Das Problem mit den Bus-Türen: «Im hinteren Teil hast du keine Chance»
Beim Postauto, das am Freitagnachmittag in Kerzers im Kanton Fribourg in Vollbrand geraten ist, handelt es sich um einen Bus der Marke Setra des Modells S 415NF. Das bestätigt Postauto-Mediensprecher Benjamin Küchler gegenüber watson.
Was Küchler auch bestätigt: Das betreffende Modell, in dem sechs Menschen den Tod fanden, hatte zwei Türen. Eine vorne beim Führerhäuschen. Und eine in der Mitte. Den Setra S 415NF gibt es auch in der Variante mit drei Türen. In dem Fall gibt es eine zusätzliche Türe am Ende des Busses.
«Ob ein Bus mit zwei oder drei Türen ausgestattet ist, kommt immer aufs Einsatzgebiet an», sagt Fred Krummenacher gegenüber watson. Er ist Gründer des Vereins «Tütato Classico», der ein altes Saurer-Postauto hegt und pflegt.
Dreitürige Busse kommen vor allem bei Stadtbussen zum Einsatz, erklärt Krummenacher: «Dort geht es darum, einen möglichst schnellen Fahrgastwechsel zu ermöglichen.»
Überlandbusse haben hingegen oft nur zwei Türen. «Bei ihnen ist es wichtiger, möglichst viele Sitzplätze zu haben.» Denn auf Überlandstrecken sind die Passagiere länger und der Bus mit höherer Geschwindigkeit unterwegs. «Mehr Sitzplätze bieten da mehr Komfort und mehr Sicherheit», erklärt Krummenacher.
Dementsprechend definiert Setra selbst ihre Überlandbusse so: Fahrzeuge zur Beförderung von hauptsächlich sitzenden Fahrgästen. Den S 415 NF vermarktet Setra aber als Stadtbus – egal ob in der Ausführung mit zwei oder drei Türen.
An der Medienkonferenz am Mittwochnachmittag machten die Ermittler keine Angaben dazu, wo im Bus der 60-jährige Schweizer sass, der sich in Brand gesetzt hatte. Videoaufnahmen deuten aber darauf hin, dass sich das Feuer aus der Mitte des Postautos ausbreitete.
Sollte der Mann sich wirklich in der Mitte des Busses angezündet haben, wären die Fluchtwege der Fahrgäste im hinteren Teil des Busses abgeschnitten gewesen – eben weil es im Heckteil keine Türen gibt. «Sie haben keine Chance gehabt», sagt Krummenacher.
Besonders sicherer Premium-Bus
Der ausgebrannte Setra-Bus war seit Mai 2011 im Einsatz für Postauto. Schweizweit waren bis gestern nur noch fünf Busse dieses Typs im Einsatz. Darunter seien sowohl solche mit drei als auch zwei Türen.
Die letzte MFK-Kontrolle, bei der auch Sicherheitsvorkehrungen und Brandschutz kontrolliert wurden, fand am 1. Mai 2025 statt. Es deutet nichts darauf hin, dass es Sicherheitsmängel am Bus gegeben hat.
Das bestätigt auch Johannes Hübner, Sicherheitsbeauftragter des Internationalen Bus Touristikverbands. Setra-Busse würden seit jeher als besonders sichere Busse gelten, und das betreffende Modell im Besonderen: «Dieser Bustyp ist ein besonders sicheres Fahrzeug, das überwiegend mit brandhemmenden Materialien ausgestattet ist», sagt Hübner.
So seien die Busse mit Türen, die sich auch manuell öffnen lassen ausgestattet. An den Scheiben gebe es gut erreichbare Nothämmer. Die Setra-Busse besitzen Dachluken. Dazu kämen Feuerlöscher und Löschsysteme im Motorraum. Letzteres sei fakultativ, sagt Hübner.
Hübner sagt: «Die Erfahrungen zeigen, dass bei der Mehrheit der Brände von Bussen eine Evakuierungszeit von mindestens zwei Minuten gegeben ist.»
Im vorliegenden Fall, wo ein Brandbeschleuniger, vermutlich Benzin, zu schlagartiger Hitze und Feuer geführt hat, habe diese Zeit aber nicht genutzt werden können. «Art und Ausführung des Fahrzeugs haben mit der Brandentwicklung nichts zu tun», hält Hübner fest.
Setra gehört zum deutschen Unternehmen Daimler Trucks, das auch die Mercedes-Busse herstellt. Daimler vermarktet seine Setra-Busse im Premiumsegment. Der Setra S415NF wurde von europäischen Fachzeitschriften zum Bus des Jahres 2019 gewählt.
