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Luhail Stadion

Nein, das ist kein Screenshot aus Sim City – hier findet momentan die Handball-WM statt. bild: rkmetalurg.mk

Handball-WM in Katar

Wie in Sim City oder im Manager-Game – die Scheichs in Katar rauben dem Sport die Magie 

Heute finden in Katar die Viertelfinals der Handball-WM statt. Der Grössenwahn der Organisatoren ist für den Sport äusserst bedrohlich. Denn zum ersten Mal werden auch Länderspiele durch Petrodollars entschieden.



Wir erinnern uns: 1. Juli 2014, die Schweiz spielt an der Fussball-WM gegen Argentinien. Von Genf bis Rorschach klebt Rot-Weiss vor dem Bildschirm. Die Kiosk-Frau von nebenan, die pubertierende 14-jährige Tochter des Nachbars und der ach so intellektuelle Germanistik-Student aus dem Uni-Seminar. Sie alle haben sonst so wenig mit Fussball zu tun wie eine Durex-Werbung mit der Vatikanzeitung «Osservatore Romano».

Doch wenn die Nationalmannschaft an der WM spielt, dann können auch sie sich für das Spiel dem runden Ball begeistern. Und warum ist das so? Weil man sich mit der Nationalmannschaft im Gegensatz zur Klub-Mannschaft viel besser identifizieren kann. 

Frau Schweiz Argentinien Nati Nationalmanschaft

An Welt- und Europameisterschaften zieht die Nati das ganze Land in seinen Bann.  Bild: watson

Die Spieler spielen für jenes Land, wo ihre Wurzeln liegen. Nicht dort, wo Kohle gescheffelt werden kann. Die Nationalmannschaft ist eine Herzensangelegenheit. Diese Romantik berührt die Menschen und es entstehen jene magischen Momente wie am 1. Juli 2014. Momente, die es im durchkalkulierten und vom Geld dominierten Sportbusiness sonst immer seltener gibt. 

Länderspiele als letzte Bastion der Romantik im Sport; leider könnte auch das bald der Vergangenheit angehören. Denn in Katar wird dieser Tage mächtiges Geschütz aufgefahren, um dieses Bollwerk dem Erdboden gleichzumachen. 

Der Scheich spielt Sim City – in Realität

Ausgerüstet mit einem 220 Millionen Euro schweren Budget organisierte das katarische Staatsoberhaupt Scheich Tamim bin Hamad Al Thani die diesjährige Handball-WM. Der 34-Jährige erklärte das Turnier zur Chefsache und stampfte in der Nähe von Doha eine hochmoderne Halle aus dem Boden. 15'300 Zuschauer finden in der futuristischen «Lusail Multipurpose Hall» Platz. Ein Ufo im Wüstensand. Ein Scheich spielt Sim City. Aber nicht auf dem Computer, sondern in Realität.

Doha in echt

Zum Verwechseln ähnlich: Die Skyline von Doha ... Bild: yallabye.eu

Doha Sim City

... und das aktuellen Cover des Computerspiels Sim City.  Bild: ea.com

Die drei Spielstätten der Handball-WM liegen nur 24 Kilometer auseinander, trotzdem ist der Transfer von einer Halle in die andere eine Tortur. Verstopfte Strassen und Staus sind an der Tagesordnung. Scheich Al Thani verspricht, dass er das Problem spätestens bis zur Fussball-WM in den Griff bekommen werde. Man glaubt ihm, die Mittel dazu hat er. 

Und darum geht es dem Golfstaat auch. Man möchte glaubwürdig wirken; zeigen, dass man in der Lage ist, solche Grossevents reibungslos durchzuführen. Aus diesem Grund wurde eine mächtige PR-Maschinerie ins Rollen gebracht. Laut NZZ sind für die laufende Hanball-WM 1711 Medienleute aus 80 Ländern akkreditiert. 680 davon wurden von den Veranstaltern eingeladen. Sie sollen kritikfrei über die WM berichten. Sogar ein fünfköpfiges Fernsehteam von den Cook-Inseln wurde eingeflogen. 

