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Chris DiDomenico – Langnaus Sportchef zwischen Nostalgie und Wirklichkeit

Chris DiDomenico
Chris DiDomenicos Vertrag mit Gottéron läuft Ende Saison aus.Bild: imago images
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Chris DiDomenico – Langnaus Sportchef zwischen Nostalgie und Wirklichkeit

Chris DiDomenico nächste Saison in Langnau? Die Erfüllung dieses Traumes ist teurer, als Langnaus Sportchef Marc Eichmann ahnt. Der impulsive Kanadier wird nächste Saison mit ziemlicher Sicherheit nicht für die SCL Tigers stürmen.
18.11.2021, 04:0818.11.2021, 14:20
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Ja, die Langnauer könnten einen charismatischen, impulsiven, emotionalen Antreiber wie Chris DiDomenico gut brauchen. Der Kanadier war die Schlüsselfigur bei der Rückkehr in die höchste Liga (Frühjahr 2015) und beim 6. Platz plus einem Viertelfinal über sieben Spiele gegen Lausanne (2019), dem bisher grössten Erfolg der Emmentaler seit Einführung der Playoffs. Ein vom damaligen Sportchef Marco Bayer angezettelter Krach führte Ende der Saison 2019/20 zur völlig unnötigen Trennung und zum Transfer zu Gottéron. Dort ist er auch in seiner zweiten Saison einer der besten Ausländer der Liga mit mehr als einem Punkt pro Partie. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus.

Kein Wunder, möchte Trainer Jason O’Leary den Kanadier wieder in Langnau sehen. Und tatsächlich lässt Sportchef Marc Eichmann in der dem Klub nahestehenden „Berner Zeitung“ durchblicken, einer wie Chris DiDomenico könnte seiner Mannschaft helfen.

Tigers Sportchef Marc Eichmann vor dem Meisterschaftsspiel zwischen den SCL Tigers und dem HC Ambri-Piotta am Dienstag 14. September 2021, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)
Tigers Sportchef Marc Eichmann.Bild: keystone

Nostalgische Träume. Chris DiDomenico kassiert bei Gottéron ziemlich genau 320'000 Franken netto pro Saison. Und gerne möchte er, wenn denn möglich, einen neuen Vertrag mit einer Gehaltserhöhung. Die wird er bei Gottéron nicht bekommen. Sein Sportchef und Trainer Christian Dubé antwortet auf die Frage, ob er mit dem Kanadier verlängern wolle: «Das ist eine Frage des Preises. Die Saläre sinken …»

Nächste Saison werden die Klubs voraussichtlich sechs ausländische Spieler löhnen müssen (wenn es einen Aufsteiger gibt, sonst sind es fünf). Das bedeutet: eine weitere unnötige Verteuerung der Mannschaft. Also wird versucht, wenigstens die Saläre der aktuellen ausländischen Spieler – die höchsten weltweit neben der NHL und KHL – ein wenig zu drücken. Eine Vertragsverlängerung wäre bei Gottéron für Chris DiDomenico mit einer kräftigen Lohnreduktion zwischen 50'000 und 70'000 Franken netto verbunden. Der schlaue Christian Dubé ist einer der wenigen Sportchefs, der tatsächlich die Nerven hat, Löhne zu drücken.

Eine solche Reduktion würde Langnau eigentlich ins Geschäft bringen. Mehr als 250'000 Franken netto bezahlt Langnau keinem ausländischen Arbeitnehmer. Zwar pflegt Chris DiDomenico nach wie vor gute Beziehungen zu einflussreichen Männern mit abgeschlossener Vermögensbildung und einem grossen Herz für Langnau. Aber selbst von dieser Seite würde die Rückkehr nicht mit einem Zuschuss ermöglicht: Die in den letzten Jahren aufgebaute, weitgehend leistungsgerechte Salär-Hierarchie wird vom smarten Marc Eichmann auch für Chris DiDomenico nicht aus der Balance gebracht.

So oder so ist noch eine Frage zu klären: Inzwischen verlieren die Langnauer mehr Spiele als sie gewinnen. Wie würde der bisweilen ungestüme Kanadier mit dem ultimativen Siegeswillen mit ständig wiederkehrenden Niederlagen umgehen? Frustration erhöht bekanntlich die Tendenz zum Ausrasten. Im Laufe der erfolgreichen Saison 2018/19 produzierte «DiDo» zwar in 55 Partien grandiose 51 Punkte. Aber er verbrachte auch sage und schreibe 186 Minuten auf dem Sündenbänklein. Letzte Saison waren es bei Gottéron in einer krisenfreien Qualifikation nur noch 68 Minuten.

