Fribourg bleibt trotz Playoff-Fehlstart ruhig: «Unser einziges Problem ist …»
Äusserlich ist Roger Rönnberg die Ruhe selbst, als er nach der 1:2-Niederlage in Rapperswil-Jona aus der Garderobe tritt. «Es ist noch zu früh, um in Panik zu geraten», betont der schwedische Cheftrainer von Fribourg-Gottéron. Noch zu früh.
Nach zwei Spielen der Viertelfinalserie gegen den Aussenseiter vom oberen Zürichsee steht sein in der Qualifikation mit genau 100 Punkten überzeugendes Team jedoch bereits mit dem Rücken zur Wand. Mit grossen Hoffnungen war man in der Hockey-verrücktesten Stadt der Schweiz in diese Playoffs gestiegen, mit einem eigentlichen Trainer-Guru an der Bande und mit dem Willen, zum Abschied der Vereinsikone Julien Sprunger endlich den ersten Meistertitel an die Saane zu holen. Viel lief allerdings in den letzten Tagen falsch. Zu viel?
Verletzungsmisere im Sturm
Am offensichtlichsten ist die Verletzungsmisere. Schon seit Anfang Januar fehlt mit Marcus Sörensen der beste Gottéron-Torschütze der letzten beiden Saisons. Dann verletzte sich im bedeutungslosen letzten Spiel der Qualifikation in Bern mit Sandro Schmid der beste Schweizer Skorer im Team. Und seit dem ersten Spiel gegen Rapperswil-Jona am Freitag (2:5) fällt auch Attilio Biasca aus, mit 15 Treffern der zweitbeste Torschütze im Team. Für Schmid ist die Saison zu Ende, bei Sörensen und Biasca gibt es Hoffnung auf eine baldige Rückkehr.
Die Folgen sind drastisch. In den ersten beiden Viertelfinalspielen tat sich Fribourg trotz vieler Chancen ungemein schwer, Tore zu schiessen. Zwei der nur drei erzielten die Verteidiger Yannick Rathgeb und Maximilian Streule, das einzige Stürmertor der junge Jan Dorthe 22 Sekunden vor dem Ende des ersten Spiels beim Stand von 1:5. «Unser einziges Problem ist, dass der Puck nicht reingeht», stellt Rönnberg etwas schönfärberisch fest.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Hausgemachte Probleme
Tatsache ist aber auch, dass die Freiburger am Sonntagabend trotz einer 1:0-Führung gegen Ende des ersten Abschnitts und vor allem im Mitteldrittel komplett den Faden verloren. Am Ursprung dieses Einbruchs standen viele kleine Strafen. «Es sind viele unnötige Stockfouls dabei», ärgert sich der Trainer. Der Verteidiger Streule findet aber auch: «Es ist nicht alltäglich, dass so viel gepfiffen wird.» Die Linie der Schiedsrichter war in Spiel 2 wirklich kleinlich, doch traf dies beide Teams gleich.
Der Unterschied: Die Lakers erzielten in Überzahl durch Tyler Moy den wichtigen Ausgleich. Zudem wurde im ersten Drittel ein vermeintliches Powerplaytor von Nicklas Jensen wegen einer leichten Torhüterbehinderung nicht anerkannt. Fribourg, in der Qualifikation noch das drittbeste Team mit einem Mann mehr auf dem Eis, weist hingegen nach 19 Minuten in Überzahl die katastrophale Bilanz von minus 1 auf – durch den Shorthander von Sandro Zangger im ersten Spiel zum vorentscheidenden 0:2.
Erst recht hausgemacht ist ein weiteres Problem. Kurz vor dem Start der Playoffs sickerte durch, dass der schwedische Center Lucas Wallmark grössere Differenzen mit Rönnberg hat und trotz weiterlaufendem Vertrag nicht in Freiburg bleiben will.
Dementiert wurden die Medienberichte nicht, doch sie sollen in diesen Playoffs keine Rolle spielen. «Man kann nicht alles unter den Teppich kehren», hatte Julien Sprunger gegenüber Keystone-SDA zugegeben. «Aber wir haben einen sehr ehrlichen Umgang, wir haben diese Dinge intern angesprochen.» Wallmark wartet zwar noch auf einen Skorerpunkt in diesen Playoffs, doch er war im Spiel 2 der beste Freiburger und traf zweimal die Torumrandung.
Die Hoffnung auf die Ketchupflasche
Die Leistungssteigerung gegenüber dem ersten Spiel, als sie nach der langen Pause noch rostig gewesen seien, ist der Grund, warum Rönnberg noch keinen Grund für Panik sieht. «Ich war schon oft in solchen Situationen», betont der zweifache schwedische Meister und vierfache Champions-League-Sieger mit Frölunda. «Sobald die Maschine ins Laufen kommt, werden sich die Spieler entspannen und mit mehr Selbstvertrauen abschliessen», glaubt er. «Das ist wie mit der Ketchupflasche.»
Die Pucks müssen aber schon bald anfangen reinzuflutschen. Ein Sieg im Heimspiel am Dienstag scheint Pflicht. Zuhause hat man in dieser Saison gegen die Lakers allerdings noch nie gewonnen. (nih/sda)
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