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Martin Gerber, von Kloten, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und den Kloten Flyers, am Dienstag, 16. Februar 2016, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Mit 42 Jahren ist Schluss: Martin Gerber beendet seine Karriere. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Eine der grössten Hockey-Karrieren ist zu Ende: Martin Gerber hört auf

Stell dir vor, einer der grössten Schweizer Spieler aller Zeiten beendet seine Karriere und niemand merkt es. Genau das ist passiert. Martin Gerber verlässt Kloten definitiv und beendet seine Karriere.



Er quält sich gerade durch einen Verkehrsstau in der Stadt Zürich und sagt, er rufe zurück, wenn er da endlich rausgekommen sei. Eine Momentaufnahme mit Symbolcharakter. Martin Gerber verlässt Kloten, verlässt den Grossraum Zürich. Der Hockey-Weltreisende hat genug vom Verkehrsdichte-Stress.

Er gibt auch seinen Zweitwohnsitz in Zug auf zieht sich in seine Heimat Langnau zurück. Dort hat er an bester Lage beim idyllischen «Äntelipark» (Park der Enten) im Dorf längst ein wunderbares altes Haus gekauft, renoviert und dort fühlen sich seine Lebenspartnerin und seine Kinder wohl. Martin Gerber kehrt heim und er sagt: «Ich will meine Kinder aufwachsen sehen.»

Kloten's goaltender Martin Gerber celebrates with the trophy after winning the Swiss Ice Hockey Cup final game between EHC Kloten and Geneve-Servette HC, at the SWISS Arena ice stadium, in Kloten, Wednesday, February 1, 2017. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

In seiner letzten Saison gewann Gerber noch den Schweizer Cup. Bild: KEYSTONE

Nachwuchscoach oder Sportchef?

Er wird voraussichtlich in Langnaus Nachwuchsabteilung seine Trainer-Karriere beginnen. Sportchef Jörg Reber sagt: «Wir haben uns darüber unterhalten». Martin Gerber bestätigt: «Ja, das könnte etwas sein.»

Sollte Pascal Müller, auch ein Langnauer, Kloten verlassen und Sportchef bei den ZSC Lions werden, dann könnte doch Martin Gerber im Sportchef-Büro in Kloten Platz nehmen. Oder? «Nein, ganz sicher nicht. Dann bin ich wieder ständig unterwegs. muss ständig in Zürich sein und sehe meine Familie wieder nicht.»

Kloten, 19.12.16, Torhueter Martin Gerber und Teammanager Beat  Equilino unterhalten sich in der Garderoben Küche. Das Bild wurde im Rahmen der fotografischen Arbeit

So sah man ihn sonst nie: Gerber und Teammanager Beat Equilino unterhalten sich in der Garderobe von Kloten. Bild: PPR/dominik baur

«Tinu» kann seine Zukunft gelassen planen und ist nicht auf sofortigen bezahlten Broterwerb angewiesen. In Amerika, Schweden, Russland und der Schweiz hat er gutes Geld verdient. Aufwändig hat er nie gelebt. Er hat nie vergessen, woher er gekommen ist. Weil ihn einst die Langnauer als untauglich fürs grosse Hockey taxierten, musste er in der 2. Liga bei Signau beginnen und teilte sich den Job mit «Budi» Pfister, heute Bankprokurist im beschaulichen Huttwil.

Der Millionär aus dem Emmental

Den Klubbeitrag, die Ausrüstung und alle Trainingscamps hatte er selber zu bezahlen. Nun dürften auf seinem Bankkonto gegen zehn Millionen lagern. Er hat alleine in der NHL in etwas mehr als 250 Partien exakt 13,164 Millionen Dollar verdient, und er musste auch bei seinen Gastspielen in Schweden, Russland, Langnau und zuletzt Kloten nicht darben. Er hat seine Vermögensbildung abgeschlossen.

Switzerland's goaltender Martin Gerber looks on his teammates from the bench, during the IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Switzerland vs Czech Republic at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Monday, 6 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der Torhüter war einer der Silberhelden von 2013. Bild: KEYSTONE

Martin Gerber ist am 3. September 42 Jahre alt geworden und war letzte Saison einer der besten alten Torhüter der Welt. Nach wie vor hat er für Kloten 31 Partien bestritten und mehr als 90 Prozent der Schüsse abgewehrt. Er wäre immer noch gut genug als Nummer zwei in der NLA oder gar als Nummer eins in der NLB. Doch er macht Schluss, meidet aber Wörter wie «Karriereende, Schluss».

