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«MySports» mit Aushängeschild Steffi Buchli überzeugt inhaltlich – doch wie lange kann sich UPC das noch leisten?
«MySports» mit Aushängeschild Steffi Buchli überzeugt inhaltlich – doch wie lange kann sich UPC das noch leisten?
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Ein gescheiterter Milliarden-Deal – mit Folgen für unser Hockey

Es war eine Meldung aus dem Wirtschaftsressort. Sunrise kauft UPC doch nicht. Die bange Frage: wird unser Hockey die Folgen des gescheiterten Sechs-Milliarden-Deals spüren?
28.10.2019, 17:3329.10.2019, 09:05

Etwas mehr als 30 Millionen fliessen jährlich noch bis und mit der Saison 2021/22 aus den TV-Rechten in die Verbands- und Klubkassen. Der Verband gibt an jeden Klub der National League 1,6 Millionen und jedem der Swiss League 230 000 Franken weiter. Das Geld zahlt der Kabelnetzbetreiber UPC mit der Sport-TV-Station «MySports».

Die Hockeyfans in der Schweiz sind also verwöhnt. Einerseits durch das Spektakel, das in unserer höchsten Liga in den Stadien geboten wird. Andererseits durch die hohe Qualität der TV-Live-Übertragungen sämtlicher (!) Spiele der National League.

MySports macht nicht nur Live-Berichterstattung, sondern zeigt auch Hintergründiges.

Die Produktion der Direktübertragungen bei «MySports» haben durchwegs NHL-Niveau. Sowohl was die TV-Bilder aus den Stadien (sie sind oft sogar über NHL-Niveau) als auch was die Aufarbeitung im TV-Studio betrifft.

Den Luxus «MySports» verdanken wir dem irrwitzigen Wettbieten um die TV-Rechte bei der letzten Vergabe zwischen zwei Parteien (Swisscom/Teleclub und UPC/MySports).

Auch ohne abgeschlossenes Wirtschaftsstudium ist zu erkennen: UPC hat sich bei diesem seit der Saison 2017/18 laufenden Fünfjahres-Deal verrechnet.

Stark vereinfacht gesagt: Der Kabelnetzbetreiber nahm an, die Hockeyfans würden wegen der TV-Bilder von Swisscom zu UPC überlaufen. Das ist nicht passiert und so halten sich auch die Werbeeinnahmen in einem überschaubaren Rahmen.

Genaue Zahlen über die durch die TV-Rechte generierten neuen Kunden und die Reichweite von «MySports» kennen nicht einmal die Verantwortlichen der National League. Sie gehen von rund 25'000 Kunden aus, die fürs Eishockey «MySports» abonniert haben. Damit ist die Reichweite mehr als zehnmal kleiner als bei entsprechenden Übertragungen auf dem staatstragenden Fernsehen SRF.

Die Übernahme der UPC durch Sunrise ist geplatzt.
Die Übernahme der UPC durch Sunrise ist geplatzt.
Bild: KEYSTONE

Für die Klubs ist die Reichweite auch wegen der eigenen Vermarktung ein wichtiger Faktor. Deshalb hat «MySports» nicht die gesamten Rechte exklusiv: In den Playoffs sendet auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen live.

«MySports» ist also weitgehend ein «Geheimsender» mit beschränkter Verbreitung und entsprechend limitierten Werbeeinnahmen geblieben. Mit den Abogebühren können bei «MySports» wahrscheinlich gerade mal die Löhne der formidablen Kommentatoren und Moderatoren bezahlt werden (einige sind besser als jene vom staatstragenden Fernsehen).

Von einer Refinanzierung der TV-Rechte durch Abonnements-Gebühren und Werbung kann keine Rede sein. Der jährliche Verlust dürfte ein zweistelliger Millionenbetrag sein.

Weil «MySports» nicht in einer juristisch eigenständigen Firma ausgegliedert worden ist, kann UPC nicht einfach den Stecker ziehen um den Verlustbringer «MySports» loszuwerden.

