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Jussi Tapola ist Chef in Ambri – so verändert er den Klub

Head Coach Jussi Tapola (HCAP) enters the Gottardo Arena for the first time, during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and HC Lugano at the ice stadium Gottardo Arena, Swi ...
Jussi Tapola räumt in Ambri auf.Bild: keystone
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Wie «Tapola rasa» Ambri verändert und warum 7:9 besser ist als 1:0

Trainer Jussi Tapola hat in Ambri für die nächsten drei Jahre alle Macht. Das hilft den Sportchefs der anderen Klubs.
05.03.2026, 18:2205.03.2026, 18:35

Jussi Tapolas Führungsstil ist wahr und klar: my way or highway. Wie zuvor in Tampere und Bern wird er auch in Ambri «Tabula rasa» machen. Der Ausdruck stammt aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts und steht heute für kompromissloses Aufräumen mit der Vergangenheit und einen kompletten Neubeginn: «Tapola rasa» im Hockey.

Warum Ambri die Verlängerung mit Verteidiger-Haudegen Jesse Zgraggen (32) um zwei Jahre bis 2028 geheim hält, ist auf den ersten Blick seltsam. Aber auf den zweiten logisch. Die Prolongation erfolgte, noch bevor Jussi Tapola verpflichtet worden ist.

Beim SCB ist Jesse Zgraggen der «Tapola rasa» zum Opfer gefallen und während der Saison nach Ajoie transferiert worden. Nun gibt es ein Wiedersehen mit seinem finnischen Zuchtmeister. Was die Sache erleichtert: Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger hat mit Derek McCann den gleichen Agenten wie Chris DiDomenico. Es gibt also bereits Erfahrung im Auflösen von Verträgen. Wobei im Falle von Jesse Zgraggen eher ein Brockenstuben-Transfer in Frage kommt – die Auszahlung von zwei Vertragsjahren wäre ja teurer als die drei Monatslöhne für DiDo.

Auch Tomaso De Luca (21) dürfte eher, als er denkt, ein Transferthema werden. Der italienische Olympia-Teilnehmer mit Schweizer Lizenz ist zwar Ambris drittbester Stürmer mit Schweizer Lizenz. Aber eben auch ein Schillerfalter, der das Risiko liebt und dabei Scheibenverluste provoziert – es ist wohl nicht die Frage, ob, sondern nur, wann er sich den taktischen Zorn seines Trainers zuziehen wird.

Die Legende Inti Pestoni (35) kennt zwar aus seiner Zeit beim SCB (2019 bis 2021) wie es ist, unter gestrenger taktischer Aufsicht von skandinavischen Bandengenerälen zu überleben. Aber Ambris Trainer macht auch da «Tapola rasa» und hat die Eiszeit bereits von über 16 auf unter 10 Minuten verkürzt. Inti Pestoni hat durch einen Vertrag bis 2027 ein gesichertes Einkommen und ein Transfer ist wenig wahrscheinlich. Wer will denn einen 35-jährigen Stürmer, der nur in der Leventina glücklich sein kann? Gut möglich, dass er in den Trainerstab befördert wird: Er wäre ein formidabler Skills-Coach – noch immer haben nicht viele in der Liga eine so exzellente Schusstechnik.

Auch Luc Bachmann (20) sollte sich trotz Vertrag bis 2027 plus Option nicht zu sicher fühlen. Die Zuger haben sein immenses Talent übersehen und er ist in Ambri einer der entwicklungsfähigsten jungen Verteidiger der Liga. Aber mit einer spielerischen Leichtigkeit und Kreativität, die Jussi Tapolas taktisches Misstrauen wecken könnte. Er wird im Falle eines Falles problemlos einen neuen Arbeitgeber finden.

