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Coronavirus: Keinen Eishockeyklub trifft es so hart wie den SC Bern

ARCHIV -- EISHOCKEY MEISTERSCHAFTSBETRIEB UNTERBROCHEN --- Berns Berns Alain Berger kommt aufs Eis, im ersten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am D ...
Es war einmal … Playoff-Hockey mit rund 16'000 Fans in Bern.Bild: KEYSTONE
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Keine Hockeyfirma trifft das Coronavirus so hart wie den T-Rex der Branche

Hätte der SC Bern die Playoffs erreicht, wäre alles noch viel schlimmer. Ein Playoff-Final hätte die Berner mehr als zwei Millionen Franken gekostet und ihnen erstmals in diesem Jahrhundert rote Zahlen beschert.
11.03.2020, 08:2611.03.2020, 08:26

Verrückt, aber wahr: Die Schmach der verpassten Playoffs kann den SC Bern vor grossem finanziellem Schaden bewahren. Würde der SCB nämlich ohne Zuschauer bis in den Final kommen, dann wäre es ein finanzielles Desaster. Dieser Fall hätte ja eintreffen können. Immerhin haben die Berner 2016 den Titel vom achten Platz aus geholt.

Sportlich ruhmreich in den finanziellen Ruin? Wie geht das? Der SCB hat ein klug gestaffeltes Prämiensystem, das sich über die Jahre vorzüglich bewährt hat. Die Spieler bekommen keine Prämien für das Erreichen der Playoffs. Aber schöne Prämien für jedes Heimspiel ab dem Halbfinal. Eine Meisterprämie gibt es hingegen nicht. Manager Marc Lüthi sagt: «Bei einem Final ohne Zuschauer würden wir zweieinhalb Millionen Franken verlieren.»

Zurück auf Start

Der SCB ginge zwar nicht Konkurs. Aber es wäre das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass das Unternehmen rote Zahlen schreiben müsste und Marc Lüthi sagt: «Wir wären von allen finanziellen Mitteln entblösst.» Der SCB wäre ungefähr wieder dort angelangt, wo er nach Unterzeichnung des rettenden Nachlassvertrages am 1. Jul 1999 schon einmal war: auf dem wirtschaftlichen Nullpunkt.

Nun halten sich die Verluste aus dem Spielbetrieb nach dem Verpassen der Playoffs mit den drei Heimspielen in der Platzierungsrunde im sechsstelligen Rahmen. Ohne Playoffs gibt es für die Spieler keine Prämien und durch den Wegfall der Zuschauereinnahmen wird sowieso eine einmalige Entschädigung in der Höhe von 200'000 Franken aus einer entsprechenden Versicherung fällig. Für ein einigermassen versöhnliches Ende der Saison muss der SCB allerdings noch die Playouts vermeiden.

Sonderfall in der Hockeylandschaft

Der SCB ist das extremste Beispiel, welche Folgen Eishockey ohne Zuschauer haben kann. Weil die grösste Arena Europas im Schuss gehalten werden muss, mit jedem Spiel hohe Kosten anfallen und praktisch keine Einnahmen erzielt werden können. Einnahmen gehen verloren, die bei den höchsten Zuschauerzahlen ausserhalb der NHL (diese Saison im Schnitt 15'588 pro Partie) fast doppelt so hoch sind wie bei allen anderen Klubs.

Aus dem TV-Geschäft kassiert jeder Klub der National League pro Saison 1,655 Millionen Franken. In der Swiss League gibt es für jeden immerhin noch 230'000 Franken. Bei der Güterabwägung ob die Meisterschaft ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden soll oder nicht, spielen diese TV-Einnahmen eine wichtige Rolle. Auf wie viel TV-Geld die Klubs verzichten müssten, wenn die Meisterschaft jetzt abgebrochen würde, wäre eine Frage von Verhandlungen mit dem Rechte-Inhaber UPC. So oder so verliert der SCB durch den Wegfall der Zuschauer von allen Klubs am meisten Geld.

SC Bern Spieler und HC Fribourg Gotteron Spieler kaempfen um den Puck, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den HC Fribourg Gotteron, in der Postfinance Aren ...
Der Blick von der verwaisten Stehrampe bei einem Geisterspiel in Bern.Bild: KEYSTONE

Aber der SCB ist auch in einer anderen Beziehung ein Sonderfall. Wenn das Veranstaltungsverbot nicht bald gelockert wird, verlieren die Berner ausserhalb des Eishockey-Geschäftes eine Million Franken. Unabhängig davon, ob die Meisterschaft fortgesetzt wird oder nicht. Der SCB ist nämlich Generalmieter der grössten Arena Europas und erzielt beträchtliche Einnahmen aus anderer Nutzung der vielen Räumlichkeiten. Beispielsweise durch Vermietung für Banketts, Sitzungen, Ausstellungen und Geschäftsanlässe. Lüthi sagt, diese Reservationen würden mehr und mehr storniert und bald werde der Einnahmeausfall eine Million erreichen.

Die Angst vor dem Einschlag eines Meteoriten

Der SCB erzielt heute gut die Hälfte des Konzernumsatzes von insgesamt etwas mehr als 55 Millionen Franken praktisch unabhängig vom sportlichen Erfolg durch die Vermietung der vielen Räume im riesigen Hockey-Tempel und durch Gastronomie ausserhalb des Stadions in mehr als einem Dutzend Restaurants im Grossraum Bern. Marc Lüthi, beim SCB Manager, Verwaltungsrat und Mitbesitzer, ist auch so etwas wie ein «Rudi Bindella des Eishockeys».

Was lernen wir daraus? Die schiere Grösse ist das wirtschaftliche Erfolgsgeheimnis des 55-Millionen-Hockeykonzerns SCB und Lüthis unfassbar langer Amtszeit (22 Jahre). Die schiere Grösse war auch das Erfolgsgeheimnis der unfassbar langen Herrschaftszeit der Saurier (170 Millionen Jahre). Aber dann schlug ein Meteorit ein und beendete das Zeitalter der Saurier. Nur die kleinen, flinken Säuger überlebten.

Der SCB ist der Saurier – einige sagen: der T-Rex – unseres Hockeys. Und Marc Lüthi sagt mit Sinn für boulevardeske Vergleiche: «Aber wir tun alles, um nicht das Schicksal der Saurier zu erleiden …»

Das neue Logo des SCB – mit T-Rex statt Bär.
Das neue Logo des SCB – mit T-Rex statt Bär.bild: keystone/watson
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