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Canada's Jordan Eberle challenges Switzerland's goaltender Reto Berra (R) during their Ice Hockey World Championship game at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 10, 2015. REUTERS/David W Cerny

Reto Berra musste gestern gegen Kanada sieben Tore zulassen. Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Eismeister Zaugg

«Genoni ist ein Champion und spielt wie ein Champion» – schenkt Hanlon trotzdem Berra das Vertrauen?

Nationaltrainer Glen Hanlon wirkte nach dem Spiel gegen die Kanadier beinahe so verunsichert wie zuletzt nach der Startpleite gegen Österreich (3:4 n.P.). Er weiss, dass seine Jungs nicht gut gespielt haben. Aber er sagt es nicht.

klaus zaugg, prag



Kanadas Cheftrainer Todd McLellan (in San José gefeuert und arbeitslos) war zufrieden. «Wir wussten, wie schnell die Schweizer spielen können. Unser Ziel war es, dieses Tempo zu brechen. Das ist uns gelungen und wir erzielten sieben Tore. Darauf können wir stolz sein. Zuvor hatten die Schweizer im ganzen Turnier erst neun Tore erhalten.»

Aber selbst nach dem 7:2 gab es für den Cheftrainer der Kanadier eine kritische Frage. Was er dazu sage, dass ausgerechnet Superstar Sidney Crosby als einziger des Teams eine Minus-Bilanz (-2) habe. Todd McLellan liess sich nicht provozieren und sagte: «Erstens bin ich sehr glücklich, dass er für uns spielt, zweitens bin ich sehr zufrieden wie er spielt und drittens hasse ich Plus/Minus-Statistiken.»

Bleibt Berra die Nummer 1?

Nun, wenn es selbst bei den unbesiegten Kanadiern etwas zu kritisieren gibt – dann natürlich erst recht bei den Schweizern. Aber auch Glen Hanlon liess sich bei aller Verunsicherung nicht aufs Glatteis führen. Er wird unter anderem gefragt, ob er nach wie vor der Meinung sei, Reto Berra sei die klare Nummer 1. Dies hatte der Nationaltrainer ja vor der WM erklärt. Bei einem Blick auf die Fangquote unserer beiden Goalies eine polemische Frage. 

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni (L) defends against Sweden's Joakim Lindstrom during their Ice Hockey World Championship game at the O2 arena in Prague, Czech Republic, May 9, 2015.   REUTERS/David W Cerny

Leonardo Genoni spielte gegen Schweden überragend. Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Reto Berra hat aus den Partien gegen Österreich, Lettland und Kanada eine Fangquote von 85,87 Prozent und ist die Nummer 17 der WM-Goalies. Lenoardo Genoni aus den Partien gegen Deutschland, Frankreich und Schweden eine solche von 95,92 Prozent und ist die Nummer 2 der WM-Torhüter. «Ich kritisiere keinen Einzelspieler» sagte Glen Hanlon. «Leonardo Genoni hatte eine grossartige Saison und die Meisterschaft gewonnen. Er ist ein Champion und spielt wie ein Champion.»

Glen Hanlon ist ein guter Advokat seiner Goalies und erklärt die sieben Gegentore von Reto Berra so: «Wir wollen, dass unsere Goalies in erster Linie Blocker sind und den ersten Schuss abwehren. Es ist eben auch an den Verteidigern, nach einem ersten Abpraller die Scheibe wegzuschiessen.»

Viele Wechselfehler

Ein Kritikpunkt sind die Wechselfehler. Die Schweizer haben bis jetzt sechs Strafen wegen zu vielen Spielern auf dem Eis kassiert, zuletzt gleich zwei gegen Kanada. «Wir haben unsere Spieler immer wieder lautstark zu schnellen Wechseln angetrieben und legen Wert darauf, dass einer schnell zur Bank zurückkehrt. Aber manchmal ist einer müde und kommt nicht rasch genug zurück und dann gibt es eben eine Strafe.» 

Switzerland's head coach Glen Hanlon (top) gestures during their Ice Hockey World Championship game against Sweden at the O2 arena in Prague, Czech Republic, May 9, 2015.   REUTERS/David W Cerny

Glen Hanlon fordert von seinen Jungs schnelle Wechsel.  Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Diese vielen Wechselfehler sind zwar nicht gerade eine Referenz für starkes Coaching und deuten eher auf Unordnung auf der Bank. Aber nicht nur die Schweizer kassieren Strafen wegen Wechselfehlern. Die Schiedsrichter passen an dieser WM wie Schiesshunde auf und sind in diesem Bereich strenger als üblich.

Glen Hanlon lässt offen, wer gegen Tschechien (Dienstag, 20.15 Uhr) und wer im Viertelfinale am Donnerstag im Tor spielen wird. Er legt sich auch noch nicht fest, ob er die letzte Lizenz für Verteidiger Romain Loeffel oder Stürmer Tristan Scherwey einlösen wird. Voraussichtlich werden wir Dean Kukan nicht mehr spielen lassen. «Er hat ja bisher kaum gespielt und wir können in jetzt nicht mehr einsetzen. Wenn sich nun ein weiterer Verteidiger im Spiel gegen Tschechien verletzten sollte, dann brauchen wir unseren letzten Platz für Romain Loeffel. Falls sich ein Stürmer verletzten sollte, müssten wir Tristan Scherwey melden.»

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quelle: epa/epa / christian bruna
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