Der Play-In-Kampf spitzt sich zu – das spricht für die involvierten Teams
Heute Abend steht die drittletzte Runde in der National-League-Qualifikation an. Vielerorts sind die Positionen bereits bezogen. Davos ist fix Qualisieger, dahinter folgt Fribourg. Die ZSC Lions, Lugano, Servette und Lausanne können mit der direkten Playoff-Qualifikation rechnen.
Spannung gibt es vor allem noch auf den Rängen 7 bis 12. Rapperswil und Zug sind bereits fix in den Play-Ins, kämpfen aber noch um das Heimrecht im Rückspiel.
Dahinter geht es um die Qualifikation für die Play-Ins. Für Bern auf Rang 9 bis Kloten auf Rang 12 ist noch fast alles möglich. Von der Play-In-Quali bis hin zum verfrühten Saisonende. Was spricht im Endspurt für die jeweiligen Teams? Wir klären dich auf.
SC Bern – 66 Punkte
Restprogramm: Zug (h), Ambri (a), Fribourg (h)
Pro
Das Polster: Es sind zwar nur zwei Punkte, aber die können sich im Endspurt als wertvoll erweisen. Dieser Mini-Vorsprung auf Biel und Langnau erlaubt zwar keine vollständigen Ausrutscher (Niederlagen nach 60 Minuten). Aber einen kleineren Rückschlag, wie eine Niederlage in der Verlängerung oder im Penaltyschiessen, könnte der SCB verkraften.
Die Verteidigung: Die Probleme des SCB sind altbekannt: fehlende Kaltblütigkeit, viele Verletzungen und inkonstante Goalies. Dass die Berner trotzdem noch auf die Play-Ins hoffen können, haben sie insbesondere ihrer guten Verteidigung zu verdanken. Nur Fribourg und die ZSC Lions lassen noch weniger gegnerische Chancen zu als die Berner. Und wie wir wissen, wird defensive Stabilität immer wichtiger, je länger die Saison dauert. Die gute Verteidigung könnte für den SCB im Schlussspurt ein wichtiger Faktor sein.
Das Restprogramm: Auf den ersten Blick sieht das Restprogramm nicht besonders dankbar aus. Zug und Fribourg sind allerdings zwei Teams, mit denen Bern in den bisherigen Spielen einigermassen mithalten konnte. Ambri versinkt derweil im eigenen Chaos und kann den Absturz in die Playouts wohl nicht mehr verhindern. Drei Punkte sind gegen die Leventiner Pflicht, auch wenn das Spiel auswärts ist. Zudem kommt es dem SCB entgegen, dass sich Biel und Langnau im Direktduell noch Punkte wegnehmen werden.
Contra
Die Form: Die Resultate der letzten Spiele dürften dem SC Bern allerdings etwas Kopfschmerzen bereiten. Aus den letzten fünf Spielen resultierte nur ein Sieg – das 5:0 gegen Ajoie. Ansonsten gab es Niederlagen gegen Davos, Kloten, Genf und Biel. Dieser Trend muss dringend gestoppt werden, ansonsten drohen die Mutzen gar noch auf den elften Platz zurückzufallen.
Die Verletzungen: Der SCB muss momentan auf Benjamin Baumgartner und Marco Lehmann verzichten. Ersterer verpasst den Rest der Saison wohl komplett, bei Lehmann gibt es mehr Hoffnung auf eine Rückkehr. Baumgartner und Lehmann sind zwei der wenigen (Lizenz-)Schweizer Stürmer, die in dieser Saison einigermassen regelmässig skoren. Da die Berner ohnehin schon grosse Mühe bekunden, Tore zu schiessen, fallen solche Ausfälle noch mehr ins Gewicht.
Wahrscheinliche Schlussplatzierungen
Rang 8: 12,7 %
Rang 9: 64,0 %
Rang 10: 18,7 %
Rang 11: 4,0 %
Rang 12: 0,6 %
Gemäss Projektionen von nlicedata.com
EHC Biel – 64 Punkte
Restprogramm: Genf (a), Langnau (h), Davos (a)
Pro
Das Direktduell: Läuft alles normal, dürfte sich der EHC Biel in der zweitletzten Runde gegen Langnau um den letzten Play-In-Platz duellieren. Von den bislang drei Direktduellen haben die Seeländer zwei für sich entscheiden können – das bislang letzte im Januar ging allerdings an Langnau.
