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EM 2024: Das spricht für und gegen die vier Halbfinalisten

Munich, Bavaria, Germany - May 13, 2024: The winner s trophy of the European Football Championship, Henri Delaunay Cup of UEFA EURO, EM, Europameisterschaft,Fussball 2024 in front of the Allianz Arena ...
Das Objekt der Begierde: Der EM-Pokal, ausgestellt in München.Bild: www.imago-images.de
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Das spricht für die EM-Halbfinalisten – und das gegen sie

Am Dienstag startet bei der EM in Deutschland die entscheidende Phase. Noch vier Teams dürfen sich Hoffnung auf den Titel machen. Eine Übersicht, was für und was gegen die vier Anwärter auf den Sieg spricht.
08.07.2024, 21:0209.07.2024, 12:46
Dario Bulleri
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Spanien

Was für den Titelgewinn spricht

Kein Team hat an der bisherigen EM bislang so überzeugend gespielt wie die Spanier. So sind die Iberer die einzigen, welche sämtliche fünf Partien für sich entscheiden konnten. Dies, obwohl der Weg in den Halbfinal kein einfacher war: In der Gruppe musste Spanien gegen Titelverteidiger Italien und Kroatien ran, im Viertelfinal gegen den starken Gastgeber Deutschland.

Spain's players celebrate at the end of a quarter final match between Germany and Spain at the Euro 2024 soccer tournament in Stuttgart, Germany, Friday, July 5, 2024. (AP Photo/Ariel Schalit)
Spanien setzte sich in einem hochklassigen Viertelfinal gegen Gastgeber Deutschland durch.Bild: keystone

Doch nicht nur die Resultate sprechen für die Spanier. Auch die Art und Weise, wie die Siege zustande kamen, überzeugte. Luis de la Fuente lässt die Spanier in ihrem klassischen 4-3-3 auflaufen, aber dabei nicht den typisch spanischen Ballbesitzfussball spielen. Die Spanier setzen auf schnelle Angriffe über die Aussenbahn, wo die jungen Nico Williams und Lamine Yamal immer wieder für Gefahr sorgen. Zehn Tore erzielten die Iberer dadurch schon, so viele wie sonst nur Deutschland. Und mit fast 2 Expected Goals pro 90 Minuten hatte Spanien mit Abstand die meisten Torchancen aller Halbfinalisten.

Was gegen den Titelgewinn spricht

Während die Offensive der Spanier brillieren konnte, zeigte sich die Verteidigung um den mittlerweile in Saudi-Arabien tätigen Aymeric Laporte bislang nicht immer sattelfest. Als im Viertelfinal Florian Wirtz für Deutschland ausglich, gerieten die spanischen Verteidiger regelmässig ins Schwimmen und liessen einige gefährliche Chancen zu – nur mit Glück schafften es die Spanier, in dieser Phase nicht in Rückstand zu geraten. Und auch Keeper Unai Simón, der schon mit grösseren Patzern auffiel, ist nicht über alle Zweifel erhaben.

Spain's goalkeeper Unai Simon gives directions to his teammates during a quarter final match between Germany and Spain at the Euro 2024 soccer tournament in Stuttgart, Germany, Friday, July 5, 20 ...
Nicht immer ganz stilsicher: Spaniens Keeper Unai Simón.Bild: keystone

Weiter muss sich Trainer Luis de la Fuente für das Frankreich-Spiel unfreiwillig personelle Fragen stellen. Drei Spieler, die gegen Deutschland von Beginn an dabei waren, können im Halbfinal nicht mittun: Pedri fehlt verletzt, die beiden Verteidiger Dani Carvajal und Robin le Normand fehlen gesperrt.

Spain's Dani Carvajal, 2nd left is shown a red card by the referee after commiting a tactical foul on Germany's Jamal Musiala during a quarter final match between Germany and Spain at the Eu ...
Dani Carvajal (sitzend) sieht gegen Deutschland die rote Karte.Bild: keystone

Frankreich

Was für den Titelgewinn spricht

Die Defensive – denn diese ist bislang absolut überragend. Erst ein einziges Gegentor kassierten die Franzosen in den bisherigen fünf Spielen, einen Penalty gegen Polen. Geheimfavorit Österreich, Kevin de Bruynes Belgien, die gefährlichen Niederländer und Portugals Starensemble bissen sich allesamt am französischen Bollwerk die Zähne aus. So liess kein Team pro 90 Minuten so wenige Chancen zu wie die Franzosen.

