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Die Schweizer Super League ist «Fascht e Familie» und kein Netflix

Szene aus der ersten Staffel der Schweizer Sitcom "Fascht e Familie" (aufgenommen im Oktober 1996) mit (vlnr) Martin Schenkel als Flip, Trudi Roth als Tante Martha, Hanna Scheuring als Vreni ...
Flip, Tante Martha, Vreni und Hans: «Fascht e Familie» im Herbst 1996.Bild: KEYSTONE
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Die Super League ist «Fascht e Familie» und kein Netflix

Lausanne ist als letzter Vertreter im Europacup ausgeschieden. Die Schweizer Fussballklubs verlieren in Europa mehr und mehr den Anschluss. Das ist nicht tragisch – denn die Super League liefert uns feinste Unterhaltung.
27.02.2026, 17:2927.02.2026, 17:29

Die Champions League ist der grosse Blockbuster. Netflix. Ein Kassenschlager.

Die Super League? Ein Nischenprodukt. Eine Sitcom mit treuer Fangemeinde.

So wie es vor drei Jahrzehnten die TV-Serie «Fascht e Familie» war. In der Deutschschweiz war sie das Nonplusultra. Ausserhalb eher weniger.

Wie diese Kult-Serie hat auch die Super League alle Elemente einer populären Sitcom. In jeder Staffel erleben die bewährten Charaktere neue Abenteuer. Zuschauer lieben das Unberechenbare dieser Unterhaltungs-Show.

Neue Figuren bringen Schwung. Etwa der FC Thun, der in der aktuellen Staffel als Aufsteiger gleich Meister wird. Oder der Nostalgie-Kniff: Vertraute Figuren sollen für Emotionen sorgen.

Trainer Stephan Lichtsteiner, links, und Xherdan Shaqiri, rechts, von Basel diskutieren beim Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel vom Sonntag, 22. Februar 2026 in L ...
Rückkehrer sorgen für Quote: Basel-Trainer Lichtsteiner gibt Shaqiri Anweisungen.Bild: keystone

In der letztjährigen Staffel klappte das in Basel, wo Superstar Xherdan Shaqiri die Liga auseinandernahm und dem FCB das Double bescherte. Nun, da es harzt, zaubern die Basler den Special-Guest-Star Stephan Lichtsteiner aus dem Hut, der sich als Trainer versuchen darf. Das Publikum – sofern nicht rot-blau – ergötzt sich daran, wie dieser Plan überhaupt nicht aufgeht.

In einer guten Sitcom muss nicht jede Wendung funktionieren. Bei YB war das mit Gerardo Seoane so, mit dem man in Bern grosse Abende verbindet. Die alte Chemie stellte sich nicht gleich wieder ein. Es zeigte sich: Die zweite Staffel muss nicht immer besser sein als die erste.

Und so könnte man diese Liste lange fortsetzen. Alleine, was die Charaktere FC Zürich und GC in dieser Sitcom alles erleben, reicht für viele Stunden feinste Unterhaltung.

Chris Kablan (FCZ), unten, kaempft um den Ball mit Samuel Marques (GC), oben, bei dem Spiel der Fussball Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich (GC) und dem FC Zuerich (FCZ) am Samstag, 21 ...
Neben dem Rasen sorgen die Zürcher Klubs für mindestens so viel Kurzweil wie darauf.Bild: keystone

Den Fans gefällt's, die Stadien sind sehr gut gefüllt. Man ist unter sich und weiss, was man bekommt – nämlich, dass man eben genau nicht weiss, was einen erwartet, weil in dieser Liga alles möglich ist. Mit den besten Fussballern der Welt können die Schweizer Klubs nicht mithalten. Was an Qualität fehlt, wird in dieser Sitcom mit Plot-Twists wettgemacht.

Wie berechenbar war das in den grossen Basler Jahren, als der FCB bei Netflix mitspielen durfte, viel Geld kassierte und die Super League dominierte. Nun können sich Machtverhältnisse schnell verschieben. Weil Spieler zudem immer schneller den Klub wechseln, ist es schwierig, eine Dynastie aufzubauen. Die Schwäche in Europa hilft der Spannung in der Heimat.

Man kennt sich in dieser Familie. Die Liga funktioniert als Schweizer Fussball-Biotop. Begrenzte Finanzen, viele Transfers und wenig Konstanz machen – in Kombination mit eigenwilligen Klubbossen – die Liga zu dem, was sie ist.

Sind wir international abgehängt worden? Möglich. Aber vielleicht haben wir nicht nur einen Absturz erlitten, sondern erleben gleichzeitig, wie gerade eine neue Identität entsteht. Aus einer vermeintlichen Schwäche wird eine Stärke. Falls trotzdem darüber gejammert wird, wie viel besser im Ausland gekickt wird, können wir also lässig mit der Schulter zucken und Flip aus «Fascht e Familie» zitieren: «Kä Detail!»

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