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Ajoies Fans versammeln sich nach dem sechsten Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem HC Ajoie und dem EHC Kloten, um ihre siegreiche Mannschaft zu feiern.
Ajoies Fans versammeln sich nach dem sechsten Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem HC Ajoie und dem EHC Kloten, um ihre siegreiche Mannschaft zu feiern.
Bild: keystone
Eismeister Zaugg

«Allein gegen die Mafia» – Ajoie ist die Mannschaft des Jahres

Ajoie besiegt Kloten nach Verlängerung 5:4 und kehrt nach 28 Jahren in die höchste Liga zurück. Ein hochverdienter Aufstieg gegen alle Widerstände für das «Gallische Dorf» unseres Hockeys.
29.04.2021, 06:4107.05.2021, 09:28

Mathias Joggi, dem rauen Powerstürmer und ehemaligen Nationalspieler, gelingt das historische Tor zum 5:4 nach 11 Minuten und 17 Sekunden in der Verlängerung. Das Tor, das Ajoie in die höchste Liga bringt.

Was für eine späte Krönung der Karriere des 35-jährigen Bielers, der nach einem Umweg über Davos und Langnau 2018 bei Ajoie am Ort seiner Bestimmung angekommen ist.

Nach dem Meistertitel von 2016 und dem Cupsieg von 2020 ein weiterer Triumph für Gary Sheehan, seit Jahren der meistunterschätzte Trainer im Schweizer Eishockey.

Die Highlights des entscheidenden Spiels.

Und es ist eine Genugtuung für Präsident Patrick Hauert. Der Vater von Captain und Verteidigungsminister Jordane Hauert hat 1999 den Vorsitz übernommen. Als Ajoie in der 1. Liga darbte.

Unterschätze nie das Herz eines Champions. Das ist eine ewige Formel des Mannschaftssportes. Die Jurassier haben die Herzen von Champions: Meister 2016. Cupsieger 2020.

Die Klotener waren tapfer. Aber sie hatten nicht die Herzen von Champions. Ganz im Gegenteil: Sie sind in den letzten Jahren laufend gescheitert. In der Liga-Qualifikation von 2018 gegen die Lakers und ein Jahr später in den Playoffs eine Liga tiefer gegen Langenthal schon im Viertelfinal. Zweimal gegen Aussenseiter, die auf einer Mission waren. Und nun eben im Final.

In diesem ausgeglichenen Final haben «weiche Faktoren» den Unterschied gemacht. Das Wissen, wie man Meisterschaften gewinnt. Die Leidenschaft des Aussenseiters, seine Entschlossenheit, es der ganzen Welt zu zeigen.

«Against all Odds» nennen die Nordamerikaner im Sport eine solche Ausgangslage: Sich gegen alle Widerstände behaupten. Genau das hat Ajoie in diesem Final getan.

Die Jurassier haben alle politischen Störmanöver ignoriert und den letzten Kick gab vielleicht auch die an die Medien durchgesickerte Information, dass die beiden Leitwölfe Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen im Falle eines Aufstieges zu Kloten wechseln würden. Das wäre tatsächlich der Fall gewesen. Nun spielen beide nächste Saison tatsächlich in der höchsten Liga. Aber mit Ajoie.

Beide haben im Final eine tragende Rolle übernommen. Philip-Michaël Devos ist der beste Skorer der gesamten Playoffs und Jonathan Hazen musste verletzungshalber drei Playoff-Partien auslassen und hat sich dann mit einer Knieverletzung durchgebissen.

Die beiden Frankokanadier spielten eben auch um ihre Ehre. Gegen den Vorwurf, «Verräter» zu sein. Und nun haben sie ihre Ehre wahrlich gerettet und ihre Namen unauslöschlich ins goldene Geschichtsbuch des Kantons Jura eingetragen. Nicht ins sportliche Geschichtsbuch. Ins Echte. Dieser Aufstieg ist wahrscheinlich der emotionalste Moment in der Geschichte des Kantons seit der Gründung im Jahre 1979.

Denn dieser Aufstieg hat eine ganz andere Bedeutung als die Promotionen in die höchste Liga von 1988 und 1992, denen nach zwei bzw. nur einer Saison die Relegation folgte. Es waren Aufstiege in einer Zeit, als unser Eishockey bei aller heraufziehenden Professionalität noch viel Raum für Romantik liess.

Ajoies Mannschaft jubelt mit dem Pokal.
Ajoies Mannschaft jubelt mit dem Pokal.
Bild: keystone

Doch nun ist der Aufstieg nicht nur gegen sportlich starke Gegner hart erarbeitet worden. Es ist auch eine Promotion gegen den nie ehrlich und offen eingestandenen Willen einiger Liga-Bürohengste. Die Beibehaltung eines Aufstieges, obwohl es diese Saison keinen Absteiger gibt, war in Tat und Wahrheit eine unausgesprochene «Lex Kloten».