Dayot Upamecano of France, left, and William Saliba celebrate after Belgium's Jan Vertonghen scored an own goal during a round of sixteen match between France and Belgium at the Euro 2024 soccer  ...
Dayot Upamecano und William Saliba überzeugen bislang.Bild: keystone

Nicht unterschätzt werden darf zudem die Erfahrung der Franzosen. Mit Weltmeister Didier Deschamps haben die Bleus als einziger Halbfinalist einen Mann an der Seitenlinie, der schon ein grosses Nationalmannschafts-Turnier gewinnen konnte, und den einzigen, der in einer Top-5-Liga Meister wurde. Deschamps versteht es, in seinem Team eine hervorragende Balance an Routiniers und Youngsters zu finden. Einerseits ist da der Kern um N'Golo Kanté, Antoine Griezmann, Kylian Mbappé oder Olivier Giroud, die beim WM-Titel 2018 dabei waren. Dann aber auch schon die neue, hungrige Generation um William Saliba (23), Eduardo Camavinga (21) oder Bradley Barcola (21).

epa11460839 Antoine Griezmann of France looks on during the UEFA EURO 2024 quarter-finals soccer match between France and Portugal, in Hamburg, Germany, 05 July 2024. EPA/ROBERT GHEMENT
Routinier Antoine Griezmann weiss, wie man grosse Titel gewinnt.Bild: keystone

Was gegen den Titelgewinn spricht

Die bisherige Torausbeute macht Frankreich Sorgen. Drei Tore stehen bei den Bleus erst auf dem Konto – zwei Eigentore und ein Penalty-Treffer. Aus dem Spiel heraus wartet das Starensemble nach 480 Minuten noch immer auf ein Tor. Dabei ist die Chancenerarbeitung nicht mal so schlecht, nur Spanien hat von den Halbfinalisten mehr Expected Goals auf dem Konto. Doch die Effizienz fehlt bislang gänzlich.

Die offensiven Probleme der Franzosen sind stark mit dem bisherigen Turnier von Kylian Mbappé verbunden. Nach seinem Nasenbeinbruch im ersten Spiel gegen Österreich scheint der Superstar nicht mehr derselbe Spieler zu sein. Mit Maske ist Mbappé eine gewisse Portion Respekt und Frust anzusehen. «Ich hasse es, es ist wirklich sehr irritierend», gab er zu. Fünf Partien wartet er mittlerweile auf ein Tor aus dem Spiel heraus – letztmals war ihm das in der Nationalmannschaft vor knapp drei Jahren passiert. Auch die Gesamtbilanz von Mbappé an Europameisterschaften macht wenig Mut: In acht Spielen war der Penalty gegen Polen das bislang einzige EM-Tor seiner Karriere.

epa11460935 Kylian Mbappe of France looks on during the UEFA EURO 2024 quarter-finals soccer match between France and Portugal, in Hamburg, Germany, 05 July 2024. EPA/FILIP SINGER
Kylian Mbappé hadert mit seiner Maske.Bild: keystone

Niederlande

Was für den Titelgewinn spricht

Kein Halbfinalist kann wohl so befreit aufspielen wie die Niederländer. Sämtliche Wettanbieter sehen das Team von Ronald Koeman als grössten Aussenseiter der verbliebenen Mannschaften. Dies schlägt sich auch in der Stimmung bei den Fans nieder. Während etwa bei England viel Druck auf den Spielern lastet, herrscht bei den Niederländern eine ganz andere Stimmung: Die Fans feierten schon in der Gruppenphase Fussballfeste und sorgten stets für hervorragende Stimmung.

Weiter spricht für die Niederländer, dass sie – ziemlich überraschend – auf den bislang besten Offensivspieler der EM zählen können. Cody Gakpo erzielte an dieser EM bereits drei Tore und bereitete ein weiteres vor, womit er zusammen mit dem Georgier Georges Mikautadze die Torschützenliste anführt. Im Gegensatz zum Georgier erzielte der Liverpool-Stürmer sämtliche Tore aus dem Spiel heraus.

Was gegen den Titelgewinn spricht

Auf dem Papier stellen die Niederländer das schwächste Team der Halbfinalisten. Die Oranje sind zwar auf sämtlichen Positionen gut besetzt, der ganz grosse Star, wie ihn die Engländer mit Jude Bellingham oder die Franzosen mit Mbappé haben, fehlt aber. In Zahlen: Der durchschnittliche Spieler der Niederländer kostet gut 31 Millionen Euro, also nur gut halb so viel wie der durchschnittliche Engländer (gut 58 Millionen).

