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Christian Wohlwend: Unverstanden, ungeliebt und unverdient gefeuert

Davos' Head coach Christian Wohlwend reacts, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and HC Davos, at the Vaudoise Arena in Lausanne, Switzerlan ...
Wurde Christian Wohlwend in Davos zu Unrecht entlassen?Bild: keystone
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Christian Wohlwend: Unverstanden, ungeliebt und unverdient gefeuert.

Also doch Alpendrama. Christian Wohlwend verlässt die grosse Bühne per sofort. Unbesiegt. Er hatte die richtige Taktik gefunden. Aber nicht mehr den richtigen Ton.
11.01.2023, 10:4713.01.2023, 15:46

Eine Amtsenthebung eines Trainers ist in den meisten Fällen richtig. Sie ist heute das Ergebnis einer sorgfältigen Güterabwägung. Natürlich steht die letzte Wahrheit auf der Resultatanzeige im Stadion und in der Tabelle. Aber es ist nicht die einzige Wahrheit.

Die Frage ist nämlich auch, wie der Trainer im näheren und weiteren Umfeld, bei den Geldausgebern und beim Publikum und den Spielern wahrgenommen wird.

Der ideale Trainer für die Präsidenten und Sportchefs ist in der durchgetakteten Hockeywelt erfolgreich und langweilig, eckt nie an, wird von allen geschätzt und redet in Interviews, ohne etwas zu sagen, und findet immer und überall den richtigen Ton.

Diesen perfekten Trainer gibt es nicht. Ohne Ecken und Kanten, ohne eigenwillige Persönlichkeit ist es nicht möglich, eine Gruppe junger Männer, die lieber spielt, als einer geregelten Arbeit nachzugehen, an die Leistungsgrenze oder darüber hinaus zu führen.

Jan Alston, Sports Director of the Lausanne Hockey Club, speaks to the media, during a press conference of the Lausanne HC before the new season of the National League Swiss Championship, in Lausanne, ...
Christian Wohlwend war nicht Jan Alstons Trainer.Bild: KEYSTONE

Trainer zu sein, war noch nie so anspruchsvoll wie heute. Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit ist das unbedingte Vertrauen des Sportchefs. Was in der Regel nur der Fall ist, wenn der Trainer die Wahl des Sportchefs ist. In Davos war das nicht der Fall. Christian Wohlwend war schon da, als Sportdirektor Jan Alston kam. Das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Im Idealfall ist die Zusammenarbeit so intensiv wie in Ambri zwischen Paolo Duca und Luca Cereda, wie in Langnau zwischen Pascal Müller und Thierry Paterlini, wie in Rapperswil-Jona zwischen Janick Steinmann und Stefan Hedlund. Von einer solchen Zusammenarbeit waren Jan Alston und Christian Wohlwend weit entfernt.

Christian Wohlwend ist in Davos in seinem vierten Amtsjahr also nicht hockeytechnisch gescheitert. Die Mannschaft ist intakt. Sie spielt ein attraktives, gut strukturiertes Tempohockey und hat die gesetzten Ziele erreicht. So gesehen dürfen wir sagen: Er ist in seiner vierten Saison unverdient des Amtes enthoben worden.

Davos' Michael Fora bejubelt sein 3-4 beim Eishockey Spiel der National League zwischen dem HC Davos und den SCRJ Lakers, am Freitag, 6. Januar 2023, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenz ...
Sportlicher Erfolg war in Davos eigentlich vorhanden.Bild: keystone

Aber Christian Wohlwend tritt mit seiner emotionalen, direkten Art nicht so auf, wie es beim HCD erwartet wird. Was bei Arno Del Curto kultig war, ist bei Christian Wohlwend schräg. Der HCD-Trainer hatte durchaus die richtige Taktik, die richtige Komposition gefunden. Aber nicht den richtigen Ton im Umgang. Und so ist er unverstanden und ungeliebt geblieben.

Das bedeutet: Dieser Trainerwechsel ohne sportliche Not wird die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt, nicht wesentlich verändern und es sind auch nicht bessere Resultate zu erwarten.

Die Hoffnung ist berechtigt, dass die Mannschaft so gefestigt und die Leistungskultur so gut ist, dass der Trainerwechsel bloss so etwas wie ein Radwechsel auf der Fahrt zu neuem Ruhm ist und es nicht einmal nötig ist, abzubremsen, anzuhalten und wieder zu beschleunigen.

Nun hat Jan Alston die Chance, einen Trainer zu verpflichten, der so zu ihm passt wie Luca Cereda zu Paolo Duca. Irrt er sich, steht sein Job zur Diskussion.

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quelle: keystone / ennio leanza
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