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Die Praesidentin des HC Lugano, Vicky Mantegazza, links, und dem Team Sportdirektor, Roland Habisreutinger, beobachten das erste Training des HCL nach der heutigen Pressekonferenz an der die sofortige Freistellung des Headcoachs Patrick Fischer und seines Assistenten Peter Andersson bekannt gegeben wurde, am Donnerstag, 22. Oktober 2015, in Lugano. Der Tessiner HC Lugano ist NLA-Tabellenletzter und bleibt mit fuenf Siegen aus den ersten 15 Runden deutlich unter den Erwartungen. (KEYTONE/Gabriele Putzu)

Die Lugano-Führungscrew: Sportchef Roland Habisreutinger und Präsidentin Vicky Mantegazza. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Jetzt also Sondell – Luganos Habisreutinger ist der grösste «Vergolder» der NLA

Luganos Sportchef Roland Habisreutinger ist der grösste Wohltäter unseres Hockeys. Seit acht Jahren verpulvert er als «Vergolder» Millionen. Nun «vergoldet» er den schwedischen Verteidiger Daniel Sondell.



Das «Vergolden» ist ein uraltes Handwerk. Es war schon im Alten Ägypten bekannt. In unserem Hockey ist diese Kunst sehr viel jünger. Sie wird eigentlich in der reinen Form erst seit 2009 ausgeübt. Von Luganos umtriebigem Sportchef Roland Habisreutinger.

Glückliche Umstände haben es dem 43-Jährigen ermöglicht, der erste «Vergolder» unseres Hockeys zu werden. Der HC Lugano, sein Arbeitgeber, wird von der Familie des Milliardärs Geo Mantegazza alimentiert. Geld spielt in Lugano im volkstümlichen Sinne keine Rolle.

Doug Shedden, rechts, der neue Trainer vom HC Lugano, und Sportdirektor Roland Habisreutinger erscheinen zu einer Medienkonferenz nach seinem ersten Training mit dem Eishockeyclub HC Lugano, am Mittwoch, 28. Oktober 2015, in der Resega Halle in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Roland Habisreutinger mit Lugano-Trainer Doug Shedden. Bild: KEYSTONE

Seit 2009 wirkt der ehemalige Spieleragent als Sportchef in Lugano. Er hat in dieser Zeit mehr Geld auf dem Transfermarkt investiert als jeder andere Sportchef ausserhalb der NHL und der KHL. Die teuersten Schweizer, die teuersten Ausländer und manchmal auch die teuersten Trainer. Die Erfolgsquote tendiert gegen null:  Einmal die Play-offs verpasst und insgesamt zwei Play-off-Serien gewonnen.

Der Irrtum ist das Menschenrecht eines Sportchefs. Er verpflichtet Spieler. Aber Menschen kommen. Es passiert immer wieder, dass einer, der hockeytechnisch wunderbar ins Team zu passen scheint, nicht mit seinen Mitspielern oder dem Trainer harmoniert. Erst recht bei ausländischen Arbeitnehmern, die sich an eine neue Mentalität und eine neue Hockeykultur anpassen müssen. Und es ist schwierig, den Trainer zu finden, der zu den Spielern passt. Auch grosse Sportchefs wie Chris McSorley, Sven Leuenberger, Martin Steinegger oder Edgar Salis haben sich schon geirrt.

Ein guter Sportchef beschafft sich die notwendigen Entscheidungsgrundlagen. Bei ausländischen Spielern ist es etwas schwieriger. In der heimischen Liga ist es einfacher. Er kann einen Kandidaten über eine längere Zeit bei der Arbeit beobachten.

Ein Sportchef kann aber nur dann richtig entscheiden, wenn er Informationen richtig einordnen kann. Wenn er weiss, wie die eigene Mannschaft tickt, welche Spieler die Mannschaft besser machen. Kurzum: Wenn er das Hockeygeschäft kennt und versteht.

30 Prozent mehr Lohn in Lugano?

Der schwedische Verteidiger Daniel Sondell hat die letzten zwei Jahre in Zug gespielt. Es war also nicht schwierig, herauszufinden, was er kann und was nicht. Wie Trainer Doug Shedden funktioniert müsste Roland Habisreutinger eigentlich auch wissen. Um herauszufinden, dass schwedische Spieler auf Dauer nicht zum impulsiven kanadischen Feuerkopf Doug Shedden passen, muss man nicht Ethnologie studiert haben.

Im Sommer hat Roland Habisreutinger also Daniel Sondell aus einem laufenden Vertrag heraus (!) von Zug nach Lugano geholt. Er sagt, dieser Transfer sei mit seinem Einverständnis gemacht worden. Und noch bevor die Blätter von den Kastanienbäumen fallen, versucht er, den Schweden schon wieder loszuwerden. Immer mehr zeichnet sich ab, dass Luganos wunderbarer Finalfrühling von 2016 nur eine wunderbare, kurze, föhnige Aufhellung war. Das ist sehr schade.

