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31.07.2014; Burgdorf; Eishockey - Team Schweiz; Fototermin Schweizer Nationalmannschaft; Simon Bodenmann (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Simon Bodenmann wird 2015 für den SCB auf Torejagd gehen. Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus

Wechsel von Bodenmann zum SCB

Skandaltransfer? Nein, die Stunde der Heuchler 

Nationalstürmer Simon Bodenmann spielt diese Saison bei den Kloten Flyers, hat aber für nächste Saison bereits in Bern unterschrieben. Wahnsinn. Oder doch nicht? 

Vertragsunterschriften vor der Zeit hat es schon oft gegeben. Ryan Gardner unterzeichnete einst im Herbst beim SC Bern einen Mehrjahresvertrag, spielte aber noch die ganze Saison bei den ZSC Lions. Tobias Stephan signierte seinen Vertrag in Zug und musste noch länger als eine ganze Saison in Genf spielen.

21.08.2014; Zug; Eishockey Champions Hockey League - EV Zug - Lappeenranta; Torhueter Tobias Stephan (Zug) kassiert das Tor zum 1:0 (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Tobias Stephan hält neu für den EVZ Pucks. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Allerdings wurde dieser Transfer so offiziell erst bestätigt, als er seine Mission in Genf erfüllt hatte. Der «Fall Bodenmann» ist einmalig, weil ein Transfer, der die Saison 2015/16 betrifft bereits vor der Saison 2014/15 hochoffiziell verkündet und bestätigt wird. 

Warum der Wechsel in Ordnung geht

Die spontane Reaktion auf solches Transfergebaren: Skandal! Muss bestraft werden! Solche Transfers gehören verboten! Geht nicht!

Aber so ist es eben nicht. Erstens ist alles legal. In einem freien Land dürfen freie Bürger jederzeit Verträge abschliessen die den Buchstaben des Gesetzes entsprechen. Simon Bodenmanns Vertrag läuft Ende Saison (im Frühjahr 2015) aus. Er darf jetzt schon einen Arbeitsvertrag ab Frühjahr 2015 unterschreiben.

Kloten Flyers Stuermer Simon Bodenmann feiert den Sieg und den Finaleinzug nach dem sechsten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Dienstag, 8. April 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Simon Bodenmann jubelt noch eine Saison im Kloten-Trikot Bild: KEYSTONE

Bestrafen oder gar verbieten lassen sich solche Transfers nicht. Es ist ganz einfach nicht möglich, herauszufinden, ob jemand vor einem bestimmten Datum Verhandlungen führt oder Verträge unterschreibt. In den 1980er Jahren durfte offiziell nur im Mai (in der Transferperiode) verhandelt und transferiert werden. Wer sich an diese Vorschrift hielt, war chancenlos. Alle grossen Transfers sind schon damals lange vor der Zeit verhandelt und unterschrieben worden. 

Eher ist es so, dass dem SC Bern und Simon Bodenmann ein Lob gebührt. Der Spieler und der Klub verzichten auf ein Versteckspiel und ein lächerliches Dementi-Theater (wie es Zug um den Transfer von Tobias Stephan inszenierte). Der Spieler und der Klub stehen hin und geben zu, was ohnehin in der Szene bald jeder gewusst hätte.

Das ist nicht unanständig. Ganz im Gegenteil. Das ist anständig, mutig und letztlich auch fair. Ja, es wäre schön, wenn auch die Politik im richtigen Leben so transparent wäre. Mit dem Schritt zur Transfer-Offenheit setzt sich Simon Bodenmann auch einem gehörigen Druck aus. Er wird daran nicht zerbrechen. 

Nur die Aufgabe eines Sportchefs erfüllt

Sven Leuenberger, left, General Manager of Swiss club SC Bern and Rolf Bachmann, CEO of Swiss club SC Bern, pose next to the Champions Hockey League trophy after the drawing of the games for the Champions Hockey League 2014/15, at the Minsk Arena, in Minsk, Belarus, Wednesday, May 21, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Sven Leuenberger (l.) will auch in der Champions League Erfolge seines Teams sehen. Bild: KEYSTONE

Wer mit dem Finger auf Simon Bodenmann und SCB-Sportchef Sven Leuenberger zeigt, ist ein elendiglicher Heuchler. Jeder Sportchef in dieser Liga hätte diesen Transfer auch gemacht – wenn er denn dazu in der Lage gewesen wäre. Ich erlaube mir im Zusammenhang mit dem «Fall Bodenmann» die Frage: Wie ahnungslos, ja naiv ist eigentlich Klotens Sportchef André Rötheli?

