Das sind die auffälligsten Spieler der Liga – Rang 10 bis 1
Wer sind die Besten? Diese Frage ist nie zu beantworten. Auch nicht durch die Statistik. Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar unumstössliche Wahrheit. Sie ist vielmehr eine Einladung zur Diskussion, zum Widerspruch. Denn genau davon lebt ja das Eishockey als wichtiger Teil unserer Unterhaltungs- und Erregungs-Industrie: von Emotionen, Meinungen, Polemik – und von Spielern, die mehr sind als blosse Namen in den Statistiken.
Diese Saison sind bisher 404 Feldspieler und 31 Torhüter eingesetzt worden. Aufmerksamkeit ist da eine knappe Ressource. Jede Partie, jede Linie, jede Rolle bringt neue Geschichten hervor – grosse und kleine, laute und leise. Aus dieser Fülle eine Top-50-Liste zu erstellen, bedeutet deshalb nicht, die objektiv «besten» Spieler zu küren, sondern ein paar hervorzuheben, die auffallen, überraschen, prägen oder alle Erwartungen übertroffen und ein Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Und Spuren und Erinnerungen hinterlassen.
10 Davide Fadani 🇮🇹🇨🇭
Torhüter (24), Kloten
Niemand war bereit, ihm in der höchsten Liga auch nur als Nummer 2 eine Chance zu geben. Seine Referenzen sind zwar beachtlich: Nationaltorhüter mit der Erfahrung aus 3 WM-Teilnahmen plus vier Junioren-Titelkämpfen, plus besten Chancen auf eine Teilnahme am olympischen Turnier im Februar. Aber eben nur mit Italien. Er kam 2015 in Luganos Nachwuchsorganisation (deshalb hat er eine Schweizer Lizenz) und bis zu seinem Wechsel im letzten Sommer nach Kloten ist er in der höchsten Liga bloss elfmal zum Einsatz gekommen. Gerühmt wurde er in Lugano und Ambri stets über alle Massen. Aber er blieb in Lugano und Ambri von regelmässigen Einsätzen in der National League mindestens so weit entfernt wie von einem NHL-Vertrag. Und nun ist er in Kloten – auch bedingt durch Ludovic Waebers Verletzungspause – die Nummer 1 mit über 92 Prozent Fangquote. Auch eine Geschichte für Romantiker.
9 Denis Malgin 🇨🇭
Stürmer (28), Zürich
Die ZSC Lions dominieren die Liga nicht. Aber Denis Malgin gehört unabhängig vom Formstand des Meisters zu den wenigen Spielern der Liga, die eine Partie entscheiden und Publikum in die Stadien locken können. Er ist einer der besten, weil er schlau, schnell und kreativ spielt und Eishockey als Kunst zelebriert. Diese Saison erscheint es manchmal, als führe er als einer der besten, elegantesten und spektakulärsten Stürmer Europas seine Kunst in einem eigenen Kosmos auf und nur Sven Andrighetto sei in der Lage, auf seine Ideen einzugehen.
8 Robin Meyer 🇨🇭
Torhüter (25), Langnau
In so grossen Schuhen muss diese Saison kein anderer stehen. Er ist in Langnau der Nachfolger von Stéphane Charlin (wieder in Genf), dem besten Torhüter der letzten Saison. Robin Meyer kam zwar mit formidablen Referenzen aus Visp nach Langnau (SL-Meister) – doch Werte aus der zweithöchsten Liga sind eigentlich Muster ohne grossen Wert. Und nun ist er auf Anhieb statistisch (und eigentlich auch sonst) besser als Stéphane Charlin und er und nicht Luca Boltshauser ist die «gefühlte» Nummer 1 in Langnau. Das alles spricht für Langnaus guten Torhütertrainer, für die solide Defensivorganisation des Teams, die jeden Goalie besser macht – aber eben auch für das von allen anderen NL-Klubs verkannte Talent des freundlichen, schlaksigen Titanen (189 cm). Er spielt mit unerschütterlicher Ruhe (seine grösste Stärke), dominant den Raum um sein Gehäuse herum, ist beweglich, flink mit den Schonern, durch Flachschüssen kaum zu bezwingen, gross genug, um auch die obere Hälfte des Tores abzusichern und lässt wenig Abpraller. Noch spricht es niemand aus, darum sei es hier gesagt: Er kann ein künftiger WM-Goalie werden.
7 Dominik Kubalik 🇨🇿
Stürmer (30), Zug
Ob in Ambri als Leuchtgestirn, um das sich die ganze Mannschaft dreht oder in Zug als «Primus inter pares» («Erster unter Gleichen»): Er ist neben Matej Stransky die perfekte Tormaschine der Liga und funktioniert überall. In Zug ist er drauf und dran, seine persönliche Bestmarke aus der letzten Saison (27 Tore in Ambri) zu übertreffen. Er kombiniert Schlauheit, Kaltblütigkeit, exzellente Stock- und Schusstechnik, Härte, Intensität und Mut im Zweikampf mit spielerischer Leichtigkeit – ein Schillerfalter mit eisernen Flügeln.
Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
6 Lukas Frick 🇨🇭
Verteidiger (31), Davos
Er musste sich in den letzten zehn Jahren als Profi bei Kloten und Lausanne erst ein einziges Mal eine Minus-Bilanz notieren lassen und die Offensive kommt beim verlässlichen Defensivspiel auch nicht zu kurz: Er ist der punktbeste Schweizer Verteidiger in dieser Saison und sowohl defensiv als auch offensiv ein wichtiges Teilchen im HCD-Erfolgsmosaik. Er kann im Laufe seines Vertrages (bis 2030) viel dazu beitragen, aus dem HCD wieder einen Final- und Meisteranwärter zu machen. Der «Königsweg» in den nächsten Final seit 2015 führt nun mal über eine noch stabilere Verteidigung. Deshalb ist Lukas Frick der Kaisertransfer von Sportdirektor Jan Alston.