Die Moral: Die Bilanz unter Neo-Trainer Christian Dubé ist zwar nicht über alle Zweifel erhaben (4 Siege, 4 Niederlagen). Aber Biel gestaltete die Spiele zuletzt vermehrt ausgeglichen und konnte mit dem Sieg gegen den direkten Gegner Bern sicher auch einiges an Moral für den Schlussspurt tanken.
Der Goalie: Im Gegensatz zu den Vorjahren war Harri Säteri in dieser Saison nicht immer der gewohnt solide Rückhalt im Tor der Bieler. Dem Finnen fehlte es insbesondere in der ersten Saisonhälfte an Konstanz. Zuletzt zeigte Säteri aber wieder bessere Leistungen. Seit Mitte Januar ging seine durchschnittliche Fangquote stetig nach oben. Ein starker Goalie kann im Play-In-Kampf Gold wert sein.
Contra
Das Restprogramm: Servette kämpft noch um das Playoff-Heimrecht und dürfte nicht gewillt sein, Biel Punkte abzugeben. So müssen die Seeländer natürlich einerseits dringend das Direktduell mit Langnau für sich entscheiden und andererseits darauf hoffen, dass der überlegene Spitzenreiter Davos in der letzten Runde vielleicht den einen oder anderen Spieler schont.
Das Unterzahlspiel: Der EHC Biel hat mit Abstand das schwächste Unterzahlspiel der Saison. Mit einem Mann weniger lassen die Seeländer sogar noch mehr Tore zu als Schlusslicht Ajoie. In einer Phase, wo jedes Tor über Sieg oder Niederlage, Punktgewinn oder Nuller entscheiden kann, kann einem dies das Genick brechen. Können die Mannen von Christian Dubé in den letzten drei Spielen mit der nötigen Disziplin auftreten?
Wahrscheinliche Schlussplatzierungen
Rang 9: 12,3 %
Rang 10: 36,9 %
Rang 11: 40,1 %
Rang 12: 10,7 %
SCL Tigers – 64 Punkte
Restprogramm: Fribourg (h), Biel (a), ZSC (h)
Pro
Das Direktduell: Auch die Tigers haben die Play-In-Qualifikation dank des Direktduells gegen Biel weiterhin in den eigenen Händen. Wie der EHCB hat auch Langnau ein schwieriges Restprogramm mit zwei starken Gegnern. Aber wenn die Tiger aus diesen Spielen den einen oder anderen Punkt mitnehmen und gleichzeitig das Derby gegen Biel gewinnen, sollte der Play-In-Qualifikation nichts mehr im Weg stehen. Übrigens: Weil die Langnauer gegen Zug drei von vier Spielen gewonnen haben, wäre mit einem perfekten Endspurt und etwas Schützenhilfe sogar noch der Sprung auf Rang acht möglich.
Die Gesundheit: Langnau kann im Endspurt aus den Vollen schöpfen. Aktuell haben die Emmentaler keine verletzungsbedingten Absenzen zu beklagen. Sean Malone und Joshua Fahrni mussten zuletzt gar überzählig zuschauen. Für ein Team wie die Tigers ist das fast schon eine Luxussituation.
Contra
Die Form: Phasenweise ziemlich komfortabel auf den Play-In-Plätzen, sind die Tigers zuletzt heftig abgestürzt. In den letzten zehn Spielen feierten sie nur noch zwei Siege – ein 3:0 gegen Servette und ein 6:3 gegen Ambri. Besonders bitter waren die Niederlagen in wichtigen Direktduellen gegen Kloten und Rapperswil.