Klotens Trainer Felix Hollenstein könnte jetzt den starken Mann spielen und den «weissen Ritter» markieren. Indem er Simon Bodenmann per sofort freistellt, nicht mehr einsetzt und gegen eine entsprechende Transfersumme (Wechsel aus einem laufenden Vertrag) schon jetzt zum SCB ziehen lässt.

Hoffentlich nur ein Sturm im Wasserglas

Das wird er nur dann tun, wenn er zum Schluss kommt, dass Simon Bodenmann seine Mannschaft nicht besser macht. Und wenn er es denn tun würde, dann wäre er der schlimmste aller Hockey-Heuchler. Dass sein Bub Denis von Genf zu Kloten zurückkehrt, wusste Papa Hollenstein ja wohl auch nicht erst nach der Saison im April dieses Jahres. Dieser Deal ist auch lange, lange vor der Zeit gemacht worden. 

17.04.2014; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - Kloten Flyers; Trainer Felix Hollenstein (Kloten) enttaeuscht (R) Simon Bodenmann (Kloten) (Daniela Frutiger/freshfocus)

Ab 2015 muss Felix Hollenstein auf Simon Bodenmann verzichten. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Es soll jetzt auch keiner kommen, so etwas sei in der NHL unmöglich und dort würden, potz Donner, alle Transfer und sonstigen Gesetzte eingehalten. Auch in der NHL gibt es illegale Absprachen vor Trades und Transfer-Verhandlungen vor der Zeit. Ein Fall aus der letzten Saison kenne ich aus erster Hand. Aber weil die Strafen, wenn denn einer erwischt wird, drakonisch sind (sechsstellige Bussen und lange Sperren für alle Beteiligten) wird dort sorgsamst auf Geheimhaltung geachtet.

Hie und da ein Transfer zur Unzeit schadet dem Image unserer Liga nicht. Vielmehr sorgt der «Fall Bodenmann» für Emotionen, Gesprächsstoff und Medienpräsenz. Wer damit nicht umgehen kann, hat im Profisport des 21. Jahrhunderts nichts verloren.  



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    Alle Leser-Kommentare
  • Italian Stallion 05.09.2014 18:50
    Highlight Highlight Ich und noch mehr mein Sohn sind riesige Fans von Bodi. Auch wir sind enttäuscht von seinem Move nach Bern. Aber seien wir ehrlich: Die heutige Gesellschaft würde ihn auslachen, wenn er aus Loyalität bei den Flyers geblieben wäre und so einen tollen Vertrag ausgeschlagen hätte. Zu Figes Zeiten war das halt anders und alle klopften ihm auf die Schulter, als er die vielen Angebote ablehnte. Ausserdem folgt Bodi seinem Buddy E. Blum, und das für mehr Geld. Bern hat jetzt viele gute Spieler gekauft, aber sie werden wieder versagen, weil der Trainer ausser einer grossen Klappe nichts bieten kann.
  • Horse 30.08.2014 11:22
    Highlight Highlight Man kann es drehen und wenden wie man will, für den Klub ist einfach Sch..., wenn klar ist, dass ein Spieler noch eine Saison abreisst, um dann zu gehen. Man versetze sich in die Lage von Kloten und deren Fans und die Sache ist klar. Ich hätte jedenfalls keine Freude, wenn beim hiesigen Klub klar wäre, dass dieser Spieler auf die nächste Saison abspringt.
  • Wagner 29.08.2014 12:42
    Highlight Highlight Gruezi Herr Zaugg, wann beginnt eigntlich die Vorsaison-Berichterstatung?

    Bin schon ganz gespannt darauf. Aber bitte nicht auf einen Meisertitel des SCB tippen!

