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Die Liga will mehr Kontrolle über die TV-Gelder. Wie das gehen soll, diskutieren sie am Mittwoch. Bild: shutterstock, watson

Es geht um viel Geld! Wie sich die Liga vom Eishockey-Verband loslösen will

Salary Cap, Liga-Aufstockung und die Abgrenzung vom Verband – am Mittwoch tagen die Eishockey-Klubs. Entscheide sind noch nicht zu erwarten. Aber die Themen sollen gut vorbereitet werden, damit die Liga am 27. August an der übernächsten Ligaversammlung über die Zukunft entscheiden kann.

rolf bichsel / keystone-sda



Das Leistungssport-Komitee bereitete an einem zweitägigen Workshop die Sitzung vom Mittwoch vor. Um was geht es? Schon beschlossen ist, dass es nächste Saison in der National League und Swiss League keine Absteiger geben wird. Mehrere Klubs wünschen aber, dass der Abstieg länger – bis zu drei Jahre – ausgesetzt wird, da die Vereine noch jahrelang unter den Folgen der Coronavirus-Krise leiden werden.

Entsprechend ist möglich, dass künftig mehr Klubs in der National League spielen werden. Daraus könnte sich eine Lockerung der Ausländerregel ergeben, denn schon bei zwölf Vereinen ist die Nachfrage nach NLA-Spielern grösser als das Angebot. Deshalb schnellten die Löhne mittelmässiger Akteure in den letzten Jahren in die Höhe.

«Es ist Zeit für etwas Grundlegendes. Und wieso sollten wir Schweizer nicht die Pioniere sein?»

Gaudenz Domenig, Präsident HC Davos tagesanzeiger.ch

Grossen Support geniesst ausserdem das Projekt, eine Gesamtlohn-Obergrenze einzuführen. Wer die Obergrenze überschreitet, muss eine Luxussteuer bezahlen. Das Projekt läuft unter der Bezeichnung «Salary Cap» oder «Financial Fairplay».

Liga will die Fernsehgelder

Das brisanteste Thema tangiert den Spielbetrieb aber nicht und wird hinter den Kulissen vorbereitet – die Loslösung der Liga vom Eishockeyverband. National League und Swiss League wollen sich selbständig machen. Die Klubs bleiben zwar Mitglieder beim Verband, gründen aber eine Rechtsform (z.B. eine AG), treten als juristische Person bei Verhandlungen auf und verkaufen die TV-Rechte der Liga in Eigenregie.

Die Fernsehgelder würden nicht mehr auf ein Verbandskonto fliessen, sondern direkt zur Liga. Dann könnte die Liga dem Verband am Geldhahn drehen.

«Sobald Leute aus der Liga zum Verband kommen, schauen sie primär auf dessen Wohl und jenes der Nationalmannschaft.»

Gaudenz Domenig, Präsident HC Davos

Die Strukturen des Eishockeyverbandes wechseln im Schnitt alle zehn Jahre. Zudem ändert auch die Liga die Organisationsform regelmässig. Seit mehr als 20 Jahren buhlen die Vereine um mehr Mitsprache und Einfluss. Mit der von Philippe Gaydoul durchgebrachten Reform von 2009 schien die Liga am Ziel. Damals wurde der Vorstand des SEHV von sechs Personen (mit drei Ligavertretern) auf einen Zentralvorstand mit fünf Personen und immer noch drei Ligavertretern reduziert.

«Das Problem aber ist, dass Leute, obwohl sie aus der Liga kommen, von dem Moment an, ab dem sie im Zentralvorstand sitzen, primär fürs Wohl des Verbandes und der Nationalmannschaft schauen», sagt Gaudenz Domenig, der Präsident des HC Davos. Domenig weiss, wovon er spricht. Er präsidierte als letzter das Eishockey-Parlament, das nach zehn Jahren im Zug der Strukturreform von 2009 aufgelöst worden ist. Und die letzte Reform von 2009 gestaltete Domenig in Arbeitsgruppen mit.

Wer zahlt, befiehlt!

