Marc Wieser erlebt den Spengler Cup neu: «Ich wollte aus der Bubble raus»
An Silvester 2023 triumphiert Marc Wieser doch noch mit dem HC Davos am Spengler Cup, dies bei seiner elften Teilnahme und am 100. Geburtstag des Traditionsturniers. Er ist erleichtert darüber, hätte es ihn doch gewurmt, trotz der langen Zeit beim Rekordmeister diesen Pokal nicht in die Höhe stemmen zu können. Am 15. November 2005 debütierte er beim HCD gegen die ZSC Lions in der damaligen NLA und hielt dem Verein mit Ausnahme von drei Saisons bei Biel (2011 bis 2014) stets die Treue. Ausgerechnet während seines ersten Jahres bei Biel gewannen die Davoser das zuvor letzte Mal den Spengler Cup.
2024 scheiterte der Gastgeber im Halbfinal am späteren Sieger Fribourg-Gottéron (2:4). Im Frühjahr ging dann die grossartige Karriere von Marc Wieser zu Ende – nach 1007 Partien in der höchsten Schweizer Liga und vier Meistertiteln mit dem HCD (2007, 2009, 2011 und 2015). Zudem gehörte er 2016 zum Schweizer WM-Team, sein Debüt in der Nationalmannschaft gab er erst mit 28 Jahren.
Kundenberater statt Trainer
Zwar geht Marc Wieser nun immer wieder Heimspiele der Davoser schauen und trinkt ab und zu einen Kaffee mit ehemaligen Teamkollegen, er ist aber froh, nicht mehr als Profi auf dem Eis zu stehen, auch wenn er die erlebten Emotionen im Eishockey etwas vermisst. «Ich war 20 Jahre in dieser Bubble und wollte da mal raus», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Früher dachte Marc Wieser, einst mal Trainer zu werden. Davon ist er aber abgekommen, als er bei seinem Bruder Dino sah, wie oft dieser weg war. Dino Wieser erlitt am 3. Dezember 2019 eine Hirnerschütterung, von der er sich nicht mehr genügend erholte, um weiterspielen zu können. Nachdem er zuerst Distanz vom Eishockey hatte gewinnen müssen, begann er in der Saison 2022/23 beim HCD als Trainerassistent der U17 – in der kommenden Spielzeit wird er Assistent von Johan Lundskog bei den Rapperswil-Jona Lakers.
So oft weg zu sein, «das hätte für mich und unsere Familie nicht gestimmt.» Der 38-Jährige ist mit Ursina verheiratet, der Schwester des aktuellen Klotener Centers Reto Schäppi. Die beiden haben drei Töchter. Deshalb suchte Marc Wieser etwas anderes und wurde fündig: Er ist nun bei der Helvetia als Kundenberater angestellt. «Es ist etwas völlig Neues, aber das wollte ich auch», sagt er, wobei er schätzt, dass es kein 08/15-Job ist. «Wenn ich mich gut organisiere, kann ich eigentlich kommen und gehen, wann ich möchte. So etwas habe ich gesucht.»
Jedoch kann es sich Marc Wieser vorstellen, bei Davos mal als Aushilfstrainer einzuspringen. Das Angebot hat er Michel Riesen gemacht, der beim HCD-Nachwuchs als Development Coach tätig ist. Dies allerdings eher zu einem späteren Zeitpunkt, da er noch eine Ausbildung absolviert. Vom Eishockey kann er einiges für den Job mitnehmen: «Was mir hilft, ist, dass ich weiss, wie man sich in ein Team einfügt und ich mit Kritik und Rückschlägen umgehen kann.»
Fokus nicht nur auf Spiele gerichtet
Er freut sich aber zuerst einmal auf den Spengler Cup. «Jetzt kann ich endlich mal den ganzen Rummel rundherum miterleben», sagt Marc Wieser. «Ich werde mit den Kindern etwas unterwegs sein, damit sie das Ganze auch einmal mit mir sehen.» Was macht für ihn die Faszination dieses Turniers aus? «Dass Fans mit Leibchen aus der ganzen Welt herumlaufen. Die Eishockey-Community kommt zusammen und hat Spass miteinander. Das ist faszinierend.»
Auch für die Mannschaften sei es anders als in der Meisterschaft, der Fokus sei nicht nur auf die Partien ausgerichtet, fährt Wieser fort. Das Turnier sei für die Teams ein mega Erlebnis und fördere den Zusammenhalt. Insbesondere früher sei es zudem durchaus Tradition gewesen, auch mal in den Ausgang zu gehen.
Wieser betont aber, dass es sich die Davoser nicht leisten könnten, Kräfte zu sparen und sich auf die Meisterschaft zu fokussieren. «Das Turnier ist zu wichtig für den Verein. Wenn es den Spengler Cup nicht mehr gibt, dann gibt es den HCD in dieser Form auch nicht mehr.» (abu/sda)
