Davos – der beste Finalverlierer der Geschichte und eine offene Frage
Es ist berechtigt, Davos stand dem 32. Titel nahe, sehr nahe. Bei einem Lattentreffer von Tino Kessler kurz vor Ende der regulären Spielzeit (57:39 Min) fehlten nur ein paar Millimeter.
Wie kein anderer Finalist der Playofff-Geschichte (seit 1986) kommt der HC Davos «vom Pausenplatz». Ein Finalist des Spektakels, der Lust am Spiel, der Unberechenbarkeit, phasenweise noch eine Spur wilder und unberechenbarer als der neue Meister Gottéron.
Im Rückblick erkennen wir keinen Fehler, den Trainer Josh Holden gemacht hat. Er ist der Trainer, der wie kein anderer der Liga mit Temperament, natürlicher Autorität und Charisma das «totale» Hockey forciert. Der Trainer für das Hockey der Zukunft mit Vertrag bis 2028. Die Hockeygötter haben ganz einfach gewürfelt und die Würfel sind gegen den HCD, gegen Josh Holden gefallen. Die Finalniederlage schwächt seine Position nicht. Diese Erfahrung macht ihn noch besser.
Der erste Qualifikationssieg seit 2011, der erste Final seit 2015 und die Rückkehr in die nationale Spitze sind der Lohn für geduldige, jahrelange Aufbauarbeit. Es zahlt sich aus, dass mit Marc Gianola einer als Manager die Verantwortung trägt, der die HCD-Kultur seit mehr als 20 Jahren lebt und verinnerlicht hat: als Spieler, als Captain und seit 2017 im Chefbüro.
Die Davoser kennen ihre reiche Geschichte, sie hegen und pflegen sie mit beinahe andächtiger Sorgfalt. Es gibt über keinen Klub mehr historische Abhandlungen. Es gibt nicht viele Hockeyunternehmen im Land, die ihre Geschichte so gut kennen und bei denen alle wissen, woher sie kommen, warum sie so sind, wie sie sind und wohin sie wollen.
Nun steht der HCD sieben Jahre nach den Playouts gegen die Lakers wieder auf Finalhöhe. Wegen ihrer Treue zu sich selbst. Weil sie ihrer Philosophie des «totalen Hockeys», des Tempos, des Spektakels – oder kurzum: des «Pausenplatz-Hockeys» – treu geblieben sind.
Sie haben die den Titel noch nie so knapp verfehlt. Sie sind nicht die Verlierer dieses Finals. Sie haben einfach dieses 7. Spiel nicht gewonnen. Sie sind gut genug, um nächste Saison einen neuen Anlauf zu nehmen.
Aber eine Frage bleibt unbeantwortet: Sandro Aeschlimann ist ein sehr, sehr guter Goalie. Aber ist er ein grosser Goalie? Nein, er ist es noch nicht. Er hat die Meisterprüfung nach wie vor nicht bestanden. Aber für ihn gilt: Der HCD hat auch dank ihm den Final und dort die Verlängerung im 7. Spiel erreicht. Und nicht wegen ihm den Final, das 7. Spiel verloren.
Das ist allerdings ein schwacher Trost. Sandro Aeschlimann hat einen Vertrag bis 2031. Aber die Torhüterfrage wird den HCD noch umtreiben.
Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
