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Zugs Torhueter Leonardo Genoni, links, im Spiel gegen Servettes Mathieu Vouillamoz, rechts, im ersten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem EV Zug und Geneve-Servette HC am Montag, 3. Mai 2021, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Zugs Torhüter Leonardo Genoni hielt im ersten Finalspiel gegen Genf seinen Kasten sauber. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Zug und der «G-Faktor» – ein Scheitern als historische Pleite

Wenn es zählt, spielt Leonardo Genoni sein bestes Hockey. Wenn Zug mit ihm jetzt nicht Meister wird – mit wem dann?



Wie definieren wir die grösstmögliche Leistung eines Torhüters? Mit der Statistik (Fangquote)? Nein. Die grösstmögliche Leistung ist es, wenn ein Goalie seiner Mannschaft in den Playoffs einen 1:0-Sieg ermöglicht. Und wenn es gar ein 1:0 in einem Final ist, dann können wir sagen: Mehr geht nicht.

Leonardo Genoni hat nicht nur Zug das 1:0 in der ersten Finalpartie ermöglicht. Er ist auch erst der zweite Torhüter der Geschichte, der in den Playoffs im gleichen Jahr als Finalist zwei 1:0-Siege gefeiert hat: Zug hat sich ja bereits die Halbfinal-Qualifikation mit einem 1:0 in Bern gegen den Titelverteidiger gesichert. Und ist so endlich, endlich den «SCB-Komplex» losgeworden.

Lukas Flüeler ist der erste, der in einem Jahr in den Playoffs auf dem Weg zum Champion zweimal 1:0 gewinnt: am 25. März 2014 im Viertelfinal gegen Lausanne und am 13. April 2014 im Final in Kloten.

Wie extrem dieser «G-Faktor» sein kann, zeigt ein Blick zurück: Leonardo Genoni hat schon mit Davos auf dem Weg zur Meisterschaft ein Finalspiel 1:0 gewonnen (am 5. April 2011 gegen Kloten) und am 6. April 2019 ermöglicht er dem SC Bern im Halbfinal auswärts gegen Biel ein 1:0 – bei 19:38 Torschüssen. Auch da steht am Ende schliesslich der Meistertitel. Mehr geht nicht.

Wie rar 1:0-Resultate in den Playoffs sind, sagt ein Blick in die Geschichtsbücher: erst im 195. Spiel unserer Playoffhistorie gelingt Lugano im Viertelfinal gegen Kloten im Frühjahr 1995 ein 1:0. Und bis ein Spiel im Final 1:0 endet, dauert es weitere 12 Jahre: 2007 gewinnt Davos das 7. Finalspiel gegen den SCB 1:0. Im Tor: Jonas Hiller. Auch er einer der ganz Grossen.

Torhueter Jonas Hiller von Biel beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos vom Samstag, 22. Februar 2020 in Biel. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Einer der ganz Grossen: Jonas Hiller. Bild: KEYSTONE

Es hat also schon einen Grund, warum Zugs Sportchef Reto Kläy Leonardo Genoni (33) auch inflationsbereinigt zum bestbezahlten Torhüter unserer Nationalliga-Geschichte (seit 1938) gemacht hat.

Alle Diskussionen, ob es denn nicht Sinn ergeben würde, Luca Hollenstein (21) zur Nummer 1 aufzubauen, sind damit beendet. Bis zum Vertragsablauf von Leonardo Genoni im Frühjahr 2024 hat Luca Hollenstein in Zug gar keine Chance. Er wird froh sein, dass sein Vertrag nach der nächsten Saison ausläuft. Nicht nur Lugano wird sich frühzeitig bei ihm melden. Will er eine grosse Karriere machen, muss er Zug im nächsten Frühjahr verlassen.

Leonardo Genoni ist statistisch diese Saison nicht der beste Torhüter der Qualifikation und er ist es auch nicht in den Playoffs. Nach wie vor sind Servettes Daniel Manzato mit einer Fangquote von 97.59 Prozent und ZSC-Schlussman Ludovic Waeber (93.2 Prozent) besser als Zugs letzter Mann (93.05 Prozent).

Womit wir wieder einmal lernen: Statistiken dienen eigentlich nur dazu, Verlierern eine schöne Entschuldigung zu liefern.

Was viel mehr zählt als schöne Fangquoten und sonstige Zahlen ist die Fähigkeit eines Torhüters, Siege zu «stehlen». Spiele zu gewinnen, die gewonnen werden müssen. Das ist der «G-Faktor», auf den Zug mit Leonardo Genoni bauen kann.

Die Behauptung sei also gewagt: wenn Zug jetzt nicht Meister wird, dann liegt es nicht am Torhüter.

Den Final verlieren mit Leonardo Genoni? Dem Meister von 2009, 2011, 2015 (mit Davos), 2017 und 2019 (mit dem SCB) und dem WM-Finalisten von 2018? Nein. Undenkbar.

Aber denken wir trotzdem der guten Form halber das Undenkbare. Ein Scheitern der Zuger gegen Servette würde den Stoff für eine wunderbare Polemik liefern: Es wäre nämlich der Triumph von Daniel Manzato. Also des Goalies, der in Genf ziemlich genau 170 000 Franken verdient. Und es wäre die Niederlage von Leonardo Genoni, der in Zug über 600 000 Franken mehr verdient als Manzato.

Wir kämen mit ziemlicher Sicherheit nicht darum herum, wieder einmal «Geld und Geist», einen Klassiker der Weltliteratur, aufzuwärmen.

Wir wären natürlich so boshaft, rundheraus zu behaupten, dass Leonardo Genoni am Scheitern der Zuger ganz und gar unschuldig ist. Was sowieso der Wahrheit entsprechen dürfte.

Natürlich müsste fürs Publikum ein Sündenbock gefunden werden. Das gehört sich so. Aber ein Scheitern hätte in Zug keine Konsequenzen und es würde lediglich eine Art Operetten-Sündenbock präsentiert. Wahrscheinlich müsste der scheidende Captain Raphael Diaz diese undankbare Rolle übernehmen. Als Preis dafür, dass er schon vor Monaten bei Gottéron unterschrieben hat. Schmerzen würde es ihn nicht mehr. Und die Zuger auch nicht.

Was nichts daran ändert, dass Zugs Scheitern mit Leonardo Genoni im Tor eine Pleite von historischem Ausmass wäre. Und das überraschendste Finalresultat seit dem SCB-Titelgewinn von 1989 gegen John Slettvolls «Grande Lugano».

Der himmelhohe Favorit Lugano hatte damals den Final mit einem standesgemässen 6:2 auf eigenem Eis begonnen und verlor die Best-of-Five Serie 2:3.

Lugano hatte zwar keinen Leonardo Genoni im Tor. Trotzdem ist es eine Warnung der Geschichte.

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