Mit den aktuellen Strukturen ist innerhalb der Liga niemand mehr zufrieden. Domenig: «Die Liga verdient das Geld, also haben wir den Anspruch mitzubestimmen, wer wie viel bekommt.» Getreu dem Motto: Wer zahlt, befiehlt!

Die Klubs stört, dass die Liga beim Verband keine Kostenkontrolle mehr hat. Vor 17 Jahren fehlten dem SEHV 4.7 Millionen Franken. Innerhalb von 40 Tagen benötigte der Verband damals 1.1 Millionen, um den Konkurs abzuwenden. «Damals hat die Liga den Verband gerettet», so Domenig.

Gaudenz F. Domenig, president of HC Davos, poses at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Friday, December 27, 2019. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

HCD-Präsident Gaudenz Domenig will, dass die Liga mehr Kontrolle über die TV-Gelder erhält. Bild: KEYSTONE

Der Davoser Präsident sieht derzeit beim Verband zwar nicht Zustände wie damals, aber «es ist zu vermuten, dass der Verband zu aufgebläht ist».

Dieser Ansicht ist nicht nur Domenig. Gemäss Geschäftsbericht gibt der Verband alleine fürs Personal rund 14 Millionen Franken aus; die Reserven betragen 2.5 Millionen. Solche Zahlen kommen in Zeiten, in denen die Vereine um jeden Franken kämpfen müssen, nicht gut an.

13 von 35 Mio. gehen an Verband

Derzeit kriegt das Schweizer Eishockey aus dem TV-Vertrag mehr als 35 Millionen Franken pro Saison. Die Klubs müssen sich aus diesem Pool mit 22 Millionen bescheiden. 13 Millionen verbleiben beim Verband, der nur die Testländerspiele der Nationalmannschaft ins TV-Rechtepaket beisteuert, beziehungsweise gehen als dicke Provision (12,5 Prozent) an die Firma Profile Partners München.

«Der Verband kann jederzeit bei uns Geld für Projekte beantragen und wir werden dafür sorgen, dass dem Nachwuchs und dem Amateur-Hockey genügend Geld zukommt.»

Marc Lüthi, CEO SC Bern

Die Lösung, wie sie sich die Klubs vorstellen, differenziert aber noch mit den Vorstellungen der Swiss Ice Hockey Federation: Die TV-Gelder sollen künftig auf ein Konto fliessen, das von der Liga kontrolliert wird. Der Verband müsste für seine Ausgaben mit Anträgen an die Liga gelangen, die diese gegebenenfalls bewilligen würden.

«Der Verband kann jederzeit bei uns Geld für konkrete Projekte beantragen und wir werden dafür sorgen, dass dem Nachwuchs und dem Amateur-Hockey genügend Geld zukommt», sagt Marc Lüthi, der CEO des SC Bern. Gaudenz Domenig ist überzeugt, dass «die Ligavertreter den Nationalmannschaften sehr gut gesonnen sind. Die Klubs sehen auch, dass erfolgreiche Nationalmannschaften fürs Hockey in der Schweiz gut und wichtig sind.»

Für den Verband sind dies trotzdem schlechte Aussichten. Der Skiverband hatte zuletzt seinen «Fall Lauberhorn». Auch im Skisport kassiert der Verband Fernsehgelder, die primär Veranstalter erwirtschaften. Im Eishockey ist der Verband in dieser Angelegenheit aber den Klubs ausgeliefert, wenn sich diese selbständig machen können. Er müsste sich einschränken - und eine Sparrunde drehen. (abu/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • CmonSensePls 17.06.2020 11:58
    Highlight Highlight Am besten gar keine TV-Rechte mehr verkaufen und die Spiele den Fans direkt via App anbieten. Das würde den Kreis potentieller Kunden massiv erhöhen, da nicht mehr abhängig vom Kabelanbieter. MySports kostet zZ CHF 25 pro Monat (oder ca. CHF 200 für eine Saison). Bei 150'000 Abos, wären dies bereits Einnahmen von 30 Mio pro Saison. Dasselbe wäre m.E. auch für den CH Fussball wünschenswert. Auf die Talkshows könnten wir glaub ich alle verzichten...
  • Jumbo Joe 16.06.2020 10:47
    Highlight Highlight Absolut verständlich, dass die Teams mehr Einfluss nehmen möchten. Es ist den Herren Domenig und Lüthi hoch anzurechnen, dass Sie sich im Sinne aller Vereine engagieren. Auch wenn die Vorzeichen schlecht stehen, wird es hoffentlich im stark bürokratisierten Schweizer Eishockey eine (kleine) Revolution geben.
    • RedCloud 16.06.2020 12:04
      Highlight Highlight Lüthi und Domenig machen das nicht aus altruistischer Veranlagung. ALLEINE und nur weil die davon ausgehen, dass es IHREN Vereinen hilft.
    • Jumbo Joe 16.06.2020 13:08
      Highlight Highlight Im Sport und insbesondere als Geschäftsführende von Sportvereinen gibt es selten altruistische Entscheidungen, dennoch setzen sich Domenig und Lüthi mit diesem Vorstoss für sämtliche Teams und gegen den (zu) einflussreichen Verband ein. Selbstverständlich auch zum Vorteil des HCD resp. SCB.