Er umschreibt seinen Rücktritt und das kommt aufs Gleiche heraus. Als wolle dieser ewige Spieler tief im Herzen immer noch nicht wahrhaben, dass eine aufregende Zeit zu Ende ist. Aber er sagt: «Ich habe keinen Vertrag mehr und kann auch keinen neuen Vertrag unterschreiben. Ich muss ja erst wieder gesund werden und das kann noch lange bis in den Herbst hinein dauern. Ich habe meine Gehirnerschütterung nach wie vor nicht auskuriert.»

Von der Amateurliga an die Weltspitze

So ist nun eine der grössten Karrieren unseres gesamten Sportes heimlich, still und leise zu Ende gegangen. Kein offizieller Abschied nach dem letzten Spiel in Kloten, kein Händeschütteln, keine Ansprachen. Martin Gerber verlässt die grosse Bühne nachdem die Scheinwerfer längst abgeschaltet sind durch die Hintertür. So wie es seiner freundlichen, bescheidenen, sanften und klugen Art entspricht.

Eine Karriere, die aus der zweiten Amateurliga hinauf auf die allerhöchsten Gipfel, bis zum Stanley Cup und in den WM-Final geführt hat, ist zu Ende. Martin Gerber war zwar nie Schweizer Meister wie so viele unserer anderen grossen Goalies der Neuzeit (wie Pavoni, Tosio, Rüeger, Bührer, Berra, Genoni). Das Finale mit Kloten hat er 2014 mit Kloten verloren.

Der Torhueter der Ottawa Senators Martin

Tinu Gerber brachte den Stanley Cup nach Langnau. Bild: KEYSTONE

Aber Martin Gerber war Aufsteiger mit Langnau, Champion in Schweden, er brachte im Sommer 2006 den Stanley Cup in den «Hirschen» nach Langnau und er ist der einzige Schweizer Torhüter der Geschichte, der einen WM-Final bestritten hat (2013 1:5 gegen Schweden).

Martin Gerber hat die Welt gesehen wie kein anderer Hockey-Schweizer: Er spielte für Klubs aus Signau, Thun, Langnau, Karlstad, Anaheim, Cincinnati, Raleigh, Ottawa, Binghampton, Toronto, Edmonton, Oklahoma, Växjö, Ängelholm, Moskau – und zuletzt Kloten. Er bestritt 143 Länderspiele und diente der Nationalmannschaft bei neun WM-Turnieren (2000, 2001, 2002, 2004, 2005, 2008, 2009, 2011 und 2013) und bei zwei Olympischen Spielen (2002 und 2006).

Teil der olympischen Geschichte

Und er war der Held in einem der grössten Spiele aller Zeiten. Am 18. Februar 2006 besiegten die Schweizer beim olympischen Turnier in Turin die kanadischen NHL-Profis 2:0 und wehrten gegen die besten Stürmer der Welt sage und schreibe 49 Schüsse ab. Die Schweizer kamen zu 18 Abschlussversuchen.

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Schweiz – Kanada 2:0. Die Highlights der Partie von 2006 – inklusive Martin Gerbers Save für die Geschichtsbücher gegen Rick Nash. Video: YouTube/OlympicTorino

In der offiziellen Geschichtsschreibung des Welteishockeyverbandes (IIHF) zählt diese Partie zu den grössten 100 Momenten aller Zeiten (ganz genau als momentane Nummer 87). Es ist bis heute die sensationellste Pleite der NHL-Superstars (deren General Manager in Turin Wayne Gretzky war) und der grösste Sieg einer Schweizer Nationalmannschaft. Martin Gerber spielte die zweitbeste Partie seines Lebens. Die beste war zugleich die wichtigste: zum Auftakt der Auf/Abstiegsrunde verhexte er im Frühjahr 1998 im Tor von Langnau den NLA-Vertreter La Chaux-de-Fonds.

