«Ich habe hier eine offensivere Rolle»: Timo Meier verkörpert das Schweizer Power-Hockey
Timo Meier ist der Inbegriff eines Power-Stürmers. Im Schweizer Dress kann er seine Stärken noch mehr ausspielen. Beim 4:2-Sieg gegen Lettland gehört er zu den Matchwinnern.
Es geht ein Raunen durch die Zuschauerränge. Timo Meier hat wieder einmal einen krachenden Check angesetzt. Das Wort Power-Stürmer passt perfekt zu ihm. Der 29-jährige Appenzeller überzeugt jedoch nicht «nur» mit seiner Wucht, er ist auch ein begnadeter Torschütze.
Beim 4:2 am Samstagabend gegen Lettland traf er kurz nach Spielhälfte zum erlösenden 1:0, nachdem die Schweizer zuvor Chancen en masse ausgelassen hatten. Vor dem 2:1 von Damien Riat (38.) holte er die Strafe heraus, zudem hatte er beim 3:1 von Dean Kukan (41.) seinen Stock im Spiel. Er trug also wesentlich zum zweiten Schweizer Sieg an der Heim-WM nach dem 3:1 zum Auftakt gegen Titelverteidiger USA bei.
Vor dem 1:0 wirkten die Schweizer phasenweise etwas verzweifelt, als der Puck einfach nicht ins Tor wollte. Meier sah dies jedoch nicht so: Sie würden als Mannschaft stets ruhig und positiv bleiben, sich nach vergebenen Chancen gegenseitig aufbauen. «Es ist immer der nächste Einsatz, der zählt. Wenn wir mit dieser Mentalität spielen, sind wir ein sehr, sehr gutes Team. Wir haben jene Knipser, die im richtigen Moment zuschlagen.»
Offensivere Rolle im Schweizer Team
Einer davon ist eben Meier, dessen Leistungen im Schweizer Dress beeindruckend sind. In seinen bisherigen 35 WM-Partien hat er 13 Tore und total 33 Skorerpunkte erzielt. Im Februar in Mailand bei den Olympischen Winterspielen war er mit drei Treffern und vier Assists der Topskorer der Schweizer Mannschaft. Und dies in einer Saison, in der es ihm bei den New Jersey Devils nicht wie gewünscht gelaufen war.
«Ich habe hier eine offensivere Rolle», erklärt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zudem hebt er die positive Energie des Teams hervor, die ihm als Spieler helfe. Sie seien wie eine grosse Familie, in der man sich von Anfang an wohl fühle, wenn man sich wieder treffe. Dieser Mix mache es aus.
Fehlende Konstanz bei den Devils
Mit New Jersey erlebte Meier eine enttäuschende Saison. Die Devils blieben einiges schuldig, klassierten sich in ihrer Division auf dem siebten und vorletzten Platz. Zum dritten Rang, der gleichbedeutend mit der Playoff-Qualifikation ist, fehlten elf Punkte. «Es fehlte die Konstanz», begründet Meier.
Als Folge davon wurde General Manager Tom Fitzgerald durch Sunny Mehta ersetzt. Dieser war zuvor sechs Saisons in der Organisation der Florida Panthers tätig, davon die letzten drei als stellvertretender General Manager und Leiter der Analyseabteilung. Er weiss also genau, was es braucht, um erfolgreich zu sein, gewannen doch die Panthers in den letzten zwei Jahren den Stanley Cup.
Doch das ist Zukunftsmusik. Wie stuft Meier, der im Juni 2023 bei New Jersey einen Vertrag über acht Jahre mit einer Gesamtlohnsumme von 70,4 Millionen Dollar unterschrieben hat, die eigenen Leistungen ein? Mit 24 Toren und 20 Assists in 77 Partien kam er auf einen Punkteschnitt von 0,57, einen tieferen Wert verzeichnete er einzig 2017/18 in seiner ersten ganzen Saison in der NHL (0,44). «Es gibt sicherlich Potenzial nach oben, war eine Saison zum Dazulernen. Ich versuche, das zu analysieren und die nächsten Schritte nach vorne zu machen.»
Kein Fan der Statistiken
Mit -16 verzeichnete Meier die zweitschlechteste Plus-Minus-Bilanz bei den Devils. Was sagt er dazu? «Die Statistik ist das eine. Ich bewerte viel mehr, wie ich mein Spiel selber anschaue.» Es stecke viel mehr dahinter als das, was die Statistik aufzeige. «Es kann auch sein, dass du schlecht spielst und zwei Tore schiesst. Aber klar, es ist nicht optimal, wenn ein Minus dahinter steht. Eishockey ist ein schneller Sport, in dem viel Zufall dabei ist. Letztendlich gilt es, so hart zu arbeiten, dass der Zufall auf deine Seite fallen muss.»
Gibt es einen Punkt, an dem er unbedingt noch arbeiten möchte? «Das ist schwer zu sagen. Ich bin jemand, der in allen drei Zonen gut spielen will – auch wenn ich den Puck nicht habe. Ich möchte aber sicherlich daran arbeiten, meine Chancen besser zu verwerten und das Puckglück noch mehr zu erzwingen.»
Mit der Schweiz ist Meier diesbezüglich auf einem guten Weg. Er ist ohnehin einer, der den Fokus rasch auf Neues richten und Energie aus Misserfolgen ziehen kann. Er freut sich nun auf das Duell am Montagabend gegen den Erzrivalen Deutschland. «Es wird sicher ein grosses Eishockeyspiel.» Eines mit krachenden Checks von Meier. (sda)
