Benfica weiss erst gar nicht, dass es noch ein Tor braucht – dann folgt der reine Wahnsinn
Bereits die ersten 90 Minuten im Estadio da Luz sind ein pures Spektakel. Benfica Lissabon ärgert am letzten Spieltag der Ligaphase in der Champions League Rekordsieger Real Madrid und führt mit 3:2. Mit diesem Resultat können aber beide Teams nicht zufrieden sein: Den Königlichen fehlt ein Punkt, um die direkte Achtelfinalqualifikation klarzumachen, und Benfica ein Tor, um das Ausscheiden zu verhindern.
Das Heimteam ist sich aber gar nicht bewusst, dass es noch ein Tor braucht, um die Playoffs zu erreichen. Darum spielen die Portugiesen gemütlich auf Zeit. So auch Goalie Anatolij Trubin, der sich nach einem gefangenen Ball auf den Boden fallen lässt. Trainer José Mourinho wechselt gar zwei Verteidiger als Absicherung ein, um den Sieg zu halten. «Ich hatte keine Ahnung, ob das 3:2 reichen würde, ich hatte keinen Anhaltspunkt», erklärt Mourinho nach der Partie.
In der Nachspielzeit werden mit Raul Asencio und Rodrygo gleich zwei Real-Spieler mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Erst beim zweiten Platzverweis wird auch den Benfica-Spielern bewusst, dass sie noch einen Treffer brauchen. In der 98. Minute kommt es zu einem letzten Freistoss und Mourinho schickt selbst Goalie Trubin in den gegnerischen Strafraum.
Dieser steigt dabei tatsächlich am höchsten und köpft den Ball zum vielumjubelten Treffer in die Maschen und sein Team in die K.o.-Phase. Die gut 64'500 Fans im Stadion fallen in Ekstase und Mourinho jubelt sogar mit einem heranrennenden Balljungen. Auch nach der Partie gibt es beim portugiesischen Trainer kein Halten mehr: «Dieser Sieg ist historisch! Wir sind nicht stark im Kopfballspiel, aber der Grosse ging hin und schoss ein spektakuläres Tor.» Für seine Kritiker hat der «Special One» eine Nachricht, die für Aufsehen sorgt: «Das Einzige, was ich mir wünsche, ist ein bisschen Respekt. Ich hoffe, dass ihr euch nicht umbringt oder von den Balkonen springt. Bleibt ruhig. Benfica wird wieder verlieren, dann könnt ihr uns wieder kritisieren.»
Fast schon sprachlos ist der ukrainische Schlussmann, der Stürmerqualitäten bewies. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Es war ein verrückter Moment. Ich bin es nicht gewohnt, Tore zu schiessen. Das ist das erste Mal, dass mir das passiert ist. Unglaublich», sagt Trubin gegenüber «SportTV». Er ist erst der fünfte Goalie, der in der Champions League einen Treffer erzielte.
Auch der 24-Jährige wusste nicht, dass es noch einen Treffer braucht: «Meine Mitspieler haben auf dem Platz plötzlich eine eins gezeigt, ich verstand nicht, was sie meinten. Alle sagten mir, ich solle mich beeilen und nach vorne kommen.»
This angle of Benfica keeper Anatoily Trubin’s last minute goal is SUPER. Look at all their reactions!
byu/Rivertadores insoccer
Völlig anders ist dagegen die Gemütslage bei Real Madrid. Die Hauptstädter wurden auch von der spanischen Zeitung nicht verschont wird. So schrieb beispielsweise die «AS» von einem «Totalschaden in Lissabon».
Vielleicht können sich die Madrilenen schon in weniger als drei Wochen bei Benfica revanchieren. Entweder wird Real in den Playoffs auf Bodö/Glimt oder den gestrigen Gegner treffen. Sollte Benfica nicht auf Madrid treffen, würde der italienische Vertreter Inter Mailand warten. Die Auslosung findet am morgigen Freitag um 12 Uhr statt.