Lugano’s player Daniel Sondell during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2016/17 between HC Lugano and HC Ambri Piotta, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, September 10, 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Daniel Sondell muss den HC Lugano wohl bereits wieder verlassen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Spieler mit laufenden Verträgen loszuwerden, kostet in der Regel etwas. Gerade in Lugano. Denn Roland Habisreutinger ist ein guter Mensch. Er hat als «Vergolder», also als einer, der zu hohe Löhne zahlt, einen guten Ruf. Ein erfahrener und erfolgreicher Spieleragent hat es kürzlich auf den Punkt gebracht. «Wenn ich mit Lugano verhandle, dann muss ich darauf achten, mindestens 30 Prozent mehr zu verlangen als von jedem anderen Klub. Sonst glauben die, mein Spieler sei nicht gut genug.» Ein Spieler hat es einmal launig so gesagt: «Ich habe bei meinem letzten Klub bei weitem nicht so viel verdient, wie immer behauptet worden ist. Aber niemand kann sich vorstellen, wie viel ich in Lugano verdiene.»

Ob wahr oder nur gut erfunden, ist eigentlich unerheblich. Es gibt so viele ähnliche Aussagen, dass wir keine Schelme sind, wenn wir vermuten, dass Lugano seine Spieler häufig zu gut bezahlt. Die seit Jahren mit Geld überdüngte Leistungskultur ein wichtiger Grund für den seit 2006 ausbleibenden Erfolg sein könnte.

Wenn ein Spieler mit einem laufenden Vertrag aus Lugano wegtransferiert wird, muss die Lohndifferenz zum neuen Arbeitgeber ausgeglichen werden. Mit etwas Glück gelingt es einem Spieler sogar, in Lugano zu erwirken, dass sein Vertrag ausbezahlt wird. Dann kann er bei einem neuen Klub einen neuen Vertrag machen – das ist dann die höchste Form des «Vergoldens».

Die Liste der Fehleinschätzungen bei der Verpflichtung von Trainern und ausländischen Spielern ist so lang, dass der ehemalige YB-Kultsportchef Fredy Bickel im Vergleich zu Roland Habisreutinger den Status eines Erfolgsschmiedes hat.

Die nackte Vicky Mantegazza

Wie kann es sein, dass der Sportchef sich in Lugano trotzdem eines hohen Ansehens erfreut? Es gibt zwei Vermutungen. Die erste: Er ist für die vielen und manchmal grotesken Fehlentscheidungen gar nicht verantwortlich. Vielmehr führt er nur aus, was ihm aus der Chefetage aufgetragen wird. Sozusagen als Sport-Sekretär.

Die zweite: Roland Habisreutinger ist ein kluger Mann. Er kann seiner Präsidentin und ihrer Entourage alles so gut erklären, dass aus Fehlentscheidungen wohldurchdachte, weise Handlungen werden und alle denken: Wohlan, wir haben einen ganz tüchtigen Sportchef. Was wären wir ohne ihn?

Vicky Mantegazza, Praesidentin des HC Lugano, bedankt sich bei den Fans nach dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern am Dienstag, 12. April 2016, in der Resega Halle in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Vicky Mantegazza: Gibt sie allein den Ton an oder spielen ihr die Angestellten nur etwas vor? Bild: TI-PRESS

Wir kennen dieses Vorgehen aus der Geschichte über die neuen Kleider des Kaisers. Ein überaus kluger, tüchtiger Schneider, sozusagen ein Roland Habisreutinger des Schneiderhandwerkes, kleidet den Kaiser für viel, viel Geld neu ein. Aber er macht ihm gar keine neuen Kleider. Er tut nur so, als fertige er wunderbare Gewänder an. Weil niemand den Kaiser verärgern will, rühmen alle die schönen neuen Kleider. Bis ein Kind ausruft: «Aber der Kaiser ist ja nackt!» und den Schwindel beendet.

In der Hockeyszene haben im Zusammenhang von Lugano schon so viele gerufen: «Aber der Kaiser ist ja nackt!», dass gar niemand mehr hinhört. Erst recht nicht, wenn es Deutschschweizer tun, die sich ja doch gegen die Tessiner verschworen haben.

In Lugano ist der Kaiser seit Jahren nackt. Echte, teure goldene Gewänder tragen nur der Sportchef, die Trainer und die Spieler. Das muss sich ein Hockeyunternehmen erst einmal leisten können. Auch deshalb bewundern wir den HC Lugano als einen der faszinierendsten Klubs ausserhalb der NHL und der KHL.

Die Stadien der 12 NLA-Klubs

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Die Stadien der 12 National-League-Klubs
quelle: keystone / peter schneider
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