      Empfindest du denn das Schweigen der anderen Geschäftsführenden produktiver hinsichtlich dieser Problematik?
  • RedCloud 16.06.2020 09:55
    Highlight Highlight Die Liga sägt am Ast auf dem sie sitzt. Es ist offensichtlich, dass es einfach ums Geld geht. Die Vereine wollen mehr Geld. Und dann wird es mit vollen Händen ausgegeben. Wie immer. Was die Liga nicht verstanden hat: Der Verband hat in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Jugendarbeit investiert. Die Förderung der diversen Nationalmannschaften hat dazu geführt, dass die Schweiz die Lücke zu den Top-Nationen weiter verringern konnte. Das hat die Attraktivität des CH-Hockeys massiv gesteigert. Durch die Erfolge der Nati haben auch die Vereine profitiert. Für das wird nun das Geld fehlen.
  • Score 16.06.2020 09:27
    Highlight Highlight Wie steht es um die Chance einer Aufstockung der obersten Liga? Oder gar ein ganz neuer Modus? Ich sähe mit Olten, Ajoje, La Chaux-de-Fonds, Kloten, Langenthal, Visp, Sierre und Thurgau sechs bis acht Mannschaften die man durchaus integrieren könnte. Dann würde die Swiss League (NLB) als reine Farm Team Liga weiterbestehen. Das Eishockey in der Schweiz ist so Populär wie nie und die von mir genannten Swiss League Teams haben zum Teil sehr beachtliche Zuschauerzahlen und eine breite Fanbasis.
    • RedCloud 16.06.2020 10:31
      Highlight Highlight Mein lieber Kollege. Echt jetzt, Thurgau, Langenthal und LCF haben genügend Zuschauer? Von der Anzahl Zuschauer und der Infrastruktur gehören nur Kloten, Oltern und allenfalls Visp in die oberste Liga. Mehr als 14 Mannschaften verträgt die oberste Liga aber nicht. Selbst wenn man mehr Ausländer zulässt. Das Niveau wäre sonst so grässlich, dass niemand mehr ins Stadion ginge.
  • super_silv 16.06.2020 08:53
    Highlight Highlight Ich sehe das nicht wirklich positiv. Klar, der Verband scheint zu Aufgebläht zu sein. Aber im Moment scheinen mir die Klubs nicht bei Sinnen, und ob es dann gut ist ihnen noch mehr Verantwortung zu Geben?

    Nehmen wir mal Marc Lüthi, der verspricht das es immer genügeng Geld geben wird für Junioren?
    Und was ist wenn ihm auf einmal einguter Ausländer fehlt und er lieber 100‘000 mehr als weniger hat? Wetten er ist dan einer der ersten die eine Gruppe zusammen trommelt um dem Verband Geld zu streichen?

