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Switzerland's head coach Patrick Fischer reacts during the Ice Hockey Deutschland Cup at the Curt-Frenzel-Eisstadion in Augsburg, Germany, Friday, November 4, 2016. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Hat Patrick Fischer ähnlich wenig Träume und Visionen mit der Nati wie Gekritzel auf seiner Taktiktafel?  Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Patrick Fischer und der verlorene Traum

Die Schweizer sind so schwach wie seit 2002 nie mehr. Aber damals hatten sie und ihr Trainer Ralph Krueger wenigstens einen Traum, eine Vision.



Null Punkte beim Deutschland Cup. Drei Niederlagen (0:3 Kanada, 2:3 Deutschland B, 1:4 Slowakei). 3:10 Tore. Null Punkte. Kein Powerplay-Tor. Aber zwei Tore in Überzahl kassiert. Noch schlimmer: keine Disziplin. Keine Emotionen. Es schien, als sei der Deutschland Cup für alle eine Strafaufgabe.

Es war Verrat an unserem Hockey. Denn unser Hockey ist besser als es die Nationalmannschaft vermuten liesse. Diese Woche haben vier Teams (Fribourg, Bern, die ZSC Lions und Lugano) eine Chance auf den Vorstoss ins Viertelfinale der Champions Hockey League. Die Liga rockt. Ab nächster Saison wird für die TV-Rechte pro Saison 35,50 Millionen pro Jahr bezahlt.

Zurich's Roman Wick, Lugano’s Maxim Lapierre, and Zurich's David Rundblad, from left, fight for the puck during a Champions Hockey League round of 16 match between Switzerland's HC Lugano and ZSC Lions, on Tuesday, November 1, 2016, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

In der Champions Hockey League geht es zwischen Lugano und dem ZSC hart zu und her. In der Nationalmannschaft ist dafür tote Hose.  Bild: TI-PRESS

Vor 14 Jahren, im November 2002, haben wir letztmals eine so erbärmliche Nationalmannschaft gesehen. Auch drei Niederlagen (1:4 Kanada, 2:5 Deutschland A, 0:1 USA). Auch 3:10 Tore. Auch null Punkte beim Deutschland Cup. Aber es gibt einen ganz grossen Unterschied: Damals gab es einen Traum, eine Vision und einen Trainer, der daran glaubte und stark genug war, an der Verwirklichung dieses Traumes zu arbeiten.

Nationaltrainer Ralph Krueger wusste, was er wollte: eine Medaille. Er hatte klare taktische Vorstellungen, wie er dieses Ziel erreichen wollte. Weil er einen Vertrag bis 2006 hatte, war er bei leeren Verbandskassen unentlassbar. So überstand er die schwerste Krise seiner Karriere. Ab dem Deutschland Cup 2002 ging es nur noch aufwärts. Bereits ein halbes Jahr später erreichten wir bei der WM 2003 wieder das Viertelfinale und 2006 besiegten wir beim olympischen Turnier in Turin die kanadischen NHL-Profis und Weltmeister Tschechien. Nach den olympischen Spielen 2010 übernahm Sean Simpson das Amt von Ralph Krueger und krönte die Arbeit seines Vorgängers 2013 mit dem WM-Finale.

Patrick Fischer, ein PR-Produkt des Verbandes?

Patrick Fischer 2016 wie Ralph Krueger 2002? Geht es ab sofort auch nur noch aufwärts? Bereits im nächsten Frühjahr ins Viertelfinale? 2018 bei Olympia ein Sieg gegen die Kanadier und eine Amtszeit bis 2024?

Das Herz hofft, dass es so sein wird. Aber der Verstand sagt, dass es nicht so sein wird. Patrick Fischer fehlen das unerschütterliche Selbstvertrauen, die klaren Vorstellungen, das taugliche taktische Konzept und die Erfahrung Ralph Kruegers.

Switzerland's head coach Patrick Fischer, left, and his assistant coach Tommy Albelin react after the game between Switzerland and Germany during the Ice Hockey Deutschland Cup at the Curt-Frenzel-Eisstadion in Augsburg, Germany, Saturday, November 5, 2016. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ein selbstbewusster Nati-Trainer sieht anders aus.  Bild: KEYSTONE

Ralph Krueger war bereits 2002 ein erprobter Bandengeneral. Ein Titan. Er hatte mit Feldkirch mehrere Titel und sensationell den europäischen Klubwettbewerb gewonnen und 1998 mit der Schweiz das WM-Halbfinale erreicht.

