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Eishockey ist, wenn am Ende der HCD gewinnt – oder?

Der Davoser Torhueter Sandro Aeschlimann laesst sich als bester Spieler nach dem 3:1 Sieg vor der Davoser Fankurve feiern, im Eishockey Spiel der National League zwischen HC Davos, HCD und ZSC Lions,  ...
Davoser Fans feiern Goalie Sandro Aeschlimann.Bild: keystone
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Eishockey ist, wenn am Ende der HCD gewinnt – oder?

Der HC Davos hat den ersten Halbfinal gewonnen (4:2). Aber der Glaube an die Favoritenrolle der ZSC Lions ist noch nicht erschüttert.
05.04.2026, 16:0705.04.2026, 16:07

Der Spruch des britischen Stürmers und späteren TV-Stars Gary Lineker kommt zwar aus dem Fussball. Er passt aber perfekt zum HC Davos der laufenden Saison:

«Fussball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.»

Man muss nur den Ball gegen den Puck tauschen, die Minuten korrigieren – und schon haben wir die präziseste HCD-Kurzdefinition:

«Eishockey ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 60 Minuten lang einem Puck nach – und am Ende gewinnen immer die Davoser.»

Natürlich ist das nicht ganz korrekt. 22 Namen stehen zwar auf dem Matchblatt, doch sie gehören nur zu einem Team: jenem aus den Bergen. Und diese 22 Davoser jagen dem Puck nicht bloss nach. Sie verfolgen ihn mit einer fast sturen, beinahe trotzigen Entschlossenheit. Und sie gewinnen. Immer wieder.

So war es oft während der Qualifikation und so ist es nun auch in den Playoffs. Die Davoser wanken, der Gegner ist drauf und dran, das Spiel zu gewinnen – und verliert am Ende doch. Die Zuger führten beim Viertelfinalauftakt in Davos oben bis zur 54. Minute 3:1 und verloren doch 3:4. Im zweiten Spiel dominierten sie, erarbeiteten sich Chance um Chance und verloren trotzdem 0:2.

Eine unsichtbare Uhr?

Und nun ist es den ZSC Lions im ersten Halbfinalspiel sehr ähnlich ergangen: Sie brauchen Zeit, um die Balance im Spiel zu finden, geraten 0:2 in Rückstand. Aber dann sehen wir die wahren ZSC Lions. Sie finden zu sich selbst, dominieren das letzte Drittel (15:6 Torschüsse), gleichen das Spiel aus und übernehmen die Kontrolle – und werden in den letzten Minuten überrannt. Obwohl sie eigentlich alles haben – die taktische Schlauheit, das Talent und den Torhüter – um eine Partie auf der Zielgerade zu entscheiden.

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Es ist, als gäbe es in Davos eine unsichtbare Uhr, die nicht die Spielzeit misst, sondern den Moment anzeigt, in dem der Gegner beginnt zu glauben, er habe gewonnen. Dann rockt der HCD.

Warum ist das so? Die Antwort liegt nicht im Zufall, sondern in einer Spielkultur, die älter ist als viele ihrer Spieler. Ein Erbe, das bis heute nachwirkt: das Vermächtnis von Arno Del Curto.

«Powerhockey» gehört zur DNA

Mehr als zwei Jahrzehnte lang, zwischen 1996 und 2018, hat Del Curto mit seiner Persönlichkeit und seiner Hockeyphilosophie das HCD-Spiel geprägt. Wie kein anderer Coach setzte er auf «Powerhockey», also auf ein aktives Spiel mit Dominanz in allen drei Zonen. Auch unter gegnerischem Druck immer auf den Zehenspitzen stehen. Jede Gelegenheit zum Vorwärtsstürmen nützen. Nie ein Spiel bloss verwalten. Nicht reagieren, sondern erzwingen. Nicht absichern, sondern überrollen. Flucht nach vorne. Angriff als Grundzustand. Risiko als Tugend. Bewegung als Pflicht.

Dafür braucht es Mut. Und Kondition. Und viel Selbstvertrauen. Nur die Deutschen hatten in ihren besten Zeiten im Fussball noch mehr davon als die Davoser.

Konstanz neben dem Eis

Alle Nachfolger von Arno Del Curto haben seinen Stil übernommen. Zuerst Christian Wohlwend und nun seit 2023 Josh Holden. Es hat seit dem Wiederaufstieg in Davos zwar turbulente wirtschaftliche Zeiten gegeben. Aber nie Zweifel, nie «Richtungskämpfe» um die sportliche Ausrichtung. Es ist ein Vorteil, dass mit Marc Gianola bereit seit bald zehn Jahren ein ehemaliger Spieler und Captain die Geschäfte führt, der diesen Stil auf dem Eis gelebt hat. Und seit Gaudenz Domenig 2011 das Präsidium übernommen hat, steht der HCD auch wirtschaftlich auf solidem Fundament.

Bei keinem anderen Klub zieht sich die gleichbleibende Spielkultur wie ein roter Faden, ja, wie eine Doktrin durch die neuere Geschichte. Selbst Titanen wie die ZSC Lions, Zug oder Bern haben in der Neuzeit immer wieder den sportlichen Kompass neu ausgerichtet. Mal mit einer nordamerikanischen, mal mit einer skandinavischen Spielkultur den Erfolg gesucht – und zwischendurch auch gefunden und dann den Faden wieder verloren.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Am Ende entscheidet ein Mann

Die ZSC Lions sind über vier Linien ausgeglichener besetzt, sie haben in der Gesamtsumme die talentierteren Einzelspieler und sie haben meisterliche Erfahrung. Hockeytheoretisch sind sie das vollständigere Team. Sie sollten eigentlich gewinnen. Auch nach der Auftaktniederlage in Davos sind sie hockeytheoretisch noch immer favorisiert.

Aber Hockey ist kein theoretisches Spiel. Am Ende entscheidet nicht das System. Nicht einmal die Gesamtsumme des Talentes. Am Ende entscheidet der Mann im Tor.

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  • Verteidiger
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    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

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Ob es für den HCD zum ersten Final seit 2015 reicht, hängt davon ab, ob der Torhüter die manchmal stürmische, wilde Spielweise abzusichern vermag. Wie für die ganze Welt gilt auch für den HCD: Der Torhüter ist nicht alles, aber ohne grossen Torhüter ist alles nichts.

Nur mit den Titanen Lars Weibel (2002), Jonas Hiller (2005, 2007), Reto Berra (2009) und Leonardo Genoni (2009, 2011, 2015) ist Davos seit dem Wiederaufstieg Meister geworden.

Die ZSC Lions haben alles, um den HCD wie 2023 im Viertelfinal und wie letzte Saison im Halbfinal erneut in die Schranken zu weisen. Beide Male war Simon Hrubec besser als Sandro Aeschlimann.

Torhueter Sandro Aeschlimann (HCD) mit schmerzverzerrtem Gesicht beim ersten Eishockey Playoff Halbfinalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und ZSC Lions (ZSC), am Samstag, 4. April 2026 ...
Im ersten Halbfinalspiel erlebt Aeschlimann einen Schreckmoment in Form eines Zusammenpralls.Bild: keystone

Nun hat Aeschlimann das Duell gegen Hrubec im ersten Halbfinal klar gewonnen (95,00 zu 88,89 %). Nachdem Aeschlimann schon im Viertelfinal klar besser war als Zugs Genoni (90,00 zu 86,73 %).

So einfach ist es: Sage mir, wie es Sandro Aeschlimann geht und ich sage dir, wer im Final steht.

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quelle: keystone / ennio leanza
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