5 Erik Brännström 🇸🇪
Verteidiger (26), Lausanne
Ein bissiger Schillerfalter, perfekt für unsere Lauf-, Tempo- und Unterhaltungsliga. Ein Verteidiger als offensiver «Gasgeber», der auch mal mit Spektakel-Vorstössen Löcher in der gegnerischen Abwehr öffnen kann (punktbester Verteidiger der Liga) und den defensiven Haushalt nie vernachlässigt (beste Plus/Minus-Bilanz der Liga). Dass er sich in unserem Hockey zurechtfindet, hat er bereits bei einem kurzen, heute weitgehend vergessenen Gastspiel bei den SCL Tigers während der Pandemie-Saison 2020/21 gezeigt: 10 Spiele und 8 Punkte im damals miserabelsten Team der Liga. Kritiker sagen, er könne Spiele gewinnen, aber keine Meisterschaften. Noch nie war die Gelegenheit so günstig wie mit dem zweifachen Finalverlierer Lausanne, dieses Vorurteil zu widerlegen. Es muss ja noch nicht im nächsten Frühjahr sein. Sein Vertrag läuft bis 2028.
4 Matej Stransky 🇨🇿
Stürmer (32), Davos
Wenn je die Ehrenbezeichnung Tormaschine in unserer höchsten Liga berechtigt war – dann bei ihm und Dominik Kubalik. 2021 kam er auch dank der Beziehungen des damaligen Trainers Christian Wohlwend nach Davos und ist einer der besten HCD-Ausländer des 21. Jahrhunderts geworden. Auch im fünften Jahr wird er erneut für mehr als 20 Tore sorgen und ist inzwischen auf bestem Wege zu seiner ersten 50-Punkte-Saison. Ein robuster Powerstürmer mit NHL-Postur, der Kraft, Wucht und Wasserverdrängung mit Speed, Spielintelligenz und schnellen Händen zu einer einzigartigen, explosiven offensiven Mischung kombiniert und nicht vergisst, dass es sich auch für einen Topskorer gehört, hinten auszuhelfen. Weltmeister war er 2024 mit Tschechien schon, nun ist es Zeit für den ersten Meistertitel mit dem HCD.
3 Anttoni Honka 🇫🇮
Verteidiger (25), Ajoie
Es gibt im Welteishockey einige ganz schwierige Herausforderungen. Eine davon: Als Verteidigungsminister beim ewigen NL-Schlusslicht Ajoie den defensiven Haushalt halbwegs in Ordnung zu halten und zugleich einer der dynamischsten Offensiv-Verteidiger der Liga zu sein. Der jüngere Bruder von Lakers-Verteidiger Julius Honka ist Anfang Oktober 2024 in die Ajoie gekommen und inzwischen einer der elegantesten Offensivverteidiger der Liga und darf zeitweise das Ehrenkleid des Topskorers tragen. Für die defensiven Abbrucharbeiten ist er sowieso nicht geeignet. Aber die können ja die etwas weniger begabten Schweizer Verteidiger übernehmen. Er ist ein Schillerfalter im besten Wortsinn und ihn während eines Heimspiels zu beobachten. Öffnet die Augen für die wahre Kunst des Eishockeyspiels.
2 Enzo Corvi 🇨🇭
Stürmer (33), Davos
Möglicherweise ist am 19. Februar 2025 unsere Meisterschaft und der WM-Final entschieden worden. An diesem 19. Februar musste Enzo Corvi verletzungsbedingt die Saison vorzeitig beenden. Der beste Bully-Spieler der Liga und ein Spielmacher mit einem Hauch von Genie stand HCD-Trainer Josh Holden in den Playoffs und Nationaltrainer Patrick Fischer bei der WM nicht mehr zur Verfügung. Enzo Corvi hätte bei der Verlängerungs-Niederlage gegen die Amerikaner (0:1) womöglich die Differenz gemacht. Und der HCD mit ihm im Halbfinal die ZSC Lions noch stärker fordern können. Und was passiert, wenn Enzo Corvi Abend für Abend sein bestes Hockey zelebriert? Dann führt der HCD die Tabelle an.
Aus Rücksicht auf seine Gesundheit hat er im September den Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt und wird bei Olympia und bei der Heim-WM nicht mehr dabei sein. Er hat bei vier Weltmeisterschaften (Silberheld von 2018) und zwei olympischen Turnieren in 43 Partien 33 Punkte beigesteuert – eine Statistik auf höchstem internationalen Niveau, die selbst einem NHL-Stürmer Ehre machen würde.
1 Nico Dünner🇨🇭🇩🇪
Stürmer (31), Rapperswil-Jona
Eine Geschichte, die nicht einmal Hockey-Romantiker erfinden könnten: In sieben Jahren vom tüchtigen Stürmer in der zweithöchsten Liga, den im Frühjahr 2019 in der National League einfach niemand will und sich ohne Hilfe eines Agenten auf dem Markt anbietet, bis sich die Lakers seiner erbarmen. Nun ist er Captain und zeitweise Topskorer des Überraschungsteams der Saison und gar auf dem Weg zur ersten 30-Punkte-Saison in der höchsten Liga. Da dürfen wir sagen: Vom ignorierten Talent zum Märchenprinzen. Ein verlässlicher, pflegeleichter Leitwolf, der sich auf und neben dem Eis um sein Team kümmert, in der Kabine auch noch nach sieben Niederlagen in Serie zuversichtlich bleibt, seine Mitspieler aufzumuntern versteht und als taktischer und sonstiger Musterschüler von jedem Trainer geschätzt wird.
