Am Sonntag stehen die Enhanced Games an – was du zu den Doping-Spielen wissen willst
Was sind die Enhanced Games?
Die Enhanced Games sind ein von einem US-Investor ins Leben gerufener Sportevent, bei dem leistungsfördernde Mittel wie Doping oder auch spezielle Schwimmanzüge explizit erwünscht sind. Ziel dieser Doping-Spiele ist es, Weltrekorde zu brechen – und Geld zu kassieren.
Wann und wo finden die Enhanced Games statt?
Die Enhanced Games gehen in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada, über die Bühne. Am Sonntag, dem 24. Mai (respektive in der Nacht auf Montag Schweizer Zeit), finden die Events im Resorts World Hotel statt. Zuvor war der Event mehrfach verschoben worden.
Welche Sportarten sind im Programm?
Bei den Enhanced Games stehen Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben im Fokus. Konkret stehen folgende Events im Programm:
- Schwimmen: 50 m und 100 m Freistil.
- Schwimmen: 50 m und 100 m Delfin.
- Leichtathletik: 100 m.
- Gewichtheben: Snatch und clean & jerk.
- Strongman: Deadlift.
Sind bekannte Sportler dabei?
Ja, es sind einige bekannte Sportler dabei. Mehr als ein Dutzend Schwimmer, die schon bei Olympischen Spielen dabei waren, nehmen an den Enhanced Games in Las Vegas teil – darunter auch der Brite Ben Proud, Silbergewinner über 50 m Freistil in Paris, oder der Ukrainer Andriy Govorov, der den Weltrekord über 50 m Delfin hält.
Bei den Leichtathleten ist Fred Kerley der grösste Name. Der Sprinter wurde 2022 über 100 m Weltmeister und ist derzeit und noch bis 2027 bei offiziellen Events sowieso gesperrt, weil er drei Dopingtests in Folge verpasste. In der Strongman-Kategorie tritt Hafthor Bjornsson an, bekannt als stärkster Mann der Welt oder «The Mountain» in Game of Thrones.
Ist Doping wirklich erlaubt?
Ja, Doping ist gar erwünscht. Die Sportlerinnen und Sportler durften diverse leistungssteigernde Substanzen wie Testosteron, Anabolika, Wachstumshormone oder Amphetamine zu sich nehmen. Die grosse Mehrheit der Athleten tat dies unter zur Verfügung gestellter ärztlicher Aufsicht. Einige Sportler setzten auch auf Zusammenarbeit mit privaten Medizinern.
Im Schwimmen kommen neben Doping auch Anzüge zum Einsatz, die in herkömmlichen Wettkämpfen nicht erlaubt sind und weniger Wasserwiderstand bieten sollen.
Wie gefährlich ist das?
Sehr gefährlich. Die Welt-Antidopingagentur (WADA) spricht von einem «gefährlichen und verantwortungslosen Konzept». In der Sportgeschichte habe es viele Athleten gegeben, die an von Doping verursachten Langzeiteffekten leiden. «Einige sind sogar gestorben», warnt die WADA.
Auch Patrick Noack, Verbandsarzt vom Schweizer Leichtathletik- sowie Schwimmverband, spricht im Tages-Anzeiger davon, dass diese Doping-Spiele sehr gefährlich seien: «Manche werden sicherlich versuchen, ihre Leistung zu maximieren, indem sie verschiedene Substanzen kombinieren: Steroide, Wachstumshormone, EPO. Das schlägt auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, die Psyche und auch das Fortpflanzungssystem.»
Prominente Sportler von A bis Z, die mit Doping erwischt wurden
Werden Teilnehmer für andere Sportevents gesperrt?
Das ist bisher nicht in allen Fällen klar. Aber wenn sie in offizielle Dopingkontrollen geraten, solange noch verbotene Substanzen in ihrem System sind, riskieren die Sportlerinnen und Sportler natürlich lange Sperren. Es ist auch gut möglich, dass sich innerhalb der Szene Widerstand regt, sollten sie nach den Enhanced Games versuchen, wieder an regulären Events teilzunehmen.
Der Weltschwimmverband World Aquatics hat hingegen bereits eine deutliche Sprache gesprochen: Wer, in welcher Form auch immer, an Anlässen wie den Enhanced Games teilnimmt, wird von allen Wettbewerben von World Aquatics ausgeschlossen.
Wer steckt hinter den Enhanced Games?
Der Mann hinter den Enhanced Games ist Aron d'Souza, ein australischer Unternehmer. Er hat die Idee mit den Doping-Spielen 2023 lanciert. Der deutsche Milliardär Christian Angermayer und US-Techunternehmer Peter Thiel sind ebenfalls Investoren. Auch Donald Trump Jr., der Sohn von US-Präsident Donald Trump, soll Geld in das Projekt gesteckt haben.
Gemäss D'Souza soll es bei den Spielen darum gehen, herauszufinden, wozu der menschliche Körper tatsächlich fähig ist und Weltrekorde aufzustellen. Der Australier behauptet, 99 Prozent der Sportler seien ohnehin gedopt, und die Enhanced Games seien deshalb die transparentere Alternative.
Zählen die Rekorde tatsächlich?
Nein. Da die Enhanced Games ein privater Event ohne Regulierung irgendeines Dachverbands sind, würden sämtliche aufgestellte Weltrekorde nicht offiziell anerkannt werden.
Den Sportlern dürfte das egal sein, sie werden trotzdem fürstlich entlohnt. Wer einen (inoffiziellen) Weltrekord aufstellt, erhält mindestens 250'000 US-Dollar Prämie. In den Königsdisziplinen (100-Meter-Sprint und 50 m Freistil) gibt es bei einem Weltrekord gar eine Prämie von einer Million US-Dollar. Zudem gibt es pro Event einen Preisgeld-Pool von 500'000 Dollar, wobei die jeweiligen Sieger die Hälfte davon erhalten.
Kann man die Events irgendwie mitverfolgen?
Im Hotel in Las Vegas wurde eine 2500 Zuschauer fassende temporäre Arena aufgebaut. Tickets gab es allerdings keine zu kaufen, ein Besuch vor Ort ist nur auf Einladung möglich.
In den USA werden die Doping-Spiele auf dem Streaminganbieter Roku übertragen. Für den Rest der Welt werden die Events auf YouTube gestreamt.
