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Titanic

Ergeht es dem Schweizer Hockey gleich wie der Titanic? Noch bleibt etwas Zeit für die Rettung. Bild: Shutterstock

Eismeister Zaugg

Die Hockey-Generäle tagen – oder das Titanic-Syndrom im Kemmeriboden-Bad

Die Manager der zwölf NL-Klubs versammeln sich am Donnerstag und am Freitag zwei Tage lang im Kemmeriboden-Bad im tiefsten Emmental. Um die nächste Saison und die weitere Zukunft der höchsten Liga zu beraten. Möge die Weisheit Gotthelfs über sie kommen.



Diesmal ist es nicht eine gewöhnliche Liga-Versammlung. Sondern eine Klausur. Also eine Tagung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Gemeinsam oder in Gruppen, manchmal auch unter Anleitung eines Moderators oder einer Moderatorin werden bestimmte Themenbereiche besprochen.

Wie wichtig es diesmal ist, zeigt sich erstens daran, dass von allen zwölf Klubs die General Manager (CEO) vertreten sind. «Wenn einer einen Stellvertreter schickt, dann kann der gleich wieder heimgehen», sagt einer der Wortführer der Liga. Die Vertreter der Swiss League sind nicht dabei. Sie werden inzwischen in allen wichtigen Fragen übergangen. Diese Trennung der beiden höchsten Ligen ist politisch nicht klug und wird zu Spannungen führen.

Und zweitens zeigt sich die Wichtigkeit im Tagungsort. So abgelegen haben sich Eishockey-Funktionäre noch nie getroffen. Von Langnau bis ins idyllische Kemmeriboden-Bad ist es genau gleich weit wie von Langnau auf den Bundesplatz zu Bern.

Am Ende der Welt: Hier tagen die Hockeygeneräle.

Die zwei wichtigsten Kemmeriboden-Themen der «Handsome Twelve» unseres Hockeys: das Konzept für die nächste Saison und die Ausgestaltung der Liga in den nächsten Jahren (Salary Cap, Modus, Auf- und Abstieg). Tagwache ist am Freitag um 5.30 Uhr. Möge im tiefsten Emmental am Fusse des Hohgant und des Schibengütsch die Weisheit Gotthelfs über unsere Hockey-Macher kommen.

Ziel: 60 Prozent Stadion-Auslastung

Liga-Manager Denis Vaucher hat die «60-Prozent-Formel» ausgearbeitet. Statt eine Begrenzung der Zuschauerzahl (zurzeit 1000 pro Spiel) eine prozentuale Auslastung der Stadien. Dieses Konzept haben die Fussballgeneräle kopiert und soeben der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einzige Abänderung: Sie gehen von 50 Prozent Auslastung aus. Im Hockey soll sie höher sein. Die wesentlichen Punkte sind im Fussball und im Hockey gleich: Maskenpflicht, keine Stehplätze, keine Gästefans, Aufteilung in Sektoren mit eigenen Toiletten, Verpflegungsmöglichkeiten, Ein- und Ausgängen.

Im Eishockey ist klar: Bleibt es bei einer 1000-Zuschauer-Grenze bis im März 2021, gibt es keine nächste Saison. Der einzige Klub, der seinen Betrieb unter diesen Voraussetzungen nicht einstellen würde, ist der SC Bern. Rund 60 Prozent des Konzernumsatzes von 60 Millionen erwirtschaftet der SCB mit der Gastronomie. Davon sind wiederum rund 60 Prozent direkt vom Spielbetrieb abhängig.

Kann nicht gespielt werden, wird der SCB mit einem Umsatz von ungefähr 15 Millionen zum drittgrössten Gastronomie-Betrieb im Bernbiet und SCB-Manager Marc Lüthi vorübergehend ein Gastwirt. Die Lage ist zu ernst, um zu werweissen, welche Aufgaben Marc Lüthi in diesem Falle seiner neuen Sportchefin Florence Schelling zuweisen würde.

1000er-Regel wäre K.-o.-Schlag

Den Profibetrieb müssten bei einer 1000er-Begrenzung alle Klubs einstellen. Keine Zuschauereinnahmen, keine TV-Gelder und massiver Rückgang der Sponsoreneinnahmen. Die Spieler hätten dann die Möglichkeit, aufs Arbeitsamt zu gehen. Allerdings werden nur Löhne bis maximal rund 150'000 Franken durch die Arbeitslosenversicherung gedeckt.

An den beiden höchsten Ligen hängen im Eishockey direkt oder indirekt mehr als 2000 Arbeitsplätze. Die Nachwuchsmeisterschaften könnten hingegen ausgetragen werden. Für den Nachwuchs gibt es staatliche Förderungsgelder. Auch die Meisterschaft im Amateurhockey wäre zumindest theoretisch möglich.

