So stehen die Chancen, dass die NHL-Schweizer an der Heim-WM dabei sind
Die Regular Season der NHL neigt sich langsam dem Ende zu. Zwischen neun und sieben Spielen haben die Teams noch zu absolvieren, und zumindest im Osten ist mittlerweile ziemlich klar, welche Teams sich noch Hoffnung auf die Playoffs machen dürfen und wo der Playoff-Traum ausgeträumt ist. Im Westen ist die Konkurrenz deutlich schwächer und die Lage etwas unübersichtlicher.
Trotzdem wollen wir uns mal einen Überblick über den Strichkampf in der NHL verschaffen. Schliesslich steht nach dem Ende der dortigen Regular Season (am 17. April) bald die Eishockey-WM in der Schweiz an (Start am 15. Mai). Und wenn die Schweizer Söldner in Nordamerika nicht in den Playoffs beschäftigt sind, dann verstärken sie normalerweise die Nati an der Weltmeisterschaft. Wie gut stehen die Chancen dafür in diesem Jahr? Und mit welchen NHL-Verstärkungen dürfen Schweizer Hockey-Fans rechnen? Finden wir es heraus.
Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler
New Jersey Devils
Die New Jersey Devils erleben eine Saison, die von Enttäuschungen geprägt ist. Viele Spieler erreichten in dieser Saison nicht ihre gewöhnlichen Leistungen – darunter auch die drei Schweizer. Und einmal mehr wurde New Jersey auch von Verletzungen nicht verschont. Viele Fans fordern die Entlassung von General Manager Tom Fitzgerald und auch Trainer Sheldon Keefe ist nicht mehr besonders beliebt.
Konkret bedeutet das: Bei neun ausstehenden Spielen beträgt der Rückstand auf die Playoffs zehn Punkte. Da es in der NHL für einen Sieg nur zwei Zähler gibt, ist das Erreichen der Playoffs für New Jersey quasi unmöglich.
Für die Fans der Schweizer Nati sind das hingegen gute Nachrichten. Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler sind momentan allesamt gesund und mit einem NHL-Vertrag für die nächste Saison ausgestattet. Einer WM-Teilnahme des Devils-Trios sollte – sofern es im Schlussspurt keine Verletzungen gibt – nichts im Weg stehen.
WM-Chance: 90 Prozent
Pius Suter
St. Louis Blues
Die St. Louis Blues haben gar noch fünf Punkte weniger auf dem Konto als New Jersey, trotzdem dürfen sie noch vorsichtig von einer Playoff-Teilnahme träumen. Der Grund dafür liegt im Modus der NHL. Es schaffen nicht einfach die besten 16 aller 32 NHL-Teams die Playoff-Qualifikation. Stattdessen sichern sich die jeweils drei besten Teams der vier Divisions (Metropolitan und Atlantic Division in der Eastern Conference und Central und Pacific Division in der Western Conference) die Playoff-Teilnahme. Dazu kommen die je zwei besten restlichen Teams aus den jeweiligen Conferences, die sogenannten Wild-Card-Teams, die das Playoff-Feld komplettieren.
Davon profitieren in diesem Jahr die Teams im Westen. Die Konkurrenz dort, insbesondere in der Pacific Division, ist deutlich schwächer. Anaheim führt diese Division an, wäre im Osten mit seinen 87 Punkten aber nicht in den Playoffs. Der Rückstand von St.Louis und Pius Suter beträgt neun Spiele vor dem Ende der Saison vier Punkte. Eine Hypothek, die noch aufholbar ist, allerdings dürfen sich die Blues keine Fehltritte mehr leisten.
Ansonsten gilt für Suter Gleiches wie für das Devils-Trio. Er ist gesund und sein Vertrag läuft noch bis 2027. Sollte er gesund bleiben und die Blues tatsächlich die Playoffs verpassen, dann dürfte er an der Heim-WM dabei sein.
WM-Chance: 90 Prozent
Nino Niederreiter
Winnipeg Jets
Auch die Winnipeg Jets befinden sich noch mitten im Playoff-Kampf. Mit noch neun ausstehenden Spielen beträgt der Rückstand auf den letzten Wildcard-Platz drei Punkte. Wie bei den Blues stehen zudem noch viele Direktduelle mit der Konkurrenz (Seattle, St.Louis, San Jose, Vegas und Utah) an.
Doch selbst wenn die Jets die Playoffs verpassen sollten, ist noch unklar, ob Nino Niederreiter an der WM dabei sein könnte. Der Churer schlug sich schon die ganze Saison, auch an den Olympischen Spielen, mit Knieproblemen herum. Kurz nach der Rückkehr aus Mailand zogen die Jets den Stecker. Niederreiter hat seit Anfang Februar kein Spiel mehr absolviert.
Zuletzt trainierte der Churer Stürmer zwar wieder, allerdings nur in reduziertem Umfang und mit dem «Non-Contact-Trikot», das die Teamkollegen warnt, dass er noch nicht wieder fit ist. Es besteht die Gefahr, dass Niederreiter von Winnipeg aufgrund seiner gesundheitlichen Situation keine WM-Freigabe erhält.
WM-Chance: 20 Prozent
Roman Josi
Nashville Predators
Mit einem Zwischenspurt nach der Olympiapause haben sich die Nashville Predators mitten in den Kampf um die Playoff-Plätze katapultiert. Zuletzt hat das Team von Captain Roman Josi zwar wieder drei Spiele in Serie verloren, trotzdem belegt es momentan noch den zweiten Wildcard-Platz im Westen.
