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FILE - This March 12, 2020, file photo, shows the Capital One Arena, home of the Washington Capitals NHL hockey club in Washington. Time is running short for the NHL to start its season on Jan. 1. Various pandemic-related geographic and economic issues remain unresolved. (AP Photo/Nick Wass, File)

Die NHL-Stadien bleiben vorerst noch leer. Bild: keystone

Der NHL-Start verzögert sich weiter – Schuld ist nicht nur Corona, sondern auch das Geld

Es ist Anfang Dezember und der Start der neuen NHL-Saison ist noch nicht absehbar.



Am 1. Januar – so spät wie noch selten – hätte eigentlich die neue NHL-Saison beginnen sollen. Doch während einige Teams mittlerweile zwar mit den verfügbaren Spielern erste Trainings durchführen, scheint der tatsächliche Saisonauftakt noch weit weg. Das Problem? Natürlich die zweite Corona-Welle, die Nordamerika erreicht hat. Aber auch das liebe Geld.

Die NHL-Teambesitzer und die Spielergewerkschaft (NHL Players' Association – NHLPA) streiten sich derzeit nämlich hauptsächlich über finanzielle Anliegen. Um zu erklären, worum es geht, müssen wir zuerst auf den letzten Sommer zurückblicken.

Damals ging es in den Gesprächen zwischen der Liga und der NHLPA um die Fortführung der unterbrochenen Saison 2019/20, aber eben auch um eine vorzeitige Erneuerung des Gesamtarbeitsvertrags (Collective Bargaining Agreement – CBA) im Hinblick auf die von der Coronavirus-Pandemie verursachte Krise. Damals einigten sich die beiden Parteien auf folgende Punkte:

Was ist Escrow?

Der aktuelle Gesamtarbeitsvertrag der NHL schreibt vor, dass jegliches «hockey related revenue» – also Geld, das die Teams durch Tickets, TV-Verträge, Gastronomie etc. einnehmen – zwischen Spielern (durch die Löhne) und Teambesitzern halbiert wird.

Klingt in der Theorie einfach, ist in der Praxis aber etwas komplizierter. Denn die Spielerlöhne sind jedes Jahr eine fixe Summe. Die Einnahmen der Teams variieren aber von Jahr zu Jahr, insbesondere jene der kanadischen Teams, die zusätzlich noch vom Wechselkurs zum US-Dollar abhängig sind. Und da kommt Escrow ins Spiel.

Damit die Spieler mit ihren Löhnen nicht einen zu grossen Teil des Kuchens erhalten, wandert jedes Jahr ein gewisser Teil der Spielerlöhne (meistens sind es mehr als 10 Prozent) auf einen Escrow-Fonds einer Drittpartei.

Die NHL bestimmt, welchen Prozentsatz die Spieler abgeben müssen, indem sie die Gesamteinkünfte der Teams prognostiziert. Ende Saison, wenn die Teameinnahmen definitiv feststehen, wird das aufgesparte Escrow-Geld an Spieler und Teambesitzer verteilt, sodass die 50:50-Vorgabe erfüllt wird. Bleiben die Einkünfte der Teams unter den Erwartungen, erhalten die Besitzer die Mehrheit des Geldes, um dieses Loch zu stopfen. Sind die Einkünfte höher als erwartet, erhalten die Spieler ihr Geld wieder zurück.

Teambesitzer wollen Bedingungen ändern

Im Hinblick auf die nächste Saison sind die NHL-Teambesitzer mit dem im Sommer ausgehandelten Deal aber nicht mehr glücklich. Deshalb haben sie der NHLPA zwei mögliche Varianten vorgeschlagen. Entweder die Spieler stunden in der nächsten Saison 20 Prozent ihres Lohns und Escrow steigt auf 25 Prozent (ebenfalls nur 2020/21). Oder aber die Spieler stunden nächste Saison 26 Prozent ihres Lohns und Escrow steigt für die letzten drei Jahre des Deals auf acht bis neun Prozent statt deren sechs.

Die Retro-Trikots der NHL-Saison 2020/21:

Nach Ansicht der NHL habe sich die Situation wegen der Coronavirus-Pandemie noch einmal verschlechtert. «Wir haben damals Annahmen gemacht, die so heute nicht mehr zutreffen», erklärt NHL-Commissioner Gary Bettman. Das Problem ist, dass die Verluste bislang viel grösser sind, als die Besitzer im Sommer angenommen haben. «Den Spielern stehen sowieso nur 50 Prozent der Einnahmen zu. Wenn sie jetzt zu viel erhalten, müssen sie die Beträge einfach in den nächsten Jahren zurückzahlen», sagt Bettman.

Der Liga drohen in den nächsten Monaten dazu noch weitere grosse Verluste. Aufgrund der epidemiologischen Lage scheint es unwahrscheinlich, dass bald wieder Zuschauer in den Stadien zugelassen sind. Und bei den TV-Geldern drohen aufgrund einer verkürzten Saison ebenfalls Verluste.

Die NHLPA ist mit den Forderungen der Besitzer aber nicht einverstanden. «Wir haben erst gerade eine Abmachung getroffen, warum sollten wir das nun schon wieder ändern?», fragt ein Spieler gegenüber «Sportsnet». «Wenn wir den neuen Bedingungen zustimmen, wer garantiert uns, dass im nächsten Jahr nicht wieder neue Änderungen kommen?», fragt ein anderer. Die Gewerkschaft überlegt sich deshalb rechtliche Schritte, falls die Liga androht, die Saison platzen zu lassen.

Aktuell scheint es nicht so, dass die beiden Parteien bereit sind, weit von ihren Positionen abzuweichen. Es braucht also einen Kompromiss und das möglichst bald. Denn so lange Liga und Gewerkschaft keine Einigung finden über die finanziellen Parameter der neuen Saison, kann sie auch nicht beginnen.

Die spektakulärsten Rekorde aus der NHL:

Und Corona?

Doch selbst bei einer allfälligen Einigung schwebt über der neuen NHL-Saison noch ein grosses Fragezeichen. Die zweite Corona-Welle hat auch Nordamerika erreicht. Die USA vermelden täglich neue Rekordwerte an positiven Tests, Hospitalisierungen und Todesfällen.

Carolina-GM Donn Waddell glaubt noch daran, dass im Januar bereits wieder gespielt wird. Andere Experten sind nicht mehr so optimistisch.

«Die zweite Welle scheint noch heftiger zu sein als die erste. Mit den Nachwirkungen von Thanksgiving und den Prognosen, was Weihnachten auslösen könnte, nehmen wir uns Zeit, um alles genau zu beobachten», sagt Gary Bettman. Der renommierte NHL-Insider Pierre LeBrun schreibt bei «The Athletic», dass er zwar noch daran glaube, dass es eine NHL-Saison geben wird, aber dass sie wohl nicht im Januar beginnen wird.

Schliesslich müssen vor den ersten Ernstkämpfen auch noch Trainingscamps durchgeführt werden. Und nochmals vorher müssten viele Spieler nach der Reise in ihre NHL-Heimat wohl auch noch in Quarantäne.

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