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Den Grossverdienern im Schweizer Hockey geht es wohl bald an den Kragen.
Den Grossverdienern im Schweizer Hockey geht es wohl bald an den Kragen.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Das Schweizer Hockey vor der grössten Revolution: Ein Salary-Cap ab 2024

Seit Jahren träumen die Klubbosse von einem «Salary Cap». Nun arbeitet die Liga zum ersten Mal an der konkreten Umsetzung. Im Idealfall wird die Lohnobergrenze bereits im August beschlossen und nach einer dreijährigen Übergangsfrist für die Saison 2024/25 vollumfänglich durchgesetzt.
14.05.2020, 06:2514.05.2020, 16:09

Der «Salary Cap» ist ein schwerer Eingriff in die freie Marktwirtschaft. Den Klubs wird von der Liga vorgeschrieben, wie viel Geld sie für Löhne ausgeben dürfen. Die Auseinandersetzung zwischen der NHL und der Spielergewerkschaft war bei der Einführung der Lohnobergrenze so heftig, dass eine ganze Saison lang nicht gespielt wurde (2004/05). Die Klubbosse haben sich durchgesetzt. In der NHL wird die Lohnobergrenze von Jahr zu Jahr neu festgesetzt. Die Klubs dürfen nur die Hälfte der Einnahmen als Saläre an die Spieler weitergeben.

Auf Teufel komm raus: Es muss gespart werden.
Auf Teufel komm raus: Es muss gespart werden.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Coronavirus-Krise hat endlich die viel zu hohen Spielersaläre in unserer National League zum Thema gemacht. Zwei Massnahmen zur Senkung der Löhne werden nun konkret vorbereitet. Eine Erhöhung der Anzahl Ausländer und der «Salary Cap.» Eigentlich sollte die neue Ausländerregelung bei der nächsten Liga-Versammlung am 17. Juni für die Saison 2021/22 beschlossen werden. Inzwischen ist klar, dass die Zeit zu knapp wird. Der neue Fahrplan: die Ausländerregelung und die Lohnobergrenze sollen in einer weiteren Liga-Versammlung im August beschlossen werden.

7 Millionen als Obergrenze

Wie sieht der «Salary Cap» aus? Es wird eine Ober- und Untergrenze geben. Es wird also festgeschrieben, wie viel ein Klub für Saläre ausgeben darf. Aber auch, wie viel ein Klub mindestens für Saläre ausgeben muss. So wird die Konkurrenzfähigkeit sichergestellt.

Die Obergrenze wird nicht in Prozent der Einnahmen definiert. Sondern mit einem Maximal-Betrag. Die Obergrenze wird voraussichtlich bei 7 Millionen Franken liegen. Die Untergrenze bei 5 Millionen. 5 Millionen geben schon heute alle Klubs für Löhne aus. Kein Problem also. Hingegen müssen mehrere Klubs mit den Löhnen runter, wenn sie diese Obergrenze einhalten wollen. Wer dazu nicht in der Lage ist, wird zu einer sogenannten «Luxussteuer» verknurrt. Also zu einer Abgabe in einen Topf, der dann unter den Klubs aufgeteilt wird, die sich an die Obergrenze halten.

Die Liga wird ihren Teil zur Kontrolle der Löhne beitragen müssen.
Die Liga wird ihren Teil zur Kontrolle der Löhne beitragen müssen.Bild: KEYSTONE

Das stärkste Argument gegen die Einführung einer Lohnobergrenze war bisher die fehlende Kontrollmöglichkeit. Nun, in der Not besinnen sich die Klubbosse darauf, dass eine Kontrolle möglich ist. Jeder Spielervertrag muss bei der Liga eingereicht werden und so wird die Gesamtlohnsumme ersichtlich.

Aber was ist, wenn ein Klub einem Spieler neben dem ordentlichen, bei der Liga eingereichten Vertrag weitere finanzielle Zuwendungen macht – beispielsweise durch ein Mandat bei einer anderen Firma, die niemand kontrollieren kann? Das wäre in der Tat «Betrug» im Sinne der neuen Regelung. Aber dagegen wird nun ein verblüffend einfaches, aber einleuchtendes Argument vorgebracht. Ein hoher Funktionär sagt es so: «Ich kann mir ganz einfach nicht vorstellen, dass Persönlichkeiten wie Walter Frey, Hans-Peter Strebel, Peter Jakob, Gaudenz Domenig, Marco Werder oder Marc Lüthi solche Schlaumeiereien dulden würden.»

Das mag auf den ersten Blick naiv tönen. Aber genau so dürfte es sein. Es hat schon einen Grund, warum IIHF-Präsident René Fasel, der ranghöchste Hockey-Funktionär der Welt sagt: «Der Salary Cap ist die grosse Chance für das Schweizer Eishockey und wenn jetzt die Einführung nicht gelingt – wann dann?»

Welche Ausländerregelung kommt?

Bis zur Liga-Versammlung im August soll ein konkreter Vorschlag zur Abstimmung vorliegen. Die Einführung ist mit einer einfachen Mehrheit ab der übernächsten Saison (2021/22) möglich, erfordert allerdings eine zwei bis dreijährige Übergangsfrist. Rechtskräftig wird der «Salary Cap» also wohl erst für die Saison 2024/25. Der Grund dafür ist klar: Im Sinne der Rechtssicherheit (die zu jedem Rechtsstaat gehört) sind bestehende Verträge so weit wie möglich zu respektieren und die Klubs brauchen eine Übergangsfrist, um die Saläre im Rahmen der Kaderplanung nach und nach anzupassen. Eine Auseinandersetzung mit der Spielergewerkschaft wie in der NHL wird es nicht geben. Unsere «Spielergewerkschaft» ist eine lächerliche Operettenorganisation, die in dieser Sache getrost ignoriert werden kann.

Der Salary Cap wird die Liga ausgeglichener machen.
Der Salary Cap wird die Liga ausgeglichener machen.Bild: KEYSTONE

Zur umfassenden Reform gehört auch eine neue Ausländerregelung. Dabei geht es um eine Erhöhung der zugelassenen ausländischen Spieler (bisher vier pro Spiel). Noch ist es nicht gelungen, einen konkreten Vorschlag zu formulieren. Die Hardliner wollen eine komplette Öffnung – also keinerlei Beschränkung mehr bei der Verpflichtung von ausländischen Spielern, inklusive Abschaffung der «Lizenz-Schweizer».

Die Pragmatiker sehen eine sanftere Öffnung mit einer Erhöhung von vier auf acht Ausländer und der Abschaffung der Lizenz-Schweizer (also der ausländischen Spieler, die mit einer Schweizer Lizenz das Ausländer-Kontingent nicht belasten).

Die Vernünftigen wollen die bisherige Regelung beibehalten. Eigentlich sollte über die Ausländerregelung an der nächsten Liga-Versammlung am 17. Juni abgestimmt werden. Nun zeichnet sich ab, dass auch dieses Traktandum erst in der Ligaversammlung im August zur Abstimmung kommt. Die Liga-Versammlung am 17. Juni dürfte mehr oder weniger im Zeichen der Diskussion über die grösste Revolution unseres Hockeys stehen.

Allen Beteiligten ist allerdings klar, dass eine umfassende Ligareform mit dem Kernstück «Salary Cap» nur möglich ist, solange die Schockwirkung der Viruskrise anhält. Die Zeit drängt schon ein wenig.

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