Einer hingegen darf sich freuen: Torhüter Philip Wüthrich (28). Erstens, weil seine Arbeit nun hinter einer besser strukturierten und stabileren Abwehr einfacher wird. Und zweitens, weil Jussi Tapola in Bern im letzten Spiel der vergangenen Saison – der 7. Viertelfinalpartie gegen Gottéron – auf seine Weise «Tapola rasa» gemacht und Philip Wüthrich statt Adam Reideborn ins Tor gestellt hat. Auf den ehemaligen SCB-Goalie ist der Trainer in Ambri sowieso angewiesen.

Das ist ein unvollständiger und leicht polemischer Wetterbericht aus Ambri. Die Sportchefs der anderen Klubs sollten die weitere meteorologische Entwicklung aus zwei Gründen aufmerksam beobachten: erstens, weil es Transferangebote geben wird, und zweitens, weil die Möglichkeit besteht, Spieler, die man aus irgendwelchen Gründen eigentlich lieber nicht mehr beschäftigen würde, nach Ambri zu transferieren bzw. abzuschieben. Die Männer, die der «Tapola rasa» in Ambri zum Opfer fallen, müssen ja ersetzt werden. Bevorzugt werden taktisch folgsame, kräftige, grosse und schwere Systemspieler mit hölzernen Händen und Füssen. Der Chronist wird eine Liste der möglichen Kandidaten erstellen, sobald er dazu Zeit findet.

«Tapola rasa» geht auch an Liga-Sponsor PostFinance nicht vorbei. Am nächsten Mittwoch werden in der Festhalle zu Bern die Topskorer der Teams geehrt. Eigentlich müsste Chris DiDomenico eingeladen werden. Er führt Ambris Teamskorerliste mit acht Punkten Vorsprung auf Michael Joly praktisch uneinholbar an. Aber eben: DiDo wird nicht in Bern sein. Weil sein Vertrag aufgelöst worden ist. Die Postbank teilt mit: «An der Top-Scorer‑Ehrung nimmt jeweils der Spieler eines Clubs teil, der am Ende der Qualifikation in der offiziellen Top-Scorer‑Tabelle der National League zuoberst steht und zum Zeitpunkt der Ehrung einen gültigen Vertrag mit dem Club besitzt.»

PostFinance Top Scorer Christopher DiDomenico (HCAP) celebrate his goal, during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and EHC Kloten at the ice stadium Gottardo Arena, Switze ...
Chris DiDomenico ist bereits nach Kanada zurückgekehrt.Bild: keystone

Zum ersten Mal in der Geschichte – seit 2003 – ist ein Team-Topskorer nicht dabei, weil ihn der Klub gefeuert hat. «Tapola rasa» macht halt auch vor den Besten nicht halt. Das bedeutet für Ambri höchstwahrscheinlich weniger Geld: Pro Punkt des Topskorers gibt es 300 Franken in die Klubkasse. Michael Joly hat zurzeit acht Punkte weniger als Chris DiDomenico. Das macht immerhin 2400 Franken. Also sollte die ganze Taktik in den letzten drei Qualifikationspartien gegen Ajoie, Bern und die Lakers ganz auf Michael Joly ausgerichtet werden. Damit er möglichst viele Punkte macht. Also lieber 7:9 verlieren als 1:0 gewinnen.

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Chris DiDomenico ist inzwischen nach Kanada zurückgekehrt und hat endlich Zeit für seine Familie: Letzte Saison hat er die Geburt seines ersten Kindes verpasst, weil er die Mannschaft nicht im Stich lassen wollte, bei einem Auswärtsspiel im Einsatz war und nicht bei seiner Frau im Spital weilte.

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Chalbsbratwurst
05.03.2026 18:49registriert Juli 2020
Ich frage mich die ganze Zeit ob die Ambrifans wirklich Schablonen-Hockey sehen wollen. Klar wenn sie damit Erfolg haben wird kaum jemand jammern aber wehe der Erfolg bleibt aus, dann wird es schnell "Tschussi Tapola" heissen.
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