Ian Mitchell wechselt nach Bern – das gibt Zusatzarbeit für den SCB-Untersportchef
Die Gewährsleute von der US-Ostküste – wo die meisten Agenten ihre Büros haben – melden: Ian Mitchell wechselt nächste Saison in die Schweiz zum SC Bern. Da es sich um verlässliche Quellen handelt, riskiert der Chronist die Publikation des interessanten Transfer-Gerüchtes.
Untersuchen wir erst einmal, was Ian Mitchell kann und ob er für unsere Lauf- und Tempoliga geeignet ist. Die in der Sache angeforderten Rapporte der NHL-Scouts sind vielversprechend:
When Mitchell does pick his spots to jump into the rush, he is a threat because of his mobility. He can generate great top end speed because of is long stride. He can get up and down the ice with very few strides. He also can reach top speed quickly, and is effective in defensive zone coverage because he can stop and start efficiently.
Mitchell also has he ability to reduce the time and space of incoming opposition forwards.
Being a slightly undersized defenseman, Mitchell does not lend to play a physical game. He can establish the body in defensive corners and is willing to pin his man, but he doesen't go out of his way to deliver a check. Altough not physical, Mitchel is dedicated to his defensive game and has shown consistent work ethic.
Ein Spieler, der mitdenkt
Als hätte sein Europa-Agent Sven Helfenstein die Rapporte verfasst. Bessere Referenzen sind fast nicht denkbar: Beweglich, defensiv schlau, offensiv kreativ, seriöses Defensivspiel, tiefe Fehlerquote und durch und durch ein Musterprofi.
Bereits in seiner Zeit im College-Hockey wurde Mitchell dafür gerühmt, wie strukturiert und analytisch er an Spiele herangehe. Mitspieler beschrieben ihn damals als jemanden, der sich nach Partien noch lange mit Trainern über einzelne Sequenzen austauscht. Diese akribische Art brachte ihm den Ruf eines «Coaches auf dem Eis» ein. Gleichzeitig ist er abseits des Eises eher ruhig und reflektiert – kein Lautsprecher in der Kabine, sondern einer, der durch Vorbereitung und Professionalität führt.
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Zu gut für die Farmteams, aber zu wenig gut für die NHL
Nun mag man einwenden, seine NHL-Erfahrung halte sich im Rahmen (110 Spiele/19 Punkte) und seine Produktion im Farmteam (213 Spiele/119 Punkte) sei überschaubar. Diese Saison ist er noch nicht aus Detroits Farmteam herausgekommen (40 Spiele/17 Punkte).
Aber auf den kleineren Eisfeldern kann er seine läuferische und technische Herrlichkeit gar nicht richtig entfalten – und für die raue NHL ist er zu wenig robust (183 cm/87 kg). Mitchell ist zu gut für die Farmteams und zu wenig gut für die NHL. Also ist es für ihn im Alter von 27 Jahren Zeit, sein Talent endlich zu kapitalisieren und nach Europa zu wechseln. Er verdient diese Saison mit 775'000 Dollar brutto weniger als in der National League bei einem Grossklub wie dem SCB mit einem Nettovertrag.
Es muss Platz geschaffen werden
Alles klar, alles gut? Noch nicht ganz. Der SCB hat für nächste Saison mit dem ständig verletzten offensiven Nonvaleur Anton Lindholm (31) und dem hüftsteifen, defensiv miserablen Riesen Hardy Häman Aktell (27) bereits zwei ungenügende ausländische Verteidiger unter Vertrag. Beide zweifelsfrei weniger gut als Ian Mitchell.
Was also ist nun die Aufgabe von Untersportchef Martin Plüss (neuer Obersportchef ist Pascal Signer)? Richtig: Er versucht, einen seiner beiden schwedischen Verteidiger loszuwerden. Das erfordert wieder einmal Mehrarbeit und müsste ihm mit seinen exzellenten Beziehungen nach Schweden eigentlich gelingen. In der heimischen National League wird hingegen kein Sportchef, der bei Sinnen ist, Lindholm oder Häman Aktell übernehmen.
PS: Plüss sagt zur Causa Mitchell: «Wie üblich geben wir keinen Kommentar zu Gerüchten ab.» Weil Plüss ein Ehrenmann ist. Sagt er auf die Frage, ob er den Kanadier unter Vertrag genommen hat «Nein», müsste er wahrscheinlich lügen und «Ja» darf er nicht sagen, weil Mitchell sonst in Nordamerika bei seinem Klub in die Bredouille gerät.