Patrick Fischer ist so etwas wie eine «Kunstfigur». Ein PR-Produkt des Verbandes. Ein freundlicher Mann, der mit allen gut auskommt und ein guter Kommunikator. Ein guter Hockey-Diplomat und eigentlich wäre er der ideale Sport- oder Marketing-Direktor. Aber er ist kein «kampferprobter» Bandengeneral. Er hat als Trainer noch nichts gewonnen. Ihm fehlen Erfahrung und die fachliche Autorität. Als er vor etwas mehr als einem Jahr mit Lugano auf den letzten Platz abgerutscht war, musste er gehen. Nun ist er auch mit der Nationalmannschaft auf den letzten Platz zurückgefallen. Aber er wird nicht gehen müssen. Allerdings ist Patrick Fischer, anders als Ralph Krueger, mit einem Vertrag bis 2018 aber bei vollen Verbandskassen nicht unentlassbar.

13.10.2015; Zuerich; Eishockey NLA - ZSC Lions - HC Lugano; Trainer Patrick Fischer (Lugano) (Patrick Straub/freshfocus)

Patrick Fischer coachte den HC Lugano ans Tabellenende der NLA – danach wurde er Nationaltrainer. Bild: Patrick Straub/freshfocus

Träume von neuen Medaillen? Nein. Die neue Realität sieht anders aus. Anders als 2002 hat für Träume und Visionen niemand mehr Energie, Zeit und Lust. Alle Kräfte werden gebraucht, um wenigstens den Nationaltrainer im Amt zu halten. Beim Heimturnier in Dezember in Biel werden wir einen allfälligen Sieg gegen ein Operettenteam wie Frankreich, das für seine Nationalmannschafts-Programme weniger Geld zur Verfügung hat als der SC Bern für seine erste Mannschaft, als grossen Sieg verkaufen. Als Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und bei der WM werden wir nur dann nicht in Abstiegsgefahr geraten, wenn aus der NHL Roman Josi oder wenigstens Nino Niederreiter herbeieilen, um uns zu retten.

Switzerland's Lino Martschini, left, and Reto Schaeppi react after the game between Switzerland and Germany during the Ice Hockey Deutschland Cup at the Curt-Frenzel-Eisstadion in Augsburg, Germany, Saturday, November 5, 2016. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Enttäuschte Blicke: Wir sind zu einer Hockey-Entwicklungsnation verkommen. Bild: KEYSTONE

Unser Eishockey gehört sportlich und wirtschaftlich und von der Qualität der Liga her zu den Grossen. Aber unsere Nationalmannschaft ist auf das Niveau einer Hockey-Entwicklungsnation gesunken. Das Problem rund um unsere Nationalmannschaft lässt sich seit dem Weggang von Sean Simpson nach der WM 2014 in einem Satz zusammenfassen, den ich eigentlich nicht mehr schreiben wollte: Löwen, geführt von Eseln.

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    Alle Leser-Kommentare
  • manolo 07.11.2016 17:52
    Highlight Highlight lieber klausi - such doch bitte die fehler nicht bei fischer, sondern beim verband!
    auch ich würde ein Angebot vom verband als nati Trainer sofort annehmen obwohl ich im hockey nicht weiter als über jugendhockey verfüge!
    sind wir doch froh, das fischer und nicht schläpfer unsere nati übernommen hat!
    aber vielleicht kommt nach fischer der jetzige ceo persönlich und will die nati trainieren!
  • SwissGTO 07.11.2016 11:29
    Highlight Highlight Wir hatten auch noch nie soviele Spieler in der NHL oder AHL.
  • Töfflifahrer 07.11.2016 10:59
    Highlight Highlight Ich erwarte klare Bekenntnisse des Verbandes zur Nati, mit Vision, Zielen und Mitteln.
    Schuld an dieser, leider absehbaren, Situation ist und bleibt der Verband. Die Cluboberen, die ja im Verband das Sagen haben sind bisher einfach nicht bereit der Nati die Möglichkeiten und Mittel bereitzustellen. Dabei schaden sie dem Ansehen des schweizer Eishokey und damit im Endeffekt sich selbst.
    • Töfflifahrer 07.11.2016 16:21
      Highlight Highlight Und wer bestimmt den Trainer? 😂
  • creative 07.11.2016 10:51
    Highlight Highlight "Vor 16 Jahren, im Jahr 2002..."

    Äh ja...
    • Laurent 07.11.2016 11:39
      Highlight Highlight @Seelenherz: ohalätz! merci.
  • Bruno Wüthrich 07.11.2016 10:47
    Highlight Highlight Ich habe die Einsetzung von Patrick Fischer als Nati-Coach nie begriffen. Ich finde kein einziges Argument dafür. Es fehlt auch ein zweites Beispiel, wo einer mit einem derart miserablen Leistungsausweis zum Nati-Coach erkürt worden wäre. Wie konnte es nur zu dieser Personalie kommen?

