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Wegen der Coronavirus-Pandemie ist der Spengler Cup in diesem Jahr wohl kaum durchführbar.
Wegen der Coronavirus-Pandemie ist der Spengler Cup in diesem Jahr wohl kaum durchführbar.
Bild: SPENGLER CUP
Eismeister Zaugg

Spengler Cup vor dem Aus – in diesem Winter gibt's wohl nur festtägliches Junioren-Hockey

Nach der WEF-Absage steht auch der Spengler Cup vor dem «Aus». Immer mehr rückt die Junioren-WM in der Altjahrswoche in den Mittelpunkt des Interesses.
30.08.2020, 20:2130.08.2020, 20:28

Spengler-Cup-Manager Marc Gianola mag noch nicht von einer Absage reden. Der Entscheid falle im Oktober. HCD-Präsident Gaudenz Domenig wird hingegen konkreter und sagt: «Der Spengler Cup steht auf der Kippe». Die Absage des World Economic Forums (WEF) habe die Lage zusätzlich verschärft.

Für den Spengler Cup wird im Kurpark neben dem Stadion jeweils ein Zelt für die Gästebetreuung aufgebaut. Dieses «VIP-Versailles der Berge» wird anschliessend an das Turnier auch vom WEF genutzt. Die Spengler-Cup-Macher konnten also diese hohen Infrastruktur-Kosten mit dem WEF teilen. Nun müsste der HCD als Spengler-Cup-Organisator die Kosten selbst stemmen. Zudem ist absehbar, dass es auch kein Fan-Zelt gibt, wo es jeweils bis in die Morgenstunden bei Live-Musik rockt und rollt.

Der Spengler Cup ist Jahr für Jahr ein Zuschauermagnet.
Der Spengler Cup ist Jahr für Jahr ein Zuschauermagnet.
Bild: SPENGLER CUP

Der Spengler Cup ist ein Hockeyfest. Aber unter den Bedingungen der Virus-Krise kann es kein Fest mehr sein: Die VIP-Gäste haben kein «Schloss» mit Smalltalk, Champagner und Kaviar und die gewöhnlichen Fans keine «Festhütte» mit Musik, Gesang und Bier. Und ohne die Möglichkeit, VIP-Gäste einzuladen, verlieren die Sponsoren-Pakete stark an Wert.

Was bleibt ist der Sport. Und auch der ist mit Teams aus Tschechien, Russland und Finnland sowie Gästen aus Nordamerika (Betreuer Team Canada, TV-Reporter) wegen der Reisebeschränkungen in Frage gestellt. Die ausländischen Mannschaften riskieren bei der An- und Abreise eine Quarantäne.

Die Zusammenstellung von Team Canada wäre dieses Jahr eine Herausforderung.
Die Zusammenstellung von Team Canada wäre dieses Jahr eine Herausforderung.
Bild: SPENGLER CUP

Keine Pandemie-Versicherung vorhanden

Wird der Spengler Cup nicht durchgeführt, ist es nach 1939, 1940, 1949 und 1956 die fünfte Absage seit der ersten Austragung im Jahre 1923. Gaudenz Domenig sagt, der HCD habe eine Absage wegen einer Pandemie nicht versichert. «Wir sind nur für eine Absage aus wetterbedingten Gründen versichert.» Nur wenn wegen Schnee und Sturm das Turnier oder einzelner Spieler abgesagt werden müssten, würde die Versicherung zahlen.

Seit der HCD den Vermarktungsvertrag mit IMG 2015 nicht mehr verlängert hat, fällt zwar die siebenstellige Garantiesumme weg, der Gewinn ist aber höher (IMG verdient nicht mehr mit). Dafür trägt der HCD nun aber auch das ganze finanzielle Risiko.

Kann der Spengler Cup nicht durchgeführt werden, entgehen dem HCD als Besitzer und Organisator Netto-Einnahmen von mehr als zwei Millionen Franken. Diesen Verlust kann Gaudenz Domenig allerdings wettmachen, wenn es ihm gelingt, die etwas mehr als drei Millionen zu behalten, die ihm Dr. Peter Buser für die Namensrechte am Stadion bereits überwiesen hat und wieder zurückhaben möchte.

Die Aussichten, dass sich Gaudenz Domenig in dieser Sache durchzusetzen vermag, sind erheblich grösser als die Chancen auf die Durchführung des Spengler Cups 2020. Wer bereits Tickets gekauft hat, wird die Option auf Rückzahlung oder Übertragung auf den nächsten Spengler Cup 2021 haben.