Gotterons Chris Didomenico bejubelt das 0-5 im Eishockeyspiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Dienstag, 16. Februar 2021, in der St. Galler Kan ...
Lässt sich auch mal zu einem Ausraster verleiten: Chris Didomenico.Bild: keystone

Marc Eichmann sagt denn auch: «Bevor ich zu dieser Sache überhaupt konkret etwas sagen kann, muss ich schon noch intern noch einige Abklärungen machen.» So oder so habe bei ihm vorerst die Lösung der Torhüterfrage Priorität. Die Chancen, dass er mit Lausannes Luca Boltshauser eine gute Nummer 2 bekommt, stehen gut. Aber in Sachen Robert Mayer harzt es. Seit in Genf der Baum brennt, ist nun auf einmal auch Servette interessiert – und dort ist eigentlich Robert Mayers Heimat. Marc Eichmann: «Es ist möglich, dass wir nächste Saison einen ausländischen Goalie haben werden.»

Aber kehren wir zum Thema zurück: Nicht nur Gottéron und die SCL Tigers sind im Rennen um Chris DiDomenico. Sein kluger Agent Derek McCann bleibt cool. Das Salär seines Klienten kommentiert er nicht und geht auch nicht auf die Frage ein, ob denn eine Verlängerung zu erheblich tieferem Salär bei Gottéron denkbar wäre. Er sieht die ganze Angelegenheit mit maximaler Gelassenheit. «Der Markt für ausländische Spieler für nächste Saison ist in der Schweiz ja noch gar nicht richtig offen. Es ist viel zu früh eine Entscheidung. Ich kann aber bestätigen, dass sich bereits mehrere Klubs bei uns erkundigt haben.»

Schon sein Vater Dany McCann hat viele Jahre lang erfolgreich als Spieleragent in Europa gearbeitet und berät seinen Sohn immer noch. McCann senior und junior wissen viel zu gut: Sportchefs reden gerne vom sparen – und am Ende zahlen einige halt doch, was gefordert wird. In diesem Falle wohl nicht Gottéron und Langnau. Aber es gibt unter den restlichen Sportchefs sicherlich einen, der den Tresor doch öffnet. Geduld lohnt sich. Haben nicht reiche Klubs in dieser Saison miserables ausländischem Personal? Eben.

Es wird zwar im nächsten Frühjahr und Sommer viele Kanadier, Amerikaner, Finnen, Schweden, Russen, Tschechen, Slowaken oder Letten auf dem Markt geben. Aber nur ganz wenige, die gut genug sind, um in unserer Liga zu dominieren wie Chris DiDomenico.

Und damit zeichnet sich ab: Eine Rückkehr von Chris DiDomenico kann Langnau nicht finanzieren. Langnaus Sportchef steht in dieser Sache im Niemandsland zwischen Nostalgie und Wirklichkeit. So gut es dem Kanadier im Emmental gefallen hat und so gut er sich nach wie vor mit Freunden im «Valley hinten» versteht: Er wird im Februar 33. In der NHL hat er im Laufe seiner Karriere insgesamt brutto bloss drei Millionen verdient. Er steht vor der wahrscheinlich letzten Vertragsverlängerung – und damit der letzten Gelegenheit, die «Pensionskasse» zu äufnen.

Chris DiDomenico wird nächste Saison dort spielen, wo er am meisten verdienen kann. Und das wird mit ziemlicher Sicherheit nicht in Langnau sein.

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14 Kommentare
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Ironiker
18.11.2021 06:59registriert Juli 2018
Mitten in einer wichtigen Phase der Saison nach Amerika abhauen und danach wieder anklopfen nachdem man dort gescheitert ist. Schon da hätte ich als Sportchef den Riegel geschoben.

Aber Langnau hat ihn zurück genommen. Und als Dank hat er dann in Fribourg unterschrieben, weil er für ein bisschen Kritik zu dünnhäutig ist.

Und jetzt bemüht man sich ernsthaft ihn wieder nach Langnau zurück zu holen?

Denn Emmentalern kann man scheinbar nach belieben auf der Nase rumtanzen.
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