    Der unsäglich schlechte Geist, den Philippe Gaydoul in den Verband brachte, ist auch nach seinem Weggang allgegenwärtig. Gaydoul hat «uns» u.a. zwei gute Nati-Coachs, eine gesunde neue NLB-Mannschaft (Huttwil Falcons) und eine moderne Eishalle (Huttwil) gekostet. Letzteres wird möglicherweise gerade korrigiert.
    • Bruno Wüthrich 07.11.2016 15:29
      Highlight Highlight @ Yotanke - ich wage zu bezweifeln, dass Gaydoul für irgend etwas positives den Weg geebnet hat. Vom Sport verstand er nämlich definitiv zu wenig, und in seiner Arroganz trat er im Verband auf wie ein Elefant in der Porzellankiste. Dies wäre ja an sich bei einigen selbstgefälligen Verbandsschnöseln nicht per se schlecht gewesen. Etwas Aufmischung in welcher Form auch immer würde auch heute wieder gut tun. Aber nach meinen Informationen hat er mindestens den Abgang von Ralph Krueger und wahrscheinlich auch jenen von Sean Simpson zu verantworten. Seither ging es nur noch abwärts mit der Nati.
    • Bruno Wüthrich 07.11.2016 21:08
      Highlight Highlight Gaydoul war nicht CEO, sondern Präsident. Simpson gewann als Coach mit den ZSC Lions die Champions League, was an sich - gemessen an deiner Aussage, dass er keine grossen Stricke zerrissen haben soll, gar nicht so schlecht ist.

      Nach Simpson hatten wir Glen Hanlon und jetzt Patrick Fischer. Gegen diese beiden sind sowohl Krueger als auch Simpson vergleichsweise Lichgestalten.

      Doch vielleicht macht Fischer ja den Job derart günstig, dass er auch gemessen an den miserablen Resultaten trotzdem noch ein Schnäppchen ist.
    • meinsch? 08.11.2016 07:35
      Highlight Highlight der gewinn der champions league ist ein typischer simpsonausreisser nach oben, so wie es die silbermedallie auch war
      ansonsten die gesteckten ziele verpasst, seine grossen erfolge(meisterschaften) liegen 16 bzw. 18 jahre zurück
      das mit den zerrissenen stricke ist also schon nicht soweit hergeholt..

      im gegensatz zu fischer ist er trotzdem eine grosse nummer, auch wenn beide in der kürzeren vergangenheit ähnliche erfolge feiern konnten
  • Der müde Joe 07.11.2016 10:21
    Highlight Highlight Ich kann mir nicht vorstellen wie ein Trainer, der nicht an sein eigenes System glaubt, eine ganze Mannschaft davon überzeugen soll. Die Spieler irren auf dem Eisfeld umher, wie aufgscheuchte Hühner. Krüger war zwar nicht der beste, aber er war von sich und seinem System überzeugt, genau so wie auch Simpson. Aber was tun? Fischer entlassen und auf Albelin setzen? Oder auf Biegen und Brechen auf Fischer Vertrauen?
    • manolo 07.11.2016 17:56
      Highlight Highlight doch krüger war der beste! sonst musst du mir einen besseren nennen!
    • Der müde Joe 07.11.2016 19:32
      Highlight Highlight Der beste für die Schweiz, zu der damaligen Zeit, -ja gebe ich dir recht. Aber mit Krüger-Hockey in der Gegenwart, würde auch nicht mehr viel gehen.
    • meinsch? 08.11.2016 07:24
      Highlight Highlight wieviel mit krüger-hockey in der gegenwart noch möglich ist haben wir am worldcup of hockey gesehen
    Weitere Antworten anzeigen
  • länzu 07.11.2016 10:18
    Highlight Highlight Jeder Tag, den Fischer und Raffainer länger im Amt sind, ist ein verlorener Tag fürs Schweizer Eishockey.
  • Tikkanen 07.11.2016 10:15
    Highlight Highlight Well done, Chlöisu👍 Jetzt den Druck aufrechterhalten, dann fliegt der unsägliche Schönredner Fischi noch vor der WM. Fischi kann ja dann das Kinn als Plouderi beim TC ablösen, er kenne ja die NHL von seinem Kurz Urlaub bei den Wüstenindianern bestens....😳😖
    Und ja, Lugano würde sogar mit einem Besen als Coach in die PO kommen. Dieses Kader ins Playout zu coachen, das schafft einzig Fischi😂😂
    • MARC AUREL 10.11.2016 06:08
      Highlight Highlight Von Lugano reden wir besser nicht einmal... so oft wie sie die PI verpasst haben oder der Z auch wenn ich mich nicht täusche?

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