Schweizer Nati-Fans hätten Starverteidiger Josi natürlich gerne an der Heim-WM dabei. Er soll die Schweiz bei der letzten WM unter Patrick Fischer zum erstmaligen Weltmeistertitel führen. Klar ist: Auch wenn die Predators die Playoffs erreichen sollten, scheint eine WM-Teilnahme realistisch. Als letztes Wild-Card-Team im Westen würden in der ersten Runde wohl die Colorado Avalanche oder allenfalls die Dallas Stars warten – zwei der besten Teams der Liga. Die Playoffs in der NHL beginnen wohl rund um den 20. April. Bis zum WM-Start ist die erste Playoff-Runde längst vorbei. Auch die Vertragssituation und die (momentane) Gesundheit würden eine WM-Teilnahme von Roman Josi erlauben.
WM-Chance: 75 Prozent
Philipp Kurashev
San Jose Sharks
Die San Jose Sharks sind in einer ähnlichen Ausgangslage wie die St.Louis Blues. Um die Playoff-Qualifikation zu schaffen, müssen sie nicht nur zwei Punkte aufholen, sondern auch diverse Teams überholen. Zuletzt war das Team von Shootingstar Macklin Celebrini nicht mehr gut in Form.
Aber auch wenn die Sharks die Playoffs verpassen, ist eine WM-Teilnahme von Philipp Kurashev ungewiss. Der Berner Stürmer steht noch ohne NHL-Vertrag für die nächste Saison da. Zuletzt war er auch bei San Jose regelmässig überzählig und musste auf der Tribüne Platz nehmen. Wenn Kurashev hofft, seine Karriere in der NHL fortzusetzen, ist eine WM-Teilnahme wohl nicht realistisch. Entscheidet er sich dazu, in die Schweiz zurückzukehren, wird man ihn beim Turnier in Zürich wohl auf dem Eis sehen.
WM-Chance: 50 Prozent
Akira Schmid
Vegas Golden Knights
Obwohl die Golden Knights in dieser Saison deutlich mehr Niederlagen (42) als Siege (33) haben, liegen sie momentan auf Platz drei in der Pacific Division und damit auf Playoff-Kurs. In der ersten Runde könnte allerdings ein Duell mit den Edmonton Oilers drohen. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob der Trainerwechsel von Bruce Cassidy zu John Tortorella etwas bringt.
Die Situation von Akira Schmid ist eine ähnliche wie die von Philipp Kurashev. Der Emmentaler Goalie hat keinen Vertrag für die nächste Saison. Seine Leistungen insbesondere nach der Olympiapause waren inkonstant und enttäuschend. Als Restricted Free Agent (RFA) darf er nur mit Vegas über einen neuen Vetrag verhandeln – zumindest bis sie entscheiden, ob sie ihn weiterhin behalten möchten. Eine solche Entscheidung würde aber erst im Sommer fallen. Wenn Schmid seine Zukunft – wie vor den Olympischen Spielen geäussert – weiterhin in Nordamerika sieht, verzichtet er möglicherweise auf eine WM-Teilnahme.
WM-Chance: 50 Prozent
J. J. Moser
Tampa Bay Lightning
Die Tampa Bay Lightning werden in den Playoffs mit grosser Sicherheit dabei sein und kämpfen im Schlussspurt noch mit Buffalo um den Sieg in der Atlantic Division. Die Bolts sind im Osten einer der Favoriten auf den Einzug in den Stanley-Cup-Final. Passiert das tatsächlich, wird Verteidiger Janis Moser an der WM natürlich nicht dabei sein. Sollte Tampa überraschend früh scheitern, könnte Moser dank seiner im Dezember unterschriebenen Vertragsverlängerung doch noch an die WM reisen.
WM-Chance: 10 Prozent
Kevin Fiala
Los Angeles Kings
Auch die LA Kings sind in der Western Conference noch im Rennen um einen Wild-Card-Platz. Realistischerweise ist es aber egal, wie die Saison von Los Angeles ausgeht, ohne medizinisches Wunder dürfte Kevin Fiala an der Heim-WM fehlen. Der Ostschweizer hat sich an den Olympischen Spielen einen Unterschenkelbruch zugezogen. Selbst wenn er bis im Mai aufs Eis zurückkehren könnte, ist fraglich, ob die Kings ihm eine WM-Teilnahme erlauben würden, nachdem er sich im Dress des Nationalteams verletzt hatte.
WM-Chance: 1 Prozent
Lian Bichsel
Dallas Stars
Lian Bichsel ist im Team von Patrick Fischer nicht erwünscht. Erst nach der Heim-WM darf der Verteidiger wieder auf ein Nati-Aufgebot hoffen. Da die Dallas Stars fix in den Playoffs dabei und dort ein ernsthafter Titelkandidat sein würden, dürfte Bichsel das aber einigermassen egal sein.
WM-Chance: 0 Prozent
So könnte das WM-Kader aussehen
Natürlich unter dem Vorbehalt, dass bis zum WM-Start Spieler wegen Verletzungen noch ausfallen könnten.
Tor: Sandro Aeschlimann, Leonardo Genoni, Akira Schmid.
Verteidigung: Tim Berni, Dominik Egli, Michael Fora, Lukas Frick, Roman Josi, Dean Kukan, Christian Marti, Jonas Siegenthaler.
Sturm: Sven Andrighetto, Nicolas Baechler, Christoph Bertschy, Nico Hischier, Ken Jäger, Simon Knak, Philipp Kurashev, Denis Malgin, Timo Meier, Tyler Moy, Damien Riat, Théo Rochette, Pius Suter, Calvin Thürkauf.
