EVZ-Sportchef Kläy über die Entlassung von Trainer Liniger: «Er war eine Art Bauernopfer»
Am 21. Januar zieht der EV Zug die Notbremse. Trainer Michael Liniger wird entlassen und durch den Kanadier Benoît Groulx ersetzt. Eine Entscheidung, die EVZ-Sportchef Reto Kläy nicht leichtfiel. «Es tat mir sehr leid, dass ich diesen Schritt machen musste», erklärt der 47-Jährige in der neuesten Folge des «Roost Röthlisberger – Hockey Talk».
Gewisse Dinge im Verlauf einer Hockey–Saison seien einfach nicht planbar, sagt Kläy. Und meint: «Bei uns war einfach seit Anfang Saison der Wurm drin.» Damit hat er nicht Unrecht. Zug hatte seit Saisonstart mit diversen Verletzungen zu kämpfen. Diverse Spieler konnten ihr Potenzial nie abrufen. Liniger sei so in eine Extremsituation geraten, mit der auch der erfahrenste Trainer Mühe gehabt hätte, schildert der Zuger Sportchef. Am Ende hatte er in gewissen Situationen vielleicht nicht mehr die Souveränität und Ausstrahlung, die die Mannschaft gebraucht hätte, sagt Kläy.
Trotzdem bleibt der EVZ-Funktionär davon überzeugt, dass es richtig gewesen sei, dem heute 46-Jährigen seinen ersten Job als National-League-Cheftrainer anzubieten. «Ich attestiere ihm immer noch, dass er ein sehr guter Coach ist. Er ist besonnen und immer gut vorbereitet», sagt Kläy. Aber wenn gewisse Massnahmen zur Verbesserung der Mannschaft nicht greifen, dann müsse man als Sportchef irgendwann den nächsten Hebel ansetzen, und das sei dann leider Gottes der Trainer. «Liniger war am Ende eine Art Bauernopfer unserer Situation», erklärt Kläy.
Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
Der Zuger Sportchef hofft, dass Liniger mit etwas Abstand auch seine Erfahrungen und Lehren aus der Situation ziehen kann. Auch sich selbst nimmt der 47-Jährige in die Kritik, er ist schliesslich der Baumeister der Mannschaft: «Ich trage die Verantwortung und in diesem Fall wohl auch die Schuld.» Natürlich gebe es im Rückblick immer Dinge, die man anders machen würde. Wichtig sei es aber am Ende vor allem, herauszufinden, warum gewisse Dinge nicht funktioniert haben. «Ich selbst habe viel gelernt in dieser Saison», sagt Kläy.
Es sei für ihn eine neue Situation, einen sogenannten Rebuild – den Neuaufbau einer Mannschaft mit einem veralteten Kern – einzuleiten. In seinen fast 20 Jahren als Manager in Langenthal und Zug sei er sonst stets damit beschäftigt gewesen, kompetitive Mannschaften aufzubauen. Es würden sich Fragen stellen, ob man mit gewissen Spielern nochmals verlängern oder doch auf eine jüngere Alternative setzen soll. «Und dann landest du bei gewissen Spielern vielleicht genau bei der berüchtigten Saison zu viel», erklärt Kläy.
Die Transfer-Realität in der National League helfe dabei auch nicht. «Wir müssen im Juli vor einer Saison bereits die Mannschaft für die Saison darauf planen», sagt der EVZ-Sportchef. In diesem Moment habe er seine aktuelle Mannschaft gar noch nie spielen sehen. «Aber wenn ich bis im November warte, ist der Schweizer Markt leer», klagt Kläy.
Nun hofft der Zuger aber auf einen positiven Abschluss der Saison. Fünf Spiele in der Regular Season stehen noch an, danach warten für den EVZ realistischerweise die Play-Ins. Aber Kläy bleibt optimistisch: «Im Hockey kann sich innerhalb eines Monats viel verändern. Wenn du die Play-Ins überstehst, kannst du das Feld von hinten aufrollen.»
