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Klaus Zaugg: Der Stock-Save von Ivars Punnenovs sorgt für Diskussionen

Tigers Patrick Petrini, rechts, im Kampf um den Puck gegen Rapperswils Igor Jelovac, links, und Goalie Ivars Punnenovs, Mitte, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL  ...
Ivars Punnenovs sorgte für eine spektakuläre Parade.Bild: keystone
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Ein fliegender Stock und die Bedeutung des Videowürfels

Ein durch die Luft segelnder Goalie-Stock hat womöglich den dramatischen Schlussspurt um die letzten Plätze im Play-In entschieden. Die Videowürfel in den Stadien könnten noch eine ganz besondere Bedeutung bekommen.
01.03.2026, 12:5901.03.2026, 12:59

Kann ein Hockeyspieler mit dem Puck eine Fliege im Sturzflug treffen? Warum nicht? Aber noch keiner hat es versucht. Kann ein Hockeyspieler mit dem Puck einen durch die Luft segelnden Hockeystock treffen? Das scheint so unmöglich wie der Abschuss einer Fliege. Aber nun wissen wir: Es ist möglich.

Das Spiel zwischen Langnau und den Lakers steht noch 0:0. Es sind erst zwölf Minuten gespielt und bereits ist bis unters Tempeldach zu spüren: Es bahnt sich ein Drama an. Playoff-Hockey ausserhalb der Playoffs. Joel Salzgeber, bissiger Defensivstürmer mit hölzernen Händen, kein Kunstschütze und selten mehr als zwei Treffer pro Saison, hat das leere Tor vor sich. Torhüter Ivars Punnenovs liegt bereits hilflos auf dem Eis wie ein Käfer auf dem Rücken. Aber der Puck findet den Weg ins Tor nicht. Punnenovs Stock segelt durch die Luft und der Puck wird übers Tor abgelenkt. Pfiff der Unparteiischen. Spiel unterbrochen. Eine Szene, die es vielleicht pro 1000 Partien einmal gibt. Oder nicht einmal.

Die Szene im Video.Video: YouTube/SCL Tigers

Diese Heldentat hätte eigentlich mit einem Penalty bestraft werden müssen. Aber alles ist so schnell passiert, dass es die beiden sonst sehr guten Head-Schiedsrichter Roland Gerber und Micha Hebeisen nicht mitbekommen haben. Auf dem Video dürfen sie diese Szene nicht nachprüfen. Keine Strafe.

Oder hätte es nicht doch eine Möglichkeit gegeben, das Video zu konsultieren? Ja, die hätte es gegeben. Sozusagen im Graubereich jenseits aller Reglemente. Nämlich oben auf dem Videowürfel.

Der Chronist hat einen recht erfahrenen Schiedsrichter, dessen Name ihm soeben entfallen ist, darauf angesprochen. Und eine interessante Antwort bekommen: «Ja, in solchen Situationen kann der Videowürfel im Stadion helfen. Aber das ist natürlich sehr heikel und darf nicht auffallen. Es kann ja nicht sein, dass die Schiedsrichter dastehen und nach oben schauen. Am besten wäre es im erwähnten Fall gewesen, wenn sich die beiden Head-Schiedsrichter und ein Linienrichter zur Beratung beim Zeitnehmerhäuschen versammeln. Ein Linienrichter steht diskret etwas abseits und konzentriert sich auf den Videowürfel. Wenn er dann dort gesehen hat, was passiert ist, gesellt er sich zu seinen drei Kollegen und dann erst wird der Entscheid gefällt.»