Es war der klammheimliche Wunsch der Liga-Führung, auf diese Weise Kloten, dem traditionsreichen Klub, dem mehrfachen Meister aus dem reichsten Wirtschaftsraum der Schweiz, die Rückkehr auf die grosse Bühne zu ermöglichen.

Bis zum gestrigen Tag, dem Tag der Entscheidung, hat es politische Störmanöver der Ligaführung gegeben. Sie hat Gerüchte um Ajoies Aufstiegsverzicht nicht durch offene, ehrliche Kommunikation zerstreut, sondern durch kryptische Aussagen befeuert. Und führende Liga-Vertreter liessen immer wieder verlauten, Ajoie gehöre aus wirtschaftlichen Gründen nicht in die Elite-Klasse des helvetischen Hockeys.

Solche Ansichten von Funktionären, die das Gesamtinteresse im Auge haben müssten, sind eine Anmassung sondergleichen: Hier geht es um Sport. Die Sieger steigen auf. Werden sie später zu Verlierern, dann steigen sie eben wieder ab. Die ewigen Gesetze von Sieg und Niederlage, Aufstieg und Niedergang gehören zur Faszination des Sportes und können auch von Liga-Juristen nicht ausgehebelt werden.

Ajoie ist mit einem Budget von 3,5 Millionen aufgestiegen. Das ist etwas mehr als 1992/93 während der letzten Saison in der höchsten Liga ausgegeben worden ist (3,2 Millionen).

Kloten hat diese Saison rund doppelt so viel Geld ausgegeben wie Ajoie und ist gescheitert. Geist triumphierte über Geld.

Das unselige Budget-Denken der Liga-Ajatollahs, die mit juristischen und administrativen Schaumschlägereien Einfluss auf den Sport zu nehmen versuchen, schadet dem Sport.

Salopp gesagt: Ajoie ist auch ein Sieg gegen das Gelddenken der «Liga-Mafia» gelungen. Es ist ein Aufstieg für die Glaubwürdigkeit des Sportes. Das macht den Aufsteiger noch einmal sympathischer.

Ajoie hat sportartenübergreifend den Titel einer «Mannschaft des Jahres» verdient. Als «Gallisches Dorf unseres Eishockeys», das sich gegen alle Widrigkeiten im «helvetischen Hockey-Weltreich» behauptet. Ohne Zaubertrank für seine Helden.

Ist Ajoie gut genug für die höchste Liga? In den letzten Wochen ist von fast allen Seiten die Ansicht geäussert worden, weder Kloten noch Ajoie seien gut genug für die National League.

Vor dem Stadion herrschte Rambazamba.
Vor dem Stadion herrschte Rambazamba.
Bild: keystone

In diesen Aussagen mag viel Wahrheit liegen. Sie haben hockeytechnisch ihre Berechtigung. Aber wir müssen auch fragen, ob eigentlich alle aktuellen Teams der National League gut genug für die grosse Bühne sind. Und dann sehen wir den Aufsteiger in einem anderen Licht. Ajoie ist auf dem Papier jetzt schon ungefähr so konkurrenzfähig wie die sportlich stark abgemagerten SCL Tigers.

Die Schlüsselposition Torhüter ist mit Tim Wolf erstklassig besetzt. Sportchef Vincent Léchenne braucht lediglich einen zweiten spielfähigen Goalie für die höchste Liga.

Benötigt werden zwei weitere starke Ausländer neben Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen und die Transfers von ein paar Ergänzungsspielern – und Ajoie kann auf eigenem Eis jeden Gegner rocken und erfolgreich gegen die Verbannung auf den letzten Platz kämpfen.

Ajoie muss, um einigermassen konkurrenzfähig zu sein, rund drei Millionen mehr ausgeben als diese Saison. Alleine durch die TV-Gelder kommen in der höchsten Liga mehr als zwei Millionen in die Kasse.

Die National League ist also – entgegen der Meinung einiger Liga-Funktionäre – durchaus finanzierbar.

Der Wirtschaftsraum Elsgau (die deutsche Bezeichnung für Ajoie) hat bereits den Neubau des Stadions finanziert und kann einen Klub der höchsten Liga nähren. Ajoie ist die Nationalmannschaft der Jurassier.

Die höchste Liga umfasst nächste Saison nun 13 Teams. Absteiger wird es erneut keinen geben. Ajoie verbleibt also auf jeden Fall in den nächsten zwei Jahren in der National League. 1973 gegründet, ist Ajoie der jüngste Klub der Liga, vor dem 1967 entstandenen EV Zug.

Wenn Spielplan-General Willi Vögtlin einen Sinn für Dramatik hat, dann setzt er zur Eröffnung der nächsten Saison die Partie Ajoie gegen den SC Bern an.

P.S. Kloten bekommt nächste Saison erneut eine Chance zum direkten Aufstieg. Die Gegner heissen dann in erster Linie Visp, Olten und Langenthal.

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