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Die Langnauer mit Kevin Clark, links, Torschuetze zum 3:0, und Tobias Bucher, Mitte, jubeln, hinter dem geschlagenen Davos Goalie Leonardo Genoni, vorne, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos am Freitag, 13. November 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Langnauer Clark und Bucher bejubeln hinter dem geschlagenen Davoser Goalie Leonardo Genoni den Treffer zum 3:0.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

HCD-Coach Del Curto nach dem 0:6 gegen die SCL Tigers: «Grosses Langnau? Wollen Sie mich verarschen?!»

Schweizer Meister Davos geht in Langnau beim NLA-Schlusslicht sang- und klanglos 0:6 unter. Nie ist HCD-Trainer Arno Del Curto authentischer als in der Niederlage.



Es ist das perfekte Spiel. Wenn wir so wollen ein «Jahrhundert-Spiel» – das Jahrhundert ist ja noch jung. Den Langnauern gelingt alles. Vorne und hinten und auch sonst. Damiano Ciaccio spielt nicht nur stilmässig wie eine Mischung aus Martin Gerber und Dominik Hasek. Das Powerplay läuft in lichten Momenten wie Örgelimusik. Die Schüsse finden den Weg aufs Tor und werden nicht vorher von irgendeinem Schlittschuh oder einer Schulter oder einem Stock noch abgelenkt. Sie treffen präzis wie Laserstrahlen. Unhaltbar für den Meisterhelden Leonardo Genoni, der nach dem vierten Gegentreffer vom Eis geht.

Die Dynamik der Davoser Offensive bricht an Damiano Ciaccio und weil die ersten klaren Chancen nicht verwertet werden, schleicht sich Hektik und Frustration ein. Das HCD-Spiel ist hoch entwickelt und deshalb auch störungsanfällig. Der Schwung verebbt, Langnau kontrolliert bald alles und auf der sich auftürmenden Welle der Begeisterung im ausverkauften Tempel surfen die Emmentaler zu einem 6:0. Während der Schlussphase erheben sich die Zuschauer zur wohlverdienten «Standing Ovation». Hockeyfestspiele im November.

Die Langnauer Dan Weisskopf, Massiomo Ronchetti und Goalie Damiano Ciaccio feiern ihren Shutout nach dem Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos am Freitag, 13. November 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der oft kritisierte Langnauer Keeper Ciaccio feiert gegen den Meister einen Shutout.
Bild: KEYSTONE

Keine Ausreden bei Del Curto

Warum ist Arno Del Curto der charismatischste Trainer im Land? Warum hat er Kultstatus? Weil er authentisch war, ist und bleibt. Er reagiert nie hockeypolitisch korrekt. Deshalb ist er erfolgreich.

Ein gewöhnlicher Trainer hätte nun nach diesem 0:6 den Gegner gerühmt. Darauf hingewiesen, dass Langnau weit unter Wert klassiert sei. Dass die Liga ausgeglichen wie nie sei. Dass es immer schwer sei, in Langnau zu spielen. Diese Fans! Diese Stimmung! Und er hätte natürlich nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass die Davoser ja noch das schwere Champions-League-Spiel vom Dienstag in den Knochen haben. Und dann müsse man auch noch die stundenlange Anreise mit dem Bus aus den Bündner Bergen berücksichtigen.

Arno Del Curto reagiert anders. Ortstermin im Kabinengang des Langnauer Hockeytempels. Arno ist aufgewühlt. Die Niederlage ist ihm eingefahren. Ein vorwitziger Chronist versucht ihn abzulenken: «Ein grosses Langnau, nicht wahr?» Da braust Del Curto auf. «Grosses Langnau? Wollen Sie mich verarschen? Gut, ja, gut war Langnau. Gut, ja, ja, gut. Aber gross? Nein, nein. Wir waren schlecht.» Dann macht er Zeichen an der Wand. «Wenn Langnau sooooooooooo gross ist, also da oben» – er zeigt mit dem Finger hoch oben an die Wand – «dann war der HCD da, ganz unten». Er bückt sich und zeigt auf den Boden.

Head hoach Arno Del Curto of Davos is pictured during the Champions Hockey League 1/8 finals ice hockey match between HC Davos and HC Bili Tygri Liberec, on Tuesday, November 10, 2015, in the Vaillant Arena in Davos, Switzerland. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Del Curto treibt seine Mannschaft an.
Bild: KEYSTONE

Gnadenlos ehrlich zu sich und seinen Spielern

Nun können wir sagen, Arno Del Curto sei unsportlich. Das sei typisch: Wenn der Grosse verliert, dann war der Grosse schlecht, nicht der Kleine gut. Aber so ist es in diesem Fall nicht. Es ist etwas ganz Anderes: Arno del Curto duldet keine Ausreden. Nicht in Langnau und auch sonst nie. Seine Botschaft ist klar: Wenn wir verlieren, dann sind wir dafür verantwortlich. Wenn es nicht läuft, dann nimmt er sich und die Spieler nicht aus der Verantwortung. Er ist gnadenlos ehrlich zu sich und seinen Spielern.

War Langnau gross? Natürlich war Langnau gross. Es war ja, wie erwähnt, ein «Jahrhundert-Spiel». War der HCD miserabel, so wie es der Trainer suggeriert? Nein, natürlich war der HCD nicht miserabel. Es war nur so, dass jeder im Stadion spürte, auch die Spieler, dass nach dem 3:0 nichts mehr zu machen war, und so resignierte der HCD. Für die Langnauer war es im ausverkauften Tempel auch emotional eine viel wichtigere Partie und so zogen sie gnadenlos durch. Bis zum 6:0. Bis zum «Jahrhundert-Sieg».

Folgt die Davoser Reaktion?

Diese Unerbittlichkeit in der Niederlage ist typisch für Arno Del Curto – und für einen anderen grossen Trainer. Lausannes Heinz Ehlers. Auch er ist in der Niederlage schmerzhaft ehrlich. Beispielsweise nach dem 2:6 gegen Lugano am letzten Dienstag. Da war Lausanne bei Weitem nicht so schlecht wie es der Trainer sah. Nun folgte die starke Reaktion: Ein 5:2-Sieg in Bern.

Es wäre keine Überraschung, wenn Davos die nächste Partie gewinnt – und Langnau nicht. Der HCD empfängt heute Abend Servette, die Tigers spielen in Ambri.

Del Curto, wie er leibt und lebt

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