Olympische Spiele in Katar? Eine Frage der Zeit

Die Brust der Organisatoren ist geschwellt. Aus organisatorischer Sicht ist den WM-Veranstaltern auch kaum etwas vorzuwerfen. Den Spielern fehlt es an nichts. Am Mittwoch nutzte man die Gunst der Stunde und liess verlauten, dass man sich für die olympischen Spiele bewerben wird: «Wir haben noch nicht entschieden, ob wir bereits für 2024 kandidieren. Aber wir werden kandidieren. Entweder für 2024, 2028 oder 2032», so der Vorstehende des olympischen Komitees. 

«Aber wir werden kandidieren. Entweder für 2024, 2028 oder 2032»

Der Zeitpunkt ist noch nicht klar, aber Katar wird sich für die Olympischen Spiele bewerben.

Bis zur Fussball-WM im Jahr 2022 ist Katar übrigens auch noch Austragungsort der Rad-WM (2016), eines Formel-1-GPs (2017), der Turn-WM (2018) und der Leichtathletik-WM (2019). Insgesamt stehen in nächster Zeit in Katar 17 Weltmeisterschaften in olympischen Sportarten an. So weit, so ungut. Was deutlich mehr Sorgen macht: Beim Sport wird ebenfalls manipuliert. Und zwar im grossen Stil.

Nur vier gebürtige Katarer in der Nationalmannschaft

Seit 2011 ist klar, dass Katar die Handball-WM wird ausrichten dürfen. Seit 2011 ist Tamim bin Hamad Al Thani auch klar, dass Katar an der WM ein Weltklasse-Team stellen muss. So liess er kurzerhand reihenweise Handball-Stars einbürgern, welche nun für die katarische Flagge spielen. Zum Beispiel den 28-jährigen Zarko Markovic aus Montenegro, welcher momentan zweitbester Skorer der WM ist. Gebürtige Katarer stehen nur vier im Kader des Gastgebers.

A fan of the Qatar team reacts ahead of the 24th Men's Handball World Championships Eighth Final EF3 match between Austria and Qatar at the Lusail Multipurpose Hall in Doha on January 25, 2015.  AFP PHOTO / AL-WATAN DOHA / KARIM JAAFAR
==QATAR OUT==

Angeblich wurden 60 Spanier eingeflogen, die für Katar Stimmung machen sollen. Bild: AL-WATAN DOHA

Der Plan geht auf: Katar hat die Gruppenphase bravourös überstanden und schlug am Dienstag Österreich im Achtelfinal mit 29:27. «Österreich von Referees und Katar aus WM gekickt», titelte die «Kronen-Zeitung», «gegen uns wurden in der zweiten Hälfte so viele Offensivfouls gepfiffen wie im ganzen Turnier zuvor zusammen», der Kommentar von Österreichs Captain Viktor Szilagy.

Der Scheich spielt ein Manager-Game – in Realität, und das ist gefährlich

Den Katarern sind diese kritischen Stimmen egal. Sie stehen heute im Viertelfinal gegen Deutschland. Jenes Deutschland, dass sich eigentlich gar nicht für die WM qualifiziert hat, aber dank einer dubiosen Suspendierung Australiens zu einer Wild-Card kam. Gewinnen die Katarer auch gegen Deutschland, wartet erneut eine Siegprämie von je 100'000 Euro auf sie. So viel zahlt Al Thani seinen Spielern angeblich pro Sieg. Bis jetzt hat Katar fünf Mal gewonnen. Man rechne. 

epa04584102 Qatar's Zarko Markovic celebrates their win after the Qatar 2015 24th Men's Handball World Championship Round of 16 match between Austria and Qatar at the Lusail Multipurpose Hall outside Doha, Qatar, 25 January 2015. Qatar 2015 via epa/Srdjan Suki Editorial Use Only/No Commercial Sales

Markovic verdient sich bei Katar eine goldene Nase.  Bild: Qatar 2015 via epa/Qatar 2015 via epa