Die Churer Mario Brodmann (Mitte) und Harjis Witolins bleiben im Playoff Halbfinal der Nationalliga B vom Samstag, 28. Februar 1998, in Chur an den Langnauern  Raoul Baumgartner und Goalie  Martin Gerber haengen.  (KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

Gerber hext Langnau zum Aufstieg. Bild: KEYSTONE

Die Emmentaler waren in der NLB-Qualifikation bloss auf Rang 4 gekommen, sie gewannen überraschend die NLB-Meisterschaft, siegten als krasse Aussenseiter zum Auftakt der Auf/Abstiegsrunde gegen La Chaux-de-Fonds 4:1 und legten den Grundstein für den völlig unerwarteten Wiederaufstieg. In den NLB-Playoffs 1998 erzielte Martin Gerber gegen Martigny auch als erster Schweizer Goalie ein Tor.

Hätte Martin Gerber diesen Sieg nicht möglich gemacht, gäbe es mit ziemlicher Sicherheit in Langnau keinen rundherum erneuerten Hockeytempel und keine NLA-Mannschaft mehr. Er hat eben Dorf-, Schweizer und Welthockey-Geschichte geschrieben.

Keine schlechte Karriere für einen Buben aus dem Emmental.

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 26.04.2017 18:49
    Highlight Highlight ...Hatte ehrlich gesagt schon ein wenig Bange dass er den Absprung verpasst, so als Backup bei den lottrigen Klotenern ist doch auch kein Abschluss für den dereinst durchaus stabilen Gerber😳Allerdings ein Makel bleibt, hätte Berra statt Tinu im WM Final gespielt wäre der🇨🇭WM🏆definitiv ein Thema geworden😢Item, machs gut Tinu.
    Weiter erstaunen mich die Rumors über den Ilfis-Chelios als neuen Züzi Sportchef sehr🤔Sollte Müller den Upgrade tatsächlich schaffen, müssen dann die Schachschweden und der dicke Inti aufpassen denn das Saisonziel könnte auf Erreichen SF hochgeschraubt werden😎😂🍻
    • CheGue 27.04.2017 22:08
      Highlight Highlight Weiss jetzt nicht genau was du mit den beiden letzten Sätzen sagen wolltest! Aber eines kann ich dir versichern, Tikkanen! Im Gegensatz zu vielen anderen Sportchefs können die Spieler Päscu Müller vertrauen. Er wurde scho als Spieler unterschätzt! In der Kabine war er unbezahlbar!
    • Tikkanen 28.04.2017 20:36
      Highlight Highlight ..Rojo, mach dir keine Sorgen. Ich kann die Qualitäten vom Müller relativ gut einschätzen und weiss dass der Päscu hüüfä druff het👍🏻Allerdings erstaunt es mich dass die Züzis anscheinend nicht den Sven holen wollen🤔
    • CheGue 29.04.2017 02:13
      Highlight Highlight Findest du denn den Sven wirklich soo gut?! Da bin ich mir nicht so sicher. Er hat sich seiner Zeit damals auch einige Nieten andrehen lassen (Gardner, Kwiatkowski, Deruns, um nur drei Gewichtige zu nennen....) von all den Verpassten gar nicht zu sprechen (Holenstein, von Gunten, usw.)
    Weitere Antworten anzeigen
  • eupho 26.04.2017 16:46
    Highlight Highlight Bei Kloten gespielt und in Zug gewohnt. Kein Wunder konnte er nie mehr an seine Besten Zeiten anknüpfen, wenn er tagtäglich einen Teil seiner Konzentration bereits bei der Autofahrt verpufft hat
  • Grundi72 26.04.2017 13:51
    Highlight Highlight Zu jedem Zeitpunkt seiner Karriere total überschätzt!
  • pjj 26.04.2017 12:37
    Highlight Highlight Gemäss Tagi hat Gerber dementiert, dass er zurücktritt. Wer hat schlecht recherchiert?? 🤔🙄
    • Reto Fehr 26.04.2017 13:14
      Highlight Highlight Unser Redaktor hat auch nach der Publikation nochmals mit Gerber gesprochen, bemängelt hat er an unserem Artikel dabei nichts.
    • Mia_san_mia 26.04.2017 22:59
      Highlight Highlight Ich denke mal Zaugg wirds schon wissen. Wenns ein anderer Redaktor gewesen wäre, hätte ich mir das noch vordtellen können.
  • Chloote 26.04.2017 12:27
    Highlight Highlight Danke Tinu!!!
    Eine Beeindruckende Hockey-Karriere geht zu Ende!
    Jetzt werde schnell wieder zu 100% Gesund und geniesse mit Deiner Familie die Rückkehr ins Emmenthal.
    Eine Legende Tritt ab...
    Ciao Tinu!!!
  • c_meier 26.04.2017 10:40
    Highlight Highlight Das weiss auch nur der Eismeister was der Goalie Nummer 2 von Signau 1996 heute macht... :)
    Alles Gute Tinu
  • Jean de Bolle 26.04.2017 10:19
    Highlight Highlight Hut ab Tinu! Grossartiger Spieler mit einem grossartigen Charakter! Immer Fair und anständig auf und neben dem Eis! Dazu kann ich als ehemaliger Schiri stehen. Alles Gute, Pesche
  • Gondeli 26.04.2017 09:48
    Highlight Highlight Gerber's Tinu, immer eene vo üs!