    Die Clubs entscheiden selten zum Wohl aller und meistens zum Wohl von sich selber.
  • marak 16.06.2020 08:24
    Highlight Highlight In der Ausbildung muss schon sehr viel investiert werden. Der Spielerpool ist nicht so gross. Heisst, gute Zusammenzüge der besten Junioren um internationale Erfahrungen zu sammeln. Dann sollte man aber auch die Übernahme von Verantwortung in den 1. Mannschaften der Klubs fördern. Sprich: Frühe Integration. Das könnte auch helfen die Kosten in den Klubs zu senken. Man muss sich auch auf weniger TV-Gelder und weitere Coronawellen einstellen: Wie geht man miteinander um, wenn weniger Geld zum verteilen da ist.
  • länzu 16.06.2020 07:49
    Highlight Highlight Mit so hohen Einnahmen aus der Vergabe der TV-Rechte würde ich nicht mehr kalkulieren. Keine Ahnung, wie lange es MySports noch macht. Die haben Millionen bezahlt und dadurch kaum neue Kunden gewonnen. Gut gemachte Sendungen für ein absolutes Minderheiten-Publikum. Das wird bei der Erneuerung des Vertrages., resp. der Neuausschreibung ganz bestimmt ein Thema sein. Mir scheint, dass die Schweizer noch nicht bereit sind, für Sportübertragungen zu bezahlen.
    • Bacchus75 16.06.2020 08:48
      Highlight Highlight Ausser man verteilt es... Wenn man die Übertragungen selber produzieren würde und sie dann halt an Teleclub/MySports/SRF/Sunrise und wer halt noch will verkauft... Gibt sicher bei weitem nicht so viel wie vorher, aber verteilt zumindest wohl mehr als bei einem Einzelnen.
    • failmau5 16.06.2020 10:25
      Highlight Highlight Das liegt wohl am ehesten am Bünzlitum unter den Anbietern.
      Wenn MySports nicht exklusiv für Kabel-Anbieter wäre und stattdessen seine Produktionen an alle Mitbewerber in der Schweiz verkaufen würde, sähe das ganze wohl anders aus.
      Aber solange ich mir als Kunde z.B. ein UPC oder Quickline-Abo antun muss, kotzt mich das halt an...
    • Günstiger 16.06.2020 10:36
      Highlight Highlight Das denke ich auch. Aber wenn der Kuchen schon kleiner wird, wäre es gut, wenn sich der Verband nicht auch noch ein grosses Stück einverleibt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thurgauo 16.06.2020 07:14
    Highlight Highlight 14 Millionen für Personal? Hört sich schon ein wenig übertrieben an.

    Nur mal angenommen, dass jeder im Schnitt 100'000.- CHF verdient, wären das ja schon 140 Vollzeitstellen!
    • Troxi 16.06.2020 07:57
      Highlight Highlight Wenn es ja nur so einfach wäre. Top Leute für 100‘00.- zu finden. Im Verband wird es wohl nicht anders aussehen als irgendwo sonst in der Privatwirtschaft. Einige wenige verdienen Millionen, deswegen wird es auch 14 Millionen Personalkosten haben, während der Grossteil für 4000.- arbeitet und nicht 140 Stellen à 100‘000.-. ;)
    • Thurgauo 16.06.2020 08:32
      Highlight Highlight Ja, das ist mir bewusst. Darum nur als Annahme bzw. Beispiel was man damit anstellen könnte. Würde bei fairen Löhnen locker reichen.
    • chnobli1896 16.06.2020 09:48
      Highlight Highlight Jein, Sozialausgaben und Bürokosten und so musst du auch noch rechnen wären etwa 70 Personen a 100k für 14 Mio
    Weitere Antworten anzeigen
  • MacB 16.06.2020 06:52
    Highlight Highlight In den meisten Verbänden herrscht Beamtentum. Eine Loslösung ist daher ganz ok, dann kan man den Moloch an der kurzen Leine halten.
  • Rolf stühlinger (1) 16.06.2020 06:20
    Highlight Highlight Wie sieht das den mit den nationalmannschaften aus. Der verband ist doch mitglied beim iihf nicht die liga.
    So würden doch die spieler ihre spielberechtigung in der nati und allen ligen deren verbände mitglied beim iihf sind verlieren oder?
    Und was ist mit den schiedsrichtern?dürfen iihf schiedsrichter in einer wilden liga pfeifen? Wie siehts aus mit neuen regeladaptionen?
    Könnt ihr das mal beleuchten watson.
    Danke

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