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Niklas Süle hört mit 30 auf – die Witze über sein Gewicht verfolgten ihn

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Die letzten Bilder von Niklas Süle als Fussballprofi sind keine schönen – aber gleichzeitig sinnbildlich: Der Innenverteidiger wurde immer wieder von Verletzungen geplagt.Bild: www.imago-images.de

Die Witze über sein Gewicht liessen ihn nie los – nun hört Niklas Süle (30) auf

Mit erst 30 Jahren beendet Niklas Süle seine Karriere. Der BVB-Verteidiger wurde immer wieder durch Verletzungen ausgebremst – gibt aber auch zu: «Ich habe nicht alles investiert.»
08.05.2026, 09:1408.05.2026, 09:14

«Die Geschichte eines Hochbegabten, den stets ein Aber begleitete», titelt der Kicker, nachdem Niklas Süle im Alter von 30 Jahren sein Karriereende verkündet hat. Das Fachmagazin zeigt damit die grosse Lücke zwischen Erwartungen und Realität, die der Innenverteidiger nie schliessen konnte.

Süle galt zu Beginn seiner Karriere mit seiner kräftigen Statur und einer Körpergrösse von 1,95 Meter als künftiger Abwehrchef des deutschen Nationalteams. Ein echter Fels in der Brandung, der gleichzeitig mit grossen technischen Fähigkeiten gesegnet war. Sein feines Füsschen, das ihm den Spitznamen «Sülinho» einbrachte, stand dabei im völligen Gegensatz zu seinem robusten Körperbau.

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Schon bei seinem Länderspieldebüt im Jahr 2016 zeichnete Niklas Süle ein robuster Körperbau aus.Bild: imago sportfotodienst

Doch obwohl Süle seine Beobachter immer wieder ins Staunen versetzte, konnte er sein Potenzial nie ganz ausschöpfen. Am Ende stehen bei ihm zwar beachtliche 49 Länderspiele zu Buche, ein echter Leistungsträger wurde aus ihm bei Deutschland aber nie. Dasselbe gilt für seine Zeit bei Bayern München, wo er in fünf Saisons nur einmal in mindestens 30 Bundesliga-Spielen zum Einsatz kam. Bei Borussia Dortmund, wo er mit einem Jahresgehalt von zwölf Millionen Euro einer der Topverdiener war, konnte er die Erwartungen in vier Jahren ebenfalls zu selten erfüllen.

Das Thema Gewicht begleitete ihn ständig

Ein Grund dafür waren die wiederkehrenden Verletzungen, die Süle immer wieder zu Pausen zwangen. Doch auch der Lebensstil, der nicht dem Ideal eines Spitzensportlers entspricht, hinderte ihn daran, zu einem Weltklassespieler zu reifen. Die Diskussionen um sein Gewicht begleiteten ihn ständig und schon von Beginn seiner Profikarriere, die mit 17 Jahren im Trikot von Hoffenheim startete.

«Ich habe Bilder von mir gesehen, da bin ich nicht stolz drauf.»

Selbst seine Bosse witzelten zum Teil über ihn. So habe es in einer Besprechung von Bayerns Chefetage mal den Vorschlag gegeben, in den McDonald's-Filialen in München Plakate mit Süles Foto und der Aufschrift «Gesucht: tot oder lebendig» aufzuhängen. Beim BVB mussten ihm die Verantwortlichen mehrmals ins Gewissen reden, weil er das kolportierte Idealgewicht von knapp 100 Kilogramm zum Teil um über zehn Kilogramm überschritt.

Regelmässig gab es auch in den sozialen Medien Witze über Süle, wenn mal wieder ein Bild auftauchte, auf dem er augenscheinlich einige Kilogramm zu viel auf den Hüften hatte. Oder als er vor dem Rückflug aus einem Trainingslager mit dem Nationalteam im Mai 2022 am Flughafen für alle sichtbar einen Burger ass. Im Podcast «Spielmacher», in dem er sein Karriereende verkündete, sagte er nun: «Ich habe Bilder von mir gesehen, da bin ich nicht stolz drauf.»