Die Verteidigung: Da stellt sich die Frage: Warum hat Langnau in den letzten Spielen derart schlecht performt? Die Antwort findet sich in der Defensive. Liessen die Langnauer über weite Strecken des Januars rund 2,25 gegnerische Expected Goals zu, ist der Wert auf Ende Februar und Anfang März auf über 2,7 Expected Goals angestiegen. Wie bereits beim SCB erwähnt, wird die Defensive immer wichtiger, je länger die Saison dauert. Das ist für die Tigers keine gute Nachricht.
Wahrscheinliche Schlussplatzierung
Rang 8: 0,3 %
Rang 9: 10,1 %
Rang 10: 38,9 %
Rang 11: 39 %
Rang 12: 11,7 %
EHC Kloten – 61 Punkte
Restprogramm: Rapperswil (a), Lugano (h), Genf (a)
Pro
Die Form: Vier Siege in Serie, darunter ein 2:0-Auswärtserfolg bei Leader Davos sowie Triumphe gegen die direkte Konkurrenz aus Biel, Bern und Langnau. Kein anderes Team ist nach der Olympiapause besser in Schuss. Damit haben die Zürcher Unterländer, die vor der Pause gar noch in die Playouts abzustürzen drohten, plötzlich die Play-Ins wieder in Sichtweite. Wenn Kloten diesen Schwung in die letzten drei Spiele mitnehmen kann, ist eine Krönung der Aufholjagd möglich.
Welche Schlüsse Schödler aus dieser Saison zieht, warum eine Trainer-Entlassung nie ein Thema war und was er zum Rücktritt von Klub-Legende Steve Kellenberger sagt, erfährst du in der neuesten Folge des «Roost Röthlisberger – Hockey Talk».
Die Kellenberger-Motivation: Steve Kellenberger ist eine Kloten-Legende. 18 seiner 20 Profijahre verbrachte der heute 39-Jährige bei seinem Jugendklub. Nach dieser Saison ist aber Schluss. Stattdessen übernimmt Kellenberger bei den Zürchern das Traineramt der U18. Bis es aber so weit ist, wollen die Klotener ihre Legende gebührend verabschieden – möglichst mit einer letzten Playoff-Teilnahme. Wie der Blick schreibt, sei das die grosse Motivation der Mannschaft in diesem Endspurt.
Contra
Der Rückstand: Im Gegensatz zu Langnau oder Biel muss Kloten nicht nur eines, sondern gleich zwei Teams hinter sich lassen. Der Rückstand auf die Tigers und die Seeländer beträgt drei Punkte. Ohne Spiele gegen die direkte Konkurrenz wird es extrem schwierig, den Rückstand aufzuholen – zumal Kloten aufgrund der Direktduelle mit Langnau und Biel auch bei Punktgleichheit den Kürzeren ziehen würde.
Das Restprogramm: Diese Monsteraufgabe wird erschwert durch ein schwieriges Restprogramm. Gegen Lugano und Servette haben die Zürcher in dieser Saison bislang immer verloren und dabei nur je einen Punkt geholt. Um tatsächlich noch Druck auf Biel und Langnau zu machen, bräuchte Kloten gegen seine «Angstgegner» aber dringend Punkte. Und auch die Partie gegen Rapperswil wird keine einfache. Die Spiele zwischen Kloten und den Lakers haben spätestens seit der Ligaqualifikation 2018 Derby-Charakter. Die beiden Heimspiele gegen Rappi konnte Kloten für sich entscheiden. Auswärts gab es dagegen eine Niederlage.
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Die Qualität: Am Ende bringt Kloten wohl einfach nicht genügend Qualität mit, um die Play-In-Qualifikation zu schaffen. Nur zwei Teams (Zug und Ajoie) kreieren bei 5-gegen-5 weniger Torchancen. Nur drei Teams (Ajoie, Rapperswil und Ambri) lassen noch mehr gegnerische Torchancen zu. In der Summe reicht das normalerweise nicht, um unter den besten zehn Teams der Saison zu landen.
Wahrscheinliche Schlussplatzierung
Rang 9: 1,2 %
Rang 10: 4,9 %
Rang 11: 16,9 %
Rang 12: 75,4 %
Rang 13: 1,6 %