Das alles wäre gar kein Thema, wenn UPC wie vorgesehen von Sunrise für 6,3 Milliarden aufgekauft worden wäre. Der aus diesem Deal entstandene Titan hätte im Schweizer Markt der Swisscom auf Augenhöhe begegnen und die Verluste von «MySports» aus der Portokasse bezahlen können.

UPC ist die Tochter des internationalen Medienkonzerns «Liberty Global». Was wird aus UPC, wenn es «Liberty Global» nicht gelingt, den Verkauf an Sunrise doch noch über die Bühne zu bringen? Wird UPC die Verluste von «MySports» weiterhin tragen? Könnten die Rechte, die UPC von Swiss Ice Hockey erworben hat, nach der gescheiterten Übernahme verkauft werden? Und wenn ja, ohne oder mit dem Einverständnis von Swiss Ice Hockey? Die Frage geht an Verbandspräsidenten Michael Rindlisbacher. Er sagt:

«UPC agiert weiterhin als eigenständiger Player auf dem Schweizer Markt. Unsere vertraglichen Beziehungen zu UPC ändert sich in keiner Art und Weise. In der aktuellen Situation sehen wir keinen Grund, uns zu einer möglichen Weiterveräusserung von Rechten zu äussern.»

Was er nicht sagt: Einen Weiterverkauf der TV-Rechte könnte Swiss Ice Hockey nicht verhindern. Es gibt nur ein Mitsprache-, aber kein Vetorecht.

Die Liga befürchtet nicht, dass UPC den Stecker zieht.
Die Liga befürchtet nicht, dass UPC den Stecker zieht.
Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Und es gibt noch eine bange Frage: Was passiert, wenn UPC den Stecker ziehen sollte – gehen dann die Rechte an Swiss Ice Hockey zurück? Michael Rindlisbacher sagt:

«Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass dies passieren könnte. Wir stehen mit UPC in regelmässigem und engem Austausch. Wir sind daher der festen Überzeugung, dass seitens UPC aktuell kein Anlass zu einer Veränderung des Vertragsverhältnisses besteht. Über eine neue Vergabe der medialen Rechte wird erst zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer neuen Ausschreibung entschieden.»

Womit wir zur nächsten Frage kommen: Ist zu befürchten, dass diese Geldquelle nach Ablauf des TV-Vertrages nach der Saison 2021/2022 versiegen wird?

Erneut mehr als 30 Millionen gibt es aus den TV- und Vermarktungsrechten bei der nächsten Ausschreibung nur dann, wenn erneut mehrere finanzstarke Unternehmen interessiert sind. So wie beim letzten Mal Swisscom/Teleclub und UPC/MySports. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen SRF bietet aus finanziellen und auch sendetechnischen Gründen nicht um das Gesamtpaket mit und ist damit kein «Preistreiber».

Ein Jahr vor dem Hockey werden die gleichen Rechte im helvetischen Liga-Fussball verkauft. Bei der letzten Ausschreibung waren ebenfalls Swisscom/Teleclub und UPC/MySports interessiert und deshalb ist auch dort ein noch höherer Preis als im Eishockey erzielt worden. Die Fussball-Generäle müssen sich also die gleichen Fragen stellen wie ihre Kollegen im Hockey.

Wenn um die neuen, ab der Saison 2022/23 geltenden Hockey-Rechte gefeilscht wird (erste Gespräche rund um das Ausschreibeverfahren laufen schon), sind die Fussball-Rechte bereits vergeben.

Die neue Frage ist dann: Ist das Unternehmen, das den Zuschlag beim Fussball bekommen hat, auch noch am Hockey interessiert? Wenn ja, wird der Kauf sowohl der Fussball- als auch der nationalen Hockey-Rechte von der Wettbewerbskommission überhaupt genehmigt?

Tritt MySports nicht mehr an um die Vergabe der TV-Rechte?