«Ich habe am Tag vor dem Wiegen nichts gegessen und bin mit Regenjacke in die Sauna.»

Süle sprach offen über das Thema Gewicht – und wie er dabei auch trickste. Bei Bayern München, das ihn 2017 für 20 Millionen Euro von Hoffenheim loseiste, wären die Spieler jeweils donnerstags gewogen worden. «Ich habe am Mittwoch nichts gegessen, immer gefastet. Und ich bin abends bei mir daheim noch mit Regenjacke in die Sauna», erzählte der 30-Jährige. So habe er jeweils zweieinhalb Kilogramm abgenommen. An den restlichen sechs Tagen habe er hingegen «gelebt wie ein … ich will es gar nicht sagen». Zwar habe er sich in der Hinsicht verbessert, «aber das hat mich immer verfolgt».

Fussball hatte bei ihm nie den höchsten Stellenwert

Der Innenverteidiger bemühte sich immer wieder, seine Form zu verbessern, engagierte einen Koch, suchte Hilfe bei einem Mentaltrainer. Doch so richtig wollte es nicht klappen. «Irgendwann kommt ein Punkt, wo es schwierig wird, sich zu motivieren, wenn Fussball nicht einen solchen Stellenwert hat. Und den hat er bei mir nie gehabt», beichtet Süle.

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Niklas Süle (l.) ist Champions-League-Sieger und fünffacher deutscher Meister.Bild: Fotoagentur SVEN SIMON

«Ich habe nicht alles investiert», gibt Süle weiter zu und berichtet von Zweifeln seiner Mutter, die ihn bereits seit zwei Jahren immer wieder gefragt habe: «Bist du wirklich für dieses Geschäft gemacht?» Auch er selbst ist zum Schluss gekommen, dass die Antwort auf diese Frage «nein» lautet.

«Dass ich mit 110 Kilogramm trotzdem 35 km/h gerannt bin, war mein Glück.»

Dennoch kann Niklas Süle am Ende eine beeindruckende Vita vorweisen. Er ist Champions-League-Sieger, wurde fünfmal deutscher Meister und gewann zweimal den DFB-Pokal. Er gibt selbst zu, dass er dies vor allem durch sein Talent erreicht habe, nicht durch extrem harte Arbeit oder den höchsten Einsatz. «Dass ich mit 110 Kilogramm trotzdem 35 km/h gerannt bin, war mein Glück.» Seine Geschwindigkeit stellte er unter anderem bei seiner Wahnsinnsgrätsche gegen Kylian Mbappé in der Champions League im Dezember 2023, durch welche er vielen Fussballfans noch länger im Gedächtnis bleiben dürfte, unter Beweis.

Noch in der Kabine weinte er

Nun kehrt Niklas Süle dem Profifussball mit 30 Jahren den Rücken. Er dachte schon länger darüber nach, den endgültigen Entscheid fasste er dann, nachdem er sich im Spiel in Hoffenheim vermeintlich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Danach habe er unter der Kabinendusche zehn Minuten geweint. «Ich konnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als mich eigentlich auf die Zeit danach zu freuen, dann aber meinen dritten Kreuzbandriss verarbeiten zu müssen», so Süle.

Doch der Verdacht stellte sich als falsch heraus. Nun will er seine Gesundheit nicht mehr aufs Spiel setzen, auch in der Zeit nach der Karriere mit den Kindern spielen und sich sportlich betätigen können. Aber eben für sich selbst, weil er es will – und nicht, weil er aus beruflichen Gründen dazu gezwungen ist.

Es ist in gewisser Hinsicht eine Befreiung für ihn: Während des Podcasts stellt Niklas Süle zwölf Cheeseburger auf den Tisch, die er mitgebracht hat, um sie mit den drei weiteren Anwesenden zu teilen. Dann sagt er: «Normalerweise esse ich sechs.»

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Die beliebtesten Kommentare
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Herr Kules
08.05.2026 09:54registriert Januar 2018
Irgendwie sympathisch und menschlich, ich mag ihn!
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