Ein Scheich spielt ein Manager-Game. Aber nicht auf der Playstation, sondern in Realität. Und vor allem: Nicht mit einer Klub-, sondern mit einer Nationalmannschaft. Das ist neu und macht Angst. Eine gefährliche Tendenz, die an der Fussball-WM in Katar mit Garantie eine Fortsetzung finden wird. Wenn Länderspiele in Zukunft ebenfalls von mächtigen Investoren orchestriert werden, dann verlieren sie ihre Magie. Und unvergessliche Momente wie an jenem 1. Juli 2014 werden noch seltener werden. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • maxi 28.01.2015 15:20
    Highlight Highlight Und ihr habt einen Artikel pro red bull im Fussball verfasst.... Höi doppelmoral
    • Anded 28.01.2015 18:04
      Highlight Highlight Das äquivalent von diesem Artikel im Vereinsfussball ist nicht nur RB, sondern alle Vereine welche Spieler einkaufen. Oder Spieler verpflichten, die aus einer anderen Region kommen. Oder Spielertransfer generell. Ich finde es sinnvoll die Grenze zwischen Vereinssport (kommerziell, Spielertransfers gehören dazu) und Nationalmanschaften zu ziehen. Deshalb nix Doppelmoral. Zumindest nicht aus meiner Sicht.
    • corsin.manser 28.01.2015 21:19
      Highlight Highlight Genau, um diese Grenze ging es. Und by the way ... Wann haben wir pro RB geschrieben?
    • Anded 29.01.2015 09:01
      Highlight Highlight maxi meint diesen Artikel: http://www.watson.ch/!911290692
    Weitere Antworten anzeigen
  • LucasOrellano 28.01.2015 15:20
    Highlight Highlight Tja, aber von Erdöl bleiben wir doch gerne abhängig, weil alles andere "zu teuer" ist. Wer gegen die Energiewende ist, unterstützt diesen Irrsinn direkt.
  • Anded 28.01.2015 11:30
    Highlight Highlight Sobald ein Athlet einem Verein in einem Verband beitritt, welcher Teilverband eines letzendlich internationalen Verband ist (z.B. IHF, FIFA), soll seine Nationalität als Sportler erfasst werden. Staatsbürgerschaft ist ausschlaggebend. Doppelbürger können sich für eine ihrer Nationalitäten entscheiden. Für dieses Land ist der Athlet nachher in internationalen Wettkämpfen berechtigt anzutreten. Wechsel sind keine möglich. Wäre schön wenn das mal bei einigen Sportarten so eingeführt würde. Schon jetzt sind Olympische Spiele ein Witz.
  • mrgoku 28.01.2015 11:20
    Highlight Highlight Leider ist Sport schon lange zu dem mutiert was es heute ist. Nicht nur Handball. Auch Futsal (Azerbaijan hat im Kader 12 Brasilianer, Italien deren 8) oder Beach-Soccer (hat Russland 4-5 Brasilianer im Kader) etc. Das "Multi-Kulti" Thema wird zumindest im Sport nur noch ins Lächerliche gezogen. Da geht es nicht mehr darum ein Land zu vertreten sondern darum Geld zu schaufeln. Was ist daran toll für den Sport wenn Qatar eine WM gewinnt aber kein einziger gebürtige Qatarese oder wie man denen sagt dazu beigetragen hat? Kann man den Titel gleich von Anfang an einfach kaufen bzw. ersteigern...
  • pascii 28.01.2015 11:00
    Highlight Highlight …und der Scheich hält sich gerne Sklaven sowie einen kultivierten Verzicht auf gesunden Menschenverstand und Understatement. Vielleicht spendet er auch der FIFA udn IS etwas Teekässeligeld. Man kann nur mutmassen.

Das sind die 6 Nominierten für den Schweizer «MVP des Jahres»

Erstmals wird im Rahmen der Wahlen zum Schweizer Sportler des Jahres in einer eigenen Kategorie der oder die beste MannschaftssportlerIn ausgezeichnet. Ein Drittel der Stimmen kommen mittels Online-Voting von den Fans.

Sechs Mannschaftssportler und -sportlerinnen aus vier Sportarten sind nominiert. Bis am 3. Dezember können Sportfans ihre Stimme abgeben, ausgezeichnet wird der oder die «MVP des Jahres» anlässlich der «Sports Awards» am 15. Dezember.

Die Stimmen aus dem Online-Voting (hier) zählen in der MVP-Wahl zu einem Drittel. Die restlichen Stimmen stammen von den Vertretern der Schweizer Sportmedien sowie den Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern. Und das sind die sechs Nominierten:

In der letzten …

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