An eerie atmosphere in the almost empty stadium during the Swiss National League ice hockey match between EHC Bieland ZSC Lions, Friday, February 28, 2020 in the Tissot Arena in Biel, Switzerland. As a prevention against the spread of the coronavirus desease, Swiss federal authorities banned events with more than 1000 spectators to take place as of Friday. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Leere Ränge beim Meisterschaftsspiel zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions am 28. Februar: Geisterspiele können sich die Clubs nicht leisten. Bild: KEYSTONE

Das rege Treiben im Fussball und im Hockey mahnt ein wenig an die Hektik im Büro der Ingenieure auf der Titanic. Niemand konnte sich vorstellen, dass die Titanic sinken könnte. Sie galt als unsinkbar. In der gleichen Sicherheit wiegen sich die Macher in unserem Profi-Fussball und -Hockey. Es kann sich einfach niemand vorstellen, dass es keine Saison 2020/21 gibt. Und so wie die Ingenieure auf der Titanic rechneten, wie viel Wasser noch in den Rumpf laufen darf, bis das Schiff sinkt, so rechnen jetzt die tüchtigen Klubmanager, wie viele Zuschauer sie in den Stadien benötigen, damit der Betrieb weitergehen kann.

In Langnau wird erzählt, der umsichtige Geschäftsführer Peter Müller habe ein Progrämmli entwickelt: Er könne die Zuschauerzahl eingeben und der Computer rechne ihm in Echtzeit aus, wie viel Prozent der Löhne er entsprechend auszahlen dürfe. So einfach, so dramatisch ist es bei allen Klubs.

Kantone werden Hoheit wohl behalten

Wie wir heute wissen, ist die Titanic gesunken. Aber können auch die Meisterschaften im Fussball und Hockey untergehen? Das schliessen im Moment noch alle aus. Die Hoffnungen ruhen auf der «60-Prozent-Formel». Wird der Bundesrat diese Formel am 12. August bewilligen und für die Kantone verbindlich erklären? Auch davon geht eigentlich niemand aus.

Als wahrscheinlichstes Szenario gilt: Der Bundesrat überlässt am 12. August die Entscheidungshoheit weiterhin den Kantonen. Die Klubs müssen dann mit ihren kantonalen Behörden die «60-Prozent-Formel» aushandeln. Im Eishockey sind dafür 14 verschiedene Kantonsregierungen zuständig. Bleiben die Kantone hart (bei einer Begrenzung von 1000 Zuschauern), dann sinkt die Titanic und es gibt keine nächste Saison.

Ambri's fans celebrate the victory after the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Ambri Piotta and SC Lakers at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Monday,  March 04, 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Hockey vor proppenvollen Stehrampen: Wann werden wir das wieder erleben dürfen? Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Einige Klubmanager sagen, es werde, es müsse eine Lösung geben. Wenn man Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern verbiete, dann müsse man ja im nächsten Winter auch die Skipisten schliessen. Das ist richtig. Aber die tüchtigen Hockeygeneräle vergessen eines: Der Tourismus ist so wichtig und die Tourismus-Vertreter sind politisch so gut vernetzt, dass sie immer Ausnahmeregelungen herausholen.

Die Fussball- und Hockeygeneräle haben in der Vergangenheit das politische Lobbying arg vernachlässigt. Wozu auch ständig den Politikerinnen und Politikern «höbelen»? Man wähnte sich in der eigenen Wichtigkeit als unantastbar. Dieses «Titanic-Syndrom» rächt sich jetzt. So wie es sich auf der Titanic rächte, dass nicht genügend Rettungsboote mitgeführt worden sind. Die waren ja bei einem unsinkbaren Schiff nicht nötig.

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    Alle Leser-Kommentare
  • lushütte 29.07.2020 22:55
    Highlight Highlight Stehplätze dürfen niemals ausgeschlossen werden!
    Also mach halt nummerierte Stehplätze wo man sitzen kann! Denn dies sind die zukünftigen Fans des Clubs!
    Es gibt viele Möglichkeiten den "Sesselfurzern" der Behörden Paroli zu bieten...
  • lushütte 29.07.2020 22:47
    Highlight Highlight Jeder aber sicher jeder Stadionbetreiber hat die Fähigkeit ein Konzept zu entwickeln , das wesentlich mehr Sicherheit vor einer Ansteckung hat als die Theoretiker im Eishockeyverband oder im Katastrophenamt BAG!
  • Herr J. 29.07.2020 22:46
    Highlight Highlight Es wird so oder so hart, 60% Auslastung sind zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.

    Viel wichtiger wäre, dass der Bund die irren Kriterien lockert für die Hilfe an den Profisport. Dass ein Klub quasi konkurs sein muss, bevor er Hilfe sieht, kanns ja nicht sein.
  • lushütte 29.07.2020 22:32
    Highlight Highlight Ohne "Stehplatz" ist mehr als ungeschickt!
    Bitte diese Fans nicht ausschliessen!
    Also ich wiederhole mich: Stehplätze nummeriert worauf man sitzen kann!
    Jedes Hockeystadion lässt sich vor Ort so organisieren, dass 2/3 der Auslastung besetzt werden kann, ohne eine ÜBERMAESSIGE Gefährdung der Zuschauer sich mit dem Virus anzustecken. Überall ist es möglich sich zu infizieren, unbestritten, aber wie wollen wir zu einem Normalbetrieb zurückkehren ohne diese Risiko einzugehen?
    Eines ist klar: Mit diesem Virus müssen wir auch in Zukunft leben, alle theoretischen Vorgaben des BAG sind s.verzichtbar
    • das Otzelot 30.07.2020 07:52
      Highlight Highlight @lushütte