Tigers Head Coach Thierry Paterlini, links, in einer Diskusion mit Schiedsrichter Micha Hebeisen, rechts, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den SC Rap ...
Langnau-Trainer Thierry Paterlini diskutiert mit Head-Schiedsrichter Micha Hebeisen.Bild: keystone

Ist das schon so gemacht worden? Der Schiedsrichter, dessen Name nichts zur Sache tut, sagt: «Das ist möglich …» Nun denn: Vielleicht haben die Videowürfel in den Stadien eine grössere Bedeutung, als wir denken. Und der Stadion-Regisseur sollte pfiffig sein: Eine strittige Szene zugunsten des Heimteams unbedingt in ganzer Länge auf dem Videowürfel zeigen. Womöglich gar zwei Mal. Ist die Sache zugunsten der Gäste, dann lieber Werbung laufen lassen. Der Videowürfel als Schlüssel zur Schatzkammer der Verschwörungstheorien und der Polemik. Langnau holt in diesem Spiel später ein 0:3 auf. Wie wäre alles gelaufen, wenn per Penalty das 1:0 gelungen wäre? Alles anders? Gut möglich.

Ivars Punnenovs, einst von 2015 bis 2022 Langnaus letzter Mann, bleibt nach dieser «Jahrzehnt-Parade» demütig. «Das war einfach Glück.» Seinen Stock habe er nicht geworfen. «Ich hatte den Puck nicht blockieren können und war eigentlich schon geschlagen. Ich versuchte, mit dem Stock noch etwas zu retten, machte mich so lang, wie ich nur konnte. Dabei ist mir der Stock, den ich nur noch ganz am Ende gehalten habe, halt aus der Hand gerutscht …» Eine ehrlich gemeinte Erklärung, die der Wirklichkeit nahekommen dürfte.

Dazu passt: Head-Schiedsrichter Roland Gerber ist Emmentaler und hat einst auch für Langnau gespielt. Während der ersten Nati-Pause am 7. November waren unter anderem er und Joel Salzgeber zu einem «Hockey-Dinner» im Hirschen zu Langnau eingeladen und die beiden haben sich intensiv und lange über Freuden und Leiden eines Schiedsrichters unterhalten. Beim nächsten Treff werden sie neuen Gesprächsstoff haben.

Dieses «Stockgate» ist typisch für das, was die Nordamerikaner als «Puck Luck» bezeichnen. Eishockey ist ein schnelles, intensives und raues Spiel auf einer spiegelglatten Fläche. Bei Weitem unberechenbarer als Fussball. Die Coaches können ein Spiel noch so umsichtig vorbereiten, alles Menschenmögliche bedenken und die Spieler gehorsam und diszipliniert sein – «Puck Luck» – wie im Fall von Joel Salzgeber – kann alles über den Haufen werfen, ein Spiel in ganz andere Richtungen lenken oder entscheiden. Erst recht in intensiven Partien während der Schlussphase einer Saison. Dieser offenbar dem Torhüter aus der Hand gerutschte Stock kann Langnau die Play-In-Teilnahme kosten.

«Puck Luck» hat oft einen stärkeren Einfluss auf Triumphe und Tragödien als alle Statistiken, Analysen, Berechnungen, Trainingsmethoden und taktischen Varianten und lässt sich nicht beeinflussen. Zwei Beispiele vom Samstag zeigen, wie wenig eigentlich Statistiken sagen: Der SCB dominiert Biel mit 39:25 Torschüssen und verliert 2:3. In Langnau werden gegen die Lakers 34:22 Torschüsse gezählt, sogar 14:4 im Schlussdrittel – aber die Lakers gewinnen 4:3. «Puck Luck» dürfte sogar das wichtigste internationale Spiel seit 2014 entschieden haben: Kanadas Nathan MacKinnon, einer der Teuersten und Besten der Welt, verfehlt in der Schlussphase beim Stande von 1:1 im Olympiafinal das leere Tor der Amerikaner und am Ende holen die Amerikaner in der Verlängerung Gold.

Am ehesten helfen wohl Demut und Besonnenheit. Langnaus Trainer Thierry Paterlini sucht nach der unglücklichen Niederlage – inzwischen die dritte in Serie – nicht nach Ausreden und Sündenböcken: «Das Spiel gegen die Lakers war unser bestes seit der Olympiapause. Ich kann meinem Team keine Vorwürfe machen. Wir müssen einfach so weitermachen …» Seine Worte im Ohr der Hockeygötter, die das Phänomen «Puck Luck» verwalten.

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Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

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