National League wird wohl trotzdem ruhen

Inzwischen hat sich auch Liga- und Spengler-Cup-Spielplangeneral Willi Vögtlin Gedanken zur Absage gemacht. Wenn das Turnier nicht stattfindet, werden die Termine in der Altjahrswoche für die Meisterschaft frei, die wegen der Verschiebung des Saisonstartes vom 18. September auf den 1. Oktober ohnehin in engen Terminhosen steckt.

«Zwei Runden könnten wir in dieser Zeit wohl spielen» sagt Willi Vögtlin. «Aber eine Verschiebung der Spieldaten in die Spengler-Cup-Pause wäre nicht so einfach. Verschiedene Klubs haben während dieser Zeit bereits Aktivitäten eingeplant oder ihren Ausländern Heimaturlaub versprochen.»

Die National League wird wohl in der Altjahreswoche auch ohne Spengler Cup pausieren.
Die National League wird wohl in der Altjahreswoche auch ohne Spengler Cup pausieren.
Bild: keystone

Er habe HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer einen nicht ganz ernstzunehmenden Ersatzvorschlag gemacht: Zwischen dem 26. und 31. Dezember spielt der HCD fünf Heimspiele hintereinander – sozusagen ein Spengler Cup nur mit Schweizer Teams. «Aber den Vorschlag hat er natürlich abgelehnt…»

U20-WM könnte in den Vordergrund rücken

Und so zeichnet sich ab, dass die Hockey-Festtagspause der Swiss League (sie spielt in dieser Zeit zwei Runden) und den Junioren gehören wird. Vom 26. Januar 2020 bis zum 5. Januar 2021 soll in Edmonton und Red Deer die U20-WM mit mehr als 30 Spielen ausgetragen werden.

Dieses Turnier ist für den internationalen Eishockey-Verband (IIHF) neben der «richtigen» WM (21. Mai bis 6. Juni in Riga und Minsk) der sportlich und wirtschaftlich wichtigste Anlass überhaupt. In Nordamerika haben die Titelkämpfe der weltbesten Junioren eine höhere Beachtung und bessere TV-Präsenz als die «richtige» WM. Nur mit der «richtigen» WM und der U20-WM wird Geld verdient – alle anderen Titelturniere müssen von der IIHF subventioniert werden. Sie sind zum Teil hoch defizitär.

In der Schweiz stand die U20-WM bisher von der Medien- und TV-Präsenz her immer im Schatten des Spengler Cups. Das würde sich bei einer Absage ändern. Der Sport-TV-Sender «MySports» hat die Live-Rechte der Junioren-Titelkämpfe für die Schweiz und würde von einer Absage des Spengler Cups enorm profitieren.

An der letzten U20-WM stiess die Schweiz überraschend in den Halbfinal vor.
An der letzten U20-WM stiess die Schweiz überraschend in den Halbfinal vor.
AP Pool Bildbyrån

Wie aber würde unser staatstragendes Fernsehen seine verschiedenen Kanäle ohne den Spengler Cup «möblieren»? Die Einnahmen aus den TV-Rechten sind allerdings zu wenig gross, um einen Spengler Cup ohne Zuschauer (oder stark eingeschränkter Stadionkapazität) nur oder fast nur fürs TV-Publikum zu organisieren. Ein «Geister-Spengler-Cup» wäre ein Minus-Geschäft.

«Bubble» wie in der NHL möglich

Die Bedeutung der U20-WM ist also unbestritten. Kein Wunder sagt IIHF-Präsident René Fasel: «Bei uns hat jetzt die Organisation der Junioren-WM in Kanada Priorität.» Die grosse Frage: Ist diese WM in Zeiten der Virus-Krise überhaupt möglich? Oder muss sie erstmals seit der Einführung (1974) abgesagt werden? Der definitive Entscheid soll noch im September fallen. René Fasel sagt: «Ich bin zuversichtlich, dass wir dazu in der Lage sind, dieses Turnier durchzuführen.»

Denkbar sei eine WM ohne Zuschauer in einer Blase nach dem Vorbild der in diesen Tagen laufenden NHL-Playoffs. «Falls dies der Fall sein sollte, können wir von den Erfahrungen profitieren, die von der NHL jetzt gemacht werden.» Für diese Junioren-Titelkämpfe sind bereits über 95 Prozent der Tickets verkauft. Was passiert mit den bereits für die Tickets bezahlten Millionen?

Es gibt noch viel Arbeit. Am Telefon, in Davos, im Büro von Gaudenz Domenig in Zürich, in Edmonton, in Red Deer und in den Räumlichkeiten des IIHF-Hauptsitzes in Zürich.

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Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend

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Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend
quelle: keystone / gian ehrenzeller
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