Rekordmeister Davos oder das titellose Fribourg – so spannend wird der Playoff-Final
Weil Hockey-Guru Adrian Bürgler gerade seine hochverdienten Ferien geniesst, übernehme ich ausnahmsweise die Analyse zum Final zwischen Davos und Fribourg.
Nachdem es in den letzten zwei Jahren jeweils zur Affiche zwischen den ZSC Lions und Lausanne gekommen ist, kommt es in der National League erstmals zum Endspiel zwischen Rekordmeister Davos und den titellosen Saanestädtern. Das erste Spiel findet am heutigen Samstagabend um 20 Uhr statt und kann bei watson live mitverfolgt werden.
Direktduelle
- Davos – Fribourg 4:2
- Fribourg – Davos 5:3
- Fribourg – Davos 4:0
- Davos – Fribourg 3:1 (Spengler Cup)
- Davos – Fribourg 5:2
Angriff
Während die Bündner in der Regular Season im Schnitt fast ein halbes Tor mehr pro Partie erzielten, liegt Fribourg in den Playoffs ganz leicht voraus. Allerdings fielen beispielsweise im Halbfinal zwischen Davos und dem ZSC weniger Tore pro Partie als zwischen Fribourg und Servette. Insgesamt kann die Offensive des HCD besser eingeschätzt werden.
Bei beiden Teams fehlen verletzungsbedingt wichtige Schweizer Akteure. Während bei Fribourg Olympiateilnehmer Sandro Schmid fehlt, ist die Saison für HCD-Center Valentin Nussbaumer bereits vorzeitig zu Ende. Ob Enzo Corvi (bisher ohne Einsatz in diesen Playoffs) in den Finalspielen auf dem Eis stehen wird, ist unklar.
Verteidigung
Verletzungssorgen gibt es bei beiden Teams auch in der Defensive. Michael Fora verletzte sich im vierten Halbfinalspiel und kam seither nicht mehr zum Einsatz. Bei Fribourg fehlt aktuell Andrea Glauser, der sich im Viertelfinal gegen Rapperswil-Jona verletzte.
Statistisch gesehen kassiert der HCD zwar weniger Tore pro Partie, lässt dafür deutlich mehr Chancen und Schüsse zu als der kommende Finalgegner. Auch im Slot kommen die Gegner bei den Davosern öfter zum Abschluss, als wenn die Fribourger verteidigen. Somit verdienen sich die Westschweizer den ersten Punkt.
Goalies
Im Final wird es zum Torhüterduell zwischen Sandro Aeschlimann und Reto Berra kommen. Während HCD-Schlussmann Aeschlimann in den Playoffs zunächst nicht in Topform war, glänzte der 31-Jährige im Halbfinal gegen die Lions. In den letzten drei Partien kassierte Aeschlimann nur drei Treffer und begeisterte im dritten Halbfinalspiel mit einem Shutout.
Reto Berra glänzte bisher nicht auf gleichem Level wie sein Gegenüber, aber abgesehen vom deutlichen 3:7 gegen Servette im zweiten Halbfinalspiel ist auch der künftige Schlussmann der Klotener in starker Verfassung. Was für Berra spricht, ist die grössere Erfahrung.
Insgesamt hat Aeschlimann in den Playoffs eine bessere Fangquote und pro 60 Minuten auch weniger Treffer als Berra kassiert. Der Punkt geht, wenn auch nur knapp, an die Bündner.
Powerplay
Während Fribourg in der Regular Season mit einer Erfolgsquote von 23,7 Prozent noch das drittbeste Powerplay der Liga stellte, funktionierte dieses bisher in den Playoffs noch gar nicht. In bisher 48 Überzahlsituationen konnte der HCFG erst zwei Treffer erzielen, ein Tor weniger, als er mit einem Mann mehr auf dem Eis kassierte.
Auch das Powerplay des HCD ist nicht mehr ganz so stark wie in der Regular Season, aber trotzdem können die Bündner noch immer in fast jedem vierten Powerplay jubeln. Dieser Punkt geht klar und deutlich ins Landwassertal.
Boxplay
Einiges besser läuft es bei Fribourg in Unterzahl. In der Regular Season stellten sie das beste Boxplay der ganzen Liga und auch in den Playoffs ist die Unterzahl-Quote mit 86,96 Prozent stark. Bemerkenswert: Fribourg erzielte mehr Treffer in Unter- als in Überzahl.
Nur durchschnittlich ist das Boxplay der Davoser. Sowohl in der Quali als auch in der Postseason gehört der Qualisieger nicht zu den besten Unterzahlteams. Allerdings konnte sich das Boxplay im Halbfinal gegen die Lions steigern. Nur zwei Tore kassierten die Davoser in 18 Unterzahlsituationen. Trotzdem geht dieser Zähler an Fribourg.
Trainer
Obwohl Josh Holden erst seit 2023 als Cheftrainer arbeitet, blickt er auf starke drei Jahre zurück. Zweimal gewann er mit den Bündnern den Spengler Cup und schaffte jedes Mal die direkte Playoff-Qualifikation. Und trotzdem ist er im Vergleich zu seinem Kontrahenten Roger Rönnberg unterlegen. Viermal gewann der Schwede mit Frölunda die Champions Hockey League und wurde auch noch zweimal schwedischer Meister. Die Erfahrung und die Titel sprechen für Rönnberg.
Heimvorteil
Blickt man auf die Direktduelle und die Ergebnisse in den Playoffs, muss der HCD noch einen Punkt für den Heimvorteil erhalten. Zum einen setzte sich in dieser Saison bei den direkten Aufeinandertreffen immer das Team durch, welches im eigenen Stadion spielte und der Qualisieger verlor in diesen Playoffs noch keine einzige Partie zu Hause. In der gesamten Saison verlor Davos nur dreimal im eigenen Stadion.
Nicht ganz so stark präsentiert sich Fribourg zu Hause. Im Viertelfinal kassierten die Saanestädter gleich zweimal gegen Rapperswil ein Break. Im Halbfinal konnte aber jedes Heimspiel gewonnen werden.
Form und die weichen Faktoren
Zweimal setzte sich Davos in diesen Playoffs mit 4:1-Siegen durch und schickte auch den amtierenden Meister ZSC in die Ferien.
Nicht so einfach erging es Gottéron. Zwar verlor Fribourg im Halbfinal ebenfalls nur eine Partie, stand dafür eine Runde zuvor kurz vor dem Aus und musste gegen Aussenseiter Rapperswil in eine «Belle» gehen. Im entscheidenden siebten Spiel setzte sich Gottéron erst in der Verlängerung durch und liess die eigenen Anhänger lange zittern.
Für die Saanestädter spricht allerdings, dass es die letzte Saison von Urgestein und Vereinslegende Julien Sprunger sein wird. Auch die Sehnsucht nach dem ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte ist in Fribourg riesig.
Bereits viermal stand Gottéron in einem Playoff-Final, konnte diesen aber noch nie gewinnen. Anders sieht es bei Rekordmeister Davos aus, aber auch der 31-fache Meister wartet seit elf Jahren auf die nächste Meisterschaft. Es gibt einen Punkt für beide Teams.
Fazit
Geht es nach dieser Analyse, wird der HCD den Playoff-Final für sich entscheiden. Doch es ist eine knappe Angelegenheit, was sich auch in vielen Angelegenheiten widerspiegelt. Für Fribourg ist wichtig, dass es sein Powerplay wieder zum Laufen bringt und einen Weg findet, mindestens einmal in Davos zu gewinnen. Ansonsten wandert der Meisterpokal zum 32. Mal nach Davos.