    Ho-ho-hopp Langnou!

    • Mia_san_mia 26.04.2017 23:01
      Highlight Highlight Haha ja träum Du weiter 😂🙈 Er kommt vielleicht von dort, aber hat zum Glück nicht diese Verlierermentalität. Sonst hätte ers nicht soweit gebracht.
    • MARC AUREL 27.04.2017 07:34
      Highlight Highlight Vorallem wurde er für nicht gut genug taxiert und musste Langnau verlassen...
  • Matthias Calvin Trüb 26.04.2017 08:28
    Highlight Highlight Wunderbare Hommage! Chapeau!
  • Dogbone 26.04.2017 08:16
    Highlight Highlight Eine unglaubliche Karriere! Er hat uns viele tolle Momente beschert auf seinem Weg. Alles Gute für die Zukunft Tinu!
  • Saeschu 26.04.2017 08:13
    Highlight Highlight Welcome Home!
  • lichtler 26.04.2017 08:11
    Highlight Highlight Also ganz ehrlich, wen ich Stanley Cup Sieger wäre würde ich auf den SM Titel schei....😀
    • MARC AUREL 26.04.2017 08:23
      Highlight Highlight Nur blöd das er mehr Ersatz war und vorallem als die Playoffs anfingen keine wichtige Rolle spielte als sie den Stanley Cup holten. Sonst respekt vor seine Leistungen und seine Bescheidenheit!
    • Boston5 26.04.2017 09:02
      Highlight Highlight Tja es gibt Kriterien die man erfüllen muss, damit man sich als Stanley Cup Sieger zählen kann. Und Martin Gerber hat diese locker erfüllt.
    • zsalizäme 26.04.2017 10:00
      Highlight Highlight @Marc Aurel
      Eishockey ist ein Mannschaftssport und Martin Gerber war ein Teil der Mannschaft. Er ist Stanley Cup Sieger. Punkt. Zudem wurde er auch noch Meister in Schweden. Der SM Titel wäre natürlich schön gewesen, aber da bin ich ganz "lichtler" 's Meinung. Lieber den Stanley Cup als der SM Titel.
    Weitere Antworten anzeigen
  • David Ruppolo 26.04.2017 07:54
    Highlight Highlight Alles Gute und viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg, Tinu. Du wirst immer in unseren Herzen bleiben!
  • olllli 26.04.2017 07:43
    Highlight Highlight Martin Gerber war zwar nie Schweizer Meister wie so viele unserer anderen grossen Goalies der Neuzeit (wie Tosio, Rüeger, Bührer, Berra, Genoni). Da fehlt doch einer oder? War da nicht mal ein gewisse Reto Pavoni? Aja stimmt er war nur 4x Schweizer Meister hintereinader mit Kloten aber sowas zählt ja offenbar nicht...........
    • lichtler 26.04.2017 08:00
      Highlight Highlight Der Zaugg mag Kloten nicht und schreibt nur darüber, wenn es was zu kritisieren gibt oder wenn er fast darüber schreiben muss...
    • Todd E. 26.04.2017 09:48
      Highlight Highlight Wer lesen kann ist im Vorteil ! Pavoni ist der 1. der aufgelisteten Torhüter...... immer etwas nörgeln !
    • olllli 26.04.2017 11:21
      Highlight Highlight @Todd E. Denkst du die Leute sind blind oder können nicht lesen???? Es wurde nicht zufällig in der Zwischenzeit korrigiert. Also immer zuerst überlegen und nacher "nörgeln"!!
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