    Vermutlich werden der Z und der HCLugano die Meisterschaft 14/15 unter sich aus machen...!!
  • filmorakel 29.08.2014 07:53
    Highlight Highlight Dass der selbsternannte Hockeykenner Kläusu jede Gelegenheit nutzt, um über die Erfolge seines SCBs (braver Leuenberger) und die Misserfolge der bösen bösen Klotener (naiver Rötheli) zu schreiben, war so klar wie dicke Tinte.
    • BOSELLI 29.08.2014 12:07
      Highlight Highlight Die Frage nach dem Zeitpunkt drängt sich auf. SCB-Sportchef Sven Leuenberger sagt: «Hätten wir den Transfer nicht jetzt realisiert, wäre er gar nicht zustande gekommen.» Georges Müller, Bodenmanns Agent, spricht von einem aussergewöhnlichen Zeitpunkt und erklärt, der Grund hierfür liege weder beim Spieler noch beim SC Bern, sondern bei Kloten. Die Verantwortlichen der Flyers hätten Bodenmann bis zum 31. Juli 2014 eine Frist gesetzt, ihr Angebot auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung anzunehmen oder abzulehnen. «Der Spieler hätte sich gewünscht, mit dem Zukunftsentscheid bis Oktober oder November zuzuwarten. Aber Kloten wollte Bescheid», sagt Müller. Noch Fragen du Neider?
  • Ralphster 29.08.2014 07:45
    Highlight Highlight Die Hockey-Saison 14/15 hat noch nicht mal begonnen und der Eismeister läuft bereits zur Höchstform auf.
    Ein typischer Klaus Zaugg-Artikel. Auch wenn er teilweise mit gewissen Punkten wahrscheinlich nicht so unrecht hat, kriegt man trotzdem irgendwie das Gefühl nicht los, dass wenn hier nicht sein SCB der grosse Profiteur wäre, das Ganze ein wenig kritischer hinterfraget würde.
    Klar gibt es im Hintergrund immer wieder Gespräche oder Abmachungen, aber nichtsdestotrotz muss man sich trotzdem fragen, ob eine Transfer-Regelung wie im Fussball doch nicht langsam angebracht wäre.
  • BOSELLI 29.08.2014 00:24
    Highlight Highlight Richtig was Chloisu schreibt.
    Was soll denn daran schlimm sein dass er jetzt schon Klarheit will?
    Ist es denn besser dass eine halbe Saison immer wieder Gerüchte im Umlauf sind?
    Wenn Kloten jetzt meint es bringe nichts mehr wird Bern sicher Verhandlungsbereit sein.
    Nehme aber mal an dass beide Parteien dies schon getan haben und Bern einfach nicht bereit ist die geforderte Summe zu berappen.
    Alsogaben sie den Deal halt jetzt schon bekannt.Dies passiert immer in Absprache.
    Also heuchelt weiter liebe nicht SCB Fans...doch alle wissen......jeder Sportchef der Liga wird nicht schlafend im Büro sitzen und abwarten bis mal ein brauchbaren Spieler an die Türe klopft!
  • Clark Kent 28.08.2014 23:52
    Highlight Highlight hahaha.. was für ein widerspruch:

    "Ein Fall aus der letzten Saison kenne ich aus erster Hand. Aber weil die Strafen, wenn denn einer erwischt wird, drakonisch sind (sechsstellige Bussen und lange Sperren für alle Beteiligten) wird dort sorgsamst auf Geheimhaltung geachtet."

    und dann erzählt man das ganz bestimmt dem kleinen herr zaugg aus dem schweizer emmental - na klar!
  • salming 28.08.2014 22:03
    Highlight Highlight Richtig schwacher Artikel.
    Es ist klar, dass Bodenmann ein begehrter Spieler ist oder war. Es ist noch weniger von der Hand zu weisen, dass Leuenberger händeringend auf der Suche nach einem Schweizer Top-Transfer war, der ihm schon lange nicht mehr gelungen ist (abgesehen von Moser, der ein Roulette Transfer war und Blum, der erst nach einem Nein seines bisherigen Vereines quasi mit Kussmund von Bern engagiert wurde).
    Tatsache aber ist, dass solche Transfermeldungen ein Unding sind. Klar, kann es nicht per Verbandsrecht verboten werden, dass solche Verträge abgeschlossen werden. Allerdings sollte von oberer Stelle oder per gentlemen-Agreement zwischen den Vereinen eine Regelung gefunden werden, dass die Kommunikation ebensolcher erst im Jan möglich wäre (Stephan war eine andere Story)

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