Schweizer Eishockeyverbandschef Kessler tritt zurück: «Bin nicht die richtige Person»
Am Tag nach dem Gewinn der Silbermedaille der Schweizer Eishockeynationalmannschaft tritt Verbandschef Urs Kessler per sofort zurück. Der 64-Jährige hat das Amt erst im September 2025 übernommen. Nun wolle der Präsident des Schweizer Eishockeyverbands (SIHF) den Weg bereits wieder «freimachen für einen Neuanfang, welchen der Verband dringend benötigt», wie er in der Medienmitteilung zitiert wird, «die fortwährenden Diskussionen haben mir gezeigt, dass ich dafür nicht die richtige Person bin.»
Kessler gratulierte in der Medienmitteilung Weltmeister Finnland und bedankte sich bei der Schweizer Nati und den vielen Fans «für die grossartigen Momente während der ganzen WM». Bei den Spielern, dem Staff und den Mitarbeitern beim Verband bedankte sich der scheidende Präsident ausserdem «für die gute Zusammenarbeit – gerade auch in den herausfordernden Wochen vor der Heim-Weltmeisterschaft».
Damit spricht er die Affäre um Ex-Nationaltrainer Patrick Fischer an. So kam wenige Wochen vor Beginn der Heim-WM ans Licht, dass der 50-Jährige mit einem gefälschten Corona-Zertifikat an die Olympischen Spiele 2022 gereist war. Zunächst hielten Kessler und der Verband noch an Fischer fest, sie unterschätzten die Reaktion, die darauffolgte. Zwei Tage später folgte die Kehrtwende in Form von der Entlassung Fischers. «Nach dem öffentlichen Sturm mit medialer Berichterstattung und Reaktionen der Öffentlichkeit haben wir uns nochmal hinterfragt», sagte Kessler damals.
Durch den Zickzack-Kurs machte der Verbandschef keine gute Figur. Mit den Spielern tauschte er sich vor den beiden Entscheidungen nicht aus. Captain Roman Josi rief daraufhin in einem Brief an Kessler dazu auf, die Entlassung Fischers rückgängig zu machen. Kessler betonte zwar, den Brief ernstzunehmen und lobte Josi für seinen Mut, doch hielt auch an seinem Entscheid, Jan Cadieux vorzeitig zum Nationaltrainer zu machen, fest.
Es folgte dennoch eine erfolgreiche Heim-WM, wenn sie für den Gastgeber auch enttäuschend endete. Die Schweiz unterlag zum dritten Mal in Folge im Final. Am Tag danach erklärt Urs Kessler seinen sofortigen Rücktritt. (nih)