Weil ernsthaft damit gerechnet werden muss, dass einer der beiden grossen Preistreiber (Swisscom/Teleclub oder UPC/MySports) nicht mehr antritt, hängt sehr vieles davon ab, ob neue Interessenten ins Spiel kommen. Dabei spielt eine tiefgreifende Veränderung des Marktes für laufende Bilder eine wichtige Rolle.

In Zukunft werden sich nicht nur TV-Stationen um die Live-Rechte bemühen. Die technische Entwicklung bringt es mit sich, dass die klassischen TV-Sender schon in absehbarer Zeit massiv an Bedeutung verlieren werden. Weil der Empfang von laufenden Bildern in höchster Qualität mittlerweile problemlos auch übers mobile Internet (und damit übers Smartphone und Tablet) möglich ist.

Es gibt bereits grosse Sportarten (Motorradrennsport), die in einzelnen Ländern die Live-Rechte nicht an eine TV-Station, sondern an einen Internet-Anbieter verkauft haben.

Ein interessantes Gedankenspiel zum helvetischen TV-Markt zeigt die neuen Möglichkeiten: Im Herbst 2019 beschäftigt der Milliarden-Konzern Ringier die heimische Medienwelt mit dem Projekt «Blick TV». Stark vereinfacht erklärt: Unter dem Label BLICK macht Ringier ein übers Internet empfangbares TV-Programm.

Die Investitionen in dieses Projekt sind enorm (zweistellige Millionenbeträge, 48 Vollzeitstellen) und die Pläne hochfliegend wie eigentlich bei allen TV-Projekten. Diesen TV-Zauberlehrlingen gebricht es – wie das in dieser Branche so eigen ist – an Selbstvertrauen und «Sendungsbewusstsein» Aber sie werden bald feststellen: Mit ein bisschen News, Promis und Politsendungen ist kein Staat zu machen.

Der Königsweg zu Reichweite und Werbeeinahmen geht über Live-Übertragungen im Sport. Erst recht in Zukunft.

Filme und Serien werden heute immer weniger über klassische TV-Stationen nach vorgegebenen Zeiten konsumiert. Sondern dann, wenn es einem passt über einen entsprechenden Anbieter wie Netflix. Mit Live-Übertragungen von Sportübertragungen ist es hingegen nach wie vor möglich, Kunden zu gegebener Zeit auf einen gewünschten Kanal zu locken.

Die gefragtesten Inhalte sind also Live-Bilder, und wer solche den Medienkonzernen liefern kann, mischt im grossen Millionen-Geschäft mit.

Die National League kann diese Inhalte mit 50 Qualifikationsrunden plus Playoffs vom September bis in den April hinein liefern wie eine sportliche Seifenoper. Und als Zugabe auch noch die Swiss League.

Die polemische Behauptung hat etwas für sich, dass «Blick-TV» den Schritt vom «Kinderfernsehen» zum grossen Player ohne Live-Sport nicht schaffen wird.

Eher früher als später könnte sich ein Medienkonzern wie Ringier um die Live-Rechte in unserem Fussball und Eishockey bemühen. Um die Rechtesumme (mehr als 30 Millionen) zu stemmen, sind Allianzen (z.B. mit Swisscom oder Sunrise) durchaus denkbar.

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Wir können also davon ausgehen, dass es auch dann, wenn UPC nicht mehr interessiert sein sollte, mindestens zwei Interessenten an den TV-Rechten unserer höchsten Liga geben wird, die den Preis «treiben» werden.

In nächster Zeit werden auf internationalem Niveau die TV-Rechte der Bundesliga und der Champions League im Fussball neu vergeben. Da wird sich der Trend – aufwärts oder abwärts – auf dem TV-Rechtemarkt zeigen und auch den helvetischen TV-Markt beeinflussen.

Die Hockey-Fans können ziemlich sicher sein, dass sie auch nach der Saison 2021/22 weiterhin von allen Spielen Live-Bilder von allerhöchster Qualität von allen Spielen sehen werden.

Aber natürlich nicht gratis, sondern eher zu einem markant höheren Preis. Denn hier gilt, wie im richtigen Leben: Money talks.

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