Sport
Eismeister Zaugg

Arno Del Curto, Josh Holden und der Hockey-Urknall

Arno Del Curto Österreich Oesterreich
Eine ganze Spielergeneration inspiriert: Arno del Curto. Bild: IMAGO / Eibner Europa
Eismeister Zaugg

Arno Del Curto, Josh Holden und der «Hockey-Urknall»

Beinahe ist im Lärm um Nationaltrainer Patrick Fischer vergessen gegangen, dass ja auch noch Hockey gespielt wird. Und wie! Im Playoff-Final wird der nationale Titel ausgespielt und es ist die perfekte Paarung. Der Rekordmeister (Davos, 31 Titel) gegen die Untitelbaren (Gottéron, nie Meister).
18.04.2026, 12:5118.04.2026, 12:51

Andere Zeiten, andere Hauptdarsteller, anderes Hockey. Vergleiche zu früher sind fast nicht möglich, ja ein wenig unseriös. Aber es gibt eine Ausnahme. Kein anderer Klub hat seinen Stil im Laufe dieses Jahrhunderts praktisch nicht verändert. Der HC Davos. Nach der letzten Meisterfeier (2015) schien es zwar nach dem Rücktritt von Arno Del Curto einen Moment, als sei auch «sein» HCD-Hockey auf dem Müllhaufen der taktischen Hockeygeschichte gelandet. Für immer dahin. Nicht nur HCD-Romantiker trauerten den wilden, von «Arno-Hockey» geprägten und mit sechs Titeln gekrönten Jahren nach (2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) nach. Inzwischen ist klar: Es wird wieder «Arno-Hockey» gespielt. Oder?

Arno Del Curto (69) hat zwischen 1996 und 1998 nicht nur den HCD, er hat unser Hockey geprägt und eine ganze Spielergeneration inspiriert. Und nun stehen die Davoser zum ersten Mal in diesem Jahrhundert (seit 1986) ohne ihn im Final.

Portrait des HC Davos Trainers, Arno del Curto, aufgenommen am 9. Maerz 1997. (KEYSTONE/Arno Balzarini)
Arno Del Curto im Jahr 1997.Bild: KEYSTONE

Höchste Eisenbahn, beim flamboyanten Ex-Trainer nachzufragen, was er zur Gegenwart zu sagen hat. Er lebt heute im bernischen Oberaargau, einem beschaulichen, hügligen Land hinter Langenthal. Er hat sich seit der letzten Meisterfeier im Frühjahr 2015 kaum verändert. Die gleiche Energie, das gleiche Temperament, aber ein wenig mehr Selbstironie. Golf (aktiv und passiv) und Fussball (passiv) fesseln nun seine Leidenschaft.

Eishockey verfolge er nur in den Medien und er sei bloss einige Male im Schoren, dem Kultstadion des SC Langenthal (MyHockey League) gewesen. Er werde auch während des Finals nicht vor Ort sein. Auch nicht inkognito, vielleicht getarnt mit angeklebtem Schnauz, Perücke oder gefärbtem Haar? «Nein!»

Gleiche Energie, gleiches Temperament, gleiches Feuer

Ja, über den Final und über den HCD will er erst nicht reden. Auch aus Respekt gegenüber den Spielern, den Leistungen von heute. Das Rampenlicht soll uneingeschränkt den Hauptdarstellern der Gegenwart gehören. Er ist kein Nostalgiker, für den früher alles besser war. Aber immer noch ein Romantiker, für den Hockey in erster Linie Spiel und Leidenschaft geblieben ist.

Nach und nach taut er auf und bald redet er sich eben doch ins Feuer. Und es wäre ja schade, wenn er jetzt nicht reden würde. Was Arno Del Curto zu sagen hat, ist immer noch im Quadrat interessanter als das, was all die farblosen Schwätzer schnattern, die ihre Meinung hinter einer Unzahl von unnützen Statistiken verbergen.

Die Persönlichkeit von Josh Holden fasziniert Arno Del Curto. Logisch. Die gleiche Energie, das gleiche Temperament, das gleiche Feuer. Einfach 21 Jahre jünger. So richtig ist er am 31. Dezember 2023 auf den heutigen HCD-Trainer aufmerksam geworden. Während des Spengler-Cup-Finals sorgt Josh Holden für Aufsehen, als er Tomas Jurco auf der Spielerbank anschreit, am Trikot packt und schüttelt. Vor laufenden TV-Kameras.

«Wir waren defensiv in einer Art und Weise sorglos, die heute nicht mehr möglich ist.»
Arno Del Curto

Die Aktion löst Kritik und Kontroversen aus, wird von Puritanern verurteilt und von einigen Kennern gefeiert. Arno Del Curto sagt, in diesem Moment sei etwas passiert, das die Entwicklung ausgelöst habe, die den HCD nun bis in den Final getragen hat. In diesem Augenblick, mit diesem Zeichen, habe Josh Holden seine Spieler noch mehr um sich geschart. «Ich glaube, ich hätte in dieser Situation ähnlich reagiert. Wahrscheinlich nicht vor laufenden TV-Kameras. Aber in der Kabine schon …» Die Wirkung dieses leidenschaftlichen Einforderns von Leistung sei bis heute spürbar. Es könnte der «Hockey-Urknall» für die nächste HCD-Meisterfeier gewesen sein.

Also können wir sagen, dass der HCD heute noch «Arno-Hockey» zelebriert. Wie damals, in den Meisterjahren geprägt von Offensive, Dynamik, Energie, Kraft und Schnelligkeit. Aber er schränkt ein: «Wir haben damals sorgloser und konsequenter offensiv gespielt. Natürlich haben wir auch auf die Defensive geachtet. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, Meister zu werden. Aber wir waren defensiv in einer Art und Weise sorglos, die heute nicht mehr möglich ist.» Also spielt der HCD heute «Seriöses Arno-Hockey». Diese Wortschöpfung gefällt ihm: «Seriöses Arno-Hockey. Ja, das gefällt mir, das kannst du so schreiben …»

P.S. Keine Story zum Final kann ohne Prognose sein. Also: Der HCD wird Meister und der Einzige, der das verhindern könnte, ist Gottérons Torhüter Reto Berra.

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
3
Drei WM-Finals, viele bittere Niederlagen und ein unwürdiges Ende – Fischers Nati-Karriere
Die Zeit von Patrick Fischer als Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft geht nach über zehn Jahren früher als gedacht zu Ende. Wir blicken zurück auf die Laufbahn des erfolgreichsten Schweizer Nati-Trainers.
Am 3. Dezember 2015 wurde es offiziell: Patrick Fischer wird der neue Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Allerdings war der Zuger damals nicht die erste Wahl. Zuerst wurde der Job Kevin Schläpfer angeboten, aber der damalige Trainer des EHC Biel musste ablehnen, weil der Bieler Verwaltungsrat einstimmig dagegen war. So durfte Fischer ran und bestritt 2016 seine erste Weltmeisterschaft als Cheftrainer.
Zur Story