Auch die bisherigen Leistungen sprechen nicht unbedingt für die Niederländer. Und dies nicht nur, weil sie als einziger Halbfinalist bereits eine Partie verloren haben (2:3 gegen Österreich). Offensiv vermochten sie zwar durchaus zu überzeugen, gleichwohl erspielten sie sich weniger Chancen als Spanien oder Frankreich. Und hinten wackelten die Niederländer teils gewaltig – von allen Halbfinalisten liessen sie bislang die meisten Chancen zu. Und dies, obwohl sie mit Rumänien und der Türkei bislang einen einfacheren Weg in den Halbfinal hatten als Spanien oder Frankreich.

England

Was für den Titelgewinn spricht

Schaut man auf die Namen im Kader, ist England absoluter Topfavorit auf den Titel. Schon die Verteidigung ist gut besetzt, aber das Mittelfeld und der Sturm sind an Qualität nicht zu überbieten. Überflieger Jude Bellingham, Goalgetter Harry Kane, City-Star Phil Foden, Wirbelwind Bukayo Saka – es sind Namen, die das Fussballherz höher schlagen lassen. Auch in der Breite ist das Team hervorragend aufgestellt. Gegen die Schweiz konnte Gareth Southgate etwa Cole Palmer oder Trent Alexander-Arnold einwechseln – Spieler, die sonst fast überall gesetzt wären. Der Wert des Kaders beträgt gut 1,5 Milliarden, der mit Abstand höchste Wert.

epaselect epa11448218 Jude Bellingham of England celebrates scoring the 1-1 goal with his teammate Harry Kane (R) during the UEFA EURO 2024 Round of 16 soccer match between England and Slovakia, in Ge ...
Auf dem Papier überragend: Harry Kane und Jude Bellingham.Bild: keystone

Während auf dem Papier vor allem die Offensive ins Auge sticht, brillierten die Engländer an der EM aber insbesondere in der Defensive. Von sämtlichen Teams liessen nur die Franzosen, Portugal und Deutschland pro 90 Minuten weniger Chancen zu. Gareth Southgates Fussball mag zwar kritisiert werden, doch die Resultate geben ihm Recht.

Was gegen den Titelgewinn spricht

So stark die englische Offensive auf dem Papier ist, so enttäuschend agierte sie bislang auf dem Platz. Englands Fussball fokussiert sich derart stark auf das Verhindern von Risiken, dass man kaum Chancen kreiert. Nicht mal 0,7 Expected Goals pro 90 Minuten kreierten die Three Lions aus dem Spiel heraus, womit man im Vergleich zur Halbfinal-Konkurrenz deutlich abfällt. Bislang ging dies gut, weil man die Probleme durch Standards, Effizienz und Bellinghams Wundertor gegen die Slowakei kompensieren konnte. Ob es auch gegen die bislang besten Teams des Turniers funktioniert, bleibt fraglich.

Weiter spricht gegen die Engländer, dass sie wohl deutlich mehr unter Druck stehen als die anderen Halbfinalisten. Als einziges der vier Teams konnte das Mutterland des Fussballs noch nie Europameister werden, der letzte grosse Titel liegt 58 Jahre zurück. Das Warten hat die Fans ungeduldig gemacht. Eine Ungeduld, die sich schnell in Unmut kippt: Nicht nur die Fans, auch die Experten gingen nach den bislang durchzogenen Leistungen hart ins Gericht. Sollte ein allfälliger Final knapp werden, könnte dieser Druck zum Nachteil werden – zumal dann Erinnerungen an den Final von vor drei Jahren aufkommen könnten, als man führte und schliesslich im Penaltyschiessen dramatisch verlor.

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Luca Regnipuzz
08.07.2024 22:38registriert Februar 2017
Mein Traumfinale wäre die Revanche von 2010 mit umgekehrtem Sieger. Frankreich und England haben es schlicht nicht verdient dieses Jahr
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Pacha Mama
09.07.2024 00:25registriert Dezember 2018
Leider setzt sich an Turnieren oftmals Anti-Fussball durch, siehe Portugal 2016. Ich hoffe auf Holland-Spanien, aber befürchte Frankreich-England. Das würde dann ein stinklangweiliger Final werden, der mit ziemlicher Sicherheit nach torlosen 120‘ ins Elfmeterschiessen gehen würde.
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Nix sagen
09.07.2024 07:06registriert August 2020
Von der Leistung her wäre Spanien sicher nicht unverdient. England und Frankreich wäre ein Desaster. Solcher Antifussball darf nicht belohnt werden. Die Niederlande wäre cool, wegen den zahlreichen Fans. Da wär Party wie nirgends und ein schöner Abschluss für eine grossteils tolle EM.
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