumzutanzen».
Auch hier deuten Videoaufnahmen darauf hin, dass Kennedy den Stein tatsächlich unerlaubt am Granit berührt hat. Ein zweifelsfreier Entscheid kann aber nicht getroffen werden. Die Schiedsrichter griffen nicht ein, doch wurde den Kanadiern später online vorgeworfen, den Sportsgeist des Curlings zu beschmutzen.
Canada vs Sweden in Curling
— L (@leiiilic) February 13, 2026
The video from the side when they double touched the stone. Is this not against the rules? pic.twitter.com/jU5r9i1m26
Nach dem Spiel folgten weitere verbale Spitzen. Eriksson stellte klar: «Wir wollen ein ehrliches und sauberes Spiel. Deshalb melden wir es, wenn wir sehen, dass sie den Stein berühren.» Kennedy wies die Vorwürfe weiterhin zurück: «Er beschuldigt uns immer noch, zu betrügen, und das gefällt mir nicht. Also habe ich ihm gesagt, wo er sich das hinstecken kann, denn wir sind nicht das Team, mit dem man so umgehen kann.» Gleichzeitig erklärte er auch, grossen Respekt vor Eriksson, der «einer der besten Spieler der Geschichte» sei, zu haben. «Ich würde ihm nie Betrug vorwerfen», so der 44-Jährige.
Der Weltverband reagierte
Schweden-Skip Niklas Edin sagte später, dass diese unerlaubten Berührungen immer wieder passieren würden. «Es ist traurig, dass es in unserem Sport zu hitzigen Diskussionen kommt, anstatt dass gemäss dem Regelbuch Curling gespielt wird.» Es sei überraschend, «dass es immer noch passiert und die Schiedsrichter nichts dagegen unternehmen. Sie sehen es und geben auch zu, es gesehen zu haben, und sagen: ‹Ja, es ist nicht erlaubt, aber wir unternehmen nichts dagegen.›»
Am Samstag reagierte der Weltverband World Curling auf die Vorkommnisse des Spiels zwischen Schweden und Kanada mit einem Statement. Normalerweise würden Schiedsrichter lediglich am Ende der Bahnen sitzen und könnten deshalb nicht jeden Regelverstoss sehen. Weist aber eine Spielerin oder ein Spieler auf einen solchen hin, würde der Unparteiische während drei Ends an der Hogline platziert. Dies sei auch am Freitagabend passiert, jedoch konnte kein Regelverstoss erkannt werden. Es sei nicht möglich, die Hoglines an jeder Bahn zu kontrollieren, doch würden ab Samstag zwei Schiedsrichter zwischen den vier Bahnen rotieren.
Im Spiel zwischen den Schweizerinnen und Kanadierinnen hatte dies bereits Konsequenzen. Für Silvana Tirinzoni und Co. war es im vierten Spiel übrigens der dritte Sieg, während die Kanadierinnen erst einmal siegreich waren. Noch besser läuft es den Schweizer Männern, die nach vier Partien als einziges Team makellos sind.
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