      Nummerierte Stehplätze? Meinst du das Ernst?
  • Bobby Sixkiller 29.07.2020 22:13
    Highlight Highlight Es ist eine verdammte Frechheit, dass die Vertreter der NLB Klubs nicht mit dabei sind!!!
    • maylander 29.07.2020 22:35
      Highlight Highlight Die von den Rockets, Academy und GCK Lions sind doch dabei.
      Es würde mich nicht verwundern, wenn dass einzige was herauskommt eine geschlossene Liga wäre.
    • FaLa02 29.07.2020 22:48
      Highlight Highlight Ach komm schon...... Die NLB und Regio League Klubs können sich auf die Erfassung von Nachwuchs konzentrieren, wenn die NL nun auch noch die TV Gelder besser unter sich aufteilen können, brauchen sie echt keinen Unterbau
  • bebby 29.07.2020 22:11
    Highlight Highlight Die treffen sich sicher dort wegen der feinen Meringue und Glace :-)
  • maylander 29.07.2020 22:11
    Highlight Highlight Die Saison ausfallen zu lassen liegt meiner Meinung nicht drin. Da würde viel zu viel sportliches Know how verloren gehen.
    Die Klubs haben ja meist Gönner im Rücken. In ihren VIP Lounges sind ja die Geldgeber gut vor Corona geschützt.
  • sansibar 29.07.2020 22:01
    Highlight Highlight Hier steht eigentlich alles aus Fan-Sicht (kann man auch ohne Facebook-Account lesen):
    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2698304723771003&id=1638163163118503&__tn__=%2AW-R
  • magnet1c 29.07.2020 21:55
    Highlight Highlight Üblicherweise rümpfe ich ab Klaus'scher Polemik die Nase. Diesesmal aber nicht, denn die Gefahr ist durchaus real. Wenn dee Bund keine Lösung genehmigt, werden einzelne Kantöne jewwilige Clubs versenken...
    P.S. Der Markt ist zu klein, um nur durch TV-Einnahmen den Profisport zu finanzieren.
  • avaya 29.07.2020 21:40
    Highlight Highlight Das 60%-Konzept (oder meinetwegen 50% wie im Fussball) als nationale Regelung muss einfach möglich sein. Ich hoffe schwer, dass sich zumindest das Baspo auch dafür einsetzt.
  • kerisma 29.07.2020 21:36
    Highlight Highlight Ich fände es noch spannend zu wissen, ob bedacht wird, dass eventuell nicht mehr gleich viele Hockey-/Fussball-Zusehende Tickets kaufen können oder wollen, wie vor der Pandemie?
    • maylander 29.07.2020 22:06
      Highlight Highlight In Zug wurden alle Saisonkarten schon längst verkauft. Im Hockey werden wohl fast alle Klubs das 60% Kontingent problemlos füllen.
    • FaLa02 29.07.2020 22:11
      Highlight Highlight Ich denke nicht...... Zaugg hat sicher nicht ganz Unrecht mit seinem Titanic Vergleich...

      und du wisst ja, wenn man für Geschlossene Hallen die 100er Regel beibehält, muss man auch die offenen Skipisten schliessen🥴
  • Denverclan 29.07.2020 21:31
    Highlight Highlight Schutzkonzept und 60% Auslastung ohne Stehplatz-Zuschauer...etwas anderes ist nicht möglich. Und dann darauf hoffen, dass 2021/22 ein Impfstoff da ist! Da müssen wir einfach durch....🤷‍♂️
    • Eiswalzer 29.07.2020 21:38
      Highlight Highlight Und wenn der Impfstoff nicht genügend Immunität bietet? Wenn er bei Risikogruppen nicht genügend schützt? Nein, wir müssen mit dem Virus leben lernen.
    • lushütte 29.07.2020 22:36
      Highlight Highlight Unsinn...Stehplätze können ebenfalls nummeriert werden und in Sektoren eingeteilt werden! Das sind die Fans der Zukunft wer diese ausschliesst schaufelt sich sein Grab mit eigenen Händen! Impfstoff ist ebenfalls unsinnig..welcher normal denkende Mensch lässt sich mi einem Impfstoff impfen der im Schnellzugstempo freigegeben wird?
    • marak 30.07.2020 09:38
      Highlight Highlight Man darf nich so planen in der Annahme, dass ein Impfstoff in einem Jahr erhältlich ist. Diese Chance ist veil zu gerin. Man muss davon ausgehen, dass man mittelfristig mit dem Virus leben muss. Man kann davon ausgehen, dass man immer mehr über das Virus weiss und das Damitleben planbarer und somit einfacher wird. Aber auch da weiss man noch nicht, wohin die Reise geht.
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Eismeister Zaugg

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