Bayern wütet über Penalty-Entscheid von Schweizer Schärer – weshalb dieser vertretbar war
Das Dasein als Schiedsrichter kann ganz schön frustrierend sein. Da leitet der Schweizer Sandro Schärer das völlig verrückte Halbfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München über weite Strecken einwandfrei und am Ende ist er für eine Seite trotzdem der Buhmann.
Der Grund für die Aufregung aufseiten des Bundesligisten ist der Penalty, den Schärer PSG kurz vor Ende der 1. Halbzeit zuspricht. Eine Flanke von Ousmane Dembélé landet am Arm von Bayern-Verteidiger Alphonso Davies. Der Schweizer Unparteiische lässt erst weiterspielen, dann schaltet sich der spanische VAR Carlos del Cerro Grande ein. Schärer geht an den Bildschirm an der Seitenlinie und revidiert dann seinen Entscheid. Dembélé verwandelt den fälligen Penalty zum zwischenzeitlichen 3:2.
«Der Elfmeter gegen uns war höchst fragwürdig», tobte Bayern-Trainer Vincent Kompany, der die Partie wegen einer Sperre von der Tribüne aus verfolgte, nach dem Spiel. Etwas weniger scharf formulierte es Joshua Kimmich: «Der Handelfmeter ist eher Kategorie unglücklich. Das ist nicht im Sinne des Sports.» Als Erklärung für ihren Ärger führten die beiden an, dass der Ball Davies erst am Körper trifft und von dort an die Hand des 25-jährigen Kanadiers springt.
Schärer kann jedoch das Regelbuch als Begründung für seinen Entscheid heranziehen. Gemäss diesem ist es nämlich ein strafbares Handspiel, wenn der Ball vom Körper eines Spielers abprallt und danach den Arm oder die Hand desselben Akteurs berührt, «wenn dieser sich mit dem Arm bereits vorher unnatürlich breiter gemacht hat». Weil Davies beim Wegdrehen den Arm nach vorne bewegt und so seine Körperfläche vergrössert, ist der Entscheid also vertretbar.
Dies sieht auch der deutsche Schiedsrichterexperte Lutz Wagner so. «Mit den Bildern von der gegenüberliegenden Seite sieht man, dass der Arm zuerst nicht in der Flugbahn des Balles ist. Er ist sogar hinter dem Rücken verschränkt. Dann geht der linke Arm raus und vergrössert damit die Abwehrfläche», sagte Wagner bei Prime Video und stellte klar: «Aus meiner Sicht ist es durchaus ein strafbares Handspiel.»
Ob der VAR in dieser Szene eingreifen und Schärer seinen ursprünglichen Entscheid dann revidieren muss, steht auf einem anderen Blatt.
Für Bayerns Mittelfeldstar Kimmich ist unabhängig davon, ob der Entscheid regeltechnisch korrekt war, klar: «Da kann man die Regel anpassen, dass nicht jedes Handspiel im Sechzehner ein Elfmeter ist. Weil da kriegst du einen Ball irgendwie vom Knie an die Hand und die Strafe dafür ist dann schon sehr, sehr entscheidend, vor allem in einem Champions-League-Halbfinale.»
Nach dem Penaltytor von Dembélé erhöhte PSG gar auf 5:2, doch kamen die Bayern wieder auf 4:5 heran. Im Rückspiel vom nächsten Mittwoch ist also weiterhin alles möglich.
